Echinacea

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Echinacea purpurea

Echinacea (E. angustifolia) ist der Name eines Heilmittels, das Presssäfte oder Extrakte aus der Wurzel (Radix) des Purpur-Sonnenhutes (E. purpurea), des Blassen Sonnenhuts (syn.: Prärie-Igelkopf - Echinacea pallida) oder Schmalblättrigen Sonnenhutes (Echinacea angustifolia) enthält und zur Immunstimulation oder vorbeugend gegen Erkältungen und andere Infektionskrankheiten beworben wird. Es gibt wenig seriöse Hinweise auf eine Wirksamkeit. Die Anwendung von Echinacea-Präparaten erfolgt in der Alternativmedizin oftmals nach Stellung der umstrittenen Verdachtsdiagnose einer angenommenen oder drohenden "alternativmedizinischen Immunschwäche".

Aussehen

Der Sonnenhut (Echinacea spec.) stammt aus einer Pflanzenfamilie der Korbblütengewächse (Asteraceae) und bildet die Gattung der Sonnenhüte, die hauptsächlich in Nordamerika beheimatet ist, aber auch in geringerem Umfang in Europa (Deutschland, Italien, ehemaliges Jugoslawien, Niederlande, Schweiz) kultiviert wird. Zu medizinischen Zwecken werden die Wurzeln (Radix) des Schmalblättrigen, Blassen bzw. des Purpur-Sonnenhuts verwendet. Die Pflanzen sehen für den Laien ähnlich aus, unterscheiden sich aber in ihren botanischen Merkmalen.

Inhaltsstoffe

Wichtige Inhaltsstoffe von Echinacea sind Glycoside wie das Echinacosid, ätherische Öle, Inulin und Harze. Allerdings ist derzeit weder geklärt, welches dieser Inhaltsstoffe die Wirkung hervorruft, noch worin der eigentliche Wirkmechanismus besteht.

Vermarktung in Deutschland

Die in Deutschland angebotenen Präparate werden aus dem Purpur-Sonnenhut und dem Blassen Sonnenhut gewonnen.

Diverse Pharmafirmen sind am Geschäft mit Auszügen, Presssäften oder Zubereitungen, die Echinacea-Beimengungen enthalten, beteiligt. Neben der aus der Anthroposophie-Szene stammenden Firma Heel sind auch Firmen wie Nestmann, Hevert Arzneimittel, Pflüger und größere Generika-Anbieter wie Stada und Ratiopharm in diesem Geschäftsfeld aktiv. Diese Firmen bieten diese pflanzlichen Heilmittel, die gemäß des deutschen Arzneimittelrechts noch einige Jahre keinen Wirksamkeitsnachweis erbringen müssen, über die Apotheken an.

Anwendungsgebiete

Präparate aus Echinacea angustifolia sowie Echinacea purpurea werden zur Unterstützung und Förderung der Abwehrkräfte (Immunstimulanz), insbesondere bei Erkältungskrankheiten im Hals-, Nasen- und Rachenraum sowie als 'Umstimmungsmittel' bei Grippe verwendet, daneben auch zur Behandlung entzündlicher oder eitriger Verletzungen, bei Ulcus cruris (offenem Bein), Herpes simplex und Phlegmonen. Zusätzlich wird es bei Kopfschmerzen, Stoffwechselerkrankungen oder als Antiseptikum eingesetzt. Eine dritte Sonnenhut-Art, der Blasse Sonnenhut (syn.: Prärie-Igelkopf - Echinacea pallida), wird nur zur unterstützenden Therapie bei grippeartigen Infekten empfohlen.[1]

Wegen der immunstimulierenden Wirkung wird Sonnenhut sogar als ein neues Medikament gegen Krebserkrankungen („Hoffnungen gegen Krebs“) angeboten. Im Bereich der Homöopathie wird Echinacea ebenfalls gegen grippale Infekte und Entzündungen im Mund angeboten.

Studienlage zur Wirksamkeit

Echinacea-Extrakte werden als vorgebliche Stärkung der Körperabwehr zur unterstützenden Behandlung rezidivierender Infekte im Bereich der Atemwege beziehungsweise bei grippeartigen Infekten angeboten. Derzeit ist weder geklärt, welcher der Inhaltsstoffe die Wirkung hervorruft, noch worin der eigentliche Wirkmechanismus besteht.

Das Arzneimittelkursbuch der Herausgeber des Arznei-Telegramms stufte die als 'Immunmodulatoren' (früher als 'Immunstimulanzien') bezeichneten Extrakte aus Echinacea purpurea (ECHINACIN u.a.) und Echinacea pallida (ECHINACEA-RATIOPHARM u.a.) als Produkte mit einem zweifelhaften Therapieprinzip ein.[2]

In der von der Gelben Liste publizierten Negativliste von Arzneimitteln[3], die diese Einstufung mangels Wirksamkeitsnachweis erhielten, werden ECHINACEA COMP. S Amp. AMP von Biologische Heilmittel Heel GmbH sowie ECHINACEA COMPLEX Ampullen INJ von Weber & Weber GmbH & Co. KG genannt. Echinacea-Produkte haben keinen glaubhaften Nachweis einer Wirksamkeit, befinden sich aber ohne Wirksamkeitsnachweis im Verkehr und trotz bestehender Negativ-Einstufung werden sie weiter verkauft.

Wirksamkeitsnachweise von Echinacea-Produkten gibt es überwiegend in der deutschsprachigen Fachliteratur, wobei diese in der Regel von jenen Firmen gesponsert wurden, die durch den Verkauf Echinacea-haltiger Produkte Geld verdienen.[4] Die Qualität dieser Studien ist jedoch überwiegend schlecht, so dass sie der kritischen Nachprüfung nicht standhalten. So wird in einer Metaanalyse aus dem Jahr 2007 (SHAH, S.A. et al, 2007) von einem vorbeugenden Effekt von Echinacea bei Erkältungen berichtet. Allerdings weist diese Studie schwere methodische Mängel auf.[5]

Eine Wirksamkeit von Echinacea-Zubereitungen gegen Herpes-simplex- und Rhinoviren wurde bisher lediglich in vitro nachgewiesen.[6]

Studien, die den wissenschaftlichen Standards entsprechen, kommen hingegen zu dem Ergebnis, dass Echinacea weder in der Vorbeugung, noch in der Dauer und Schwere von Erkältungskrankheiten einen nachgewiesenen Nutzen haben. [7][8][9][10][11]

Für die Anwendung von Echinacea gegen Krebserkrankungen existieren keinerlei Hinweise für eine Wirksamkeit. Es existieren nicht einmal wissenschaftliche Studien zu diesem Thema.

Die Wirksamkeit von Echinacea bleibt demnach nach wie vor ungesichert.

Neben- und Wechselwirkungen

Dem Patienten wird durch Anbieter von Echinacea-Produkten immer wieder der unzutreffende Eindruck vermittelt, dass Echinacea eine nebenwirkungsfreie Arznei sei. Das ist nachgewiesenermaßen nicht zutreffend. Dem 'Netzwerk der gegenseitigen Information' des Arznei-Telegramms wurden sowohl für Echinacea-Presssäfte wie auch -Extrakte oder -Injektionslösungen zum Teil erhebliche Nebenwirkungen berichtet.

Nebenwirkungen in Form schwerer Unverträglichkeitsreaktionen wie Anaphylaxie und akute Asthmaanfälle sind besonders bei Personen mit Neigung zu Allergien zu befürchten. Dies mag darauf beruhen, dass man bei Patienten mit Allergieneigung trotz fehlender Einnahme von Echinacea bereits eine Sensibilisierung gegen Echinacea-Antigene im Prick-Test feststellen kann. Ursache hierfür könnte eine Kreuzreaktivität mit anderen Korbblütlern wie Beifuß, Chrysanthemen und Sonnenblumen sein.[12]

Einzelberichte über unerwünschten Wirkungen von Echinacea beschreiben Zwischenfälle wie die Verschlechterung der Befindlichkeit, Husten, Atemnot, Hautausschläge, Blutdruckschwankungen, Blutbildveränderungen, Muskelschwund bis hin zu sehr ernsten Erkrankungen wie schwerem allergischen bzw. anaphylaktischem Schock. Besonders schwere Nebenwirkungen traten vor allem bei den Injektionslösungen auf.

Einigen Bestandteilen von Echinacea werden immunstimulierende Effekte zugeschrieben, jedoch sind die Belege für die Sicherheit bislang unzureichend. Sollte ein immunstimulierender Mechanismus bestehen, ist vor allem bei längerer Einnahme eine Beeinträchtigung des Immunsystems zu befürchten.[13]

Wechselwirkungen zwischen Echinacea-Produkten und anderen Arzneimitteln sind nicht auszuschließen. So weist Tumova (2000) darauf hin, dass Fertigarzneimittel wie z. B. Warfarin, MAO-Inhibitoren (wie Moclobemid, Selegilin) oder Phenytoin und andere leberschädigend wirkende Medikamente nicht gleichzeitig mit Echinacea eingenommen werden sollten, weil die Pflanzenextrakte die Ausscheidung bzw. den Abbau der Arzneimittel in der Leber hemmen können. Dies kann zu Organschäden führen. (Laut Tumova besteht das Problem der Wechselwirkung nicht nur bei Echinacea, sondern u.a. auch bei Ginkgo, Ginseng, Johanniskraut und Baldrian.)[14]

Quellennachweise

  1. http://www.medizinalpflanzen.de/systematik/6_droge/echinapal.htm
  2. Arzneimittelkursbuch 2002/03: A.V.I. Berlin, 1508-1509, 2002
  3. http://www.gelbe-liste.de/
  4. http://www.arznei-telegramm.de/html/2007_07/0707069_01.html
  5. SHAH, S.A. et al.: Lancet Infect. Dis. 2007; 7: 473-80
  6. http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=29817
  7. http://www.uni-duesseldorf.de/kojda-pharmalehrbuch/apothekenmagazin/Editorials/2005-10.pdf
  8. Barrett B, Brown R, Rakel D, Mundt M, Bone K, Barlow S, Ewers T. Echinacea for treating the common cold: a randomized trial., Ann Intern Med. 2010 Dec 21;153(12):769-77
  9. Ronald B. Turner, Donald K. Riker, J. David Gangemi. Ineffectiveness of Echinacea for Prevention of Experimental Rhinovirus Colds. Antimicrobial Agents and Chemotherapy, June 2000, Seiten 1708-1709, Vol. 44, No. 6. [1]
  10. http://www.med.wisc.edu/news-events/news/study-shows-echinacea-may-reduce-cold-duration-by-only-one-day/30079
  11. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15736012?dopt=Abstract
  12. Mullins RJ, Heddle R: Adverse reactions associated with echinacea: the Australian experience. An Allergy Asthma Immunol, 88, 42-51, 2002
  13. Arznei-Telegramm: blitz-a-t: NEUE STUDIE: ECHINACEA-EXTRAKT BEI ERKÄLTUNG OHNE NUTZEN 17.12.2002
  14. Tumova L: Interactions between herbal medicines and drugs. Ceska Slov Farm, 49, 162-167, 2002