Hochfrequenz-Ozon-Therapie

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Gerät von ca. 1920 mit einer Anzahl von Elektroden
Modernes Gerät
Leuchtende Elektrode[1]
Anwendung eines speziellen Inhalators zum Einatmen des entstehenden Ozons
Kompaktes Gerät, bei dem der Elektrodenhalter direkt an die Netzsteckdose angeschlossen wird
Oben: Aufbau eines Gerätes, Zeichnung aus einem Patent von 1924.[2] Unten: Schaltbild eines ähnlichen Gerätes[3]

Die Hochfrequenz-Ozon-Therapie ist eine zu Beginn des 20. Jahrhunderts populär gewordene pseudomedizinische Behandlungsmethode, die sich den Reizstrom-Therapien zuordnen lässt. Andere Bezeichnungen sind Violet Ray und Violet Wand (engl. violetter Stab) und im deutschsprachigen Raum auch Tefra-Therapie, nach der Herstellerfirma Tefra aus Berlin, die entsprechende Geräte seit den 1920er Jahren bis heute anbietet.[4] Als Erfinder der Methode gilt Nikola Tesla, eine weitere Bezeichnung ist deshalb Hochfrequenztherapie nach Tesla. Als Jahr der Erfindung wird 1891 oder 1893 angegeben. Tesla habe zuvor mit Paul Marie Oudin in Kontakt gestanden, der ebenfalls mit Hochspannung zu medizinischen Zwecken experimentierte. Befürworter berufen sich außerdem auf den Geistheiler Edgar Cayce und den Physiker Jacques-Arsène d'Arsonval, beides Zeitgenossen von Tesla.

Aufbau und Handhabung

Die Geräte bestehen aus einem Hochspannungsgenerator, der mit einem Tesla-Transformator realisiert ist. Dieser ist in einen Handgriff eingebaut, der als Halter für eine auswechselbare "Elektrode" aus Glas dient. Die Elektrode ist mit Edelgas (Neon, Argon) gefüllt, das beim Betrieb rosa, violett oder blau leuchtet. Mit der Elektrode streicht der Anwender über die Haut, wodurch ein schwacher hochfrequenter Wechselstrom durch den Körper fließt. Bei etwas Abstand zur Haut verursacht die Anwendung ein Kribbeln oder Prickeln, bei Hautkontakt ein Gefühl der Erwärmung. Einige wenige Geräte haben einen Anschluss für eine Gegenelektrode, die z.B. eine Fußplatte sein kann. Als Nebeneffekt entsteht durch die elektrische Entladung Ozon, was am Geruch zu erkennen ist. Nach Ansicht der Befürworter dringen die Ozonmoleküle "durch die geöffneten Poren in die Blutbahn ein"[5] und entfalten dort positive gesundheitliche Wirkungen. Behauptet wird außerdem, dass die Geräte "Longitudinal-Wellen" erzeugen, die ebenfalls vorteilhaft für den Organismus seien.

Charakteristisch für die Hochfrequenz-Ozon-Therapie ist die große Zahl unterschiedlich geformter Elektroden. Je nach Anwendung oder zu behandelndem Leiden soll eine eigene Elektrode benutzt werden. Es gibt stabförmige, flächige und kammförmige Elektroden, Augen- und Ohrenelektroden, Mastdarmelektroden, Wundbehandlungselektroden, Akupunkturelektroden, Saugelektroden zur Kombination der Therapie mit dem Schröpfen und vieles mehr. Zur besseren Nutzbarmachung des Ozons werden außerdem Inhalatoren oder "Inhalationselektroden" angeboten. In einer Preisliste aus dem Jahr 2013 sind fast 40 unterschiedliche Bauformen aufgeführt, mit Varianten sogar über 70.[6]

Über die Frequenz und die Höhe der Spannung der Geräte finden sich nur vage Angaben. Aus dem Aufbau kann man auf eine Frequenz von einigen 100 kHz bis etwa 1 MHz schließen. Die maximale Spannung liegt bei mehreren 10 kV, die aber bei Berührung stark zusammenbricht. Seit der Einführung vor über 100 Jahren hat sich an der Technik wenig geändert. So waren die Geräte der Firma Tefra noch Ende der 1980er Jahre mit der klassischen Form des Tesla-Transformators mit einer Funkenstrecke als Zerhacker aufgebaut. Inzwischen wurde diese Schaltung allerdings durch einen elektronischen Generator ersetzt. Viele ältere Geräte arbeiten auch mit einem elektromechanischen Unterbrecher (Wagnerscher Hammer) statt einer Funkenstrecke. Eine weitere Neuerung sind Elektroden aus farbigem Glas, womit man der Werbung zufolge die Hochfrequenztherapie "durch Aspekte der Farbtherapie" ergänzt habe.[7]

Technisch entsprechen die Glaselektroden mit ihrer Gasentladung der Geißlerröhre, benannt nach dem Physiker und Glasbläser Heinrich Geißler (1814-1879). Es handelt sich um eine teilevakuierte und mit unterschiedlichen Gasen, Dämpfen oder Aerosolen gefüllte Glasröhre. Je nach Art der Füllung leuchtet diese in unterschiedlichen Farben. Geißlerröhren werden zu Ausbildungszwecken zur Demonstration von Gasentladungen benutzt, oder auch nur wegen der ästhetischen Wirkung der farbigen Gasentladungen betrieben.

Anwendungsgebiete

Am häufigsten genannt werden allgemein eine Verbesserung der Durchblutung und die Behandlung von Hauterkrankungen, eine schnellere Wundheilung sowie Schmerzlinderung, etwa bei Erkrankungen der Gelenke. Geeignet sei die Methode auch zur "Entgiftung". Im Einzelnen wird jedoch eine Vielzahl von Indikationen angegeben. Ein US-amerikanisches Patent aus dem Jahr 2001, das die typische Schaltungstechnik der Violet-Ray-Geräte beschreibt, zielt sogar ausdrücklich auf die Behandlung von AIDS ab.[8] Einen Eindruck davon, bei welchen Leiden die Hochfrequenz-Ozon-Therapie nach Ansicht ihrer Befürworter sinnvoll ist, vermittelt die Elektrodenpreisliste der Firma Tefra.[6] Einige Auszüge:

Flächenelektrode Neon FL grün: Allergien, rheumatische Erkrankungen
Flächenelektrode Neon FL weiß: bei bösartigen organischen Leiden
Grossverstärkerelektrode Neon FL blau: bei Rheuma, Hautallergien, Blutdrucksenkung (über dem Herztriggerpunkt bestrahlen)
Grossverstärkerelektrode Neon FL rot: bei Diabetes, zum Entgiften aller Organe, zum Abschluss jeder Behandlung, zum Nierenaktivieren, Arthrose
Kammelektrode Neon FL blau: sedierend, Schmerzzustände, entzündungshemmend
Kammelektrode Neon FL grün: Schuppenflechte, Pilze, Haarausfall
Kammelektrode Vakuum lila: Tagesmüdigkeit
Augenelektrode doppelt, Neon FL blau: zur Nachbehandlung von grünem Star
Augenelektrode Vakuum lila: bei anfänglichen Sehstörungen, zur schnellen Enteiterung, in der Kosmetik geeignet
Mastdarmelektrode Vakuum lila: Schließmuskelbeschwerden, Risse im After
Ohrenelektrode Neon FL blau: Entzündungen, Tinnitus, Gehörsturz, Schwerhörigkeit
Scheidenelektrode Neon FL blau: Menstruationsbeschwerden, Eierstockentzündung, Eiterfluß, Ekzeme, Myom(a), Pilz, Wechseljahresbeschwerden
Wundbehandlungselektrode Vakuum lila: offen Wunden, Ulcus Cruris
Herzelektrode Vakuum lila: bei Neurosen, Stechen, Herzkranzgefäßverengung, Verkalkung, Rhythmusstörungen, Blutdrucksenkung
Werbefoto eines Herstellers von Violet Wands als Fetischspielzeug[9]

Beworben werden außerdem kosmetische Anwendungen, vor allem aus dem Bereich Anti Aging, beispielsweise "Biolifting" zur Straffung der Haut. Die Geräte werden auch zur erotischen Elektrostimulation verwendet; in diesem Bereich wird überwiegend die Bezeichnung Violet Wand verwendet. Gemessen an der Zahl entsprechender Internetseiten von Anbietern dürfte dies inzwischen die hauptsächliche Anwendung des Verfahrens darstellen.

Nebenwirkungen und Gefahren

Anbieter bezeichnen die Hochfrequenz-Ozon-Therapie häufig als schonende oder sanfte Behandlung. Vom Hersteller Tefra wurde viele Jahre lang eine Broschüre verbreitet, in der jede Art schädlicher Nebenwirkung auf heute naiv und verantwortungslos anmutende Weise kategorisch verneint wurde.[10] Es bestehen jedoch Gefahren für Träger von Herzschrittmachern und anderen elektronisch betriebenen Implantaten. Bedenklich ist außerdem die Anwendung an Schleimhäuten und vor allem an den Augen. Bei Anwendung in Körperöffnungen besteht ferner eine erhebliche Verletzungsgefahr, da die Glaselektroden zerbrechen können.

Siehe auch

Quellen

  1. Quelle: www.quantumbalancing.com/violet_ray.htm
  2. US Patent 1,506,344: Violet Ray Generator. Patented Aug. 26, 1924. Inventor: Benno Frederick Jancke
  3. US Patent 1,524,876: Holder for terminals of violet-ray apparatus. Patented Feb. 3, 1925. Inventors: Theodore Mueller, Theodore S. Lorenze
  4. Tefra HF-Apparate, Rudolf Messerschmidt GmbH, Wolzogenstraße 2, D-14163 Berlin. www.tefra-berlin.com
  5. Dr. med. Erich Grünkern: Der TEFRA-Apparat. Sein Wesen und seine Anwendung. Tefra-Apparatebau Rudolf Messerschmidt, Berlin. 9. Auflage, 1960
  6. 6,0 6,1 Preisliste "Elektroden-Übersicht Stand 06/13" der Tefra HF-Apparate Rudolf Messerschmidt GmbH, abgerufen von www.tefra-berlin.com am 22. Juli 2013
  7. Werbung der activ Care transcon GmbH, 41334 Nettetal, abgerufen am 22. Juli 2013
  8. US Patent 6,217,604 B1: Method for treating diseased states, in particular AIDS, using an electromagnetic generator. Date of Patent: Apr. 17, 2001. Inventors: Larry Azure, James David Girard
  9. http://www.violetwanda.net/
  10. Das einheitliche Wirkungsprinzip der HF.-Ströme entbindet den Arzt von allen Befürchtungen wegen schädigender Nebenwirkung, auch kann er stets die Bestrahlung so dosieren, wie es dem Patienten gefällt. Auch bei Fehldiagnosen ist er vor bösen Folgen gesichert, da er nur dem kranken Organismus positive Kraft zuführt. Damit ist sein oberstes Prinzip seiner ganzen Therapie in idealer Weise gewahrt. Das sind aber auch die Gründe, welche den Laien vor Schaden bewahren, wenn er sich im Krankheitsfalle selbst mit dem HF.-Apparat bestrahlt. HF.-Strahlen schließen jede Schädigung in jeder Beziehung aus, weil sie immer nur die im Körper befindlichen Säfte und Kräfte unterstützen und stets eine Stärkung und Vermehrung der Selbstheilkraft des Körpers vermitteln! Dr. med. Erich Grünkern: Der TEFRA-Apparat. Sein Wesen und seine Anwendung. Berlin. 9. Auflage, 1960