Bioptron

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Anwendung einer Bioptron-Lampe
Werbung für Farblichttherapie
Aufbau laut Patentschrift[1] 4: Ventilator, 33: Spiegel, 42: Lampe

Unter dem Namen Bioptron werden Halogenleuchten vermarktet, mit denen es durch Beleuchten der Haut möglich sei, zahlreiche Erkrankungen zu heilen oder zu lindern. Anbieter ist die schweizerische Firma Bioptron AG, die zum Unternehmen Zepter International des serbischen Geschäftsmanns Philip Zepter (eigentlich Milan Janković, geb. 1950) gehört.

Die hier thematisierte Methode hat nichts mit anerkannten Lichtanwendungen zu therapeutischen Zwecken zu tun (Lichttherapie zur Behandlung bestimmter Formen der Depression, PUVA-Therapie mit UV-Licht, sowie einige weitere Formen der Phototherapie, z.B. zur Behandlung von Psoriasis oder der Neugeborenengelbsucht).

Die Leuchte

Das auch als "Lichttherapie-System" bezeichnete Produkt ist in mehreren Ausführungen erhältlich. Bei den Modellen Bioptron Pro 1 und Bioptron 2 verfügt die Halogenlampe über eine Leistung von 50 W, beim Handmodell Bioptron MedAll (Nachfolger vom Bioptron Compact) liegt die Leistung bei 20 W. Die medizinische Wirksamkeit beruhe insbesondere darauf, dass polarisiertes Licht abgegeben wird. Die Polarisation wird erreicht, indem das Licht der Halogenglühlampe, bevor es aus dem Gerät austritt, unter dem Brewster-Winkel auf einen Reflektor trifft.[1] Als Zubehör ist ein Satz von sieben farbigen Filtern erhältlich, mit denen die Lampen auch zur Farblichttherapie geeignet seien.

Zur Begründung eines therapeutischen Werts der Lampe beruft sich die Firma Bioptron auf den färöisch-dänischen Arzt Niels Ryberg Finsen (1860-1904), der sich Ende des 19. Jahrhunderts mit der Behandlung von Krankheiten durch intensive Lichtbestrahlung beschäftigte, hauptsächlich der Hauttuberkulose (Lupus vulgaris). Finsens Methode entspricht allerdings der Heliotherapie[2], bei der die sehr intensive Sonnenstrahlung genutzt wird und nicht vergleichsweise schwache künstliche Lichtquellen.

Indikationen

Als Anwendungen werden genannt:

  • Wundheilung (z.B. Verletzungen, Verbrennungen, Dekubitalgeschwüre)
  • Schmerzbehandlung (z.B. Arthritis, Rückenschmerzen, Arthrosen, Verstauchungen, Bänder- und Muskelrisse, Tennisellbogen)
  • Behandlung von Hauterkrankungen (Akne, Ekzeme, Psoriasis, Herpes Zoster, Schleimhautläsionen). Dieser Bereich wird auch speziell für die Behandlung von Kindern und Neugeborenen beworben.
  • Winterdepression

Bei der ebenfalls beworbenen Farblichttherapie argumentiert die Firma Bioptron gänzlich pseudomedizinisch und esoterisch. So handele es sich bei den Farbfiltern um "bioinformierte Farbfilter", die Therapie basiere auf einer "Chakra-Stimulation" und verbessere "die Energiezentren unseres Körpers". Die verschiedenen Farben werden in der üblichen Weise willkürlich körperlichen und seelischen Zuständen zugeordnet, die vage umschrieben werden. So heißt es beispielsweise zu Orange: "regeneriert, animiert, wärmt, stimuliert, ist sanfter als Rot, baut Energie Schritt für Schritt auf, löst blockierte Prozesse und heitert auf". Relativ konkret sind die Aussagen zur Farbe Indigoblau: "entschlackt den Blutstrom, wirkt blutstillend, kühlend und adstringierend, hilft bei allen Nervenleiden und unterstützt die Behandlung von Erkrankungen im Nasenbereich, Asthma, Fieberkrämpfen und Keuchhusten."

Quellen

  1. 1,0 1,1 WO 1996004959 A1: Polarisiertes Licht ausstrahlende Behandlungsleuchte für den Handbetrieb / Hand-held, polarised light radiating therapeutical lamp. Anmelder/Inhaber: Bioptron AG, Heinz Bolleter. Erfinder: Heinz Bolleter. Anmeldedatum: 14.08.1995. Die gleiche Lampe wurde unter dem gleichen Titel von Josef Schreyögg aus Ottobeuren zum deutschen Gebrauchsmuster DE 9413076 U1 angemeldet (Anmeldedatum: 12.08.1994. Schutzrecht erloschen: 31.08.2004) sowie von den Schweizern Jürg Kehrl und Armando Ulrich als Patent EP 0311125 B1 (Anmeldetag: 07.10.1988. Patent erteilt: 09.01.1991. Schutzrecht erloschen: 07.10.2008). Die letztgenannte Anmeldung erfolgte für eine inzwischen erloschene Harrier GmbH Gesellschaft für den Vertrieb medizinischer und technischer Geräte aus München.
  2. AOK: Heliotherapie. Letzte Aktualisierung: August 2014