Paravac ® ist der registrierte Handelsname einer experimentellen Mittels, das von Befürwortern (in der Regel Ärzten und Tierärzten) zur Behandlung eines großen Spektrums an Erkrankungen, inklusive Krebserkrankungen, angewandt und im Internet beworben wird. Hersteller ist eine Immuna GmbH [1], früher Dr. Exner GmbH. Die Internetpräsentationen der Immuna GmbH sind mittlerweile gelöscht worden und nur noch per Wayback-Suchmaschinen einsehbar[2]. Paravac wird unter Umgehung einer Zulassung als Rezeptur in den Verkehr gebracht. Die im Internet propagierte Rezeptur soll mit dem experimentellen Paravac identisch sein.

Die Substanz wird mit einem erstaunlich klingenden Wirkprofil als eine Art Wundermittel ohne Nebenwirkungen beworben. Erwähnung fand Paravac auf komplementärmedizinischen Kongressen[3] und im Esoterikblatt NEXUS[4]. Die nicht zugelassene Substanz wird außerdem auf privaten Webseiten von anwendenden Ärzten mit Therapierfolgen beworben. Die Zeitschrift Nexus will sogar bei der Beschaffung hilfreich sein, wenn man sich an sie wende. Eine kritische Erwähnung findet sich dagegen im neutralen und pharmakritischen Berliner Arznei-Telegramm (at), das auf Zwischenfälle bei Patienten hinweist.

Erfinder Tierarzt Exner und Kollegen weisen auf Selbstversuche und Tierversuche zu Paravac hin. Des weiteren weisen sie auf Heilversuche bei angeblich austherapierten Patienten hin, bei denen jedoch allenfalls eine zusätzliche Behandlung mit Paravac angewandt wurde, so dass ein Wirksamkeitsnachweis zweifelhaft ist. Veröffentliche Studien zu Paravac fehlen.

Inhaltsstoffe

Eine verbindliche Angabe zu Inhaltstoffen von Paravac findet sich nicht. Nach Angaben aus dem Internet soll Paravac aktuell (Stand 2009) als Wirkstoff das umstrittene Lösungsmittel DMSO sowie EDTA und isotonische Kochsalzlösung in Form einer Emulsion beinhalten.

Befürworter und Erfinder beschreiben Paravac jedoch als ein Mittel, das ursprünglich aus einem Mittel für die Impfstoffproduktion in der Veterinärmedizin entwickelt wurde und auf dem Prinzip des Freund'schen Adjuvans basiere[5]. Beim Freund-Adjuvans (nach Jules T. Freund und Katherine McDermot) handelt es sich um ein Immunstimulanz, das die Wirkung von Impfungen verstärkt. Es ist ebenfalls eine Emulsion, die aus abgetöteten Mikroorganismen (Tuberkelbakterien, Mycobacterium tuberculosis) besteht und gegen den Protest von Tierschützern bei Tierversuchen Anwendung findet. Das komplette Freund-Adjuvans (KFA) enthält drei wesentliche Bestandteile:

  • Mineralöl (Paraffinöl), das nicht verstoffwechselt werden kann und damit eine Depotwirkung gewährleistet
  • hitzeinaktivierte Mykobakterien
  • Arlacel A als Stabilisator der Emulsion

Wegen entzündungsfördernder Eigenschaften kann es bei Anwendung des Freund-Adjuvans zu Abszessen und Granulomen kommen.

Offenbar war Paravac als eine derartige mineralölhaltige Emulsion auch tatsächlich in Gebrauch, da das arznei-Telegramm die chemische Zusammensetzung als "Silikonöl" beschreibt, das aus Sicht der Hersteller die körpereigene "Abwehr" als Immunstimulanz allgemein stärken soll, da aus Sicht der Erfinder Über 90% aller Erkrankungen beim Menschen [...] ihre Ursache in einem defekten oder geschwächten Immunsystem hätten[6]. Die Beschreibung als Immunstimulanz und Öl-Wasser Emulsion bestätigt den Bezug zum Freund-Adjuvans. Das AT weist in seinem Artikel auf erhebliche Nebenwirkungen bei verschiedenen Patienten hin. So soll es zu Fieber, Gliederschmerzen, Gewichtsverlust, Verstärkung einer Neurodermitis und weitere Symptome hin. Das at weist auch darauf hin, dass die Injektion von flüssigem Silikonöl in das Gewebe zur "Glättung" von Falten, z.B. im Gesicht, als ärztlicher Kunstfehler gilt [7], und erachtete die Substanz als bedenkliches und daher nicht verkehrsfähiges Arzneimittel. Passend zum Konzept der "Immunstimulation" deutet die PARAVAC-anbietende Dr. Exner GmbH Störwirkungen wie Entzündungsreaktion und Fieber als Beleg für die Wirksamkeit um [8].

Ein Zusammenhang zur aktuell angegeben Rezeptur ist nur darin zu sehen, dass es sich um eine Emulsion halten soll, und dem Betrachter erscheinen beide Rezepturen und auch das Wirkprofil völlig unterschiedlich.

Beworbene Inidikationen

Das aktuelle Paravac wird von Befürwortern als DSMO-haltiges Mittel zur Deaktivierung bzw "Pufferung reaktiver Sauerstoffverbindungen" beworben. Demnach sei Paravac als "einer der stärksten bekannten Radikalfänger" anzusehen, was als eine "Unterstützung des Immunsystems" gewertet wird.[3]

Als Indikationen werden von Befürwortern genannt:

  • Infekte bakterieller oder viraler Ursache,
  • Schmerzen (postoperativ, bei Tumoren u.a.)
  • Tumorerkrankungen (auch fortgeschrittenes Stadium)
  • Autoimmunerkrankungen (Rheuma, Multiple Sklerose)
  • Allergien (auch Pollenallergie), Neurodermitis
  • unklare Erschöpfungszustände und Infektanfälligkeit
  • Bourn-out-Syndrom, Managersyndrom, CFS
  • Prophylaxe von Alterungsvorgängen

Obwohl bekannt ist, dass Antioxidantien (Substanzen die freie Radikale deaktivieren) gleichzeitig die Effektivität einer Chemotherapie behindern können (da diese ja freie Radikale freisetzen), wird Paravac auch zur begleitenden Tumortherapie beworben.

Literatur

  • Exner, H., ImmunA GmbH, Gommern, Hamann, R., Neubrandenburg, Klose, P., Burg, Löwenthal, R., Plötzky, Metzner, J. E., GALMED GmbH, Halle/Saal. Eine neue Therapie zur Anregung der unspezifischen körpereigenen Abwehr bei therapeutisch schwer zugänglichen und austherapierten Erkrankungen, Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 13 2002 9 [1]

Weblinks

Quellennachweise

  1. Dr. med. vet. Heinrich Exner. ImmunA GmbH. Industriepark Str.A Nr.1 - 39245 Gommern
  2. *immuna.de
  3. 3,0 3,1 http://www.dr-peterklose.de/downloads/kongress_komplementaermed.pdf
  4. http://anonym.to/www.nexus-magazin.de/artikel/lesen/dmso-ein-verkanntes-wundermittel
  5. Exner, H., ImmunA GmbH, Gommern, Hamann, R., Neubrandenburg, Klose, P., Burg, Löwenthal, R., Plötzky, Metzner, J. E., GALMED GmbH, Halle/Saal. Eine neue Therapie zur Anregung der unspezifischen körpereigenen Abwehr bei therapeutisch schwer zugänglichen und austherapierten Erkrankungen, Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 13 2002 9
  6. inzwischen gelöschte Webseite der ImmunA GmbH
  7. Bundestagsdrucksache 13/10407 vom 14. April 1998, Seite 8
  8. PARAVAC-Patienteninformation 2/1997