Himalayasalz: Unterschied zwischen den Versionen

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*Rehn, P., "Das Salz in der Wellness-Suppe", Connection.de
 
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Version vom 5. April 2008, 10:31 Uhr

Himalayasalz.jpg

Himalayasalz ist ein rosafabenes Speisesalz das ab etwa 2002 in Bioläden, Esoterikgeschäften, Reformhäusern und Onlineversandhäusern zu relativ hohen Preisen (10 bis 28 Euro pro Kilo) als Nahrungsmittel angeboten wird und dem von ihren Verkäufern eine Vielzahl von gesundheitlichen Wirkungen zugeschrieben wird. Beim Grosshandel liegt der Kilopreis zwischen 5,88 und 9,71 Eurp pro Kilo, aus polnischem Bergbau bei weniger als 1 Euro pro Kilo. Seine Färbung verdankt es geringfügigen Eisenoxidverunreinigungen. Himalayasalz wird fein gemahlen, als Granulat oder in Form von Halitbrocken angeboten. Aus den Halitbrocken werden außerdem sogenannte Salzlampen hergestellt. Weitere Handelsbezeichnungen sind Hunza-Kristallsalz, Christ-All-Salz, Zaubersalz, Kaisersalz oder Alexandersalz (weil es angeblich schon von Alexander dem Großen verwendet wurde).Ein bekannter Exponent der entsprechenden kommerziellen Anbieter des Himalayasalzes ist der Deutsche Peter Druf alias Peter Ferreira.

Angeblich soll dieses Salz aus dem Karakorum stammen, einem Gebirgszug südlich des Himalayagebirges. Ähnliches, rosafarbenes Salz wird auch zur Herstellung von sogenannten Salzlampen verwendet, die teilweise billiger als die Handelsware Himalayasalz sind. Höchstwahrscheinlich stammt das zu uns importierte Himalayasalz aus dem Salt Range südlich von Islamabad (Punjab). In dieser Gegend werden ca. 70 Prozent des weltweiten Bedarfs an Steinsalz abgebaut. Ein kleinerer Teil des als Himalayasalz vertriebenen Salzes stammt aus polnischem Bergbau.

chemische Zusammensetzung

Wie andere unraffinierte Steinsalze besteht Himalaya aus ca. 97 bis 98 Prozent Natriumchlorid und einem kleinen Anteil von etwa sieben weiteren Mineralien wie Gips.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat 15 verschiedene Proben des Himalayasalzes untersucht und konnte nur zehn Elemente finden. Das ZDF-Magazin WISO hat 2006 Proben des so genannten Himalayasalzes an der Technischen Universität Clausthal untersuchen lassen. Auch dort wurden lediglich zehn Elemente festgestellt. Ein weiteres Ergebnis: In der untersuchten Probe war als Verunreinigung Polyhalit (Gips) enthalten. Gegenüber dem bekannten Küchensalz unterscheidet es sich nur dadurch, dass es mehr Verunreinigungen enthält, erklärt der Mineraloge Michael Siemann.

Himalayasalz enthält – wie jedes Speisesalz – abgesehen von Chlorid und Natrium, nur geringe Mengen an Mineralstoffen, zum täglichen Bedarf trägt es praktisch nichts bei. Der Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) erklärt: Kristallsalz als ‚reich an Mineralstoffen‘ zu bezeichnen, ist schlicht Irreführung des Verbrauchers. Nach Angaben des Verbandes der Ernährungswissenschaftler Österreichs sind in zwei Teelöffeln Himalayasalz 45 mg Calcium (Tagesbedarf: 1000 mg), 5 mg Magnesium (Tagesbedarf: 300 mg) und 0,7 mg Eisen (Tagesbedarf: 10 mg) enthalten.

Anders als behauptet, finden sich im menschlichen Körper weniger als 30 Elemente – etwa zehn bilden praktisch die gesamte Körpersubstanz, elf sind essentielle Spurenelemente (vor allem als Bestandteil von Enzymen), einige weitere kommen je nach Umweltbedingungen in kleinsten Mengen vor, spielen aber für den Stoffwechsel keine oder eine schädigende Rolle (wie z. B. die Schwermetalle Quecksilber, Blei und Cadmium). Enthielte Himalayasalz tatsächlich über 80 Elemente, so wäre der Großteil von ihnen für den menschlichen Körper nutzlos oder giftig.

Kritik

Für die behaupteten positiven Auswirkungen der Aufnahme von Kristallsalz auf die Gesundheit gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Ein Nachweis dafür, dass mit Solelösung Schwermetalle oder Ablagerungen in den Gefäßen (Arteriosklerose) aus dem Körper ausgespült werden könnten, liegt nicht vor. Mit der in Mitteleuropa üblichen Kost wird ausreichend Salz aufgenommen, eine zusätzliche Zufuhr belastet den Stoffwechsel und die Nieren. Die Aussage, dass es möglich sei, mit Hilfe von Kristallsalz hohen Blutdruck (arterielle Hypertonie) zu senken, ist wissenschaftlich unhaltbar. Das trifft auch für Aussagen im Hinblick auf eine angebliche Übersäuerung des Körpers zu.

Salzkristalle sind im Unterschied zu Quarzkristallen auch nicht piezoelektrisch und können folglich nicht schwingen. Zur Informationsspeicherung sind Salzkristalle ungeeignet. Diese Aussagen gehören in den Bereich der Esoterik.

Die Zeitschriften 'Öko-Test' und Stiftung Warentest sprachen dem Himalaya-Salz jede besondere Wirkung ab. Es handele sich um 'üble Geschäftemacherei' und um eine Irreführung des Verbrauchers. Die Stiftung Warentest nannte die Preisgestaltung für Himalayasalz Verbrauchertäuschung.

Auch Tourism-Watch [1] sprach sich kritisch zu Himalayasalz aus: ...Unbehandeltes Salz im Himalaya, das die Autorin aus jahrzehntelanger eigener Anschauung kennt, sieht jedoch ganz anders aus: entweder [...] blendend weiß [.] oder [...] schmutzig-grau.

Himalayasalz und esoterische Annahmen

In einem Vortrag [2] behauptet Ferreira: .."Wir haben z.B. im Rahmen unserer Studie im Salz-Heilstollen Personen, die sich von nichts anderem ernähren, als von lebendigem Wasser. Es wird sogar bewusst von unseren Medien unterdrückt, dass es weltweit tatsächlich Tausende von Menschen gibt, die nichts anderes zu sich nehmen als nur Wasser. Wir haben eine Frau dabei, die seit über 20 Jahren nichts isst und nur Wasser trinkt. Auch ein 4jähriges Kind ist dabei. Nachdem der Junge aufgehört hat Muttermilch zu trinken, ernährt er sich von nichts anderem als von Wasser. Dieser Junge will nichts essen und hat keine Mangelerscheinungen dabei. Und Gott-sei-Dank sind seine Eltern intelligent genug, dieses Kind jetzt nicht zwangsernähren zu wollen.... Diese Behauptungen erinnern an die ebenfalls im esoterischen Umfeld beliebte Lichtnahrung.

Weblinks

Quellenangaben

  1. Tüting, L. (2002), "Neue esoterische Abzocke: Der 'Jungbrunnen' Himalaya-Salz", Tourism-Watch, Stand 25.09.2007
  2. http://www.edv-helfert.de/salz/
  • Kamphuis, A. (2001), "Himalaja-Salz", Skeptiker, Nr. 15, S. 14-17.
  • Rehn, P., "Das Salz in der Wellness-Suppe", Connection.de