Ohrkerze: Unterschied zwischen den Versionen

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Bei acht untersuchten Patienten wurden stattdessen Wachspartikel nach der Anwendung im Gehörgang vorgefunden. HNO-Ärzte warnen vor der Verbrennungsgefahr des empfindlichen Trommelfells durch eintropfendes heißes Wachs<ref> http://www.audiologyonline.com/articles/article_detail.asp?article_id=1501 </ref><ref> http://www.cbc.ca/consumers/market/files/health/earcandle/</ref>.  
 
Bei acht untersuchten Patienten wurden stattdessen Wachspartikel nach der Anwendung im Gehörgang vorgefunden. HNO-Ärzte warnen vor der Verbrennungsgefahr des empfindlichen Trommelfells durch eintropfendes heißes Wachs<ref> http://www.audiologyonline.com/articles/article_detail.asp?article_id=1501 </ref><ref> http://www.cbc.ca/consumers/market/files/health/earcandle/</ref>.  
 
   
 
   
Eine Befragung von 122 HNO-Ärzten ergab außerdem, dass 21 Patienten – Gesamtanzahl der Patienten unbekannt – nach Anwendung einer Ohrkerze behandelt werden mussten. Es wurden dabei 13 Verbrennungen und weitere Schäden diagnostiziert. In sieben Fällen kam es zu einem Verschluss durch abtropfendes Wachs. In einem Fall kam es sogar zu einer Trommelfell[[perforation]]. Die Autoren dieser Studien folgern, dass Ohrenkerzen zur Reinigung des äußeren Gehörganges ungeeignet sind und warnen vor der Verletzungsgefahr.<ref name="SeelyEar" /> Die Autoren eines Reviews aus Kanada zum Thema aus dem Jahre 2007 weisen darauf hin, dass es keine wissenschaftlichen Bestätigungen für unterstellte Wirkungen der Ohrenkerzen gibt und ihre Anwendung mit erheblichen Risiken behaftet sei. Hausärzte sollten ihren Patienten von der Verwendung von Ohrenkerzen abraten.<ref>Rafferty J, Tsikoudas A, Davis BC (2007): Ear candling - Should general practitioners recommend it? Can Fam Physician. Dezember 2007; 53(12): 2121–2122. [http://www.pubmedcentral.nih.gov/articlerender.fcgi?tool=pubmed&pubmedid=18077749 Volltext online]</ref>
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Eine Befragung von 122 HNO-Ärzten ergab außerdem, dass 21 Patienten – Gesamtanzahl der Patienten unbekannt – nach Anwendung einer Ohrkerze behandelt werden mussten. Es wurden dabei 13 Verbrennungen und weitere Schäden diagnostiziert. In sieben Fällen kam es zu einem Verschluss durch abtropfendes Wachs. In einem Fall kam es sogar zu einer Trommelfellperforation. Die Autoren dieser Studien folgern, dass Ohrenkerzen zur Reinigung des äußeren Gehörganges ungeeignet sind und warnen vor der Verletzungsgefahr.<ref name="SeelyEar" /> Die Autoren eines Reviews aus Kanada zum Thema aus dem Jahre 2007 weisen darauf hin, dass es keine wissenschaftlichen Bestätigungen für unterstellte Wirkungen der Ohrenkerzen gibt und ihre Anwendung mit erheblichen Risiken behaftet sei. Hausärzte sollten ihren Patienten von der Verwendung von Ohrenkerzen abraten.<ref>Rafferty J, Tsikoudas A, Davis BC (2007): Ear candling - Should general practitioners recommend it? Can Fam Physician. Dezember 2007; 53(12): 2121–2122. [http://www.pubmedcentral.nih.gov/articlerender.fcgi?tool=pubmed&pubmedid=18077749 Volltext online]</ref>
  
 
Ohrenärzte warnen vor den Ohrkerzen, weil es beim Einführen in den Gehörgang zu Verletzungen kommen kann. Im schlimmsten Fall kann sogar das Trommelfell beschädigt werden.
 
Ohrenärzte warnen vor den Ohrkerzen, weil es beim Einführen in den Gehörgang zu Verletzungen kommen kann. Im schlimmsten Fall kann sogar das Trommelfell beschädigt werden.

Version vom 5. Januar 2010, 17:52 Uhr

Ohrkerze.jpg

Ohrkerzen oder Hopi-Kerzen (oder Körperkerzen) sind seit etwa 1980 angebotene Produkte zur Ohrreiningung nach esoterischen und medizinisch nicht nachvollziehbaren Prinzipien, die in der Alternativmedizin Verwendung finden. Hopi-Kerzen werden dem Volk der Hopi Indianer zugeschrieben. Es gibt jedoch keinerlei Belege dafür, dass die Hopi oder andere Indianerstämme solche Kerzen jemals verwendet haben.

Ohrkerzen

In den letzten Jahren werden sog. (Hopi-)Ohrkerzen angeboten. Diese ca. 20 cm langen Kerzen sind von geringem Durchmesser und innen hohl. Man soll sie sich in ein Ohr stecken, die Kerze anzünden und sich auf diese Weise die Ohren reinigen. Behauptet wird dabei von den Anbietern, dass durch den Abbrand der Ohrkerze sich eine Art "Kamineffekt" einstelle und am unteren Ende der Ohrkerze sich dadurch ein Unterdruck einstelle, der den angeblich reinigenden Effekt bewirke. Nach Vorstellungen der Hersteller der Hopi-Kerze soll hierbei auch eine Druckregulation hinter dem Trommelfell im Mittelohr und sogar in den Nebenhöhlen stattfinden, und ein etwaiger Sekretfluss solle mit positiven Folgen für den Behandelten angeregt werden. Das Trommelfell dichtet jedoch das Mittelohr gegen den äusseren Gehörgang ab, ein Gas- oder Sekrettransport ist daher bei intaktem Trommelfell medizinisch gesehen unmöglich. Auch aus physikalischer Sicht ist der postulierte "Kamineffekt" nicht plausibel, da ein angenommener geringer Unterdruck allein nicht ausreicht, um die Ablagerungen, die zudem nicht näher charakterisiert werden, nach aussen zu transportieren.

Wissenschaftliche Untersuchungen zur Ohrkerze

Belege für eine Wirksamkeit der Ohrkerze liegen nicht vor und von der Anwendung gehen Gesundheitsgefahren aus.[1]. Daher finden Ohrkerzen keine Verwendung in der wissenschaftlichen Medizin[2].

Wissenschaftliche Fachartikel[2][3] kamen zu dem Ergebnis, dass im äußeren Gehörgang unter einer Ohrenkerzenbehandlung kein Unterdruck tympanometrisch messbar war. Cerumen, (sog. Ohrenschmalz) wurde dabei nicht aus dem Gehörgang sichtbar entfernt, so dass eine reinigende Wirkung von Ohrenkerzen wissenschaftlich nicht anzunehmen ist.

Komplikationen

Bei acht untersuchten Patienten wurden stattdessen Wachspartikel nach der Anwendung im Gehörgang vorgefunden. HNO-Ärzte warnen vor der Verbrennungsgefahr des empfindlichen Trommelfells durch eintropfendes heißes Wachs[4][5].

Eine Befragung von 122 HNO-Ärzten ergab außerdem, dass 21 Patienten – Gesamtanzahl der Patienten unbekannt – nach Anwendung einer Ohrkerze behandelt werden mussten. Es wurden dabei 13 Verbrennungen und weitere Schäden diagnostiziert. In sieben Fällen kam es zu einem Verschluss durch abtropfendes Wachs. In einem Fall kam es sogar zu einer Trommelfellperforation. Die Autoren dieser Studien folgern, dass Ohrenkerzen zur Reinigung des äußeren Gehörganges ungeeignet sind und warnen vor der Verletzungsgefahr.[2] Die Autoren eines Reviews aus Kanada zum Thema aus dem Jahre 2007 weisen darauf hin, dass es keine wissenschaftlichen Bestätigungen für unterstellte Wirkungen der Ohrenkerzen gibt und ihre Anwendung mit erheblichen Risiken behaftet sei. Hausärzte sollten ihren Patienten von der Verwendung von Ohrenkerzen abraten.[6]

Ohrenärzte warnen vor den Ohrkerzen, weil es beim Einführen in den Gehörgang zu Verletzungen kommen kann. Im schlimmsten Fall kann sogar das Trommelfell beschädigt werden.

Körperkerzen

Mittlerweile sind auch Körperkerzen in Gebrauch, die auf die sogenannte Chakren oder andere vermutete Reflexpunkte aufgesetzt werden. Durch diese Methode soll der Energiefluss angeregt und innere Blockaden gelöst werden. Außerdem werde der Körper auf diese Weise entschlackt.

Die Kerzen bestehen aus gerolltem Leinengewebe und Bienenwachs, das mit Pflanzenpulver und ätherischen Ölen angereichert ist. Damit der Verkauf angekurbelt wird, behaupten die Anbieter dieser Kerzen, dass diese von den in Amerika lebenden Hopi-Indianern bereits seit Urzeiten verwendet würden. Dies ist aber eine frei erfundene Behauptung.

Bereits im März 1995 dementierte der zweite Vorsitzende des Hopi Tribal Council, Wayne Taylor jr., dass der Hopi-Stamm diese Kerzen verwenden würde. Im Gegenteil: die Benutzung irgendwelcher Ohrkerzen zu rituellen Zwecken entspringe weder der Hopi-Kultur, noch würde derartiges heute bei den Hopi-Indianern praktiziert. Taylor verbat sich ausdrücklich, seinen Stamm mit den Ohrkerzen in Verbindung zu bringen.

Literatur

  • Ernst E: Ear candles: a triumph of ignorance over science, J Laryngol Otol. 2004 Jan;118(1):1-2
  • McCarter DF, Courtney AU, Pollart SM., Cerumen impaction, Am Fam Physician. 2007 May 15;75(10):1523-8
  • Friese KH., Alternative treatment methods in ENT, HNO. 1997 Aug;45(8):593-607
  • Seely DR, Quigley SM, Langman AW: Ear candles--efficacy and safety, Laryngoscope. 1996 Oct;106(10):1226-9
  • Seely DR, Langman AW: Ear candles, Arch Otolaryngol Head Neck Surg. 1995 Sep;121(9):1068.
  • Seely DR, Langman AW: Coning candles--an alert for otolaryngologists?, Ear Nose Throat J. 1997 Jan;76(1):47
Dieser Text ist ganz oder teilweise von Paralex übernommen
  1. name="ErnstTriumph">Ernst E, (review 2004), Ear candles: a triumph of ignorance over science, The Journal of Laryngology & Otology (2004), 118: 1-2 Cambridge University Press doi:10.1258/002221504322731529
  2. 2,0 2,1 2,2 Seely DR, Quigley SM, Langman AW, Ear candles--efficacy and safety, Laryngoscope. 1996 Oct;106(10):1226-9
  3. Referenzfehler: Es ist ein ungültiger <ref>-Tag vorhanden: Für die Referenz namens ErnstTriumph wurde kein Text angegeben.
  4. http://www.audiologyonline.com/articles/article_detail.asp?article_id=1501
  5. http://www.cbc.ca/consumers/market/files/health/earcandle/
  6. Rafferty J, Tsikoudas A, Davis BC (2007): Ear candling - Should general practitioners recommend it? Can Fam Physician. Dezember 2007; 53(12): 2121–2122. Volltext online