Baraminologie

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Schaubild zur Erläuterung der Baraminologie auf einer kreationistischen Propagandaseite[1]

Baraminologie ist die kreationistische Variante einer biologischen Systematik, also eines Klassifizierungssystems für Lebewesen. Die Baraminologie stellt das kreationistische Gegenstück der wissenschaftlichen phylogenetischen Systematik dar. Da Kreationisten von "Schöpfungswesen" (Grundtypen) ausgehen und eine evolutionäre und kontinuierliche Entwicklung von Lebewesen bestreiten (abgesehen von kleinen Veränderungen), wird die Baraminologie manchmal auch als "Systematik der Diskontinuität" bezeichnet. Dahinter steht die Vorstellung, dass es bei der Entwicklung des Lebens Grenzlinien gibt, die nicht überschritten werden können. Das Ziel der Baraminologie ist es, die "Diskontinuitäten" oder Grenzen gemeinsamer Abstammung aufzufinden.[2]

Der Begriff Baraminologie (Baraminology) wurde 1990 von dem amerikanischen promovierten Geologen und Junge-Erde-Kreationisten Kurt Patrick Wise (geb. 1959) geprägt. Das Kunstwort "Baramin" wurde 1941 von Frank Lewis Marsh (1899 - 1992, Biologe und Adventist und ebenfalls Anhänger des Junge-Erde-Kreationismus) vorgeschlagen. Es setzt sich zusammen aus den hebräischen Wörtern bara (erschaffen) und min (Art).

In der wissenschaftlichen Systematik der Biologie spielt die Baraminologie keine Rolle.

Baramine

Verschiedene Gruppen von Lebewesen werden als "Baramine" bezeichnet.

  • Holobaramin: Alle lebenden und ausgestorbenen Lebensformen, die genetisch miteinander verwandt sind, also eine Gruppe von Organismen mit gemeinsamer Abstammung. Zum Beispiel bilden Hundeartige ein Holobaramin. Menschen zählen als ein Holobaramin, weil sie nach kreationistischer Sichtweise als einzelne Art erschaffen wurden und daher mit keinerlei anderen Tieren verwandt sind.
  • Monobaramin: Teil eines Holobaramin. Als Beispiel können Hunde als Monobaramin angesehen werden, als Teil des Holobaramins der canidae (Hundeartigen).[3]
  • Apobaramin: Eine Gruppe von Holobaraminen. Diese können eine ähnliche Morphologie aufweisen, aber keine gemeinsame Abkunft. Alle Tiere bilden beispielsweise ein Apobaramin.
  • Polybaramin: Eine Gruppe von Individuen, die mindestens zwei unterschiedlichen Holobaraminen angehören.

Einige Kreationisten verwenden weitere Begriffe:

  • Archäobaramin: Diejenigen Schöpfungsindividuen, die den Ursprung eines Holobaramins bilden. Adam und Eva sind somit der Archäobaramin des Holobaramins der Menschheit.
  • Neobaramin und Paläobaramin: Mit Neobaramin wird die lebende Population eines Holobaramins bezeichnet. Ein Paläobaramin ist eine ältere, nicht mehr existierende Population eines Holobaramins. Neobaramine können von der ursprünglichen perfekten Schöpfung (also dem Archäobaramin) in negativer Weise abweichen und sich insofern auch von den Paläobaraminen unterscheiden.

Unterscheidung der Arten und Baramin-Abstand

Ein entscheidendes Problem in der Baraminologie ist die Abgrenzung zwischen Baraminen, also die Angabe von Kriterien, denen zufolge eine Art einem bestimmten Baramin zugehörig ist oder nicht. Das klassische Kriterium ist die Fähigkeit, lebensfähige Nachkommen zu erzeugen. Von Siegfried Scherer stammt der Vorschlag, die gemeinsame Fähigkeit von Lebewesen, mit einer dritten Art zu hybridisieren, als Kriterium heranzuziehen. Weitere Kriterien sind morphologische und genetische Ähnlichkeit. Von kreationistischen Biologen werden auch Methoden der numerischen Taxonomie herangezogen, die sich anderweitig in der Biologie nicht etablieren konnte. Damit wird der Baramin-Abstand, also eine Art zahlenmäßige Entfernung zwischen Arten oder Gruppen berechnet.

Weblinks

Quellen

  1. objectiveministries.org/creation/baraminology.html
  2. Alan Gishlick (2006): Baraminology. Reports of the NCSE 26(4), 17–21
  3. http://de.wikipedia.org/wiki/Baraminologie