Dianetik

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Dianetik (von gr. dia hindurch und noos Seele) ist sowohl der Name einer von dem US-amerikanischen Science-Fiction-Autor und Sektengründer Ron Hubbard erfundenen esoterischen Lehre als auch der Titel eines seiner Werke. Die Dianetik-Lehre ist die Vorläufermethode der heute innerhalb des Scientologykults praktizierten Lehre. Im Prinzip handelt es sich um eine kommerziell vermarktete außerwissenschaftliche Methode mit Eigenschaften des Motivationstrainings zur Steigerung eigener Leistungsfähigkeit, zur beabsichtigten Ausschaltung unerwünschter Emotionen und mit behaupteten positiven gesundheitlichen Effekten.

Hubbard beschrieb in seinem 1950 erschienenen Werk Dianetics (deutsch: „Dianetik“) ein System von Psychotechniken, das er 1952 mit Scientology 8–80 zu einer Weltanschauung mit dem Anspruch einer Religion erweiterte. Er fügte dabei Versatzstücke aus der Psychoanalyse und anderer psychologischer Konzepte zu einer angeblichen Methode zur Manipulation der menschlichen Psyche zusammen. Die psychische Manipulation von Menschen ist auch heute noch ein zentraler Bestandteil von Scientology mit dem Ziel, den Menschen und die Gesellschaft zu beherrschen. Daraus begründet sich auch die aggressive Antipsychiatrie der Sekte.

Hintergrund

Angeblich sollen vor 75 Millionen Jahren 13,5 Millionen Aliens von dem bösen Herrscher Xenu mittels Raumschiffen, die wie Douglas DC-8 aussahen, zur Erde transportiert worden sein. Dort seien die Bewusstlosen rund um Vulkane platziert worden, die mittels Wasserstoffbomben gezündet wurden.

Die entkörperten Seelen der Opfer, die Hubbard "Thetane" nannte, sollen durch Xenus Streitkräfte eingesaugt, schließlich in eine Art Kino gebracht und dort zum Ansehen eines Films gezwungen worden sein (die heutige Einrichtung von Kinos sei auf die unbewusste Erinnerung an dieses Ereignis zurückzuführen). Dabei sollen ihnen irreführende Informationen, die als "R6 Implant" bezeichnet werden, eingepflanzt worden sein. Diese beinhalten falsche Vorstellungen über Gott, den Teufel und Science Fiction.[1]

Diese so genannten Thetane bilden nun in unserer Zeit das unsterbliche Wesen eines jeden Menschen, werden jedoch von den so genannten Engrammen, schlimmen mentalen Bildern aus der Zeit ihrer Bewusstlosigkeit, von ihrem wahren Potential abgehalten.

Clear und Auditing

Mark Super VII Quantum E-Meter

Durch die Methoden der Dianetik sollen diese Engramme aufgelöst werden können. Gängige psychiatrische Methoden werden jedoch als falsch angesehen, da sie das "wahre Problem" nicht erkennen.

Menschen werden dazu im ersten Schritt als "Pre-Clear" eingestuft und sollen durch Reinigungsprozesse von ihrem „reaktiven Verstand“ befreit werden, der sie zuvor dazu gezwungen habe, auf der Grundlage dieser traumatischen Erfahrungen zu handeln. Sobald sie den Zustand Clear erreicht haben, sollen sie durch den Erwerb von (derzeit acht) "Operating Thetan"-Stufen völlige Befreiung erreichen können. Ein solcher sei nicht mehr an Materie, Energie, Raum und Zeit gebunden.[2]

Das Auditing ist dabei eine zentrale Technik der Dianetik, um den so genannten Clear-Zustand zu erreichen. Dabei wird ein Gespräch zwischen einem Auditor und einem Pre-Clear, der "auditiert" wird, geführt. Mit Hilfe des so genannten E-Meters, einer Art Lügendetektor, werden die Aussagen des Pre-Clears "geprüft". Dieser soll nun in mehreren Sitzungen so lange die traumatischen Ereignisse seines Lebens erzählen, bis das E-Meter keine "Ladung" mehr anzeigt.

Wissenschaftliche Prüfungen zur Aussagekraft eines solchen Geräts fehlen völlig. Aufgrund der technischen Analogie zu Lügendetektoren ist anzunehmen, dass die selben Kritikpunkte wie dort gelten.[3] Man kann durch Übung erlernen, einen Lügendetektortest zu bestehen. Ähnliches gilt durch die vergleichbare Methodik auch für das E-Meter.

Solche Auditings werden aufgezeichnet und es ist keine Seltenheit, dass Mitglieder, die austreten (möchten), mit den Informationen unter Druck gesetzt werden, die sie in dieser "Beichte" preisgegeben haben.[4]

Therapie an Kindern

Auch bei Kindern soll laut Hubbard Auditing durchgeführt werden, um das von ihm als krankhaft eingestufte kindliche Verhalten zu therapieren.[5] Hubbard hält das Auditieren von Kindern für möglich, sobald das Sprechen erlernt wurde. Er empfiehlt "schweres Prozessing" erst ab einem Alter von fünf Jahren, Rückführung in vorgeburtliche Ereignisse ab zwölf Jahren.[6]

Zentral ist hier der so genannte "Security-Check", bei dem folgende Fragen - die erste gilt als die wichtigste - an Kinder gestellt werden:[7]

  • Was hat dir jemand verboten zu erzählen?
  • Hast du jemals beschlossen, ein Familienmitglied nicht zu mögen?
  • Hast du jemals etwas genommen, das einem anderen gehörte, und nie zurückgegeben?
  • Hast du dich jemals krank gestellt?
  • Hast du dich jemals selbst krank gemacht oder verletzt, um Mitleid zu erregen?
  • Hast du dir jemals etwas sehr gewünscht, aber niemandem davon erzählt?
  • Hast du dich jemals absichtlich schmutzig gemacht?
  • Hast du dich jemals geweigert, etwas zu essen, nur weil du jemanden bekümmern wolltest?
  • Ist dir jemals etwas über dich selbst eingefallen und hast du es niemandem erzählt, weil du dachtest, man würde dir nicht glauben oder sich über dich ärgern?
  • Hast du dich jemals geweigert, einen Auftrag von jemandem, dem du gehorchen solltest, auszuführen?

Kurt-Helmut Eimuth beschreibt in seinem Buch "Die Sektenkinder" im Kapitel: "Scientology: Mit Kindern die Welt erobern" die Reaktion eines Mädchens auf die Teilnahme an einem derartigen "Reinigungs-Rundown":

"Die fast elfjährige Dorothea musste weggetragen werden. Sie schrie und war, wie sie später einem Arzt berichtete, nicht mehr "Herr über ihren Körper gewesen". Sie habe sich "von oben gesehen" und fühlte sich so, wie "man gestorben ist". Dieses "ausserkörperliche" Erlebnis verdankt das Mädchen seinem Vater. Er ist Mitglied bei Scientology. Er hatte Dorothea und ihren ein Jahr älteren Bruder täglich in die Karlsruher Zentrale der Organisation geschleppt. Dort nahmen die Kinder nach ihren Angaben an Kursen und dem sogenannten "Reinigungs-Rundown" teil. Bei dieser Tortur mussten sie mehrfach drei bis fünf Stunden in der Sauna schwitzen und wurde mit "Vitaminen voll gepumpt." Schliesslich informierten die Grosseltern einen Kinderarzt. "Der Mediziner stellte fest, dass das Mädchen in einer dem Alter völlig inadäquaten Art und Weise körperlich und geistig überfordert war."[8]

Kosten

Die Kosten von Auditing und Kursen, die als Voraussetzungen für den Aufstieg innerhalb von Scientology gesehen werden, schlagen mit mehreren hunderttausend Dollar zu Buche.[9]

Quellenverzeichnis

  1. Ron Hubbard: Scientology: A History of Man.
  2. Douglas E. Cowan, David G. Bromley: The Church of Scientolog. In: Eugene V. Gallagher, W. Michael Ashcraft (Hrsg.): Introduction to New and Alternative Religions in America. 5, CT/London, Westport 2006, ISBN 0-275-98712-4, S. 175–177.
  3. Lügendetektor in der Wikipedia, abgerufen am 31. Dezember 2010
  4. Bericht in der Sueddeutschen 1997
  5. Kritik zum Kinderauditing
  6. L. Ron Hubbard, Kinder-Dianetik 1951, S 67
  7. Security Check für Kinder, HCO WW Security Form 8 vom 21. September 1961
  8. Eimuth, Kurt-Helmut: Die Sektenkinder. 1996, S. 65
  9. http://www.xenu.net/archive/prices.html Preisliste auf Xenu.net