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*Seminom (Hodentumor)  
 
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*Hepatozytenadenom (Leberzellkarzinom)  
 
*Hepatozytenadenom (Leberzellkarzinom)  
Allderings, so Carl A. Luer, Leiter des meeresbiochemischen Forschungsprogramms (Marine Biomedical Research Program) am Mote Marine Laboratory (Florida), scheint die Krankheitsrate von Haien und Rochen niedriger zu sein als bei höheren Fischen. Im Vergleich mit dem Immunsystem höher entwickelter Tiere wurden sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede in der genetischen Organisation der Immunglobuline gefunden (Litman 1996). "Die Annahme aber, das Immunsystem der Elasmobranchier sei besser als das menschliche, ist sicherlich ohne jede wissenschaftliche Basis", stellt Luer (1999) fest.<ref name='GWUP'>[http://www.gwup.org/zeitschrift/skeptiker-archiv/741-sind-haie-gegen-krebs-immun- Erich Eder (2002) Sind Haie gegen Krebs immun? Alternativmedizin versus Artenschutz]</ref>
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Allerdings, so Carl A. Luer, Leiter des meeresbiochemischen Forschungsprogramms (Marine Biomedical Research Program) am Mote Marine Laboratory (Florida), scheint die Krankheitsrate von Haien und Rochen niedriger zu sein als bei höheren Fischen. Im Vergleich mit dem Immunsystem höher entwickelter Tiere wurden sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede in der genetischen Organisation der Immunglobuline gefunden (Litman 1996). "Die Annahme aber, das Immunsystem der Elasmobranchier sei besser als das menschliche, ist sicherlich ohne jede wissenschaftliche Basis", stellt Luer (1999) fest.<ref name='GWUP'>[http://www.gwup.org/zeitschrift/skeptiker-archiv/741-sind-haie-gegen-krebs-immun- Erich Eder (2002) Sind Haie gegen Krebs immun? Alternativmedizin versus Artenschutz]</ref>
    
==Wirksamkeit==
 
==Wirksamkeit==
 
Durch anekdotische Erfolgsberichte gaukelt die Werbung eine krebsheilende Wirkung von Haiknorpel-Präparaten vor. Bei einer an der Cancer Treatment Research Foundation (Cancer Treatment Centers of America, Illinois) durchgeführten klinischen Doppelblindstudie zur onkologischen Wirksamkeit von Haifischknorpeln an 58 freiwilligen Patienten mit Brust-, Darm-, Lungen-, Prostata- und anderen Karzinomen konnte aber keinerlei Effekt dieser Präparate auf die Patienten und/oder Tumore festgestellt werden.<ref>Miller, D. R., Granick, J. L., Stark, J. J. und G.T. Anderson (1997): Phase I/II trial of the safety and efficacy of shark cartilage in the treatment of advanced cancers. Annual meeting of the American Society of Clinical Oncology 1997, Abstract 173</ref>
 
Durch anekdotische Erfolgsberichte gaukelt die Werbung eine krebsheilende Wirkung von Haiknorpel-Präparaten vor. Bei einer an der Cancer Treatment Research Foundation (Cancer Treatment Centers of America, Illinois) durchgeführten klinischen Doppelblindstudie zur onkologischen Wirksamkeit von Haifischknorpeln an 58 freiwilligen Patienten mit Brust-, Darm-, Lungen-, Prostata- und anderen Karzinomen konnte aber keinerlei Effekt dieser Präparate auf die Patienten und/oder Tumore festgestellt werden.<ref>Miller, D. R., Granick, J. L., Stark, J. J. und G.T. Anderson (1997): Phase I/II trial of the safety and efficacy of shark cartilage in the treatment of advanced cancers. Annual meeting of the American Society of Clinical Oncology 1997, Abstract 173</ref>
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Aber selbst wenn Haie immun gegen Krebs wären, ist es unplausibel, wieso die Einnahme ihrer Knorpel oder anderer Körperteile Krebs heilen oder vorbeugen sollen, ebenso wenig, wie der mittelalterlich anmutende Aberglauben der Chinesen, dass geriebene Rhinozeroshörner oder Tigerzähne gegen Impotenz helfen sollen. Mögliche Effekte sind über einen [[Placeboeffekt]] erklärbar.
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Aber selbst wenn Haie immun gegen Krebs wären, ist es unplausibel, wieso die Einnahme ihrer Knorpel oder anderer Körperteile Krebs heilen oder vorbeugen soll, ebenso wenig, wie der mittelalterlich anmutende Aberglauben der Chinesen, dass geriebene Rhinozeroshörner oder Tigerzähne gegen Impotenz helfen sollen. Mögliche Effekte sind über einen [[Placeboeffekt]] erklärbar.
    
==Vermarktung==
 
==Vermarktung==
Von der in Starnberg ansässigen Firma Medisana Medizinische Vertriebsgesellschaft, Wilhelmshöhenstraße&nbsp;16, 82319&nbsp;Starnberg (nicht zu verwechseln mit der Fa.&nbsp;Medisana&nbsp;AG aus Meckenheim), wurde Mitte der 1990er Jahre das Produkt Haifit als Mittel gegen Krebs propagiert. Kernpunkt dieser Behauptung war die angebliche Beobachtung, dass Haie keinen Krebs bekommen würden. Dass diese Behauptung falsch ist, wird von John&nbsp;C. Harshberger, Direktor der Registry of tumors in lower animals der Smithonian Institution in Washington&nbsp;D.C. belegt. In diesem Register sind mehrere Dutzend Reporte über Krebs bei Haien dokumentiert.<ref>http://www.sharkinfo.ch/SI1_96d/knorpel.html</ref><ref>Artikel ''Haie kriegen Krebs ! - Knorpel blockiert die Neubildung von Blutgefäßen. Daher kann Knorpel auch die Tumorbildung hemmen. Haie wiederum haben viel Knorpel und bekommen offenbar keine Tumoren. Ergo: Wenn ich zerriebenen Haiknorpel schlucke, schütze ich mich gegen Krebs. Humbug! Vor allem, weil Haie sehr wohl Krebs kriegen.'', Laborjournal, 9. September 2010. [http://www.laborjournal.de/editorials/449.html Volltext]</ref>
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Von der in Starnberg ansässigen Firma Medisana Medizinische Vertriebsgesellschaft, Wilhelmshöhenstraße&nbsp;16, 82319&nbsp;Starnberg (nicht zu verwechseln mit der Fa.&nbsp;Medisana&nbsp;AG aus Meckenheim), wurde Mitte der 1990er Jahre das Produkt Haifit als Mittel gegen Krebs propagiert. Kernpunkt dieser Behauptung war die angebliche Beobachtung, dass Haie keinen Krebs bekommen würden. Dass diese Behauptung falsch ist, wird von John&nbsp;C. Harshberger, Direktor der Registry of tumors in lower animals der Smithonian Institution in Washington&nbsp;D.C. belegt. In diesem Register sind mehrere Dutzend Berichte über Krebs bei Haien dokumentiert.<ref>http://www.sharkinfo.ch/SI1_96d/knorpel.html</ref><ref>Artikel ''Haie kriegen Krebs ! - Knorpel blockiert die Neubildung von Blutgefäßen. Daher kann Knorpel auch die Tumorbildung hemmen. Haie wiederum haben viel Knorpel und bekommen offenbar keine Tumoren. Ergo: Wenn ich zerriebenen Haiknorpel schlucke, schütze ich mich gegen Krebs. Humbug! Vor allem, weil Haie sehr wohl Krebs kriegen.'', Laborjournal, 9. September 2010. [http://www.laborjournal.de/editorials/449.html Volltext]</ref>
    
Das Produkt bestand laut Packungsbeilage aus Haifischknorpelpulver, Gelatine, Haferflocken und Apfelpulver, Aromastoffen, dem Säuerungsmittel Sorbit, Vitamin&nbsp;E sowie den beiden Enzymen Bromelain und Papain.
 
Das Produkt bestand laut Packungsbeilage aus Haifischknorpelpulver, Gelatine, Haferflocken und Apfelpulver, Aromastoffen, dem Säuerungsmittel Sorbit, Vitamin&nbsp;E sowie den beiden Enzymen Bromelain und Papain.
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Haifit war nach Angaben zweier Vertriebsfirmen (Haifit aus der BRD, Ottikur/Meditech aus der Schweiz) aus nicht verwertbarem Beifang der Hochseefischerei entstanden. Haie, die in die Netze gingen, würden entsprechend verwertet. Aber diese Behauptung ist nach Angaben von Elasmo<ref>http://www.elasmo.de/gefavhur.htm</ref> falsch, da Haie heutzutage durchaus gezielt wegen ihres Skeletts und ihrer Flossen gefangen werden.
 
Haifit war nach Angaben zweier Vertriebsfirmen (Haifit aus der BRD, Ottikur/Meditech aus der Schweiz) aus nicht verwertbarem Beifang der Hochseefischerei entstanden. Haie, die in die Netze gingen, würden entsprechend verwertet. Aber diese Behauptung ist nach Angaben von Elasmo<ref>http://www.elasmo.de/gefavhur.htm</ref> falsch, da Haie heutzutage durchaus gezielt wegen ihres Skeletts und ihrer Flossen gefangen werden.
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Der Marburger Apotheker Georg Huesman<ref>Gregor Huesmann und Petra Kniebes: Schwarzbuch Wundermittel. Verlag: Hirzel, Stuttgart (2000) ISBN-10: 3777610054 ISBN-13: 978-3777610054</ref> hatte sich über Haifit (Produkt der Starnberger Firma Medisana), einem Heilmittel aus Haifischknorpeln zur Anregung von Knorpelwachstum bei Gelenkerkrankungen so geärgert, dass er das Mittel als ''Scheiß des Monats'' in sein Schaufenster stellte. Der Vertreiber verklagte daraufhin Huesman auf Zahlung von 150.000&nbsp;Euro Schadensersatz, denn als die Sache ins TV kam, ging der Umsatz mit Haifit auf Null zurück. Über die Schadensersatzklage wurde am 30.&nbsp;April 1996 verhandelt, nachdem vorher von der Firma Medisana erfolgreich (!) eine einstweilige Verfügung gegen Huesman erwirkt worden war, die ihm die Behauptung, dass das Teil ein 'Scheiß des Monats' sei, gegen Strafandrohung von 100.000&nbsp;Euro untersagte. Diese einstweilige Verfügung wurde am 23.&nbsp;Mai 1996 bestätigt.
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Der Marburger Apotheker Georg Huesman<ref>Gregor Huesmann und Petra Kniebes: Schwarzbuch Wundermittel. Verlag: Hirzel, Stuttgart (2000) ISBN-10: 3777610054 ISBN-13: 978-3777610054</ref> hatte sich über Haifit (Produkt der Starnberger Firma Medisana), ein Heilmittel aus Haifischknorpeln zur Anregung von Knorpelwachstum bei Gelenkerkrankungen so geärgert, dass er das Mittel als ''Scheiß des Monats'' in sein Schaufenster stellte. Der Vertreiber verklagte daraufhin Huesman auf Zahlung von 150.000&nbsp;Euro Schadenersatz, denn als die Sache ins TV kam, ging der Umsatz mit Haifit auf Null zurück. Über die Schadenersatzklage wurde am 30.&nbsp;April 1996 verhandelt, nachdem vorher von der Firma Medisana erfolgreich (!) eine einstweilige Verfügung gegen Huesman erwirkt worden war, die ihm die Behauptung, dass das Produkt ein 'Scheiß des Monats' sei, gegen Strafandrohung von 100.000&nbsp;Euro untersagte. Diese einstweilige Verfügung wurde am 23.&nbsp;Mai 1996 bestätigt.
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Am 24.&nbsp;April 1997 hat das Landgericht München die Schadensersatzklage von mittlerweile 150.000&nbsp;Euro der Fa.&nbsp;Medisana gegen Huesman jedoch zurückgewiesen. Medisana zog daraufhin vor den Bundesgerichtshof und unterlag im Februar 1999 letztinstanzlich mit ihrer Schadensersatzklage.
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Am 24.&nbsp;April 1997 wies das Landgericht München die Schadensersatzklage von mittlerweile 150.000&nbsp;Euro der Fa.&nbsp;Medisana gegen Huesman jedoch zurück. Medisana zog daraufhin vor den Bundesgerichtshof und unterlag im Februar 1999 letztinstanzlich mit ihrer Schadensersatzklage.
    
Die Entscheidung des Münchner Landgerichts vom April 1997, den Vertrieb von Haifit zu stoppen und es als nicht verkehrsfähig einzustufen, wurde vom Bayr. Verwaltungsgericht im Mai 1997 kassiert. Seit dieser Zeit darf Haifit - nun als [[Nahrungsergänzungsmittel]] - bundesweit vertrieben werden. Damit ist ein unwirksames Wundermittel wieder legal im Verkehr. Solange der Anbieter nur unter der Hand Werbung für sein Wundermittel betreibt, kann er dies ohne Ärger mit der deutschen Justiz tun. Ein typisches Beispiel für den tatsächlichen Wert des Rechtssystems und ein Maß für das geringe Verbraucherschutzniveau in der BRD.
 
Die Entscheidung des Münchner Landgerichts vom April 1997, den Vertrieb von Haifit zu stoppen und es als nicht verkehrsfähig einzustufen, wurde vom Bayr. Verwaltungsgericht im Mai 1997 kassiert. Seit dieser Zeit darf Haifit - nun als [[Nahrungsergänzungsmittel]] - bundesweit vertrieben werden. Damit ist ein unwirksames Wundermittel wieder legal im Verkehr. Solange der Anbieter nur unter der Hand Werbung für sein Wundermittel betreibt, kann er dies ohne Ärger mit der deutschen Justiz tun. Ein typisches Beispiel für den tatsächlichen Wert des Rechtssystems und ein Maß für das geringe Verbraucherschutzniveau in der BRD.
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Schadensfälle: Bisher keine bekannt.
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Schadenfälle: Bisher keine bekannt.
    
Fazit: Maßlos überteuertes Lebensmittel ohne medizinischen Nutzen, das zur Gefährdung von Tierarten beiträgt.
 
Fazit: Maßlos überteuertes Lebensmittel ohne medizinischen Nutzen, das zur Gefährdung von Tierarten beiträgt.
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