| | Der '''Nürnberger Kochsalzversuch''' war im 19. Jahrhundert einer der ersten dokumentierten Versuche eine randomisierte, doppelt verblindete und [[placebo|placebokontrollierte Studie]] zur [[Homöopathie]] durchzuführen. Johann Jacob Reuter, ein bekannter Homöopath aus Nürnberg, forderte den damaligen Homöopathiekritiker Friedrich Wilhelm von Hoven zu einem Test heraus, der als Nürnberger Kochsalzversuch berühmt wurde. Reuter behauptete, dass selbst ein gesunder Mensch „außergewöhnliche Empfindungen“ erleben würde, wenn er eine Verdünnung von gewöhnlichem Kochsalz (Natriumchlorid oder Natrum Muriaticum, wie Homöopathen es nennen) einnähme. Homöopathen gehen von der Existenz eines hypothetischen so genannten "Natrium-muriaticum-Menschen" aus, der den Charakter einer "sehr komplexen" Person habe, hochsensibel und kultiviert sei, aber durch Kritik, Beleidigungen, absichtliche Zurückweisungen oder unvermeidliche Verluste sehr verletzlich sei. Dieser Typus reagiere besonders auf homöopathische Natrum Muriaticum-Mittel. | | Der '''Nürnberger Kochsalzversuch''' war im 19. Jahrhundert einer der ersten dokumentierten Versuche eine randomisierte, doppelt verblindete und [[placebo|placebokontrollierte Studie]] zur [[Homöopathie]] durchzuführen. Johann Jacob Reuter, ein bekannter Homöopath aus Nürnberg, forderte den damaligen Homöopathiekritiker Friedrich Wilhelm von Hoven zu einem Test heraus, der als Nürnberger Kochsalzversuch berühmt wurde. Reuter behauptete, dass selbst ein gesunder Mensch „außergewöhnliche Empfindungen“ erleben würde, wenn er eine Verdünnung von gewöhnlichem Kochsalz (Natriumchlorid oder Natrum Muriaticum, wie Homöopathen es nennen) einnähme. Homöopathen gehen von der Existenz eines hypothetischen so genannten "Natrium-muriaticum-Menschen" aus, der den Charakter einer "sehr komplexen" Person habe, hochsensibel und kultiviert sei, aber durch Kritik, Beleidigungen, absichtliche Zurückweisungen oder unvermeidliche Verluste sehr verletzlich sei. Dieser Typus reagiere besonders auf homöopathische Natrum Muriaticum-Mittel. |
| − | Der Test wurde von einer „Gesellschaft wahrheitsliebender Männer“ organisiert, die von George Löhner, einem Lokalzeitungsredakteur, unterstützt wurde, der auch den Abschlussbericht verfasste.<ref>Cukaci, C., Freissmuth, M., Mann, C., Marti, J. & Sperl, V. (2020). Allen Widrigkeiten zum Trotz – die anhaltende Popularität der Homöopathie. Wiener klinische Wochenschrift, 132(9-10), 232–242. https://doi.org/10.1007/s00508-020-01624-x </ref> Um Unparteilichkeit zu gewährleisten, wandten sie ein für die damalige Zeit revolutionäres Studiendesign an. | + | Der Test wurde von einer „Gesellschaft wahrheitsliebender Männer“ organisiert, die von George Löhner, einem Lokalzeitungsredakteur, unterstützt wurde. Löhner verfasste auch den Abschlussbericht.<ref>Cukaci, C., Freissmuth, M., Mann, C., Marti, J. & Sperl, V. (2020). Allen Widrigkeiten zum Trotz – die anhaltende Popularität der Homöopathie. Wiener klinische Wochenschrift, 132(9-10), 232–242. https://doi.org/10.1007/s00508-020-01624-x </ref> Um Unparteilichkeit zu gewährleisten, wandten sie ein für die damalige Zeit revolutionäres Studiendesign an. |
| | Bereits in den Jahren 1829 und 1830 waren in St.Petersburg durch die russische Regierung Versuche durchgeführt worden, um die Wirkung homöopathischer Behandlungen im Vergleich mit konventionellen Methoden (Medikamente, [[Aderlass]]) und Placebos (Zuckerpillen, Bäder, Tees) zu erforschen. Es zeigte sich im Ergebnis dass der beste Heilungserfolg in der Placebogruppe erreicht wurde. Die russische Regierung vebot daraufhin die Homöopathie.<ref>M.E.Dean, An innocent deception: placebo controls in the St Petersburg homeopathy trial, 1829-1830</ref> | | Bereits in den Jahren 1829 und 1830 waren in St.Petersburg durch die russische Regierung Versuche durchgeführt worden, um die Wirkung homöopathischer Behandlungen im Vergleich mit konventionellen Methoden (Medikamente, [[Aderlass]]) und Placebos (Zuckerpillen, Bäder, Tees) zu erforschen. Es zeigte sich im Ergebnis dass der beste Heilungserfolg in der Placebogruppe erreicht wurde. Die russische Regierung vebot daraufhin die Homöopathie.<ref>M.E.Dean, An innocent deception: placebo controls in the St Petersburg homeopathy trial, 1829-1830</ref> |