Polytamin

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Die Pille gegen Schwerhörigkeit

Polytamin ist der Name eines umstrittenen Mittels aus der Gruppe der Geriatrika, welches auch als "Hörpille" bekannt geworden ist. Es wird als "Schutz vor Altersschwerhörigkeit sowie zur Verbesserung bzw. Stärkung der Hörfähigkeit" beworben. Die Mischung aus Vitaminen und Mineralstoffen wurde von der inzwischen erloschenen Brench Pharma AG in München auf den Markt gebracht. Derzeit wird es von der Makolpharm Arzneimittel GmbH in Alpen/Niederrhein hergestellt. Von einigen Händlern wird auch eine positive Wirkung von Polytamin bei Tinnitus (Ohrgeräuschen) behauptet, vor allem, wenn es in Kombination mit Chlorella-Präparaten zur "Entgiftung" eingenommen werde.

Im Jahr 2000 und 2001 gab es um Polytamin eine Kontroverse wegen irreführender Werbung. Der Hersteller Brench Pharma hatte behauptet, eine Doppelblindstudie eines Prof. Gauri am Pharmakologischen Institut der Universität Hamburg habe die Wirkung des Präparates bestätigt. Zunächst stellte sich heraus, dass Prof. Kailash Kumar Gauri (1937-2005) nicht am Pharmakologischen Institut tätig war, sondern bis 1998 an der Augenklinik (Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Eppendorf). Die Studie als solche gab es zwar, wurde jedoch von Brench Pharma in der Werbung teilweise sinnentstellend zitiert. Davon abgesehen hatte die Untersuchung offenbar methodische Mängel und war nach Ansicht von Kritikern daher ungeeignet, eine mögliche Besserung des Hörvermögens nachzuweisen.[1] Fragwürdig ist überdies, dass Polytamin darin selbst bei höherer Dosierung als "nahezu nebenwirkungsfrei" bezeichnet wurde. Da es eine Pille gegen Schwerhörigkeit nicht gibt und Werbung dafür bei Betroffenen nur falsche Hoffnungen weckt, wurde unter anderem von der Deutschen Tinnitus-Liga[2] und dem Deutschen Schwerhörigenbund[3] vor dem Produkt gewarnt.

Quellennachweise

  1. Cave POLYTAMIN gegen Altersschwerhörigkeit - Falschangaben in der Werbung arznei-telegramm 2001; 32: 34-5
  2. DTL-Standpunkt Unseriöse Hörpille
  3. Stellungnahme des DSB e.V. 01.08.2001