Physikalische Wasserenthärtung

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Vermeintlich Magnetfelder erzeugendes Gerät[1]

Die Physikalische Wasserenthärtung bezeichnet Maßnahmen zur nicht-chemischen Wasserenthärtung mittels elektrischer oder magnetischer statischer Felder oder Wechselfelder. Dabei soll die Struktur von Kalkkristallen so verändert werden, dass eine Ablagerung an Rohren vermindert wird oder vorhandene Kalkablagerungen sogar abgebaut werden. Chemische Zusätze oder Filter mit Ionenaustauscher (die regelmäßig gewechselt werden müssen) finden dabei keinen Einsatz. Eine Variante stellt die Magnetische Wasserenthärtung mit Permanentmagneten oder Spulen dar. Wissenschaftlich unumstrittene Nachweise für eine erfolgreiche rein physikalische oder magnetische Wasserenthärtung liegen nicht vor (Stand 2017).

Hartes Wasser wird durch die Elemente Kalzium und Magnesium im Trinkwasser oder Brauchwasser bestimmt. Hartes Wasser ist für den Menschen trinkbar und sogar gesund, weil der hohe Mineralanteil vom Körper benötigt wird. Für Haushaltsgeräte, Rohre und Boiler ist das harte Wasser aber schädlich, weil sich darin besonders bei starker Erhitzung Minerale ablagern und dadurch die Funktionalität einschränken.

Die Stiftung Warentest veröffentlichte im Januar 2000 eine Untersuchung derartiger Wasserbehandlungsgeräte. Es konnte meist keinerlei Wirkung festgestellt werden; allein die drei Geräte mit regelmäßig zu wechselnder Filterpatrone zeigten eine deutliche Verminderung von Kalkablagerungen in Elektroboilern. Das Ergebnis eines früheren Tests der Stiftung Warentest wurde damit bestätigt.

Eine plausible Hypothese für eine Wirksamkeit solcher rein physikalischer Verfahren zur Wasserenthärtung existiert nicht, und veröffentlichte “wissenschaftliche” Experimente zur Wirksamkeit sind nicht reproduzierbar.

Das Landgericht Frankfurt stellt unter dem Az. 2/6 0 456/90 fest, dass bei Meidung eines Ordnungsgeldes von bis zu 500.000,-- einigen bedeutenden Herstellerfirmen untersagt wurde, im geschäftlichen Verkehr zu Wettbewerbszwecken in Werbeanzeigen oder sonstigen öffentlichen Mitteilungen für physikalische Wasserbehandlungsgeräte mit der Angabe "die Lösung gegen Kalk und Rost"; und/oder "wir lösen Ihr Kalkproblem"; oder z.B. "physikalischer Kalkschutz, stoppt Kalkablagerungen oder verhindert Ablagerungen" oder hält "das Rohrnetz frei"; u.ä. zu werben.

Die physikalische Wasserenthärtung hat nichts mit bewährten Methoden des passiven oder aktiven (kathodischen) Korrosionsschutzes zur Verhinderung von Rost oder Korrosion zu tun.

Varianten und Beispiele

schematische Zeichnung eines elektronischen Wasserenthärtungsgeräts. Das Bild stammt von dieser Webseite [1], die sich mit dem gleichen Thema befasst.
"Vulcan" des deutschen Herstellers CWT GmbH [2]

Im deutschsprachigen Raum werden zahlreiche Geräte angeboten, die eine rein physikalische Wasserenthärtung ermöglichen sollen. Zumeist handelt es sich um so genannte Elektronische Wasserenthärter. Im Vergleich zu magnetischen Wasserentärtern werden hier keine Magnete eingesetzt. Von einigen dieser Geräte liegen inzwischen Schaltpläne vor, die sich sehr ähneln. Diese bestehen häufig aus einem einfachen elektronischen Rechteckgenerator, der eine Wechselspannung abgibt. Der dort eingesetzte elektronische Schaltkreis NE555 ist ein alter Bekannter aus den 70er Jahren, der mit deutlich weniger als 25 Cent preisgünstig ist. Bei Geräten dieser Bauart wird die Rechteckspannung an zwei isolierte Drähte abgegeben, die vom Kunden um das Wasserrohr gewickelt werden sollen. Da kein Stromkreis zustande kommt, fliesst auch kein Strom in den Drähten (bei sehr hoher Frequenz kann eine Art Antennenfunktion eintreten mit Blindströmen) Das Aufwickeln auf das Wasserrohr hat keine nachweisbare Funktion. Da kein Strom durch die Wicklungen fließen kann, werden auch keine nennenswerten Magnetfelder erzeugt, und der Stromverbrauch bleibt sehr gering. Solche Geräten können daher über längere Zeit mit einer Batterie oder einem kleinen Steckernetzteil betrieben werden. Um das Gerät aufzuwerten blinken auch bei einigen Modellen kleine Lämpchen. Selbst wenn diese Geräte Magnetferlder erzeugen würden, wäre dies nur bei Kunststoffrohren relevant. Denn Stahl ist ferromagnetisch und elektrisch leitend. Ein Stahlrohr schirmt daher sowohl magnetische als auch elektromagnetische und elektrische Felder ab, ein Kupferrohr elektromagnetische und elektrische Felder. Sich zeitlich verändernde Magnetfelder (=elektromagnetische Felder) oder elektrische Felder sind deshalb absolut sinnlos.
Einige Geräte bieten die Möglichkeit durch Bedienelemente Einfluss auf das Gerät zu nehmen. Dadurch schafft der Hersteller bei Reklamationen des Kunden die Möglichkeit, die Schuld an der nicht nachweisbaren Funktion auf den Käufer zu schieben, z.B. indem man behauptet, der Käufer habe falsche Parameter eingestellt und es funktioniere deshalb nicht.

  • Hydroflow. Unter dem Markennamen Hydroflow bietet die englische Firma Hydropath Produkte zur physikalischen Wasserenthärtung an.

Wasserhärte

Unter Wasserhärte wird die Konzentration von Kalzium- und Magnesium-Ionen verstanden. Je höher deren Anteil, desto härter ist das Wasser. Kalzium und Magnesium werden deshalb auch als Härtebildner bezeichnet. Ihre Menge bestimmt die "Gesamthärte". Ein deutscher Härtegrad (1° dH) entspricht 10 mg Kalziumoxid oder 7,19 mg Magnesiumoxid pro Liter Wasser.[3] Da Kalzium- und Magnesiumsalze meist schwer löslich sind, fallen sie auch leicht aus und bilden Ablagerungen in Rohrleitungen u.ä. Der Ablagerungsprozess ist abhängig vom Gehalt an Kohlendioxid im Wasser, das als Kohlensäure gelöst vorliegt. Kohlensäure kann den Kalk lösen. Je mehr Kohlensäure im Wasser enthalten ist, desto mehr Kalk wird gelöst. Das Ganze ist temperaturabhängig, d.h. je wärmer das Wasser ist, desto weniger Kohlendioxid wird gelöst. Darum bildet sich auch in Warmwasserbehältern und -leitungen wie Boilern und Kesseln der so genannte Kesselstein, also Kalk.

In manchen Ländern wird die Wasserhärte in ppm (parts per million) der Härtebildner pro bestimmtes Wassermasse angegeben.

Anerkannte Verfahren zur Wasserenthärtung

Bei Wasserwerken und anderen Anwendern werden Niederdruckumkehrosmose-Anlagen zur Reduzierung der Wasserhärte eingesetzt. Diese Technologie funktioniert ganz ohne den Einsatz von chemischen Zusätzen.[4] Derartige Enthärtungsanlage haben Niederdruckumkehrosmosemembranen, die gelöste Stoffe, wie beispielsweise Calcium und Magnesium, aus dem Wasser filtern können. Das produzierte enthärtete Wasser mit 0 Grad dH kann dosiert dem gesamten Wasserstrom beigemengt werden. Dabei kann dann eine bestimmte gewünschte Wasserhärte eingestellt werden. (zum Beispiel 10 Grad dH) Bei diesen Verfahren müssen regelmässig Membranen ausgetauscht werden.

Daneben gibt es noch Anlagen, die mit Zusätzen und Ionenaustauschern arbeiten. Auch hier muss regelmässig eine Wartung stattfinden.

Stellungnahme der Stiftung Warentest

  • "FAZIT Durch die Prüfungen der Stiftung Warentest haben sich physikalische Wasserenthärtungsanlagen als Werbelüge entpuppt. Privathaushalte sollten nicht in dieses teure physikalische Verfahren investieren und stattdessen weiterhin auf chemische Entkalker bauen. Wenn Sie mehr Informationen brauchen, weil Sie vorhaben sich eine Wasserenthärtungsanlage einbauen zu lassen, empfehlen wir die Beratung einer Sanitärfachperson die Sie auf Sanitaer.org finden können. Füllen Sie noch heute das Kontaktformular auf unserer Seite aus!"

Siehe auch

Weblinks

Quellennachweise

  1. Ältere Anschlussanleitung des Gerätes M101 der Kemo-Electronic GmbH, 27607 Langen
  2. Bild: CWT GmbH, Berlin
  3. http://www.wasser-wissen.de/abwasserlexikon/w/wasserhaerte.htm
  4. http://www.stadtwerke-wertheim.de/de/Trinkwasser/Wasserhaertegrade/Wasserhaertegrade.html