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| − | [[Datei:Compact-Magazin Rudolf Steiner Corona April 2021.jpg|positive Rezeption von Rudolf Steiner im rechten [[Compact Magazin]], welches vom Verfassungsschutz beobachtet wird (April 2021). Laut Compact sei Steiner der "erste Querdenker" und ihm werde zu unrecht völkisches Gedankengut unterstellt. Der Dämon [[Ahriman]] steuere in der "Corona-Krise" den "3. Weltkrieg" gegen die Freiheit.|thumb|320px]] | + | [[Datei:Compact-Magazin Rudolf Steiner Corona April 2021.jpg|positive Rezeption von Rudolf Steiner im rechten [[Compact Magazin]], welches vom Verfassungsschutz beobachtet wird (April 2021) und im Juli 2024 verboten wurde. Laut Compact sei Steiner der "erste Querdenker" und ihm werde zu unrecht völkisches Gedankengut unterstellt. Der Dämon [[Ahriman]] steuere in der "Corona-Krise" den "3. Weltkrieg" gegen die Freiheit.|thumb|320px]] |
| − | '''Rudolf Steiner''' (27. Februar 1861, Kroatien - 30. März 1925, Dornach) war ein österreichischer moderner [[Esoterik]]er, esoterischer ''Allrounder'', [[Hellsehen|Hellseher]] und autodidaktischer Philosoph.<ref>[...] Ich hatte die Realschule, nicht das Gymnasium offiziell hinter mir, hatte mir die Gymnasialbildung, Privatunterricht darin erteilend, auch privat angeeignet [...] Ich war in die «Philosophie» hineingewachsen, hatte aber einen offiziellen Bildungsgang hinter mir, der mich von allem ausschloß, in das den Menschen das Philosophiestudium hineinstellt. Rudolf Steiner: ''Mein Lebensgang" XIV. Kapitel</ref><ref>Zitat von Kurt Tucholsky, nach dem Besuch eines Steiner-Vortrags in Paris: [...] Man sagt, Herr Steiner sei Autodidakt. Als man dem sehr witzigen Professor Bonhoeffer in Berlin das einmal von einem Kollegen berichtete, sagte er: "Dann hat er einen sehr schlechten Lehrer gehabt -!", Die Weltbühne, 3. Juli 1924, Nr. 27, Seite 26 [http://www.ariplex.com/ama/ama_tuc1.htm]</ref> | + | [[Datei:Rudolf Steiner Impfgegner.jpg|[[Impfgegner]] Rudolf Steiner|320px|thumb]] |
| | + | [[Datei:Rudolf Steiner Apostel der Esoterik 3sat November 2025.jpg|Rudolf Steiner: Apostel der Esoterik (3sat, November 2025)|320px|thumb]] |
| | + | '''Rudolf Steiner''' (27. Februar 1861, Kroatien - 30. März 1925, Dornach) war ein österreichischer moderner [[Esoterik]]er<ref>https://www.3sat.de/kultur/kulturdoku/rudolf-steiner-apostel-der-esoterik-100.html</ref>, esoterischer ''Allrounder'', [[Hellsehen|Hellseher]] und autodidaktischer Philosoph.<ref>[...] Ich hatte die Realschule, nicht das Gymnasium offiziell hinter mir, hatte mir die Gymnasialbildung, Privatunterricht darin erteilend, auch privat angeeignet [...] Ich war in die «Philosophie» hineingewachsen, hatte aber einen offiziellen Bildungsgang hinter mir, der mich von allem ausschloß, in das den Menschen das Philosophiestudium hineinstellt. Rudolf Steiner: ''Mein Lebensgang" XIV. Kapitel</ref><ref>Zitat von Kurt Tucholsky, nach dem Besuch eines Steiner-Vortrags in Paris: [...] Man sagt, Herr Steiner sei Autodidakt. Als man dem sehr witzigen Professor Bonhoeffer in Berlin das einmal von einem Kollegen berichtete, sagte er: "Dann hat er einen sehr schlechten Lehrer gehabt -!", Die Weltbühne, 3. Juli 1924, Nr. 27, Seite 26 [http://www.ariplex.com/ama/ama_tuc1.htm]</ref> |
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| | Steiner ist der Begründer der neu-esoterischen Weltanschauung [[Anthroposophie]], die er als ehemaliger [[Theosophie|Theosoph]] aus einer theosophischen Weltanschauung weiterentwickelte. Darüber hinaus war Steiner Wegbereiter der [[anthroposophische Medizin|anthroposophischen Medizin]], der Erziehungsweise der [[Waldorfpädagogik]], der anthroposophischen Architektur und der [[Biologisch-dynamische Landwirtschaft|biologisch-dynamischen Landwirtschaft]]. | | Steiner ist der Begründer der neu-esoterischen Weltanschauung [[Anthroposophie]], die er als ehemaliger [[Theosophie|Theosoph]] aus einer theosophischen Weltanschauung weiterentwickelte. Darüber hinaus war Steiner Wegbereiter der [[anthroposophische Medizin|anthroposophischen Medizin]], der Erziehungsweise der [[Waldorfpädagogik]], der anthroposophischen Architektur und der [[Biologisch-dynamische Landwirtschaft|biologisch-dynamischen Landwirtschaft]]. |
| | ==Kurziographie== | | ==Kurziographie== |
| − | Steiner besuchte zunächst die Realschule und studierte danach an der Universität Wien Mathematik und Naturwissenschaften, da er zunächst Lehrer werden wollte. Aus finanziellen Gründen musste Steiner sein Studium abbrechen, konnte jedoch später an der Universität Rostock zum Dr. phil. promovieren. Er arbeitete zunächst als Herausgeber, geriet aber in finanzielle Probleme und hatte als ''Bohemien'' Alkoholprobleme. | + | Steiner besuchte zunächst die Realschule und war Privatlehrer und Vortragsredner in Berlin. Er studierte danach an der Universität Wien mit Gaststatus Mathematik und Naturwissenschaften, da er zunächst Realschullehrer werden wollte. (''«Ich beschloss, auf das Realschullehramt hinzuarbeiten.» '') Steiner brach sein Studium ab. Sein Plan war dann, eine Philosophie-Dozentur anzustreben, um in Wien Professor zu werden. Er konnte später an der Universität Rostock zum Dr. phil. promovieren. Er arbeitete zunächst als Herausgeber, geriet aber in finanzielle Probleme und hatte als ''Bohemien'' Alkoholprobleme. Am 30. März 1925 starb Steiner nach schwerer Krankheit in Dornach bei Basel, wo sein ''Goetheanum'' entstand. |
| − | Am 30. März 1925 starb Steiner nach schwerer Krankheit in Dornach bei Basel, wo sein ''Goetheanum'' entstand. | + | |
| | ==Der Tod von Rudolf Steiner== | | ==Der Tod von Rudolf Steiner== |
| | Sein Leichnam wurde entgegen seines ausdrücklichen Wunsches kremiert. Über die Todesursache und über die Art der vorangegangenen Erkrankung gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, aber mehrere Vermutungen. So gibt es Aussagen, wonach Steiner vergiftet worden sei: | | Sein Leichnam wurde entgegen seines ausdrücklichen Wunsches kremiert. Über die Todesursache und über die Art der vorangegangenen Erkrankung gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, aber mehrere Vermutungen. So gibt es Aussagen, wonach Steiner vergiftet worden sei: |
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| | Im Tagebuch von W. J. Stein findet sich unter dem Datum des 8. Oktober 1924 der Eintrag: ''[...] Dr. Wachsmuth meinte, "der Doktor sei am Rout vergiftet worden. Es war ein orientalisches Gift, das auf den Ätherleib wirkt und jeden Mittwoch eine Krisis hervorruft. Karmisch bedeutet es für ihn eine Erweiterung der Initiation" [...]'' | | Im Tagebuch von W. J. Stein findet sich unter dem Datum des 8. Oktober 1924 der Eintrag: ''[...] Dr. Wachsmuth meinte, "der Doktor sei am Rout vergiftet worden. Es war ein orientalisches Gift, das auf den Ätherleib wirkt und jeden Mittwoch eine Krisis hervorruft. Karmisch bedeutet es für ihn eine Erweiterung der Initiation" [...]'' |
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| − | Gerüchten zufolge soll Steiners Leichnam von [[Ita Wegman]] obduziert worden sein. | + | Gerüchten zufolge soll Steiners Leichnam von [[Ita Wegman]] obduziert worden sein, und mit der er eine Liebesbeziehung unterhielt. |
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| | ==Theosophie und Anthroposophie== | | ==Theosophie und Anthroposophie== |
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| | 1923 gründete Steiner die Allgemeine [[Anthroposophische Gesellschaft]]. | | 1923 gründete Steiner die Allgemeine [[Anthroposophische Gesellschaft]]. |
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| − | Von Rudolf Steiner ist bekannt, dass er sich für die [[Reinkarnation]] von Jesus Christus für das 19. oder 20. Jahrhundert hielt<ref>Materialien und Informationen zur Zeit 4/1996 S.04-08 Politisches Magazin für Konfessionslose und Atheistlnnen, ISSN 0170-6748 | + | Von Rudolf Steiner wird in Insiderseiten gemunkelt, dass er sich für die [[Reinkarnation]] von Jesus Christus für das 19. oder 20. Jahrhundert hielt<ref>Materialien und Informationen zur Zeit 4/1996 S.04-08 Politisches Magazin für Konfessionslose und Atheistlnnen, ISSN 0170-6748 |
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| | Waldorfschulen: Warten auf die Reinkarnation von Jesus und Steiner in einer Person. Interview mit Norbert Biermann, ehemaliger Waldorflehrer | | Waldorfschulen: Warten auf die Reinkarnation von Jesus und Steiner in einer Person. Interview mit Norbert Biermann, ehemaliger Waldorflehrer |
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| | MIZ: Wie ist heute Ihre Haltung zur Waldorfschule - ist das Kapitel für Sie abgeschlossen? | | MIZ: Wie ist heute Ihre Haltung zur Waldorfschule - ist das Kapitel für Sie abgeschlossen? |
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| − | Norbert Biermann: Für mich persönlich ist es abgeschlossen - im Gegenteil: ich bin erschrocken über mich, wie ich als jemand mit einer gewissen politischen, wissenschaftlich und beruflichen Hintergrunderfahrung mich so habe blenden lassen und in dieses diskursfeindliche System hineinbegeben habe. Hätte ich nicht diese negativen Erfahrungen gemacht, wer weiß, inwieweit ich mich von dem Sog dieses in Facetten durchaus faszinierenden Subssystems hätte mitreißen lassen. Von daher ist das waldorfpädagogische "Scheitern" für mich ein wesentlicher Erkenntnisprozeß gewesen, etwas über meine berufliche Sozialisation und meine Wünsche nach beruflichen Alternativen zu erfahren, aber auch zu erkennen, wie in unserer heutigen Zeit in der Gesellschaft der Postmoderne das Bedürfnis nach "heiler Welt" in Gestalt einer die Welt als Ganzes erklärendes System besteht und wie sehr man selbst als kritischer Mensch darauf "abfahren" kann. Insofern ist für mich das Kapitel abgeschlossen, weil ich erkannt habe, ich bin in eine sektiererische Struktur gestoßen, was ich vorher in dieser Form nicht gesehen habe, oder vielleicht auch nicht sehen wollte. Wir scheitern, wie Beckett sagt, auf immer höherem Niveau.</ref>. Johann Wolfgang von Goethe hielt er für die entsprechende Reinkarnation von Christus des 18. und 19. Jahrhunderts. | + | Norbert Biermann: Für mich persönlich ist es abgeschlossen - im Gegenteil: ich bin erschrocken über mich, wie ich als jemand mit einer gewissen politischen, wissenschaftlich und beruflichen Hintergrunderfahrung mich so habe blenden lassen und in dieses diskursfeindliche System hineinbegeben habe. Hätte ich nicht diese negativen Erfahrungen gemacht, wer weiß, inwieweit ich mich von dem Sog dieses in Facetten durchaus faszinierenden Subssystems hätte mitreißen lassen. Von daher ist das waldorfpädagogische "Scheitern" für mich ein wesentlicher Erkenntnisprozeß gewesen, etwas über meine berufliche Sozialisation und meine Wünsche nach beruflichen Alternativen zu erfahren, aber auch zu erkennen, wie in unserer heutigen Zeit in der Gesellschaft der Postmoderne das Bedürfnis nach "heiler Welt" in Gestalt einer die Welt als Ganzes erklärendes System besteht und wie sehr man selbst als kritischer Mensch darauf "abfahren" kann. Insofern ist für mich das Kapitel abgeschlossen, weil ich erkannt habe, ich bin in eine sektiererische Struktur gestoßen, was ich vorher in dieser Form nicht gesehen habe, oder vielleicht auch nicht sehen wollte. Wir scheitern, wie Beckett sagt, auf immer höherem Niveau.</ref><ref>Zusätzlich: mündliche Bestätigung einer ehemaligen Waldorfschullehrerin gegenüber einem Autor bei Psiram</ref>. Johann Wolfgang von Goethe hielt er für die entsprechende Reinkarnation von Christus des 18. und 19. Jahrhunderts. |
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| | Ob Rudolf Steiner Mitglied der [[Thule-Gesellschaft]] oder des [[Ordo Templi Orientis]] war, ist umstritten, wird aber von [[Michael Grandt]] und seinem Bruder [[Guido Grandt]] behauptet.<ref>Buch: "Schwarzbuch Anthroposophie"</ref> | | Ob Rudolf Steiner Mitglied der [[Thule-Gesellschaft]] oder des [[Ordo Templi Orientis]] war, ist umstritten, wird aber von [[Michael Grandt]] und seinem Bruder [[Guido Grandt]] behauptet.<ref>Buch: "Schwarzbuch Anthroposophie"</ref> |
| | + | ==Rudolf Steiner und die Ernährung des Menschen== |
| | + | Rudolf Steiner befasste sich auch mit der Ernährung des Menschen und seine Überzeugungen und Einfälle zu diesem Thema wurden verbreitet und spielen auch heute in der Anthroposophie eine Rolle. (siehe Artikel [[Anthroposophische Ernährungslehre]]) |
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| | + | Der Blog "Anthroposophie.blog" von Oliver Rautenberg befasste sich 2020 mit Steiner's Ansichten zur Ernährung.<ref>https://anthroposophie.blog/2020/07/19/deutsche-meidet-deutsche-kartoffeln/</ref> Leicht gekürztes Zitat:<br>:''Für den Anthroposophie-Gründer Rudolf Steiner waren der Mensch und der Kosmos in gemeinsamer Evolution verbunden. Zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen erfand er komplexe Beziehungen und zahlreiche wundersame Analogien:<br>Der Aufbau einer Pflanze, so der selbsternannte Hellseher, ähnele dem Aufbau des menschlichen Körpers, nur sei dieser auf den Kopf gestellt: Die Wurzeln einer Pflanze seien beim Menschen „mit dem Kopf verwandt“.<br>Es sind auch zahlreiche Ernährungstipps des Hellsehers überliefert: Melonen „verdunkelten den Verstand“, Gurken verstärkten Gefühle von „Neid und Missgunst“, zu viele Äpfel führten zu „Herrschsucht und Brutalität“ und Pilze seien „ungemein schädlich, sie enthalten hemmende Mondenkraft„.<br>Oft sprach Steiner von der Kartoffelknolle. Diese sei ein Ding, das „nicht ganz Wurzel geworden ist„, und eine solchermaßen quasi in ihrer Entwicklung gestörte Wurzel könne demnach auch nicht gut sein für das menschliche Gehirn:<br>“So dass es also so ist, dass mit dem Kartoffelessen die Menschen in Europa ihren Kopf, ihr Gehirn vernachlässigt haben. Diesen Zusammenhang sieht man erst, wenn man Geisteswissenschaft treibt.<br>Da sagt man sich: Seit in Europa diese Kartoffelnahrung immer mehr und mehr überhand genommen hat, seit der Zeit ist der Kopf der Menschen unfähiger geworden.” (Rudolf Steiner, “Vorträge für die Arbeiter am Goetheanumbau”, 1923)<br>In einem anderen Vortrag befindet Steiner, wenn der Mensch also Kartoffeln esse, „wird seine Lunge und sein Herz schwach“. So sei auch die Tuberkulose zu erklären: „Die Lungentuberkulose, die nahm erst überhand, als die Kartoffelnahrung eingeführt wurde!”.<br>Noch heute, 100 Jahre später, findet sich Rudolf Steiners These von angeblich schädlichen Kartoffeln. So warnt die führende anthroposophische Kinderärztin [[Michaela Glöckler]], ehemals jahrzehntelang Leiterin der “medizinischen“ Sektion an der Schweizer Anthroposophie-Zentrale Goetheanum vor dem „Kartoffelgenuß“:<br>“Wurzeln unter der Oberfläche entsprechen dem Nerven-Sinnes-System“. Kartoffeln „regen es nicht an“.<br>In der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr raten wir von regelmäßigem Kartoffelgenuß ganz ab.“ (Michaela Glöckler in „Kindersprechstunde. Ein medizinisch-pädagogischer Ratgeber„, 2016)<br>Selbst in der anthroposophischen Waldorfschule findet man das Kartoffelgleichnis des Hellsehers Steiner wieder. Die „Erziehungskunst“, offizielle Zeitschrift des Bundes der freien Waldorfschulen, schrieb 2014 über die „Pflanze als umgekehrten Menschen„.<br>Das sei nicht nur ein schönes Gleichnis im Fach „Pflanzenkunde“, nein: So könnte auch das leidige Thema Sexualkunde an die Kinder herangetragen werden, ohne den, Zitat, „Befruchtungsvorgang“ schildern zu müssen:<br>„Man kann die Pflanze als einen umgekehrten Menschen erleben. Während der Kopf des Menschen zur Sonne, zum Himmel gerichtet ist und seine Fortpflanzungsorgane zur Erde, ist es bei der Pflanze umgekehrt: In der dunklen Abgeschiedenheit der Erde wächst die Wurzel. Sie ist der »findige« Teil der Pflanze, denn sie sucht den Weg zum Wasser. Diese Findigkeit wäre am ehesten vergleichbar mit der Kopf-, Nerven- und Sinnestätigkeit des Menschen, der in der dunklen Abgeschiedenheit seines Schädels »Findigkeit« entwickelt.“ (Erziehungskunst, „Bilder, die die Seele nähren. Warum Waldorflehrer Gleichnisse erzählen„, April 2014)<br>Die Vereinigung der Waldorfkindergärten schreibt auf ihrer offiziellen Webseite zum Thema Ernährung das selbe: Wurzeln von Pflanzen regen die „Nerven-Sinnes-Prozesse“ an:<br>„Bei der Ernährung schließlich ist ebenfalls auf Gesundheit und Ausgewogenheit zu achten. Es ist sinnvoll, Nahrungsmittel verschiedener Pflanzenteile (Wurzel, Stengel, Blatt, Blüte oder Frucht) zu kombinieren, denn in jedem dieser Pflanzenteile findet während des Wachstums eine andere Wechselwirkung mit den Kräften aus der Umgebung statt. Dadurch werden dem menschlichen Organismus unterschiedliche Anregungen geboten: die Wurzeln regen die Nerven-Sinnes-Prozesse an, die Blattorgane wirken auf das rhythmische System und die Blüten oder Früchte auf die Stoffwechselvorgänge.“ (Waldorfkindergarten.de – „Das Grundprinzip der Waldorfpädagogik – Ernährung„, Stand: 06.07.2020)<br>Weiter heißt es, zur „Gesunderhaltung der Erde“ seien „besonders die Produkte aus biologisch-dynamischer Landwirtschaft“ wertvoll.<br>Dass die Anthroposophie sich auch in Sachen Ernährung nach ihrem Gründer richtet, findet man auch beim esoterischen Anbauverband Demeter. Der auf Astrologie und Okkultismus basierenden Anbaumethode läge eine auf Steiner basierende „Mission“ zu Grunde:<br>„Inspiriert werden wir von den Anregungen der Anthroposophie Rudolf Steiners, insbesondere von seinem „Landwirtschaftlichen Kurs“. An der Weiterentwicklung der biodynamischen Land- und Ernährungswirtschaft arbeiten wir erkenntnistheoretisch, wissenschaftlich, transdisziplinär, lösungsorientiert und praktisch.<br>Die gewonnenen Erkenntnisse vermitteln wir über Bildung, Beratung und Information. Auf dieser Grundlage entwickeln wir eine ganzheitliche Agrar- und Ernährungskultur.“ (Demeter-Richtlinien, aus der Einleitung: „Mission„, 2015)<br>Auch Demeter-Vorstand Alexander Gerber war sich bei seiner Rede auf den Öko-Marketingtagen 2019 sicher, dass eine „ganzheitliche Ernährungskultur“ für die Verbraucher „heilsam“ sei, ja – der Konsument würde durch bio-dynamische Ernährung sogar „spirituell wachsen“!<br>Und Rudolf Steiner wusste, dass die Berücksichtigung kosmischer Rhythmen oder die Anwendung magischer Rühr-Rituale dem Bauern zu guter Ernte verhelfen würden:<br>„Man ist erstaunt als Landwirt, wenn man durch eine Maßnahme augenblicklich große Kartoffeln hat!“ (Rudolf Steiner)<br>Der Bund der Waldorfschulen, ihre offizielle Hauszeitung, die Waldorf-Kindergärten, die anthroposophische Medizin sind sich bei der Kartoffel also einig. Da könnte man vermuten, dass die Ernährungstipps des Schulgründers auch umgesetzt werden.<br>Laut einer Masterthesis zur Verpflegung an Waldorfschulen servieren immerhin 8 von 10 Schulen ausschließlich die angeblich spirituell heilsame Nahrung aus anthroposophischen Demeter-Anbau. Ebenso viele Schulen verzichten auf Mikrowellen-Geräte, weil diese kostbare ätherische Vitalkräfte zerstören würden.<br>Die anthroposophische Bewegung will ihre, nennen wir es „verblüffenden“ Ansichten jedoch nur ungern in der Öffentlichkeit verbreitet sehen. Kommt es hart auf hart, leugnet sie ihre Grundsätze dann schlichtweg – auch bei Kartoffeln:<br>Obwohl das Magazin „Erziehungskunst“ noch kurz vorher in den Schulen auslag, gaben mehrere Rudolf-Steiner-Schulen auf Nachfrage der Neuen Zürcher Zeitung in 2015an, nichts von der Existenz irgendeiner Steinerschen Ernährungslehre zu wissen. Man gibt sich über diese Unterstellung belustigt:<br>„Die Frage, ob Kartoffeln auch heute noch gemieden würden, führt zu Irritation und Belustigung unter Vertretern angefragter Rudolf-Steiner-Schulen: In der anthroposophischen Ernährungslehre gebe es keine strikten Regeln für oder gegen ein Nahrungsmittel.“ (NZZ – „Die Kartoffeln und der Mond„, 2015)<ref>https://anthroposophie.blog/2020/07/19/deutsche-meidet-deutsche-kartoffeln/</ref> |
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| | ==Kritik== | | ==Kritik== |
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| | Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) in Bonn hatte den Antrag, zwei Schriften von Rudolf Steiner mit rassistischen Passagen in die Liste der jugendgefährdenden Medien aufzunehmen, nach einer Anhörung am 6. September 2007 abgelehnt. Nach der Lektüre zweier Bände der Werke Rudolf Steiners ist die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zu der Auffassung gelangt: ''[...] dass die vorgelegten Bücher Elemente aufweisen, die aus heutiger Sicht als rassistisch zu bewerten sind. Von der Indizierung wurde jedoch abgesehen, da der betroffene Verlag in der Sitzung zugesichert hat, die jetzigen Bücher innerhalb eines Zeitraums von einem halben bis spätestens einem Jahr durch eine kritisch kommentierte Neuauflage zu ersetzen bzw. als Sofortmaßnahme den bis dahin ausgelieferten Exemplaren ein entsprechendes Beiblatt beizufügen [...]'' | | Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) in Bonn hatte den Antrag, zwei Schriften von Rudolf Steiner mit rassistischen Passagen in die Liste der jugendgefährdenden Medien aufzunehmen, nach einer Anhörung am 6. September 2007 abgelehnt. Nach der Lektüre zweier Bände der Werke Rudolf Steiners ist die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zu der Auffassung gelangt: ''[...] dass die vorgelegten Bücher Elemente aufweisen, die aus heutiger Sicht als rassistisch zu bewerten sind. Von der Indizierung wurde jedoch abgesehen, da der betroffene Verlag in der Sitzung zugesichert hat, die jetzigen Bücher innerhalb eines Zeitraums von einem halben bis spätestens einem Jahr durch eine kritisch kommentierte Neuauflage zu ersetzen bzw. als Sofortmaßnahme den bis dahin ausgelieferten Exemplaren ein entsprechendes Beiblatt beizufügen [...]'' |
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| − | Auch Steiners hellseherische Fähigkeiten wurden bezweifelt. So schreibt Ehrenfried Pfeiffer zum Brand des ersten Goetheanums in Dornach (ein Holzbau, der in der Neujahrsnacht 1922/23 abbrannte): ''Als später die Versicherungsfragen besprochen und erledigt wurden und man Zeugen vernahm, fragte ein Schadensachverständiger Rudolf Steiner in wenig taktvoller Weise: 'Es ist bekannt, dass Sie hellsichtig sind. Warum haben Sie Ihre Hellsichtigkeit nicht dazu benutzt, den ursprünglichen Brandherd zu entdecken und die Mannschaft auf direktem Weg dahinzuführen, statt kostbare Augenblicke zu verlieren?' Worauf Rudolf Steiner antwortete: "Wenn man geistigen Prinzipien dient, wie ich es tue, dann ist man dazu verpflichtet, alles mögliche Wissen der Rettung eines gefährdeten Menschenlebens zur Verfügung zu stellen, selbst wenn einem dabei das eigene Leben und Werk vernichtet wird."<ref>Lebenserinnerungen von Ehrenfried Pfeiffer Fragments of a biography which will be written down as it comes to mind.</ref> | + | Auch Steiners unfehlbare hellseherische Fähigkeiten wurden bezweifelt. So schreibt Ehrenfried Pfeiffer zum Brand des ersten Goetheanums in Dornach (ein Holzbau, der in der Neujahrsnacht 1922/23 abbrannte): ''Als später die Versicherungsfragen besprochen und erledigt wurden und man Zeugen vernahm, fragte ein Schadensachverständiger Rudolf Steiner in wenig taktvoller Weise: 'Es ist bekannt, dass Sie hellsichtig sind. Warum haben Sie Ihre Hellsichtigkeit nicht dazu benutzt, den ursprünglichen Brandherd zu entdecken und die Mannschaft auf direktem Weg dahinzuführen, statt kostbare Augenblicke zu verlieren?' Worauf Rudolf Steiner antwortete: "Wenn man geistigen Prinzipien dient, wie ich es tue, dann ist man dazu verpflichtet, alles mögliche Wissen der Rettung eines gefährdeten Menschenlebens zur Verfügung zu stellen, selbst wenn einem dabei das eigene Leben und Werk vernichtet wird."<ref>Lebenserinnerungen von Ehrenfried Pfeiffer Fragments of a biography which will be written down as it comes to mind.</ref> |
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| | Steiner vermutete später eine freimaurerisch-katholische Verschwörung als Ursache des von ihm nicht vorhergesagten Brandes: ''«Die Kain-Strömung fand im Laufe der Zeiten ihre Hauptvertreter in der F. (Freimaurerei-Strömung), während das Abelitentum seinen Ausdruck fand in der Priesterströmung der Kirche. Beide Menschheitsströmungen blieben einander streng feindlich. Nur einmal vereinten sie sich in Eintracht: in ihrem Hass gegen die Strömung der Mitte. Das Ergebnis dieser einträchtigen Vereinigung beider sonst feindlicher Richtungen war die Vernichtung des Johannesbaues (Goetheanum).''<ref>Aufzeichnung einer esoterischen Stunde, die Rudolf Steiner am 27. Mai 1923 in Dornach vor ausgewählten Anthroposophen hielt.</ref> | | Steiner vermutete später eine freimaurerisch-katholische Verschwörung als Ursache des von ihm nicht vorhergesagten Brandes: ''«Die Kain-Strömung fand im Laufe der Zeiten ihre Hauptvertreter in der F. (Freimaurerei-Strömung), während das Abelitentum seinen Ausdruck fand in der Priesterströmung der Kirche. Beide Menschheitsströmungen blieben einander streng feindlich. Nur einmal vereinten sie sich in Eintracht: in ihrem Hass gegen die Strömung der Mitte. Das Ergebnis dieser einträchtigen Vereinigung beider sonst feindlicher Richtungen war die Vernichtung des Johannesbaues (Goetheanum).''<ref>Aufzeichnung einer esoterischen Stunde, die Rudolf Steiner am 27. Mai 1923 in Dornach vor ausgewählten Anthroposophen hielt.</ref> |
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| | ==Weblinks== | | ==Weblinks== |
| − | * https://anthroposophie.blog/rudolf-steiner/ | + | * https://www.3sat.de/kultur/kulturdoku/rudolf-steiner-apostel-der-esoterik-100.html |
| | + | * https://anthroposophie.blog/rudolf-steiner |
| | * http://www.novo-magazin.de/58/novo5852.htm | | * http://www.novo-magazin.de/58/novo5852.htm |
| | * http://www.tagblatt.de/homepages/hammerschmitt/low_hansson.html | | * http://www.tagblatt.de/homepages/hammerschmitt/low_hansson.html |
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| | * http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=4601&Alias=wzo&cob=338133%A4tpage=0 | | * http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=4601&Alias=wzo&cob=338133%A4tpage=0 |
| | * http://www.steiner-predicts.com/ (Auf Englisch) | | * http://www.steiner-predicts.com/ (Auf Englisch) |
| − | * http://www.ruhrbarone.de/rudolf-steiners-rassenlehre/ | + | * http://www.ruhrbarone.de/rudolf-steiners-rassenlehre |
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| | ==Quellennachweise== | | ==Quellennachweise== |