Dieter Enger: Unterschied zwischen den Versionen

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Laut Enger nehmen Pflanzen elementaren Kohlenstoff &ndash; also einen Feststoff &ndash; aus der Erde auf. Eine Kultivierung in Hydrokulturen, wo die Ernährung der Pflanzen über eine wässrige Lösung anorganischer Nährsalze erfolgt, wäre demnach nicht möglich. Der elementare Kohlenstoff, also etwa in Form von Ruß, Graphit oder Kohle müsste in erheblichen Mengen in Boden, Wasser und Luft nachweisbar sein und wäre so für jedermann sichtbar. Kohlenstoff tritt in der Erdkruste aber vor allem als Carbonatgestein, also oxidierten Kohlenstoff, in Erscheinung.<ref>Seite „Kohlenstoff“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 5. Dezember 2009, 16:20 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kohlenstoff&oldid=67642724 (Abgerufen: 11. Dezember 2009, 22:27 UTC)</ref>
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Laut Enger nehmen Pflanzen elementaren Kohlenstoff &ndash; also einen Feststoff &ndash; aus der Erde auf. Eine Kultivierung in Hydrokulturen, wo die Ernährung der Pflanzen über eine wässrige Lösung anorganischer Nährsalze erfolgt, wäre demnach nicht möglich. Der elementare Kohlenstoff, also etwa in Form von Ruß, Graphit oder Kohle müsste in erheblichen Mengen in Boden, Wasser und Luft nachweisbar sein und wäre so für jedermann sichtbar. Kohlenstoff tritt in der Erdkruste aber vor allem als Carbonatgestein, also oxidierter Kohlenstoff, in Erscheinung.<ref>Seite „Kohlenstoff“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 5. Dezember 2009, 16:20 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kohlenstoff&oldid=67642724 (Abgerufen: 11. Dezember 2009, 22:27 UTC)</ref>
  
 
Neben der schon verworrenen Theorie können weder der Versuchsaufbau noch die Messergebnisse die Beweise für Engers Behauptungen liefern. So versucht Enger anhand eines Experimentes zu beweisen, dass ein "Blattgewächs" (wohl eine Primel) im geschlossen Einmachglas am von ihr produzierten Kohlendioxid erstickt. Dazu präsentiert er auf seiner Homepage die nebenstehenden Fotos. Erkennbar ist auf dem unteren Bild allerdings nicht, dass die Pflanze erstickt ist (dann wäre sie vergilbt), sondern dass sich an der Innenseite des Glases Kondenswasser abgesetzt hat, das aus der Transpiration stammt. Enger vernachlässigt in seinem Versuchsaufbau die Aktivität der Bodenorganismen in der Erde seiner Blumentöpfe, die Sauerstoff veratmen und Kohlendioxid abgeben. Aussagekräftig wird solch ein Versuch allein durch die Verwendung des grünen Sprosses der Pflanze, damit der Einfluss der Bodenorganismen nicht mehr ins Gewicht fällt.
 
Neben der schon verworrenen Theorie können weder der Versuchsaufbau noch die Messergebnisse die Beweise für Engers Behauptungen liefern. So versucht Enger anhand eines Experimentes zu beweisen, dass ein "Blattgewächs" (wohl eine Primel) im geschlossen Einmachglas am von ihr produzierten Kohlendioxid erstickt. Dazu präsentiert er auf seiner Homepage die nebenstehenden Fotos. Erkennbar ist auf dem unteren Bild allerdings nicht, dass die Pflanze erstickt ist (dann wäre sie vergilbt), sondern dass sich an der Innenseite des Glases Kondenswasser abgesetzt hat, das aus der Transpiration stammt. Enger vernachlässigt in seinem Versuchsaufbau die Aktivität der Bodenorganismen in der Erde seiner Blumentöpfe, die Sauerstoff veratmen und Kohlendioxid abgeben. Aussagekräftig wird solch ein Versuch allein durch die Verwendung des grünen Sprosses der Pflanze, damit der Einfluss der Bodenorganismen nicht mehr ins Gewicht fällt.

Version vom 13. August 2010, 21:56 Uhr

Dieter Enger ist ein Tüftler aus Syke bei Bremen, der sich laut seiner Angaben auf seiner Internetseite Fehler der Wissenschaft auf pseudowissenschaftliche Weise mit den "Auswirkungen der menschlichen Zivilisation auf natürliche Prozesse" beschäftigt. Dazu zählen die Auswirkungen des sauren Regens auf heimische Wälder, eine Hypothese, nach der Pflanzen statt Sauerstoff Kohlenstoffdioxid produzieren und die Entwicklung eines Katalysators zum Abbau von Stickoxiden aus Kraftfahrzeugen. Außerdem habe er neue Verfahren zur Brauchwasseraufbereitung durch Bakterien entwickelt. Seiner Meinung nach ist Kohlendioxid auch kein Treibhausgas.

Kritik und Aktivitäten

Engers Hauptaktivität ist derzeit die Verbreitung eines Außenseitermodells über den Kohlenstoffkreislauf, das auf Experimenten basiert, die angeblich belegen, dass Pflanzen kein Kohlendioxid aufnehmen und keinen Sauerstoff an die Umwelt abgeben. Mit seinen "Forschungen" will Enger beweisen, dass Kohlendioxid kein Treibhausgas ist und die Klimaerwärmung im Sinne einer Klimalüge eine Verschwörung von Politikern, Umweltverbänden und Wissenschaftlern sei. Zudem will er eine Methode zur CO2-Spaltung ohne Energiezufuhr gefunden haben (Enger-Verfahren).

Um seine Erkenntnisse zu verbreiten, ist Enger in den entsprechenden Internetblogs sehr aktiv, indem er Texte von seiner Homepage dort als Kommentare einbringt. Allerdings scheint er kaum Beachtung zu finden. Auch bei verschiedenen behördlichen Stellen und Forschungsinstituten versucht Enger, seine Theorien anzubringen. Er hat eine Reihe von Briefen u.a. an den Bundesumweltminister, das Max-Planck-Institut für Meteorologie, das Institut für Klimaforschung Potsdam, die Bundeskanzlerin und an verschiedene Medien geschrieben.

Enger liefert für seine Theorien keine Beweise, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Auf seiner Webseite finden sich lediglich Videoaufzeichnungen und Fotos seiner Versuchsaufbauten, auf denen meist geschlossene Glasbehälter mit Pflanzen und die Messwerte eines CO2-Messgerätes zu sehen sind. Eine wissenschaftliche Versuchsdurchführung erfordert dagegen eine Darstellung von Hypothese, Ziel der Versuche, Material und Methoden (u.a. nachvollziehbare Beschreibung des Versuchsaufbaus, der verwendeten Pflanzen, Messgeräte, Chemikalien, relevante Versuchsbedingungen wie Temperatur, Feuchte, Dauer des Versuchs), Ergebnisse (Messwerte) und Diskussion der Ergebnisse (Interpretation der Messwerte hinsichtlich Bestätigung oder Nichtbestätigung der Ausgangshypothese, Formulierung der Ergebnisse im Sinne einer Theorie, Literaturvergleich, Fehlerbetrachtung, Ausblick für weitere Forschungen).

Engers Theorien sind somit nicht nachzuvollziehen und zeugen im Allgemeinen von wenig Kenntnissen in Chemie, Physik, Pflanzenphysiologie und Klimatologie.

Theorien

1. CO2 in der Atmosphäre

Alle Aussagen zum Treibhausgas CO2 in der Atmosphäre sind nach Engers Angaben falsch. So soll z.B. das Kohlendioxid im Abgas von Flugzeugen sofort in Eiskristalle eingeschlossen werden. Beim Abtauen der Eiskristalle soll das Kohlendioxid dann sofort über einen nicht näher beschriebenen Prozess abgebaut werden.

2. Enger-Katalysator

Enger stellt mit Hilfe eines Videos einen neuartigen Katalysator vor, der angeblich vielfach besser als der gewöhnliche 3-Wege-Kat sein soll, schweigt sich jedoch über dessen Funktionsweise aus. Ihm scheint es nicht gelungen zu sein, seinen Durchbruch in der Katalysatorentechnik zu publizieren — in der Literatur findet sich nichts darüber. Der gewöhnliche Fahrzeugkatalysator basiert auf katalytischen Reaktionen an Metalloberflächen und geht überwiegend auf die Forschungen von Gerhard Ertl zurück.

3. Photosynthese

Ein weiteres Betätigungsfeld Engers ist der Nachweis, dass die wissenschaftlichen Vorstellungen über die Photosynthese falsch sind. Richtig sei stattdessen Folgendes:

  • Pflanzen assimilieren angeblich kein Kohlendioxid, sondern Nitrat,
  • Pflanzen gäben keinen Sauerstoff ab und nähmen kein Kohlendioxid auf,
  • Pflanzen gäben ganztägig Kohlendioxid ab und nähmen ganztägig Sauerstoff auf,
  • Pflanzen nähmen benötigten Kohlenstoff aus der Erde auf.

Grund für die "Irrtümer der Wissenschaft" sei angeblich, dass, wie in Schulversuchen oftmals durchgeführt, der Gaswechsel von Pflanzen ausschließlich an angeschnittenen Wasserpflanzen gelänge. Dabei gibt es Systeme, die entweder in einem geschlossen System mit Hilfe einer Clark-Elektrode direkt die Sauerstoffkonzentration messen, oder auch mittels Infrarot-Gasanalysatoren die CO2-Konzentration bestimmen. Diese Geräte können teilweise ganze Pflanzen oder Pflanzenorgane aufnehmen und sind für den Feldeinsatz geeignet (etwa WALZ GFS-3000).

Engers Theorien sind in jeder Hinsicht unsinnig. Es stimmt wohl, dass auch Pflanzen für die Atmung Sauerstoff benötigen und Kohlendioxid produzieren. Die Sauerstoffproduktion durch die Spaltung von Wasser am wasserspaltenden Komplex des Photosystem II ist dagegen seit Jahrzehnten in großem Detail erforscht und völlig unstrittig, da durch eine Vielzahl wissenschaftlicher Experimente belegt.[1]

Die Kohlendioxid-Fixierung durch das Enzym Rubisco ist ebenfalls in großen Detail erforscht.[2] Ein Körnchen Wahrheit steckt trotzdem in Engers Theorie, wahrscheinlich, ohne dass er sich dessen bewusst ist: Rubisco fixiert neben CO2 auch O2. Pflanzen nehmen Nitrat als Nährstoff auf und wandeln dieses im Zuge der Nitratassimilation in Ammonium um, welches in Proteine eingebaut wird.

Pflanze zu Versuchsbeginn
Nachher: Die Pflanze soll an ihrem eigenen CO2 erstickt sein

Laut Enger nehmen Pflanzen elementaren Kohlenstoff – also einen Feststoff – aus der Erde auf. Eine Kultivierung in Hydrokulturen, wo die Ernährung der Pflanzen über eine wässrige Lösung anorganischer Nährsalze erfolgt, wäre demnach nicht möglich. Der elementare Kohlenstoff, also etwa in Form von Ruß, Graphit oder Kohle müsste in erheblichen Mengen in Boden, Wasser und Luft nachweisbar sein und wäre so für jedermann sichtbar. Kohlenstoff tritt in der Erdkruste aber vor allem als Carbonatgestein, also oxidierter Kohlenstoff, in Erscheinung.[3]

Neben der schon verworrenen Theorie können weder der Versuchsaufbau noch die Messergebnisse die Beweise für Engers Behauptungen liefern. So versucht Enger anhand eines Experimentes zu beweisen, dass ein "Blattgewächs" (wohl eine Primel) im geschlossen Einmachglas am von ihr produzierten Kohlendioxid erstickt. Dazu präsentiert er auf seiner Homepage die nebenstehenden Fotos. Erkennbar ist auf dem unteren Bild allerdings nicht, dass die Pflanze erstickt ist (dann wäre sie vergilbt), sondern dass sich an der Innenseite des Glases Kondenswasser abgesetzt hat, das aus der Transpiration stammt. Enger vernachlässigt in seinem Versuchsaufbau die Aktivität der Bodenorganismen in der Erde seiner Blumentöpfe, die Sauerstoff veratmen und Kohlendioxid abgeben. Aussagekräftig wird solch ein Versuch allein durch die Verwendung des grünen Sprosses der Pflanze, damit der Einfluss der Bodenorganismen nicht mehr ins Gewicht fällt.

Weblinks

Quellennachweise

  1. Seite „Photosynthese“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 10. Dezember 2009, 20:43 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Photosynthese&oldid=67851085 (Abgerufen: 12. Dezember 2009, 22:59 UTC)
  2. Seite „Rubisco“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 12. November 2009, 14:49 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rubisco&oldid=66728599 (Abgerufen: 12. Dezember 2009, 23:03 UTC)
  3. Seite „Kohlenstoff“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 5. Dezember 2009, 16:20 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kohlenstoff&oldid=67642724 (Abgerufen: 11. Dezember 2009, 22:27 UTC)