Mumijo

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Mumijo-Blockware, Quelle: Wikipedia

Mumijo (auch Shilajit, Shilajit humus, Asphaltum panjabinum) ist eine huminsäurehaltige (fulvinsäurehaltige) hellbraune bis schwarzbraune, asphaltartige Exsudation bestimmter Gesteinsschichten im Himalaya-, Hindukusch- oder Karakorumgebiet mit harzig-rauchigem Geruch[1]. Mumijo-Präparate sind je nach Wasseranteil pulverförmig bis zähviskos. Mumijo ist in der zentralasiatischen Volksmedizin ein seit langem bekanntes Heil- und Stärkungsmittel und fester Bestandteil der ayurvedischen Medizin. Mumijo wird vor allem in Kapselform als Nahrungsergänzungsmittel mit diversen gesundheitsbezogenen Versprechungen angepriesen.

Vorkommen

Mumijo kommt Zentralasien in den nördlichen und südlichen Ausläufern des Himalaja, des Altai sowie in einigen Bergregionen Südkasachstans in Höhen über 1.000 m über dem Meeresspiegel vor. Mumijo wird dabei als poröse Gesteinsbrocken in Höhlen, Nischen und Felsspalten beschrieben, die sowohl auf dem Boden als auch an der Decke hängend vorzufinden sind. Weitere Vorkommen gibt es in der Antarktis.

Namensherkunft

Die Wortverwandtschaft zu 'Mumie' hat vor allem in der westeuropäischen Literatur für viel Verwirrung gesorgt. Dabei hat Mumijo nichts mit der Mumia der echten ägyptische Mumie zu tun, wurde aber fälschlicherweise oft damit gleichgesetzt. Im altpersischen Sprachraum steht der Begriff 'mum' für Wachs. Durch den Wandel im Sprachgebrauch trat nach der Übernahme des Begriffes in den arabischen Sprachraum und der damit einhergehenden Verbreitung die Bedeutung Bitumen und Asphalt sowie Pissasphalt (Pechbitumen) hinzu. Diese auf Erdöl basierenden Substanzen wurden aufgrund ihrer konservierenden Wirkung für die Einbalsamierung von Leichen verwendet. In den verschiedenen Sprachregionen des Orients gibt es heute die vielfältigsten Namen für Mumijo. Alle Namen der jeweiligen Sprachen deuten jedoch auf die Erscheinungsform des Mumijo hin: Es wird dargestellt als eine Art Ausschwitzung der Berge. In Indien ist es unter den Namen Shilajit bekannt. In der südsibirischen Region des Altaigebirges wird es Barachschin genannt; dies bedeutet so viel wie Öl der Berge. In Regionen Tibets, der Mongolei und in Transbaikalien findet man den Namen Brogschaun, was so viel wie Bergsaft bedeutet. Im Iran und Irak findet man den Namen Arakul dshibal, der so viel wie Bergschweiß bedeutet. In den Regionen mit den Hauptvorkommen - Kasachstan, Usbekistan und Kirgisistan - wird es Mumijo genannt.

Entstehung

Trotz genauer botanischer und geologischer Aufnahme der jeweiligen Vorkommen kann man noch keine endgültige Aussage über den exakten Entstehungsprozess treffen, der zudem je nach Fundstätte variieren kann. Wissenschaftlich gesichert sind die notwendigen Standortvoraussetzungen. Allen Fundstätten ist gemeinsam, dass sie einer langen und intensiven Sonnenbestrahlung unterliegen, die Luft besonders sauber ist und ein spezielles Pflanzenbewuchsspektrum vorliegen muss. Vor allem Milchsaft-bildende höhere Pflanzen, hier besonders Euphorbia-Arten (Wolfsmilch-Arten), sind eine der Voraussetzungen für die Bildung der zähviskosen, aber außerordentlich gut wasserlöslichen Mumijo-Matrix.

Die Argumente für einen rein pflanzlichen Ursprung liegen im Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen wie z.B. Alkaloiden und der kompakten gummiartigen Erscheinung des Mumijo, das mit organischen Fasern, Sand und sonstigen Erdbestandteilen durchsetzt ist. Es ist keine vergleichbare Substanz aus dem Tierreich bekannt, die ein Gel dieser Art bildet. Die chemische Beschreibung der wässrigen Lösung jedoch spricht auch für einen tierischen Ursprung, da im wässrigen Auszug sowohl Hippursäure als auch albuminoide Eiweißstoffe erscheinen. Es gibt auch eine Theorie eines ausschließlich tierischen Ursprungs. Die Mumijo-Bildung wird analog zur Guano-Bildung gesehen. Hier wird davon ausgegangen, dass es sich um Exkremente von Fledermäusen handelt. Diese Exkremente werden durch Regen aus den Bergen ausgewaschen, bleiben in den Spalten und Ritzen der Gesteine als Rückstände zurück und bilden im Laufe der Zeit clusterförmige Sedimente. Diese Theorie hat insoweit Schwächen, als in den Höhenlagen über 4.000 m die Anzahl höherer Tiere, die eine so große Menge an Exkrementen ausscheiden könnte, in aller Regel nicht vorhanden ist. Des Weiteren müssten o.g. typische Stoffwechselprodukte vorkommen, was nicht in der zu erwartenden Menge der Fall ist. In Höhlen wird Mumijo nicht nur vom Boden aufgelesen (wo eine Verunreinigung durch z.B. Fledermäuse möglich und wahrscheinlich ist), sondern auch von der Decke gekratzt. Es besteht der Verdacht, dass durch unreine Sorten belastete Proben untersucht wurden und der Gehalt an tierischer Substanz als natürlich angesehen wurde, obgleich es sich nur um Rückstände handelt. Der Reifeprozess des Mumijo wird in der Fachwelt zur Zeit mit etwa 20 Jahren diskutiert, Tendenz eher steigend, aber auch hier steht der endgültige Beweis dieses diskutierten Zeitraumes noch aus.

Die von D.D. Djenchorow 1995 formulierte Substanzbeschreibung des Mumijo als „ein komplexes hochmolekulares organisch-minerales Stoffwechselprodukt aerober Mikroorganismen, entstanden im Verwesungsprozeß von Pflanzenresten, Flechten und Harzen“, ist der derzeitige Konsens über den Erkenntnisstand des Entstehungsprozesses.

Eigenschaften

Mumijo zeigt deutliche Eigenschaften eines Pflanzenextraktes. Die lakritzartige Erscheinung gereinigter Mumijo-Extrakte steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Gehalt an Restwasser. Gereinigtes Mumijo als plastische Masse enthält etwa 15% Wasser, bei Trocknung erstarrt es zu einer glasartigen Schmelze, die pulverisiert werden kann. Dieses Pulver zieht sehr stark Luftfeuchtigkeit an, bis der o.g. Wassergehalt wieder erreicht wird.

Inhaltsstoffe

Mumjio besteht aus mineralischen (anorganischen) und organischen Stoffen. Der mineralische Anteil des Mumijo ist stark abhängig vom Fundort. Der organische Anteil wird zu 80-85% bestimmt durch latex- und harzartige Humusbestandteile, die restlichen Anteile bestehen im Wesentlichen aus niedermolekularen organischen Substanzen, besonders Dibenzo-a-pyrone, Triterpene vom Tirucallan-Typ, phenolische Lipide, kurzkettige Tannine und Gallotannine. Die organischen Bestandteile mittlerer molarer Masse werden im Wesentlichen von Humin- bzw. Fulvosäuren gebildet, die wiederum als Carrier für niedermolekulare Verbindungen dienen. Als Wirksubstanz von Mumijo/Shilajit werden häufig die gefundenen Huminsäuren (engl. fulvic acid) angenommen, die auch in Humus zu finden sind[2] Das latexartige Grundgerüst der Mumjio-Matrix ähnelt sehr den Inhaltsstoffen der umgebenden Flora. Mumijo wird vermehrt dort gefunden, wo Euphorbia royleana wächst[3]. Die Inhaltsstoffe des Wolfsmilchgewächses wurden in leicht modifizierter Form auch im Mumijo wiedergefunden.

Gereinigtes antarktisches Mumijo enthielt eine Mischung aus Glycerol-Derivaten[4].

Wirksamkeit

Mumijo ist seit alters her ein fester Bestandteil der Volksmedizin Zentralasiens (insbesondere Ayurveda). Derzeit wird es als ein Wundermittel mit einem geradezu unglaublichen Spektrum an angeblichen Wirkungen angepriesen. Hauptanwendungen sind die Nachbehandlung und Beschleunigung der Heilung bei Knochenfrakturen[5], Immunmodulation, Magen- und Darmschleimhauterkrankungen wie Gastritis und Magengeschwüre[6], analog zu Ginseng zur Besserung kognitiver Funktionen, zu Anti-Aging Effekten als „Verjüngungsmittel“, Entzündungshemmer, als Radikalfänger, Anti-Diabetes-Effekt, Hämorrhoiden, "allgemeine Stärkung" und Potenzprobleme. Ferner soll es angeblich antibiotisch, antioxidativ und immunstimulierend wirken. Allerdings lässt sich keine Dosis-Wirkungsbeziehung besonders bei den mineralischen Komponenten herstellen; sämtliche Anorganika liegen isoliert betrachtet in subtherapeutischer Dosierung vor. Die immer wieder gepriesene Anwendung als Potenzmittel entbehrt einer wissenschaftlichen Grundlage. Für die anderen behaupteten Wirkungen waren keine entsprechenden aktuellen Studien zu finden.

Zwar stellen einige wenige ältere Studien aus den 1950er bis 1980er Jahren in der ehemaligen UdSSR (Shakirov, ASh, Taschkent, heute Usbekistan) einige der medizinischen Indikationen als gesichert heraus; aktuellere Untersuchungen wurden aber lediglich an Tieren und in vitro vorgenommen, deren Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind. Ein Wirkmechanismus von Mumijo ist derzeit unbekannt.

In vitro-Versuche des Instituts für Physiologische Chemie der Universität Mainz zeigten weiterhin, dass Mumijo in kortikalen Neuronen einen starken neuroprotektiven Effekt hat, der auf das Apoptose induzierende Beta-Fragment des Amyloid-Peptides zielt. Zusätzlich zeigte die Glycerol- und Wachsester-reiche Fraktion eine signifikante wachstumsfördernde Aktivität in neuronalen PC12-Zellen[4]. Allerdings fehlen dazu klinische Studien, um Aussagen für eine derartige Wirkung beim Menschen treffen zu können.

Anzumerken ist, dass fast alle Studien zum Thema aus Indien, dem Herkunftsland des Ayurveda, stammen und Mumijo/Shilajit dabei stets positive Wirksamkeiten attestieren. Auch ist zu beobachten, dass ein Verfahren zur Aufreinigung von einem der aktivsten indischen Fachautoren (Shibnath Ghosal) patentiert wurde[7] und somit wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen könnten.

Ein Proponent von Mumijo im deutschsprachigen Raum ist Karl Probst, einer der beiden Autoren des Buches "Das Geheimnis der Mumijo-Steine: Natürliche Heilkräfte für Mensch und Tier. Entdeckt in den Höhlen und Schluchten des Himalaja".

Nebenwirkungen

In indischen Fachartikeln zum Thema wird auf mögliche Kontaminationen durch Pilze und bestimmte von Pilzen produzierten Toxine hingeweisen sowie auf Angaben von angeblich zu hohen Konzentrationen an freien Radikalen in unaufbereitetem Shilajit. Paradoxerweise wird jedoch im Gegensatz dazu Mumijo/Shilajit gerade als wirksames Mittel gegen freie Radikale empfohlen.

Siehe auch

Quellenverzeichnis

  1. Suraj P. Agarwal, Rajesh Khanna, Ritesh Karmarkar, Md. Khalid Anwer, Roop K. Khar, Shilajit: a review, Phytotherapy Research, Vol 21 Issue 5, S. 401 - 405, 13 Feb 2007
  2. Shibnath Ghosala, Jawahar Lala and Sushil K. Singha, The core structure of shilajit humus. Soil Biology and Biochemistry, Volume 23, Issue 7, 1991, S. 673-680
  3. Ghosal, S., J.P. Reddy and V.K. Lal, Shilajit I: Chemical constituents, 1976, Journal of Pharmaceutical Sciences 65, 5, 772—773)
  4. 4,0 4,1 http://ecam.oxfordjournals.org/cgi/content/full/nen072v1?view=long&pmid=18996940
  5. R.K. Goela, R.S. Banerjeea and S.B. Acharya. Antiulcerogenic and antiinflammatory studies with shilajit. Journal of Ethnopharmacology. Volume 29, Issue 1, April 1990, Pages 95-103
  6. Shibnath Ghosal, Sushil K. Singh, Yatendra Kumar, Radheyshyam Srivastava, Raj K. Goel, Radharaman Dey, Salil K. Bhattacharya: Anti-ulcerogenic activity of fulvic acids and 4-methoxy-6-carbomethoxybiphenyl isolated from shilajit, Phytotherapy Research, Volume 2 Issue 4, Pages 187 - 191
  7. Patent US 2003/0039662 A1 (1. August 2002) Erfinder: Shibnath Ghosal Process for preparing purified shilajit composition from native shilajit Volltext