Joseph Wright of Derby: Alchimist auf der Suche nach dem Stein der Weisen, 1771

Alchemie (auch Alchimie) ist die Bezeichnung für esoterische philosophische Geheimlehren, die Elemente aus der Physik, Chemie und Medizin mit religiösen Ansichten verknüpften. Die Alchemisten bezeichnen die Alchemie selbst auch als Königliche Kunst. Bezüge existieren zum Rosenkreuzertum und der Hermetik.

Die Ziele der Alchemie waren die Suche nach einer Art "Gesamtwissenschaft" und einem "Universalmedikament", sowie der Versuch über die eigene Läuterung beim Großen Werk zum Stein der Weisen zu finden. Durch den Stein der Weisen sollte die Umwandlung (Transmutation) von unedlen Metallen wie Quecksilber oder Blei in Gold und Silber ermöglicht werden.

Eine bedeutsame Schrift für die Alchemie war die "Tabula Smaragdina", welche angeblich von Hermes Trismegistos verfasst wurde.

Etymologie

Der Begriff Alchemie stammt aus dem Arabischen al-kimiyah oder al-khimiyah (الكيمياء o الخيمياء), das aus dem Artikel al und dem griechischen Wort "khymeia" (χυμεία), welches schmelzen oder verschweißen/verkleben bedeutet, besteht. Nach einer anderen Etymologie stammt Alchemie von "Al Kemi", der "ägyptischen Kunst" (Kemi: alte Bezeichnung für Ägypten).

Geschichte

Die Alchemie kann als naturphilosophische Vorgängerin der heutigen Chemie verstanden werden. Im Altertum existierte eine Form praktischer Probierkunst sowie ein naturphilosophisches Gedanken- und Theoriengebäude mit zunehmend alchemistischer Prägung.

Viele Griechen glaubten an einer einzigen Urmaterie der Welt. Demokrit und Leukippos glaubten an unteilbar kleinste Teilchen eines Stoffes, das sie Atom nannten. Thales von Milet glaubte an Wasser, Anaximenes von Milet an Luft, Heraklit an Feuer und Empedokles von Agrigent an die Vereinigung von Wasser, Luft, Feuer und Erde. Empedokles erdachte sich einen Feuerstoff in der Luft (Grundlage der späteren Phlogiston-Theorie nach Stahl) und vermutete, dass sich die vier Urstoffe zufällig mischen, wobei Liebe und Streit zwischen ihnen eine Rolle spielt. Alle Dinge der Welt sollten dabei aus der Mischung dieser vier Elemente entstehen.

Aristoteles (384 v. Chr. in Stageira; † 322 v. Chr. in Chalkis) glaubte an die vier Urelemente des Empedokeles und zusätzlich an gegensätzliche Ureigenschaften. Jedes Element besitzt dabei zwei Ureigenschaften. Durch den Austausch der Eigenschaften sollte die Umwandlung der Stoffe ermöglicht werden. Aristoteles ergänzte noch ein weiteres Urelement - den Äther. Dieser Stoff sollte ewig und unwandelbar alles durchdringen und somit in allen Stoffen enthalten sein.

Die Alchemie entwickelte sich aus der Naturphilosophie. Diese verband in der Frühzeit Zauber und Mystik mit dem Verfahren der Metallumwandlung, frühen Reinigungsverfahren und der Farbmittelherstellung. In Ägypten vermengten sich im 2. Jahrhundert n. Chr. Religion, Astrologie und Magie. Statt der vier Urelemente wurden zwei Grundstoffe der Materie erdacht, Quecksilber und Schwefel. Quecksilber wurde als männliches Prinzip, Schwefel als weibliches Prinzip betrachtet. Ferner wurde Arsen dem Männlichen Prinzip hinzugefügt. Alle Metalle sollten aus diesen Stoffen hergestellt werden können, der Schwefel und das Arsen standen dabei für die Farbe, das Quecksilber für den metallischen Charakter des Metalls. In der griechisch arabischen Alchemie waren die Urelemente Erde, Wasser, Luft und Feuer nach Empedokles sowie die Schwefel–Quecksilber–Theorie von grosser Bedeutung.

Die Wissen um die Alchemie wurde im 12. Jahrhundert durch arabische Alchemisten nach Europa gebracht. Die arabischen Alchemisten waren die Quelle der Erkenntnisse europäischer "Goldmacher“, Forscher und Gelehrter. Die Araber bezogen ihre Kenntnisse wiederum von chinesischen Gelehrten und griechischen Naturphilosophen. Durch die Islamische Expansion um das Jahr 630 [1] ging das griechische sowie das chinesische Wissen auf muslimische Gelehrte über. Die mittelalterlichen Theorien der Alchemisten ergaben sich nicht nur aus ihren experimentellen Erfahrungen, sondern auch aus Lehren der Astrologie. [2][3]

Im 17./18. Jahrhundert wurde die Alchemie nach und nach von der modernen Chemie und Pharmakologie abgelöst. Noch bis 1819 bestand in Deutschland eine alchemistische, hermetische Gesellschaft.

Opus Magnum

Unter dem Begriff Opus Magnum (von lat.: magnum = „großes“ sowie opus = „Werk“) wird die Entdeckung, bzw. die Erschaffung des Steins der Weisen verstanden. Der Weg zur Herstellung des Steins sollte über verschiedene Stufen verlaufen, wobei deren erforderliche Anzahl im Verlauf der Zeit wuchs und anfänglich drei, danach vier, später sieben und schliesslich zwölf betrug. Der praktische Teil des grossen Werks bildete das Gegenstück zum einfacheren Kleinen Werk (Opus Minus), woraus ein weniger vollkommenes Mittel kreiert werden sollte das unedle Metalle in Silber verwandeln könne. [4]

Das grosse Werk entwickelte sich im lauf der Jahrhunderte zu einem unüberschaubaren Gewirr aus verschiedenen Vorschriften und Weisheiten. Paracelsus beschreibt unter anderem in seiner De natura rerum bereits den Prozess einer siebenstufigen Transmutation. In George Ripley's Liber duodecim portarum wird eine zwölfstufige Umwandlung zur Goldherstellung veranschaulicht.[5]

Stein der Weisen

Der Stein der Weisen (von lat. Lapis philosophorum, (الإكسير), El Iksir, von griech. xerion = Stein), – oder auch den Azoth – wurde von Alchemisten seit der Spätantike als eine Substanz angesehen, mit der unedle Metalle, wie etwa Quecksilber oder Blei, in Gold oder Silber verwandelt werden könnten. Vielen Alchemisten galt der Stein der Weisen zudem als Universalmedizin. Die Entdeckung des Steins der Weisen wird als das "Große Werk" bezeichnet. Für dessen Herstellung ist die Enthüllung der Ursubstanz, der sogenannten Prima materia notwendig. Die Transmutation des Alchemisten, das Große Werk, konnte mehrere Monate oder Jahre dauern. Sie bestand aus einem praktischen Teil, und einer theoretischen, religiösen Komponente. Der Alchemist musste die Gegensatzpaare Körper – Geist, Mikrokosmos – Makrokosmos, Schwefel – Quecksilber, Wasser – Feuer, Erde – Himmel, warm – kalt und trocken – feucht so einsetzen, dass sein Großes Werk den Mikrokosmos, den Makrokosmos, die chemischen Elemente, das Himmelsgewölbe, die eigene Seele und die Mitwelt läuterte.

Durch die Zugabe einer geringen Menge dieser Substanz sollte die Verwandlung unedler Metalle in edlere ermöglicht werden. Gemäss alchemistischem Weltbild wurde der innere Aufbau der Stoffe nicht nur als als eine Sammlung von Eigenschaften begriffen, sondern auch als Prinzipien wahrgenommen. Die Umwandlung des unedlen Stoffes sollte somit durch die Befreiung seiner unedlen Prinzipien geschehen. Der so befreite Stoff sollte dann empfänglich für neue Prinzipien sein.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele Bezeichnungen für den Stein der Weisen verwendet. Einige von ihnen sollen auf die verschieden gelagerte Kräfte des Steins heinweisen welche durch die Erschaffungsprozesse des grossen und kleinen Werks entstehen. Roter Löwe, Großes Elixier, Magisterium, Rote Tinktur, Panazee des Lebens und Astralstein, waren gängige Charakterisierungen. In den Vorstellungen der Araber sollte aus dem Stein der Weisen vor allem eine Universalmedizin hergestellt werden, die auf den menschlichen Körper heilend, stärkend und verjüngend wirken sollte. Wer dieses Mittel gefunden hätte, sollte Adept genannt werden. Ein weniger vollkommenes Mittel, das unedle Metalle in Silber verwandeln könne, sollte Weißer Löwe, Weiße Tinktur, das Kleine Elixier oder Magisterium heißen. Das Universal besass nach alchemistischen Vorstellungen die Kraft, sämtliche unedle Metalle in jedem Mengenverhältnis in Gold zu verwandeln, der Partikular die Fähigkeit ein bestimmtes Metall zu verwandeln. Aurum Potabile („Trinkbares Gold“) sollte gegen jede Krankheit und als einziges auch gegen das Altern wirksam sein. Das "trinkbare Gold" war die Verbindung des Steins der Weisen mit Rotwein. Die Verbindung mit destilliertem Wasser sollte bis auf die verjüngende, alle Wirkungen des Aurum Potabiles vollbringen können, und wurde als Universalmedizin bezeichnet. [6]

Spagyrik

Hauptartikel: Spagyrik

Der Begriff Spagyrik kommt aus dem Griechischen und besteht aus spagein (trennen) sowie ageirein (verbinden). Als Spagyrik wird der Teil der Alchemie bezeichnet, der sich mit Hilfe überlieferter alchemistischer Verfahren der aufwändigen Fertigung von Medikamenten und Tinkturen widmet. Wie bereits vor über hundert Jahren werden auch heute noch viele Erscheinungsformen der Spagyrik mit oftmals eigenen Herstellerfirmen und eigenen Bezeichnungen beobachtet. Einige von ihnen sind zugelassene Hersteller aus dem Bereich besondere Therapieeinrichtungen und dürfen Spagyrika ohne wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit anbieten.

Geheimbezeichnungen

Die Alchemisten mussten gegenüber Außenstehenden ein strenges Schweigegebot bezüglich ihres Wissens einhalten. Sie benutzten häufig eine Art von symbolischem Code, welcher einerseits dazu diente, das für den Unterhalt des Alchemisten wichtige Geheimwissen zu bewahren und andererseits die damit verbundene Philosophie zu verschleiern. Diese verschlüsselte Fachsprache war für Uneingeweihte nicht zu verstehen. Die meisten Geheimnisse wurden lange Zeit nur mündlich den vertrauenswürdigsten Adepten anvertraut. Die ersten Wörterbücher für Alchemisten von C. Gesner und A. Libavius erschienen ab 1539 und machten die Grundlage für chemisches Wissen einer größeren Anzahl von Personen zugänglich.[7]

Planetenmetalle

Die sog. 7 Planetenmetalle sind eng mit der Alchemie und der Hermetik verbunden. Etwa im 9. bis 7. Jahrhundert vor Christus wurden Metalle mit Himmelskörpern bzw. mit den Himmelskörpern zugeordneten Göttern verknüpft, die Eigenschaften der jeweiligen Planetengottheit sollte sich im zugeordneten Metall wiederspiegeln. Die Alchemisten ordneten jedem bekannten Metall ein Elementsymbol zu:

Planet/Gottheit Metall Elementsymbol
Sonne Gold
Mond Silber
Merkur (im englischen bis heute Mercury) Quecksilber
Venus Kupfer
Mars Eisen
Jupiter Zinn
Saturn Blei

Diese Planetenmetalle waren ein wichtiger Bestandteil alchemistischer und astrologischer Lehren. In der dadurch beeinflussten Paracelsusmedizin etwa spielten sie eine wesentliche Rolle. Noch heute werden die Planetenmetalle, homöopathisch dosiert, in der anthroposophischen Medizin verwendet. Im Rahmen siebentägiger "Metallkuren" soll dabei gleichzeitig die Verbindung zwischen Planetengottheiten und den diesen zugeordneten Wochentagen hergestellt werden.[8]

Quellenangaben

<references>

  1. Vgl. Kennedy, The Great Arab Conquests, S. 225ff.
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Chemie#Die_Wurzeln_der_Chemie
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Chemie_im_Altertum
  4. Claus Priesner, Karin Figala: Alchemie. Lexikon einer hermetischen Wissenschaft. Artikel Opus Magnum. München 1998, S. 261
  5. George Ripley: Liber Duodecim Portarum. In: Theatrum Chemicum. Straßburg 1659, Band III, S. 797 ff.
  6. https://de.wikipedia.org/wiki/Stein_der_Weisen
  7. Berend Strahlmann: "Der Chemiker im Wandel der Zeiten", Verlag Chemie, Weinheim 1972, S. 92
  8. https://de.wikipedia.org/wiki/Planetenmetalle