Martin Keymer

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Martin Keymer (Bild:Youtube)

Martin Keymer (geb. 1954) ist ein Heilpraktiker aus Wendtorf bei Kiel, der pseudomedizinische Dienstleistungen und Produkte vermarktet.

Geschäftsbereiche

Zentraler Unternehmensbereich und Dach für alle Geschäftsfelder ist das "Therapeutische Haus Martin Keymer" in Wendtorf.

Therapeutische Praxen

Im Therapeutischen Haus bietet Keymer auch heilpraktikerübliche Dienstleistungen an, darunter Diagnose- und Behandlungsverfahren wie Elektroakupunktur nach Voll, Kinesiologie, "Biotensordiagnostik" und Bioresonanztherapie. Zeitweise betrieb er in Hamburg zusammen mit den Heilpraktikerinnen Gabriele Drolshagen und Dorothea Keymer (Keymers Tochter) die "Naturheilpraxis Martin Keymer". Auf der Internetseite der Praxis wurde eine große Zahl von fragwürdigen Verfahren genannt, darunter Aderlass, Baunscheidt-Verfahren, Bioresonanz, Cantharidinpflaster, Chiropraktik, NPSO, Ölziehen und Schröpfen. Inzwischen ist Frau Drolshagen in einer eigenen Naturheilpraxis tätig. Die im Juni 2015 wiedereröffnete "Naturheilpraxis Therapeutisches Haus" in Hamburg wird jetzt von Dorothea und Martin Keymer sowie dem Heilpraktikter Alexander Scheller (geb. 1980) geführt.

I.M.U. College

Die ersten zwei Seiten einer an der I.M.U. unter Leitung von "PD Dipl. hol. med. M. Keymer" erstellten "Dissertation"

Das "I.M.U. College – College for Holistic Health" (die Abkürzung steht für "International Mediterranean University") bzw die Firma "I.M.U. Ltd." möchte Keymer als Fortbildungseinrichtung für Heilpraktiker verstanden wissen, die sich einer "bioenergetischen Ganzheitsmedizin" verschrieben habe. Die I.M.U. sei 1987 auf Malta von Cay Baron von Brockdorff-Candioti (1951-2013) "nach intensiven Verhandlungen mit der maltesischen Regierung" als Privatuniversität gegründet worden, wird aber auch als "ltd" (limited, also GmbH) geführt. Sie habe drei "Fakultäten": Die "Faculty of Holistic Health" unter Leitung von Martin Keymer, die "Faculty of Human Resources, Medical Hypnosis and Communication" unter Leitung von Baron von Brockdorff, der in diesem Rahmen Rhetorik- und Hypnosekurse veranstaltet und eine "Faculty of Orthopaedics" eines "Prof. (IMU) Dr. Michael Vitek aus Wien, an der der wertlose Abschluss „MSc in Foot and Ankle Medicine and Surgery“ erworben werden kann um sich fortan Fußmediziner oder Fußchirurg zu bezeichnen.[1] In Keymers Fakultät werden beispielsweise Kurse zu Chiropraktik, Elektroakupunktur nach Voll oder einer von Keymer entwickelten "Vernetzten Testtechnik" angeboten. Interessenten können auch "Abschlüsse" erwerben, Tierärzte und Tierheilpraktiker z.B. eine "I.M.U. College Graduation in Holistic Health of Veterinary Science". Referenten sind neben Martin Keymer einige weitere Heilpraktiker und Ärzte, auf der Liste der Dozenten finden sich aber auch Walter Medinger und Claude Bärtels mit Seminaren zum Thema "Biophysik".

Die maltesische Briefkastenfirma IMU Ltd. residiert in Malta an der Adresse 217, Suite 4, St September Avenue Naxxar.[2] Es handelt sich dabei nicht um eine staatlich anerkannte Universität. Dennoch lassen sich zwei Personen aus Österreich finden, die einen akademisch wertlosen "Prof. (IMU)"-Titel führen.[3] Keymer selbst nennt sich "Privatdozent" mit der Bezeichnung "PD. Dipl. hol. med. M. Keymer" (siehe Abbildung rechts).

Kompetenzzentrum für bio-physikalische Feldmessungen

Diese inzwischen erloschene Firma wurde von Jonathan Keymer geführt.[4] Angeboten wurden herkömmliche elektromagnetische Feldstärkemessungen, vor allem aber das dubiose und wissenschaftlich nicht anerkannte Verfahren der Messung eines "Feldkohärenzmusters", einer Erfindung des österreichischen Chemikers Walter Medinger. Keymer gab an, Lizenznehmer von Medingers Firma IIREC zu sein. Als "Legitimation" wurden auf der Internetseite der Firma Urkunden präsentiert, die Martin Keymer und seinen Sohn Jonathan als "i-bmr akkreditierte EMV-Messtechniker & Consulter" ausweisen. Die österreichische Firma i-bmr (Institut für Bioelektrizität und medizinische Raumkohärenzforschung) in Salzburg wird von der Ärztin Elisabeth Plank geleitet, die ihrerseits mit Medinger zusammenarbeitet.[5] Zur Feldkohärenzmessung sollte ein "Präzisions-Teslameter des IIREC" benutzt und die Messdaten "in das Internetportal des IIREC Institutes eingegeben" werden, um so "die charakteristischen Bilder" zu erhalten.[6]

Vermarktung eigener Produkte

Werbung für "EMF-Ampulle"[7]

Über die Firma Dermatologisches Privatinstitut Martin Keymer GmbH werden eigene alternativmedizinische und esoterische Produkte vermarktet. Im Programm sind auch einige Artikel von Fremdanbietern. Ein Bezug der Firma zur Dermatologie ist nicht erkennbar. Verkauft werden u.a. Nahrungsergänzungsmittel wie Mexican Wild Yam, Alfalfa- und Chlorella-Präparate, Scharlatanerieprodukte gegen Elektrosmog, z.B. ein Amulett aus Glas namens "EMF Ampulle", ferner Bücher zu alternativmedizinischen Themen.

Keymers esoterisch inspirierte "Testkästen" enthalten Ampullen, mit denen es möglich sei, "energetische Schwächen einzelner Organsysteme festzustellen und sie mit Hilfe der Bioresonanztherapie zu stabilisieren". Es gibt beispielsweise einen Testkasten "Fünf Elemente", einen Testkasten "Chakras", einen Testkasten "Mondphasen" und so weiter. Das Ganze basiere auf der "Vernetzten Testtechnik".

Zur Bioresonanz gibt es außerdem Keymers "Original Bioresonanz-Öle" und "Original Bioresonanz-Tropfen". Diese sollen Heilpraktikern und Ärzten ermöglichen, ihren Patienten "die therapeutischen Impulse auch über die Therapie am Bioresonanz-Gerät hinaus auf Öle und Tropfen zu prägen". Dazu muss in das jeweilige Fläschchen ein Messingstab eingeführt werden, der über ein einadriges Kabel mit dem Bioresonanzgerät verbunden ist.

Ein Gerät zur Wasserbelebung namens "Aqua vitalis" arbeitet offenbar nach dem Prinzip der Umkehrosmose, wird aber zusätzlich mit branchenüblichem Nonsens beworben. Keymer spricht z.B. von "Rechtspolarisierung des Wassers durch einen spiralförmig gewundenen Ringmagneten" oder "Ordnung der Wassermoleküle des Wassers durch Aktivator-Ampulle". Ergänzend wird die Flüssigkeit "AVS-Liquidum" angeboten ("eine wässrige Lösung von hochbioverfügbaren Spurenelementen und Mineralien, die täglich getrunken werden sollte"). Zeitweilig wurde versucht, diese Produkte über eine eigene Firma zu vermarkten (Clear Water Equipment GmbH oder Clear Water Equipment Gesellschaft zur Reinigung und Revitalisierung von Trinkwasser mbH), mit Keymers Sohn Christian als Geschäftsführer.

Angeboten wurde auch ein Elektrolysegerät. Mit solchen Vorrichtungen versuchen Anbieter von Wasserbelebungsprodukten, potenzielle Kunden auf unseriöse Art zum Kauf zu bewegen.[8] Vorgeführt wird damit, wie sich normales Leitungswasser innerhalb einiger Minuten schmutzig braun verfärbt, was als Beweis für schädliche Substanzen im Wasser dargestellt wird. Die Verfärbung wird aber nur durch die Zersetzung der Elektroden im Elektrolysebad verursacht. Keymer bewarb das Gerät mit den Worten "Mit diesem Gerät können Sie Ihren Patienten eindrücklich die Belastung ihres Leitungswassers demonstrieren!"[9]

Sonstiges

Nach eigenen Angaben war Keymer ab 1986 Vizepräsident und von 1996 bis 2001 Präsident der Bicom-Resonanz-Therapiegesellschaft e.V. Einen eingetragenen Verein dieses Namens hat es allerdings nie gegeben. Möglicherweise ist die inzwischen erloschene Internationale Gesellschaft für ultrafeine BICOM Resonanz-Therapie und Diagnostik e.V. aus Gräfelfing gemeint. "Bicom" ist der Name von Bioresonanz-Geräten der Firma Regumed aus Gräfelfing, die eine Zeitlang unter dem Namen des Vereins Veranstaltungen für Anwender ihrer Geräte abgehalten hat.

Keymer ist Autor und Mitautor einiger Bücher; Titel sind beispielsweise: Bioenergie-Therapie, Die Geheimnisse der Rhythmik des Lebens und des Universums und Tumordiagnose u. Tumortherapie auf Basis der Zellapoptose. Auf seinen Internetseiten verbreitet er außerdem – trotz seiner angeblichen Expertise als EMV-Messtechniker, siehe Abschnitt Kompetenzzentrum für bio-physikalische Feldmessungen – kuriose Ansichten zu elektrischen und magnetischen Feldern. Zu Elektroherden nach dem Induktionsprinzip stellt er beispielsweise fest: [10]

Der Vorgang der Induktion wird zur Erzeugung von Strom durch ein Magnetfeld (induktive Elektrizität) genutzt. Man könnte sagen, dass die induktive Stromerzeugung und damit deren Eigenschaften dem technischen, künstlich erzeugten und nicht natürlich entstandenen Strom entspricht. Im Gegensatz dazu nutzt ganz offensichtlich die Natur die kapazitive Elektrizität, also die Elektrizität, die durch die Spannung zwischen Erde und Atmosphäre, genauer gesagt der Ionospähre, entsteht. Daraus resultiert, dass auf einem Induktionsherd gekochte Speisen insbesondere mit diesem technisch erzeugten, unnatürlichen Strom kontaminiert sind - und zwar direkt. Und allein aus diesem Grund sind Induktionsherde prinzipiell zu meiden.

Seit 2007 exisitiert eine Familie Keymer Beteilungs mbH; Geschäftsführer ist Christian Keymer.

Quellen

  1. www.imu-edu.org
  2. https://en.datocapital.com/mt/companies/I.M.U.-Ltd.html
  3. Prof.(IMU) Dr. Werner Ossmann, A-1090 Wien
    Prof. (IMU) Dr. Michael Vitek
  4. Kompetenzzentrum für bio-physikalische Feldmessungen, JFK GmbH & Co. KG, Haferkamp 3, 24235 Wendtorf (JFK steht für Jonathan F. Keymer), Amtsgericht Kiel HRA 7511. Komplementärin war die ebenfalls erloschene JFK Beteiligungs GmbH, Wendtorf.
  5. Medinger und Plank haben zeitweise zusammen eine Firma QEresearch betrieben, die wie Medinger scheinwissenschaftliche Gutachten anfertigte. Beispielsweise will QEresearch bei einer Wasserprobe, die sich eine Zeit lang in einem Salzstollen befand, eine "Einprägung von Resonanzen nachgewiesen" haben, was belege, dass ein Aufenthalt in dem Stollen gesundheitsfördernd sei (Messbericht für die Heilstollen Berchtesgaden GmbH).
  6. http://www.emf-feldmessungen.de/unsere-aufgabe/feldkohaerenzmuster/ Aufruf am 27. Juli 2012
  7. Bildquelle: http://shop.therapeutisches-haus.de/
  8. ZDF-Sendung WISO vom 19. November 2007, Beitrag "WISO ermittelt". http://www.youtube.com/watch?v=MLSI4cupoOQ
  9. http://shop.therapeutisches-haus.de/index.php/cPath/127 Aufruf am 12. März 2011
  10. http://therapeutisches-haus.de/2011/03/05/gedanken-zu-induktions-und-mikrowellenherden/ Aufruf am 12. März 2011