Mahuang

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Mahuang, auch als Ephedra oder Meerträubel bekannt, ist die einzige Pflanzengattung der Familie der Meerträubelgewächse (Ephedraceae). Diese Gattung umfasst etwa 35 bis 60 Arten. Aus Ephedra werden vor allem in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) pflanzliche Präparate, wie zum Beispiel Tees hergestellt.

Herstellung

Mahuang wird aus den getrockneten, unverholzten Stängeln der Arten Ephedra sinica, Ephedra intermedia oder Ephedra equisetina gewonnen. Im Herbst werden die grünen Stängel geerntet und in der Sonne getrocknet. Zur Erzeugung von Mahuang werden verholzte Stängel, Wurzel und fremde Beimengungen entfernt und die Stängel in Stücke geschnitten. Für die Zubereitung Mimahuang werden Mahuang-Stücke geröstet, bis die Arznei bei Berührung nicht mehr klebrig ist.

Anwendungsgebiete

Mahuang, auch als 'Mormonentee', Brigham- oder Mexikanischer Tee bezeichnet, wird hauptsächlich in Form von Pillen oder Tees angeboten. Es wird zur Entschlackung und vor allem zur Schlankheits- und Aufputschmittel konsumiert. Man nennt ihn auch MaHuang, Ephedrae herba oder schlicht Ephedrakraut. In der Drogenszene wird Ephedra zusammen mit anderen psychoaktiv wirkenden Pflanzen auch als herbal Ecstasy bezeichnet.[1]

In der TCM verwendet man Mahuang bei Erkältungskrankheiten, Beklemmungsgefühl in der Brust, Husten und Keuchatmung, Flüssigkeitsretention und Asthma bronchiale. Ferner wird Mahuang zur Behandlung von Müdigkeit, Abgeschlagenheit, zur Gewichtsreduktion und als Wellness-Mittel beworben. Nicht selten wird Ephedra mit anderen pflanzlichen Mitteln kombiniert, wie zum Beispiel Guarana, Koffein und Vitaminen.

Neben dem pflanzlichen Ephedrin gibt es auch synthetisch hergestelltes Ephedrinhydrochlorid oder –sulfat. Diese wird als Arzneimittel gegen Husten und Asthma sowie in abschwellenden Nasensprays oder -tropfen verwendet.

Inhaltsstoffe

Ephedra-Pflanzen enthalten hochwirksame Inhaltsstoffe. Neben einem Anteil von 0,5-3,3% Alkaloiden und unterschiedlichen Anteilen von Gerbstoffen, Saponinen und ätherischen Ölen sind vor allem die Substanzen L-Ephedrin, Pseudoephedrin und Norpseudoephedrin von pharmakologischer Bedeutung. Die chemische Struktur dieser Phenylethylamine ähnelt der des Adrenalins.

Der Gesamtalkaloidgehalt schwankt in Abhängigkeit von der Art, der Herkunft und dem Erntezeitpunkt. Er beträgt zwischen 0,5–49 mg/g. Die beiden Hauptalkaloide, Ephedrin und Pseudoephedrin, machen zusammen 70–99 % des Gesamtalkaloidgehaltes im Ephedrakraut aus. [2]

Wirkung

Ephedrin wirkt amphetaminähnlich und ist ein so genanntes Sympathomimetikum – eine Substanz, die das sympathische Nervensystem ebenso wie Adrenalin anregen kann. Dabei weiten sich die Pupillen, der Puls schlägt schneller, der Blutdruck erhöht sich, die Reflexe werden gesteigert, die Bronchien erweitern sich, die Atemfrequenz steigt, und der Mund wird trocken. Ephedra wirkt zudem zentral erregend und stark entwässernd. Gelegentlich kann auch die Wahrnehmungsfähigkeit eingeschränkt sein, so dass Autofahren zum Risiko wird.

Ephedrin wirkt appetithemmend und erhöht den Kalorienumsatz. Es ist demnach auf den ersten Blick ein wirksames Mittel gegen Übergewicht.

Ephedrakraut wird nicht selten als recht harmlos dargestellt, sofern es nicht überdosiert werde. Allerdings ist fraglich, welche Dosierung im therapeutischen Bereich liegt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) teilte in der Monographie 1991 zu Ephedra mit, dass eine Einzeldosis bei einem Erwachsenen 15-30 mg Alkaloide (berechnet als Ephedrin) enthält und die Tageshöchstmenge von 300 mg nicht überschritten werden sollte. Bei Kindern wurden 0,5 mg für eine Einzeldosis bzw. 2 mg für die Tageshöchstmenge angegeben[3].

Da der Wirkstoffgehalt von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich ausfällt und zudem noch starken jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen ist, ist bei der Einnahme von Pflanzenteilen in Form von Tee eine genaue Dosierung schwierig. In vielen Produkten sind höhere als die angegebene Ephedra-Alkaloidmengen enthalten. Dies ergab eine niederländische Studie zur Qualität und gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Ephedrakraut-Produkten für den Verbraucher. In einigen Produkten wurde zusätzlich Koffein gefunden, das die Ephedra-Effekte und damit die Risiken gesundheitsschädigender Wirkungen für den Verbraucher erhöht[4].

Neben- und Wechselwirkungen

Ephedrinhaltige Mittel können bei längerer Anwendung zu psychischer Abhängigkeit führen. Es kommt zu einer schnellen Toleranzentwicklung, die durch Konsumpausen wieder zurück geht. Es bestehen Kreuztoleranzen zu Amphetaminen und Kokain.[5] Die Kombination mit Koffein scheint das Abhängigkeitspotential zu verstärken. [6]

Bereits bei Einnahme einer einzelnen Tagesdosis können ernsthafte Nebenwirkungen auftreten. Auch schwere unerwünschte und zum Teil lebensbedrohliche Wirkungen stehen mit der Einnahme Ephedra-alkaloidhaltiger Nahrungsergänzungsmittel im Verbindung.[7]

Nebenwirkungen sind hauptsächlich Pupillenerweiterung, Nervosität, Zittern, Schweißausbrüche, Herzrhythmusstörungen, Blutdrucksteigerung und bei hoher Dosierung Krampfanfälle und psychische Veränderungen.[8]. In den USA sind bereits mehrere hundert Menschen durch die unkontrollierte Einnahme solcher Produkte erkrankt, mehr als zehn starben an den Folgen[9].

Im New England Journal of Medicine erschien im Jahr 2000 ein umfangreicher Artikel, in dem über eine bedeutende Zahl ernsthaft erkrankter Patienten, die ephedrahaltige Pillen eingenommen hatten, berichtet wurde[10]. Die meisten Konsumenten waren älter als 30 Jahre (69%) und in zwei Dritteln der Fälle handelte es sich um Frauen. Hauptgründe für die Einnahme der Pillen waren der Wunsch nach Gewichtsreduktion (59%) und die Erzielung einer athletischen Erscheinung (16%). Bei den 87 Patienten stellten sich 98 Nebenwirkungen ein, die kardiovaskulärer (46%), zentralnervöser (18%) oder sonstiger Natur (36%) waren. Neben Bluthochdruck und Herzrasen/-stolpern kam es bei zwei Patienten zu einem Herzinfarkt und bei acht Patienten zum Herzstillstand bzw. zum plötzlichen Herztod, bei weiteren zehn Patienten zu Schlaganfällen. Von den 87 Patienten verstarben insgesamt 11%, während 15% dauerhafte Schäden zurück behielten. Nur 48% der Betroffenen erholten sich wieder vollständig von ihrer Erkrankung.

Dabei treten z.T. lebensgefährliche Nebenwirkungen bereits in geringen Dosierungen und schon nach kurzer Einnahmedauer auf. Haller und Benowitz (2000) geben in ihren Tabellen unter genauer Namensnennung der verwendeten Produkte und Tagesdosierungen an, welche Patienten nach welcher Anwendungszeit an welchen Folgen litten. So hatte beispielsweise ein Patient, der einen Herzstillstand erlitt, nur einen Tag lang 21 mg Ephedra eingenommen. Andere Patienten mit Herzstillstand hatten 20 mg/d über ein Jahr bzw. 60 mg/d für sieben Monate eingenommen. Ein Schlaganfallpatient hatte zuvor zwei Wochen lang 30 mg/d Ephedra konsumiert[11].

Das Hemorrhagic Stroke Project, eine von der FDA initiierte Untersuchung zur Abschätzung des Schlaganfallrisikos bei Konsumenten von Phenylpropanolamin, eine dem Ephedrin in seiner Wirkung sehr ähnliche Substanz, ergab für die USA folgendes Ergebnis: Nehmen 107.000 Frauen einen derartigen Appetitzügler für drei Tage ein, erleidet eine von ihnen einen Schlaganfall. Da Männer kaum Appetitzügler einnehmen, kann man das entsprechende Risiko nicht berechnen.

Fleming (2000) schätzt die Zahl der Personen, die durch Phenylpropanolaminkonsum Schlaganfälle erleiden, auf 200-400 Fälle in den USA pro Jahr.[12]

Geht man auf der Basis von Haller und Benowitz (2000), die von einem 60%igen Frauenanteil in ihrer Untersuchung berichteten, davon aus, dass von den 12 Millionen US-Bürgern, die Ephedraeinzeldosen anwenden, ebenfalls 2/3 Frauen sind, so ist zu erwarten, dass etwa 60-70 Schlaganfälle durch den Ephedrakonsum verursacht werden. In dieser Schätzung ist noch nicht berücksichtigt, dass die Ephedraeinzeldosen üblicherweise nicht drei Tage, sondern mehrere Wochen eingenommen werden und somit das Risiko um ein Mehrfaches höher sein könnte.

Die Inhaltsstoffe des Ephedrakrauts können auch mit anderen Arzneimitteln wechselwirken. Nimmt man beispielsweise bestimmte Antidepressiva aus der Gruppe der Monoaminooxidase(MAO)-Hemmer ein, so erhöht dies drastisch die Ephedrinwirkung. Gleichzeitig eingenommene Mutterkorn-Alkaloide (Secale-Alkaloide) oder Oxytocin erhöhen den Blutdruck erheblich. Die Kombination von Ephedrin und Acetylsalicylsäure („Aspirin“) kann zu Herzversagen führen.[6]

Vertrieb

Das Ephedrakraut selbst ist in deutschen Apotheken nicht mehr ohne Rezept zu erwerben, da seit der Änderung des Arzneimittelgesetzes (AmG) vom 1. April 2006 sämtliche ephedrinhaltigen Substanzen (inklusive Pflanzenteile) rezeptpflichtig sind.

Derzeit wird der Hauptumsatz in den USA erzielt. Dort wird es u.a. im Multi-Level-Marketing-Systemvertrieb (MLM) sowie über das Internet verkauft. Mittlerweile ist Ephedra ein sehr erfolgreicher Teil des Produktangebots des 15 Milliarden Dollar schweren Phytopharmamarktes. In Deutschland wird Ephedra hauptsächlich als Saatgut oder Zierpflanze angeboten.

Rechtliche Situation

Ephedrin und Pseudoephedrin sind Grundstoffe für die Synthese des in Anlage II des Gesetzes über den Verkehr mit Betäubungsmitteln (Betäubungsmittelgesetz – BtMG) eingetragene Betäubungsmittel N-Methylamphetamin („Crystal“), einer Droge mit hohem Potential für Sucht und körperliche Schäden. Daher wird die Abgabe in Deutschland durch das Grundstoffüberwachungsgesetz eingeschränkt.

Vor allem wegen der bronchienerweiternden Wirkung und der damit einhergehenden verbesserten Sauerstoffaufnahme wurde Ephedra vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) als Dopingmittel eingestuft. Daher ist die Einnahme von Ephedrin im Zusammenhang mit sportlichen Wettkämpfen verboten.[13]

Weblinks

Quellennachweise

  1. http://www.suchtmittel.de/info/aufputschmittel/000311.php
  2. S. Klenow, K.P. Latté, U. Wegewitz, B. Dusemund, A. Pöting, K.E. Appel, R. Großklaus, R. Schumann, A. Lampen: Risikobewertung von Pflanzen und pflanzlichen Zubereitungen Bundesinstitut für Risikobewertung, 2012, S. 224
  3. http://buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/ephedrae-herba-ephedrakraut.htm
  4. http://www.rivm.nl/bibliotheek/rapporten/670220001.pdf
  5. http://www.pille-palle.net/Pille-Palle/ephedrin.php
  6. 6,0 6,1 http://www.docceck.com/de/Ephedrin
  7. S. Klenow, K.P. Latté, U. Wegewitz, B. Dusemund, A. Pöting, K.E. Appel, R. Großklaus, R. Schumann, A. Lampen: Risikobewertung von Pflanzen und pflanzlichen Zubereitungen Bundesinstitut für Risikobewertung, 2012, S. 223
  8. BgVV und BfArM warnen: Schwere Gesundheitsschäden durch Ephedra-Kraut Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) 09/2002, 8. April 2002
  9. http://www.fda.gov/ohrms/dockets/dailys/01/Sep01/091001/cp00001.pdf
  10. http://www.nejm.com/content/haller/1.asp Haller CA, Benowitz NL: Adverse cardiovascular and central nervous sytem events associated with dietary supplements containing ephedra alkaloids. 6.12.2000.
  11. Haller CA, Benowitz NL: Adverse cardiovascular and central nervous sytem events associated with dietary supplements containing ephedra alkaloids. 6.12.2000
  12. Fleming GA: The FDA, regulation and the risk of stroke. N Engl J Med, 343, 1886-1887, 2000
  13. The World Anti-Doping Code: The 2009 Prohibited List, International Standard. S. 7–8.