Iscador

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Iscador von Weleda AG (Bild: Preissuchmaschine.de)

Iscador (vormals bis 1926 Iscar) ist der Handelsname eines rezeptfrei erhältlichen alternativmedizinischen Präparates, das vorwiegend im deutschsprachigen Raum im Rahmen von therapeutischen Bemühungen einer Misteltherapie der anthroposophischen Medizin zum Einsatz kommt. Das Mittel wird von der Weleda AG hergestellt und gilt als eines der am häufigsten eingesetzten Mittel aus dem Bereich der unkonventionellen Krebstherapien in Deutschland und einigen wenigen anderen Ländern.[1] Das Mittel soll insbesondere das Immunsystem bei Krebspatienten günstig beeinflussen. Das Mittel Iscador ist im Rahmen besonderer Zulassungserleichterungen als pflanzliche Arznei der anthroposophischen Therapierichtung zugelassen, insbesondere musste der Hersteller keinen kostenintensiven wissenschaftlichen Nachweis einer Wirksamkeit als Antikrebsmittel nachweisen.

Iscador wurde auf Anregung des Anthroposophen und Medizinlaien Rudolf Steiner von der holländischen Ärztin und Anthroposophin Ita Wegman sowie einem Zürcher Apotheker als Iscar erfunden. Das Mittel wurde 1926 in Iscador umbenannt.

Iscador wird subkutan gespritzt, in manchen Fällen in der Nähe des Tumors. Manche Anwender spritzen Iscador auch in Tumore hinein. Möglich sind außerdem die perorale, die intravenöse Gabe oder die Injektion in bestimmte Körperhöhlen wie den Rippenfellspalt und die Bauchhöhle. Meistens dauert eine Iscadoranwendung mehrere Wochen und wird täglich durchgeführt. Nach einer Anweisung Rudolf Steiners wird die Dosierung kontinuierlich angehoben.

Ein wissenschaftlicher Nachweis einer Wirkung der Misteltherapie liegt nicht vor.[2][3] Der Krebsinformationsdienst in Heidelberg weist darauf hin, dass Mistelpräparate in keiner der wissenschaftlichen Leitlinien zur Krebsbehandlung (Deutsche Krebsgesellschaft oder andere Fachgesellschaften) eine Rolle spielen. Außerhalb Deutschlands ist die Misteltherapie kaum bekannt und wenn, dann nur als ergänzende Maßnahme. In den USA rät das nationale Krebsinstitut (NCI) von einer Mistelgabe ab, sofern diese nicht im Rahmen einer sehr guten klinischen Studie erfolge. Ein Cochrane-Review aus dem Jahre 2008 zog zu einer Bewertung 80 RCT(randomized clinical trials)-Studien zu Iscador bzw. der Misteltherapie heran. Im Resultat konnte lediglich festgestellt werden, dass es nur eine "schwache" wissenschaftliche Datenbasis für die Aussage gibt, nach der Iscador die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Krebs verbessere oder die Lebensqualität bei anderen Therapieformen erhöhe:

.."The evidence from RCTs to support the view that the application of mistletoe extracts has impact on survival or leads to an improved ability to fight cancer or to withstand anticancer treatments is weak. Nevertheless, there is some evidence that mistletoe extracts may offer benefits on measures of QOL during chemotherapy for breast cancer, but these results need replication.."[4]

Studien mit positiven Ergebnissen wie die von Ronald Grossarth-Maticek[5], die auch von der Weleda AG verbreitet wird, weisen methodische Mängel auf.[6]

Weitere Mittel aus dem Bereich der Misteltherapien sind Lektinol (Madaus) und Helixor (Helixor Heilmittel). Ein weiteres anthroposophisches Mistelmittel ist Abnobaviscum (Abnoba). Zur Gruppe der pflanzlichen Präparate zählen noch Eurixor (Biosyn) und Cefalektin (Cefak).

Inhaltsstoffe

Iscador enthält ein Gemisch verschiedener biologisch aktiver Substanzen, deren Zusammensetzung sich je nach Herstellung (fermentiert oder nicht), Jahreszeit der Ernte und nach Wirtsbaum, auf dem die Pflanze wuchs, unterscheidet. Iscador gibt es als

  • Iscador M (mali = Apfel)
  • Iscador P (pini = Kiefer)
  • Iscador Qu (quercus = Eiche)
  • Iscador U (ulmi = Ulme)

Als Hauptinhaltsstoffe gelten:

  • Viscumin (auch Mistellektin I, ML-I oder VAL). Viscumin ist ein Lektin.
  • Viscotoxin

Dem Mittel Iscador werden außerdem bestimmte Schwermetallsalze in homöopathischer Dosierung zugesetzt. Metalle spielen in der anthroposophischen Medizin ein spezielle Rolle und sollen einen Bezug zum Kosmos darstellen. Schwermetalle in Iscador sind:

  • kupferhaltiges Malachit
  • Quecksilbersulfat
  • Silbercarbonat

Herstellung

Iscador wird aus wässrigen Extrakten der Mistel (Viscum album) hergestellt. Der Extrakt wird durch Lactobacillus plantarum-Bakterien fermentiert. Durch Filtrierung werden anschließend die Bakterienkulturen wieder entfernt. Je nach Tumortyp werden auch Zusätze mit Schwermetallen eingesetzt (Quecksilber, Silber oder Kupfer).

Nebenwirkungen

Als mögliche Nebenwirkungen können örtlich begrenzte Entzündungen am Injektionsort beobachtet werden. Weitere Nebenwirkungen betreffen Kopfschmerzen oder Fieber. In der Literatur sind auch Fälle von anaphylaktischen Reaktionen nach Iscador beschrieben.[7] Schwerwiegende Nebenwirkungen traten in der Vergangenheit bei intravenösen Iscador-Injektionen auf.

Literatur

Weblinks

Quellennachweise

  1. Bar-Sela G, Gershony A, Haim N., "Mistletoe (Viscum album) preparations: an optional drug for cancer patients?", Harefuah. 2006 Jan;145(1):42-6, 77
  2. Ernst E, Schmidt K, Steuer-Vogt MK. Mistletoe for cancer? A systematic review of randomised clinical trials. Int J Cancer. 2003 Nov 1;107(2):262-7
  3. http://www.krebsinformationsdienst.de/themen/behandlung/mistel.php
  4. Horneber MA, Bueschel G, Huber R, Linde K, Rostock M. "Mistletoe therapy in oncology.", Cochrane Database Syst Rev. 2008 Apr 16;(2):CD003297. doi: 10.1002/14651858.CD003297.pub2
  5. Grossarth-Maticek R, Kiene H, Baumgartner SM, Ziegler R: Use of iscador, an extract of European mistletoe (viscum album), in cancer treatment: prospective nonrandomized and randomized matched-pair studies nested within a cohort study. Alternat Ther Hlth Med 2001; 7: 57–78
  6. http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=39983
  7. Hutt N, Kopferschmitt-Kubler M, Cabalion J, Purohit A, Alt M, Pauli G., "Anaphylactic reactions after therapeutic injection of mistletoe (Viscum album L.)", Allergol Immunopathol (Madr). 2001 Sep-Oct;29(5):201-3.