China-Öl

Ätherische Öle (auch etherische Öle, von Ether, bzw. aetherolea) sind Pflanzenextrakte, die einen intensiven charakteristischen Eigengeruch haben, der für den Menschen leicht wahrnehmbar ist. Etwa 120 verschiedene ätherische Öle sind bekannt. Ätherische Öle sind Bestandteile von Parfüm, werden aber auch in der Alternativmedizin in der Aromatherapie eingesetzt.

Zu unterscheiden sind aus Pflanzen gewonnene ätherische Öle, naturidentische ätherische Öle und synthetische ätherische Öle.

Der Weltmarkt für die ätherischen Öle wird auf etwa 600 Mio. € geschätzt, bei einer Produktion von etwa 50. bis 60.000 Tonnen pro Jahr (ein Drittel davon Zitrusöle). Mehr als 50% der Menge auf dem Weltmarkt stammt aus China.

Chemie ätherischer Öle

Ätherische Öle sind in organischen Lösungsmitteln löslich und bestehen größtenteils aus komplexen Gemischen verschiedener Terpene und Sesquiterpene. Rückstände fettlöslicher Pestizide im Ausgangsmaterial können sich im ebenfalls fettlöslichen ätherischen Öl anreichern. In Wasser sind ätherische Öle nicht löslich, auf Grund ihres geringeren spezifischen Gewichts schwimmen sie auf Wasser. Ätherische Öle enthalten sekundäre Pflanzenstoffe.

Funktion in der Natur

Ätherische Öle werden in den Öldrüsen der Pflanzen gebildet und im Pflanzengewebe gespeichert. Sie befinden sich in Blüten, Blättern, Samen, Fruchtschalen, Wurzeln, Harzen, Rinden oder im Holz. Sie haben verschiedene Funktionen:

  • Anlockung von Insekten zur Bestäubung
  • Signalmolekül zur Abwehr von Schädlingen
  • Schutz vor Krankheiten, die z. B. durch Bakterien oder Pilze hervorgerufen werden.

Verwendung

Ätherische Öle werden als Ab-/Einreibungen, Auflagen mit Wickeln/Kompressen, Dampfbäder, Inhalationen, (Mund-)Spülungen, Voll- und Teilbäder eingesetzt. In Kapselform werden manche Öle auch eingenommen, es können auch Tinkturen, Sirupe oder Weine verwendet werden. Relativ häufig finden sich Duftkissen oder -lampen, Räucherstäbchen und Vernebelungskerzen mit ätherischen Ölen.

Ätherische Öle werden in der Parfümindustrie und in der Kosmetik eingesetzt, aber auch als medizinischer Wirk- und Zusatzstoff. In der Lebensmittelindustrie werden sie auch zur Geschmacksbeeinflussung eingesetzt.

Ätherische Öle finden sich auch in einigen nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, als Eukalyptus oder enthol-Produkte.

Wirkungen beim Menschen

Durch ihre relativ kleine Molekularstruktur gelangen ätherische Öle über die Haut oder Schleimhaut in Blutkreislauf und Gewebe. Die meisten ätherischen Öle sind haut- und schleimhautreizend und können daher nur stark verdünnt angewendet weden. Vergiftungen durch ätherische Öle sind daher möglich und auch beschrieben worden.

Ätherische Öle können auch über die Einatmung an Schleimhäute und in die Lunge geraten und systemische Wirkungen entfalten.

Bei der Einnahme über den Mund (oral) wird ein Teil der Wirkstoffe über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen, größtenteils gelangen sie über die Mundschleimhäute in den Blutkreislauf.

Über eine Reizung des (olfaktorischen) Geruchssystems des Menschen werden Wirkungen induziert. Gefühlsänderungen, Reaktionen des vegetativen Nervensystems, Beeinflussungen der Freisetzungen von Hormonen sind die mögliche Folge.

Unerwünschte Wirkungen

Ätherische Öle dürfen nicht unverdünnt auf die Haut gebracht werden, und werden daher meist an bestimmte "Carrier-Öle" gebunden. Schwangeren wird die Nutzung nicht empfohlen. Eingenommene Mengen ab 0,5 ml können bereits einen Abort bewirken.

  • Allergien und Unverträglichkeiten gegenüber ätherischen Ölen sind bekannt.[1][2][3][4]
  • Ätherische Öle können asthmatische Anfälle auslösen
  • Photodermatosen können ausgelöst werden
  • Gynäkomastie und anti-androgene Effekte sind bei Jungen bekannt geworden.[5][6]
  • Pestizid-Rückstände können unerwünschte Wirkungen erzeugen
  • Einige Haustiere (wie Katzen) zeigen besondere unerwünschte Reaktionen bei Einnahme.[7]
  • Einige ätherische Öle sind bei menschlicher Einnahme relativ toxisch. Sehr giftig sind z.B. Kampher, Eukalyptus- (Cineol) und Pfefferminzöl (Menthol).
  • Gefahren durch Biolacke und Bioverdünner mit ä.Ö.

Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin äußerte sich am 1. März 2002 in einer Stellungnahme "Die Dosis macht das Gift - auch pflanzliche Duftstoffe sind nicht immer harmlos" zu ätherischen Ölen. Das Institut wies auf schwere Vergiftungsfälle bei Kindern hin, die durch ätherische Öle verursacht wurden. Schon kleinste Mengen (z.B. wenige Tropfen), die in Mund oder Nase geraten, können bei Säuglingen und Kleinkindern zu lebensbedrohlichen Verkrampfungen des Kehlkopfs und zu Atemstillstand führen. Weitere unerwünschte Wirkungen sind Haut- und Schleimhautreizungen, Erbrechen, Bewegungsstörungen oder sogar Krampfanfälle[8]. Das BgVV appellierte daher dringend an Eltern, pflanzliche Duftstoffe bei Kindern mit großer Vorsicht und nur entsprechend ihrer Zweckbestimmung anzuwenden.

Chinaöl

Vorsicht ist bei der Anwendung von ätherischen Ölen geboten, die einen hohen Anteil an toxischen Ölen aufweisen wie die so genannten "Chinaöle" und "Chinabalsame" und entsprechende "wärmende" Sportsalben und Duftöle. Bei Säuglingen und Kleinkindern können schon wenige, versehentlich in den Nasen-Rachenraum gelangte Tropfen der ätherischen Öle Verkrampfungen des Kehlkopfs auslösen und zu Atemstörungen führen.[9]

Literatur

  • Robert Tisserand (1995). Essential Oil Safety: A Guide for Health Care Professionals. Churchill Livingstone. ISBN 0-443-05260-3.

Weblinks

Quellennachweise

  1. Weiss RR, James WD: Allergic contact dermatitis from aromatherapy. Am J Contact Derm 8: 250-251, 1997
  2. Cockayne SE, Gawkrodger DJ: Occupational contact dermatitis in an aromatherapist. Contact Dermatitis 37: 306-307, 1997
  3. Bilsland D, Strong A: Allergic contact dermatitis from the essential oil of French marigold (Tagetes patula) in an aromatherapist. Contact Dermatitis 23: 55-56, 1990
  4. Brandao FM: Occupational allergy to lacender oil. Contact Dermatitis 15: 249-250, 1986
  5. Henley, D. V.; Lipson, N; Korach, KS; Bloch, CA (2007). "Prepubertal gynecomastia linked to lavender and tea tree oils". New England Journal of Medicine 356 (5): 479–85. doi:10.1056/NEJMoa064725. PMID 17267908
  6. "Oils make male breasts develop". BBC News. 2007-02-01. http://news.bbc.co.uk/2/hi/health/6318043.stm
  7. Bischoff K, Guale F (April 1998). "Australian tea tree (Melaleuca alternifolia) oil poisoning in three purebred cats". J. Vet. Diagn. Invest. 10 (2): 208–10. PMID 9576358. http://www.jvdi.org/cgi/pmidlookup?view=long&pmid=9576358.
  8. http://www.bfr.bund.de/cd/10945
  9. Der Stern, Artikel in Nr 8/2002: "Naturheilmittel"