Tigilanol Tiglat

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Typisches Video für die aktuell zur Therapie nicht zugelassene Substanz Tigilanol-Tiglat

Tigilanol -iglat (engl. tigilanol tiglate, zuvor EBC-46) ist der Name eines aus Pflanzen gewonnenen und patentierten Wirkstoffs, der derzeit (2017) präklinisch von der australischen Pharmafirma Ecobiotics auf seine Wirksamkeit bei Krebs hin untersucht wird. Zur Zeit (2017) gibt es kein zugelassenes Arzneimittel mit diesem Wirkstoff. Ermutigende positive Studienergebnisse aus einem Tierversuch können nicht direkt auf den Menschen übertragen werden. Eine erste Studie mit Patienten soll ein positives Ergebnis gezeigt haben, und es wird eine Patientin mit Namen Denise Powell genannt.[1][2] Allerdings lassen sich keine weiteren Angaben oder eine Veröffentlichung dazu finden.

Die Substanz EBC-46 wurde bereits 2004 entdeckt. Der experimentell eingesetzte Wirkstoff findet sich unter anderem in den Samen von Fontainea picrosperma, einer Pflanze, die in Australien heimisch ist. Die Substanz trägt zur Fraßhemmung der Pflanzen gegen Pflanzenfresser bei (pflanzliche Abwehr von Herbivoren). Fontainea picrosperma findet sich im Unterholz des Regenwaldes im nordöstlichen Teil des australischen Bundesstaates Queensland. Sie kommt dort im Atherton-Tafelland in Höhenlagen von 700 bis 1000 Metern vor.

Die Substanz wird aktuell (2017) in mehreren Presseberichten und im Internet agressiv als eine Art Wundermittel gegen Krebs angepriesen. Behauptet wird dann gerne, dass es eine Beere gebe, die Krebs innerhalb von 48 Stunden heile. Sogar Rüdiger Dahlke bewarb diesen Wirkstoff mit dessen zytotoxischen Eigenschaften.[3]

Dabei wird jedoch nicht der eigentliche Wirkstoff genannt, sondern eine der Pflanzen, die den Wirkstoff enthält. Gemeint ist dabei die australische Pflanzenart Blushwood Tree (lat. Hylandia dockrillii). Die Berichte über Wunderwirkungen der Beeren des Blushwood Tree enthalten einen Fehler: die in diesem Zusammenhang genannte Versuchstierstudie nennt einen Wirkstoff (EBC-46), welcher aus Fontainea picrosperma gewonnen wurde und nicht aus Blushwood Tree. Allerdings enthält der Blushwood-Baum auch den Wirkstoff Tigilanol-Tiglat (EBC-46). EBC-46 wird nicht synthetisch hergestellt, sondern aus Fontainea picrosperma isoliert. In Australien dürfen Extrakte von Beeren des Blushwood-Baums wegen ihrer Giftigkeit nicht verkauft werden. Der Wirkstoff wurde im Tierversuch intratumoral (direkt in den Tumor) injiziert und nicht verfüttert. Ecobiotics soll aktuell prüfen, diese Pflanzen in einer Plantage anzubauen. International finden sich aktuell chinesische Anbieter von Blushwood-Tree-Extrakten.

Den Berichten in der Publikumspresse zu Folge soll eine einzige intratumorale Injektion mit dem Wirkstoff aus Blushwood-Tree ausreichen, um in 70% der Fälle Krebszellen bei erkrankten Versuchstieren abzutöten.

Die Substanz wurde durch die Ecobiotics Tochterfirma Qbiotics durch ein automatisches Testverfahren an Pflanzen gefunden, die von Beuteltieren (Marsupialia) wegen seiner entzündungsauslösenden Wirkung gemieden wird. Aufgereinigte Fraktionen wurden auf die krebshemmenden Eigenschaften hin untersucht (Ecologic-Verfahren). Es folgte dann die Synthese des isolierten Wirkstoffs zur Bestätigung. Chemisch handelt es sich um ein Phorbolester, Diterpen und Cyclopropan. Phorbolester sind für die Giftigkeit vieler Pflanzen verantwortlich, zum Beispiel beim Manchinelbaum und seinen Früchten (Manzanilla de la muerte - Äpfelchen des Todes). Phorbolester stören die zelluläre Signaltransduktion und können auch Tumoren initiieren, also auslösen.[4] Pflanzen mit höheren Gehalten an Phorbolestern sind problematische Futtermittel in der Tiermast von Pflanzenfressern, mit der Folge von Vergiftungen.

Wissensstand zum möglichen Wirkmechanismus

Nach aktuellem Erkenntnisstand ist Tigilanol-Tiglat/EBC-46 ein Aktivator der Proteinkinase C. Das Enzym PKC war bereits zuvor Zielmolekül von mehreren Arzneimitteln, bis hin zu einer klinischen Phase I Studie. Aufgrund von verschiedenen, teils lebensgefährlichen Nebenwirkungen wurde die Studie gestoppt.

Studien zu Tigilanol-Tiglat / EBC-46

Im Oktober 2014 veröffentlichten Forscher des Berghofer Medical Research Institutes im australischen Brisbane eine Tierversuchsstudie über die zytostatische (zellzerstörende) von EBC-46.[5]

EBC-46 wurde inzwischen patentiert. Eine ähnliche Substanz wurde EBI-46 genannt.

Weblinks deutsch

Weblinks englisch

Quellennachweise

  1. http://www.swp.de/ulm/nachrichten/vermischtes/krebstherapie_-tropenfrucht-zeigt-auch-beim-menschen-wirkung-13632633.html
  2. http://www.hoaxorfact.com/health/scientists-find-an-australian-berry-to-cure-cancer-in-48-hours-facts.html
  3. https://de-de.facebook.com/ruedigerdahlke/posts/841402732570711
  4. P. M. Blumberg: Protein kinase C as the receptor for the phorbol ester tumor promoters: sixth Rhoads memorial award lecture. In: Cancer Research. Band 48, Nummer 1, Januar 1988, S. 1–8; PMID 3275491
  5. G. M. Boyle, M. M. A. D'Souza, C. J. Pierce, R. A. Adams, A. S. Cantor, J. P. Johns et al.: Intra-Lesional Injection of the Novel PKC Activator EBC-46 Rapidly Ablates Tumors in Mouse Models. In: PLoS ONE, Volume 9, Issue 10, 2014, e108887. doi:10.1371/journal.pone.0108887