Structured Face Reading

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Markenname und Logo, unter dem das "Structured Face Reading" vermarktet wird

Structured Face Reading (auch bekannt als luxome / luxo.me) ist eine - insbesondere durch ihren Bezug zur Psycho-Physiognomik nach Huter - pseudowissenschaftlich begründete Lehre zur Erkennung von individuellen Persönlichkeitsmerkmalen nur an Hand einer Gesichtsbetrachtung. Das Structured Face Reading als eine kommerzielle Form der Körpersprachedeutung wird auch unter der Marke Luxo.me, die Kunst des Gesichterlesen beworben und bekannt gemacht. Nach Befürworterangaben sei die Methode ..eine Analysetechnik für menschliche Verhaltensweisen und Charakterzüge.. Sie basiere demnach auf der ebenso unwissenschaftlichen Psycho-Physiognomik nach Huter sowie der Analyse von Körpersprache des israelischen Pantomimen Samy Molcho, Angaben des US-amerikanischen FBI-Agenten Joe Navarro und der Mimiklehre nach Paul Ekman.[1]

Demnach sei die Methode darüber hinaus auch geeignet sexuelle Präferenzen von Kunden und erlittene traumatische Ereignisse der Vergangenheit (Beispiel: sexueller Missbrauch) zu erkennen. Kurios ist die Annahme der Lehre, dass chirurgische Eingriffe aus kosmetischen Gründen (plastische Chirurgie) einen bleibenden Einfluss auf den "Charakter" und kognitive Leistungen des Operierten ausüben sollen. Botox-Injektionen zur Verhinderung von Gesichtsfalten im Bereich oberhalb der Nasenwurzel hätten demnach beispielsweise eine "Schwächung der Konzentrationsfähigkeit" zur Folge. Diese Schwierigkeiten sich konzentrieren zu können, sollen der Lehre zufolge dann später das eigene Verhalten und den "Charakter" verändern können.

Die Methode solle dabei helfen: "den Charakter, die Talente und die Bedürfnisse seines Gegenübers erkennen zu können" und nimmt dabei Anleihen aus der psychologischen Forschung, ohne dabei selbst wissenschaftlich fundiert zu sein. Die Versprechen sind empirisch nicht belegbar und auch nicht plausibel.

Gründer

Vermarkter Worna Zohari

Erfinder der Methode soll 2009 der aus dem Iran stammende Immobilien-Ökonom und Manager Worna Zohari (Dunios Immobilien GmbH / vormals Zohari Real Estate, vormals Gagfah GmbH, Gagfah M Immobilien-Management GmbH) sein. Er ist aktuell Geschäftsführer der DUNIOS International Academy GmbH und der DUNIOS Immobilien GmbH, die beide im gleichen Wohnhaus in Bochum residieren. Zohari gibt an, in den achtziger Jahren mit seiner deutschen Mutter als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland gekommen zu sein. Zohari ist auch als Taekwondo-Trainer im deutschen Privatfernsehen bekannt geworden. Eine Ausbildung auf dem Gebiet der Psychologie gibt Zohari nicht an. Vielmehr wirbt er damit, sich in der Vergangenheit mit der umstrittenen neurolinguistischen Programmierung NLP und analogen Methoden beschäftigt zu haben.

Unternehmen

Das Structured Face Reading (luxo.me) wird aktuell (2017) in kostenlosen Werbeseminaren von mehrheitlich Psychologie-Laien einer "Dunios International Academy GmbH" in Bochum vermarktet.[2] Erwerbar sind ein „Master of luxo.me“ oder der „Certified Trainer of Luxo.me“, die in weiteren Seminaren kostenpflichtig sind. Beide Abschlüsse haben jedoch keinen über die Akademie erkennbaren hinausgehenden Wert. Insbesondere befähigen sie die Absolventen nicht zur Ausübung der Heilkunde.

Die "Dozenten" oder "Coaches" dieser privaten Akademie sind Schauspieler, Kunstpädagogen und Unternehmer. Keiner von ihnen hat eine medizinische oder psychotherapeutische Ausbildung. Ein sechsmonatiger "Master-Kurs" kostet aktuell ca. 4000 Euro. Erworbene Kenntnisse seien laut Werbung geeignet, aus der Mimik eines Gesprächspartners "gewinnbringende" Informationen in Deinem Privat- und Berufsleben zu erhalten.[3] [4]Laut eigenen Angaben gehören zu den Kunden der Seminare und Ausbildungen[5]:

  • Die Deutsche Bank
  • Die Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Die Stadt Bochum
  • Pro7
  • Die EBS Universität für Wirtschaft und Recht
  • BMW

Ferner werde eine Ausbildung durch den "Bildungsscheck- NRW" staatlich gefördert[6]

Pseudowissenschaftlicher Hintergrund der "Lehre"

Das „Structured Face Reading“ basiert nach eigenen Angaben auf den Erkenntnissen und Lehren anderer Autoren. Diese werden in der Fachwelt ebenfalls als empirisch nicht belegt angesehen und spielen daher in der wissenschaftlichen Praxis keine ernstzunehmende Rolle.

Phrenologie nach Gall

Die Methode des Structured Face Reading weist Analogien zur klassischen Phrenologie nach Gall (19. Jahrhundert) auf. Der deutsche Arzt Franz Joseph Gall (1758-1828) glaubte den Charakter und die "Triebe" eines Menschen anhand der Form seines Schädels bestimmen zu können. Galls Phrenologie fußte auf unwissenschaftliche Annahmen des Altertums, der Physiognomik, die auch Element diverser okkulter Geheimlehren war. Kernthese Galls war, dass jede charakterliche Eigenschaft des Menschen einem Gehirnareal zuzuordnen sei. Je stärker somit eine bestimmte Eigenschaft ausgeprägt ist, desto größer sollte das entsprechende Hirnareal sein. Weiterhin würde nun je nach Größe des Areals von der Innenseite des Schädels ein verschieden starker Druck auf den Schädelknochen ausgeübt. Dieser "Schädelinnendruck" wiederum sollte dafür verantwortlich sein, dass an verschiedenen Stellen der Schädeloberfläche "Auswölbungen" entstehen, die - von außen sichtbar- Rückschlüsse auf die bestimmten vergrößerten Hirnarealen geben sollen.

Jeder denkbaren Eigenschaft des Menschen eine spezifische Hirnregion zuzuordnen, ist bis heute nicht gelungen und wird wahrscheinlich nicht gelingen, da wir dank der modernen Neurowissenschaften wissen, dass die Hirnstrukturen netzwerkartig organisiert sind. Selbst für den Fall, dass man einzelnen Arealen derart exakte Eigenschaften zuordnen könnte, würde die Masse der Hirnsubstanz nicht ausreichen, um einen derartigen Druck zu erzeugen, der die Schädelkalotte wölben oder verformen kann. Bei erhöhtem Hirndruck kommt es vielmehr zum Koma bzw. Tod eines Menschen durch eine Einklemmung des Gehirns, da der einzige Ort einer möglichen Ausdehnung das Foramen magnum ( Übergang zwischen Hirn und Rückenmark, Austrittsstelle des Rückenmarks) ist. Auch kann Galls Theorie nicht erklären, wie es zu einer Verformung des Ohren- oder Nasenknorpels durch das angeblich größer werdende Gehirn kommen soll, welches sich ja in der Schädelhöhle befindet ohne direkten Kontakt zu diesen Strukturen.

Psycho-Physiognomik nach Huter

An der Schwelle zum 20. Jahrhundert hat vor allem Carl Huter (1861–1912) die Bezeichnung „Psycho-Physiognomik“ geprägt. Der gelernte Porzellan- und Porträtmaler gilt seinen Anhängern bis heute als Universalgenie [7] [8]] , weil er nicht nur zur Schädeldeutung sondern auch zur Graphologie , Irisdiagnostik, Rassenlehre, Paläontologie sowie zur Entstehung des Weltalls "forschte". Huter legte äußerst umfangreiche "Deutungskataloge" für alle Regionen des menschlichen Schädels vor. Hierbei spielen mehrere von ihm eigens definierte „Strahlungsenergien“ eine zentrale Rolle, denn es komme - so die Theorie- zu einem stetigen Energieaustausch zwischen Innerem und Äußeren der "Körperhülle", wodurch das äußere Erscheinungsbild des Menschen maßgeblich geprägt werden soll. Wie diese spezifischen Deutungspunkte entstehen sollen, die auf charakterliche Eigenschaften des Menschen hindeuten, bleibt im Unklaren.

Spezifische Persönlichkeitsdeutungen unterliegen beispielsweise ganze zehn Nasen- und fünf Kinnformen (je nach Nasenform gliedern diese sich wiederum auch in einzelne Unterareale). Während der menschliche Mund fünf dieser Areale zeigt, lässt sie die obere Augenpartie in sieben Areale einteilen. Wie bei der Nase können einzelne Areale wieder unterschiedliche Formen aufweisen. Alleine die Betrachtung der Ohren kann zu weit mehr als 3000 Charakterisierungen herangezogen werden (3 Ohrgrößen x 3 Formen der Segelohrigkeit x 3 Ohrzonen x 3 Schrägheitsgrade x 3 Höhenparameter x 5 Ohroberkantenareale x 3 Möglichkeiten des Verhältnisses zwischen rechtem und linkem Ohr, sowie das Kriterium der "Schönheit" der Ohren).[9]

Huter teilte Menschen auch nach Körpertypen – so genannter „Naturellen“ ein. Hierbei gibt es ein Ernährungs-, Bewegungs und Empfindungs-Naturell.[10]

Luxo.me nennt Huter nicht weniger als "den bedeutendsten Vertreter der Psycho-Physiognomik aller Zeiten", räumt jedoch ein, dass die ca. 100 Jahre alten Lehren nicht 1:1 übernommen werden können, da sich z.B. Charaktereigenschaften der Menschen in diesem Zeitraum verändert hätten (Zitat: "Es gibt heute Charaktereigenschaften, die gab es vor 100 Jahren gar nicht"). Demnach sei die "Lehre" in den letzten Jahren "stetig verändert und weiterentwickelt worden" und die Akademie führe regelmäßige Studien zwecks Weiterentwicklung durch, die jedoch weder in gängigen Journals noch online auffindbar sind.[11][12]

Hinweis: in der wissenschaftlichen Medizin spielen die "ad hoc" Diagnosen durch Betrachten eines Patienten eine wichtige Rolle, auch wenn diese in der Vergangenheit eine größere Rolle spielte als heute. Psychiatrische Erkrankungen, Hautkrankheiten oder bestimmte Stoffwechselerkrankungen hinterlassen regelmäßig sichtbare Spuren, die Hinweise zur Diagnose von Krankheiten geben können, und beispielsweise bei bewusstlosen unbekannten Patienten die ersten Hinweise für lebensrettende Maßnahmen geben. Zur entsprechenden medizinischen Blickdiagnostik liegt umfangreiche Fachliteratur vor. Die sinnvolle und verantwortungsvolle Anwendung der ad hoc Blickdiagnostik setzt jedoch die genaue Kenntnis der jeweiligen Krankheiten und deren Pathophysiologie voraus.

Mimiklehre nach Paul Ekman

Ekman wurde von Menschenrechtsorganisationen mehrfach Diskriminierung vorgeworfen, weil er Flughafenpersonal bei der Wahrnehmung der Mikroexpressionen von Passagieren schult, damit sie auffällige Passagiere erkennen können. In einem Nature-News-Artikel aus dem Jahr 2010 bezweifeln Wissenschaftlerkollegen, dass das Konzept in der Praxis funktioniert.[13] Zudem habe Ekman seit Jahrzehnten seine Studien nicht per Peer-Review (wissenschaftlicher Begutachtung) überprüfen lassen.[14]

Im Ekman-Modell fehlen wichtige Emotionen (sexuelle Erregung, Mutter-Kind-Liebe, Neugier). Die Basisemotionen werden von Ekman unipolar dargestellt (z. B. fehlt zum Ekel der Appetit). Viele Persönlichkeitstheorien bevorzugen hingegen eine bipolare Skalierung von Persönlichkeitsmerkmalen. Sie verorten Individuen auf einem Kontinuum z. B. zwischen Introversion und Extraversion. Freude wiederum ist eine sehr unspezifische Emotion – von der hämischen Schadenfreude bis zur Freude über einen sportlichen Sieg hat sie viele Facetten und unterschiedliche Ausdrucksformen.

Ekman übersieht nach Ansicht von Kritikern, dass die soziale Kommunikation nur eine Funktion von Emotionen ist. Bei vielen Emotionen wäre es unter evolutionstheoretischen Gesichtspunkten adäquater, sie zu verbergen.[15]

Auch aus Sicht der Hirnforschung kommt Kritik an Ekman. So konnten Hennenletter und Schröder nur für Ekel und Angst eindeutige neuronale Korrelate nachweisen.[16]

Die hohe Varianz und vergleichsweise schwache Signifikanz seiner eigenen Befunde erklärt Ekman selbst mit der kulturellen Prägung des Ausdrucks durch soziale Normen sowie kulturell geprägte Dekodierregeln. Soziologische Kritiker setzen dem ein Konzept der graduellen Dekodierung von Expressionen entgegen: Bei einer anzunehmenden begrenzten, eventuell nur minimalen Universalität des Gesichtsausdrucks sei innerhalb kulturell und sozial homogener bzw. sich nahestehender Gruppen eine deutlich präzisere „Decodierung“ der Dialekte möglich als zwischen unterschiedlichen Gruppen. Die Basisemotionen seien außerdem nicht diskret, sondern mischten sich im komplexen Gesichtsausdruck. Ekman ignoriere auch das seit Gustave Le Bon und Emile Durkheim bekannte Phänomen „sozial ansteckender“ Emotionen.[17]

Körpersprache nach Molcho

Ohne Zweifel stellt die Körpersprache als solche eine wichtige Ergänzung unserer Kommunikation zum gesprochenen Wort dar. Es gibt zum Thema Körpersprache umfangreiche wissenschaftliche Forschung, die sich seriös mit der Thematik befasst hat. Neben dem gibt es aber auch eine Pseudowissenschaft der Körpersprache, deren wichtiger Protagonist Samy Molcho (*1936), ein israelischer Musicalregisseur und Pantomime, ist. Molcho brachte in zahlreichen Büchern, DVDs, Seminaren und Veröffentlichungen seine Schein- Erkenntnisse zur Körpersprache recht gewinnbringend an den Mann. Seine Deutungsmuster wurden hierbei einfach auf andere Themenfelder ausgeweitet (Familie, Kinder, Partnerschaft etc.). Die Marke "Molcho" darf jedoch nicht drüber hinwegtäuschen, dass sich seine Körpersprachendeutung bestenfalls auf dem Level von Spekulationen befindet.

Der fest geschlossene Mund deutet stets auf Ablehnung.“ (Molcho, 2001, S. 141)[18]. Die Möglichkeit, dass dieser Mund für: Traurigkeit, Unsicherheit, Schmerzen, Nachdenklichkeit oder irgendwas anderes steht, wird verworfen, denn er kann laut Molcho nur für Ablehnung stehen!

Wenn wir unseren Unterkiefer herabhängen lassen, einfach nur hängen lassen, und in diesem Zustand gefragt werden, wie viel siebzehn mal sieben sei, werden wir entweder gar nicht in der Lage sein, die Aufgabe zu lösen, oder es wird wesentlich länger dauern als sonst.“ (Molcho, 1997, S. 29).[19] Menschen mit offenem Mund wären demnach ebenso zu meiden, wie die mit dem verschlossenen. Die einen sind laut Molcho ablehnend, die anderen dumm.

Leckt ein Gesprächspartner beim Reden die Lippen (Molcho, 1997, S. 24)[20], sind diese keinesfalls zu trocken oder es handelt sich um eine Angewohnheit, sondern würde dies ein untrügliches Zeichen von Ignoranz und Desinteresse sein. Eine Glatze habe so Molcho keinesfalls ihre Ursache in einem veränderten Hormonhaushalt oder genetischer Veranlagung, sondern diene einzig dem bewussten Imponiergehabe des Trägers (Molcho,2001, S. 67)[21]. Woran Samy Molcho seine Deutungen festmacht bzw. in wie weit sie begründet werden, lässt sich nicht klären.

Bezug zur NS-Rassenideologie und Ethikfrage

Luxo.me beschreibt in einer eigens angelegten "Geschichte" der Psychophysiognomik die Verwendung der Theorie durch die Nationalsozialisten" unter anderem zur Rechtfertigung der Verfolgung und Vernichtung von Juden, psychisch Kranken und politischen Gegnern" sowie "um an Hand von physiognomischen Merkmalen (z. B. der Breite des Kiefers oder der Form der Nase) einen Menschen einer „Rasse“ zuzuordnen (sog. „Judennase“) und bestimmte Charaktereigenschaften (Moral, Kapitalismus usw.) zu bestimmen."[22]

Eine klare Kennzeichnung dieser Verwendung als Missbrauch oder eine inhaltliche Abgrenzung dazu erfolgt lediglich durch die "Begründung", Physiognomik würde Menschen nicht in Rassen einteilen und Juden "könnten bessere Eigenschaften als Arier haben". Dies schließt jedoch nicht die verwendete Zuschreibung besonderer Aggressivitätsmerkmale (breiter Kiefer) aus, die gerade in Bezug auf "Racial-Profiling" eine bedeutende Rolle einnehmen. Es wird von Luxo.me nicht erklärt wie Merkmale bei verschiedene Ethnien zu bewerten sind. Somit wird viel Spielraum für Interpretationen gelassen, da man zwar die Menschen offiziell nicht in "Rassen" einteilen will, aber dennoch bestimmten prägnanten Merkmalen ("Judennase") Charaktereigenschaften zuordnet. Rein inhaltlich lässt sich keine Abgrenzung zur nationalsozialistischen Kraniometrie / Phrenologie, einer ebenfalls pseudowissenschaftlichen Lehre, die aus Elementen der Psycho-Physiognomik besteht, finden.

Unter der Rubrik "Ethik und Moral" wird die berechtigte Frage, ob man durch das " mächtige Instrument" des Gesichterlesens nicht anfange, Menschen "in Schubladen zu stecken" (immerhin schreibt man ihnen Charaktereigenschaften aufgrund ihrer äußerlichen Erscheinung zu!) paradoxerweise dahingegend beantwortet, Luxo.me würde das sogar verhindern. Denn es sei "wissenschaftlich erwiesen", dass Menschen einander innerhalb von Sekundenbruchteilen in Schubladen stecken würden und anhand von Äußerlichkeiten beurteilen. Hierfür angeführtes Beispiel ist, dass Menschen anhand von Fotos zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden.

"Du siehst mit dieser Fähigkeit den Menschen innerhalb weniger Sekunden in seiner Komplexität und Einzigartigkeit. Sicherlich werden Menschen auch dann noch in irgendeiner Form „beurteilt“ wenn man ihre Gesichter lesen kann, aber deutlich fairer, angemessener, ohne Vorurteile, und die Schubladen – sofern es noch welche gibt – sind nicht drei oder vier an der Zahl sondern hunderte!"[23]

Luxo.me verleiht Vorurteilen und naiven Alltagsdeutungen eine pseudowissenschaftliche Legitimation. Einerseits bedient es den Wunsch nach einfachen Lösungen und dem „Durchschauen“ anderer Menschen, andererseits weist sie durch ihre Nähe zum gemeinen Menschenkennertum (oben genanntes Bsp. zum Vorstellungsgespräch) für viele Menschen eine hohe Glaubwürdigkeit auf. Analog dazu spielt es jedoch keine Rolle, ob man als Laie die Sterne interpretiert oder sich einen "professionellen Sterndeuter" dazu holt - denn es gibt keine Expertise im Mutmaßen oder Phantasieren. Ferner benötigte man für die "Masterausbildung" die Empfehlung eines Dozenten, der anhand von nicht beschriebenen Kriterien (ggf. anhand des Kundengesichts) beurteilt, ob ein Kunde dafür geeignet ist. Damit wird der Eindruck einer besonderen Exklusivität aufrechterhalten.

Methode

getastetes Structured Face Reading (Bild: Anwenderin Petra Hackbarth[1])
Eines der zahlreichen Werke zur wissenschafts-basierten medizinischen "ad hoc" Blickdiagnostik, die nicht mit fragwürdigen Methoden wie die des (zumeist) durch Laien praktizierten Structured Face Reading verwechselt werden dürfen

Zur Methodik wird szenetypisch wenig öffentlich mitgeteilt. Die Selbstaneignung der Methode durch Leser steht den eigenen kommerziellen Interessen entgegen. Fachliteratur ließ sich im Februar 2017 zum Structured Face Reading nicht auffinden. Die fehlende Literatur wird allerdings von Befürworterseite nicht verschwiegen, und mit einem vorläufigen Status der Methode als "Erfahrungswissenschaft" beantwortet.

Erkennbar ist aber innerhalb der Lehre eine Unterteilung in drei Bereiche:

  • Körpersprache
  • Mimik/Mikroausdrücke
  • Psycho-Physiognomik

Die einzigen öffentlich auffindbaren Hinweise zur Methodik lassen sich in Bewertungen begeisterter Kunden finden, die im Internet von den Betreibern und Absolventen des Structured Face Readings selektiv zitiert öffentlich werden. Diese erwähnen teilweise nebenbei Details der Methode. Da keine enttäuschten Kunden zitiert werden, kann davon ausgegangen werden, dass zuvor eine Auswahl stattfand, deren Kriterien jedoch im dunklen bleiben.

Offenbar werden so genannte Analysen und Kurzanalysen praktiziert. Dabei wird in so genannten "Gesichtsstrukturen gelesen", wobei der Lehre entsprechend angeblich 200 einzelne Punkte am Kopf und im Gesicht (Gesichtsanalyse) betrachtet werden. Die individuelle Persönlichkeit soll sich dabei in der Ausbildung von Gesichtsmuskeln "wiederspiegeln". Hinzu komme die Beobachtung der Mimik, Gestik und Körpersprache und die eigene Menschenkenntnis. Auch soll von den Anwendern getastet und gefühlt werden, heißt es in Kundenrückmeldungen und vereinzelt auf Webseiten von Anwendern. Den zahlenden Kunden werden bei dieser Gelegenheit Eindrücke mitgeteilt, die von den zitierten Kunden des öfteren als verblüffend zutreffend bezeichnet werden. Wie bei Wahrsagedienstleistungen auch, ist bei solchen Dienstleistungen der bekannte Barnum-Effekt zu berücksichtigen: Barnum-Statements sind Angaben, die auf eine große Zahl von Menschen zutreffen, im Einzelfall jedoch als eine auf ein Individuum bezogene Aussage verstanden wird.

Ein Kundenzitat:

..Sehr intensiv schaute sie mir ins Gesicht, fühlte und tastete und berichtete mir über interessante Eigenschaften, Fähigkeiten und auch Schwächen. Mein Interesse bestand darin, zu erfahren, ob mein Weg in Bezug auf Menschen und Unternehmen zu unterstützen, stressfreier und erfolgreicher durchs Leben zu gehen, der richtige ist. Ist es! Sie hat mit einem guten Blick und ihrer Fachkompetenz erläutert, was in meinem Gesicht geprägt ist und was es bedeutet. Schön war, unter anderem bestätigt zu bekommen, dass ich optimistisch und ein positiver Mensch bin, der gern mit Menschen zusammen ist und dies auch braucht..[24]

Ein kritisches Fazit vom Psychologen Roland Henss:

Aus evolutionspsychologischer Sicht ist davon auszugehen, daß der Mensch mit arttypischen psychischen Merkmalen ausgestattet ist, die bei verschiedenen Individuen in ähnlicherweise wirken. Dementsprechend ist auch zu erwarten, daß die Eindrücke, die Gesichter erwecken in einem gewissen Umfang interindividuell geteilt werden(...) Jedoch gibt es in aller Regel keine festen Beziehungen zwischen Aussehens- und Persönlichkeitsmerkmalen, die als unfehlbarer Indikator genutzt werden können. Zum anderen wird jedes Urteil auch durch individuelle Erfahrungen, Einstellungen, Ziele, Wünsche und Bedürfnisse gefärbt, die von Urteiler zu Urteiler sehr verschieden sein können(...) Aufgrund des gegenwärtigen Forschungsstandes weißt alles darauf hin, daß Betrachtungen auf Ebene physiognomischer Merkmale in eine Sackgasse führen.[25]

Strategie von Luxo.me

Das Konzept "Luxo.me" erlaubt weder eine Aussage über die Natur eines Menschen noch gibt sie Aufschluss über seine Persönlichkeit, seine Fähigkeiten oder Fertigkeiten. Es geht viel mehr darum, ein Produkt gewinnbringend zu vermarkten. Dabei bedient man sich verschiedener pseudowissenschaftlicher "Lehren", die kreativ zusammen gestellt wurden.

Zu beachten ist jedoch:

  • Statt einer biologischer Basis für die Deutungen wird sich auf zahlreiche Autoritäten berufen, die die Konzepte legitimieren
  • Neurowissenschaftliche Forschung wird ignoriert um eine "Erfahrungs- und Glaubenslehre" aufrecht zuhalten
  • Dennoch untermauern assoziative Verbindungen zur Wissenschaft die "Lehren" oberflächlich
  • Trotz hunderte Jahre alter Theorie gibt es bis heute keine empirischen Beweise/ Einfluss der beschriebenen "Lehren" in moderner Medizin/ Psychologie
  • Es gibt keine Begründung weshalb man von Ohren/Nase/ Mundform auf die Persönlichkeit schließen sollte
  • Man bedient sich einem eigenen, esoterisch anmutenden Wortschatz "Naturelle"/ "Strömungsenergien"
  • Mythen und Plausibilitäten des Alltags werden zu wissenschaftlichen Tatsachen
  • Zwischen zahlreichen Ansätzen gibt es inhaltliche Widersprüche, die ausgeblendet werden und da man sich systematischer Forschung verschließt, kann es kein richtig oder falsch geben
  • Strategie der Rückversicherung: es gibt keine einfachen Antworten, das Konzept sei den Methoden der Kritiker nicht zugänglich usw.
  • Jeder Physiognom kann für sich auswählen was wahr - sprich marktfähig - ist
  • selbst unter der Prämisse, es gebe eine wahre Kernidee, ist die Diagnostik von schlechter Qualität. Es werden keinerlei Messinstrumente, die zu objektivierbaren Daten führen würden, verwendet ("stark / mittelstark / schwach" sind Kategorien, die der subjektiven Ansicht des Urteilers obliegen und nicht reproduzierbar bei einem anderen Physiognomen sind,die exakte Verortung der winzigen Deutungsareale ist ohnehin nicht möglich)
  • "Diagnostik" wird bestimmt von Subjektivität und Intuition, sowie fehlende Regeln die hunderte Einzelinformationen zu gewichten/ integrieren
  • Typischerweise wird die hohe ethische Verantwortung, die mit dem "Spezialwissen" einhergeht, betont
  • Widerspruch zwischen Theorie und Anwendung: kostspielige sechsmonatige Seminare, weil die Thematik angeblich so komplex ist vs. Kurzanalyse bei Fotos
  • Die erste Frage, die bei Luxo.me gestellt wird, ist wie der Kunde auf das Unternehmen aufmerksam geworden sei - Marketing ist alles
  • nur Hinweise auf zufriedene Kunden
  • wie bei Molcho-Seminaren gibt es geschickte Möglichkeiten einen Teil der Kosten zu minimieren um "Schnäppchen" zu suggerieren
  • Durch eine Dozentenempfehlung wird Exklusivität vorgegaukelt

Das Angebot "Luxo.me- Structured Face Reading" zeichnet sich auf "Dozentenseite" durch den blinden Glauben an die Objektivität der eigenen Urteilsbildung und Wahrnehmung, die Vorliebe für den Verweis auf historische Autoritäten und den naiven Glauben an die Aussagekraft historischer Überlieferungen sowie Unkenntnis über wissenschaftliche Methoden und fehlende empirisch-wissenschaftliche Ausbildung der "Dozenten" aus. Der Anbieter verknüpft kreativ schon bestehende Irrlehren zu einem neuen Konzept, kreiert eine "Pseudoausbildung" um scheinbar besonderes Wissen zu vermitteln, mit dem einfache Lösungen für komplexe zwischenmenschliche Situationen angeboten werden.

Sehr perfide wird damit geworben, "der ein oder andere" hätte enttäuschende Erfahrungen mit anderen Menschen durch dieses "Wissen" vermeiden können. Durch eine vermeintliche "kulturhistorische Verwurzlung" und dem Anschein von Wissenschaftlichkeit werden dem Kunden, selbst wissenschaftlicher Laie, Scheinbeweise geliefert. Mittels Copyright, dem Verweis auf einen angeblichen ökonomischen Nutzen, den ausschließlichen Verweis auf zufriedene Kunden und Referenzen wird Seriosität vorgegaukelt. Das einzig angebotene Buch mit 500 Seiten Umfang stammt auch von Luxo.me. Eine unabhängige Evaluation der Praktiken und "Prüfung" findet selbstverständlich nicht statt. Der Rückgriff auf Stereotype und Alltagssituationen gaukelt dem Kunden eine Plausibilität vor, die nicht gegeben ist.

Siehe auch

Weblinks

Quellennachweise

  1. www.luxo.me/startseite/was-ist-luxome/
  2. Dunios International Academy GmbH, Hevener Str. 5, D-44797 Bochum
  3. http://http://www.luxo.me/startseite/was-ist-luxome/warum-gesichter-lesen/
  4. http://www.luxo.me/startseite/was-ist-luxome/warum-gesichter-lesen/
  5. http://www.luxo.me/startseite/ueber-uns/referenzen/
  6. http://www.luxo.me/startseite/seminare-ausbildung/stipendium/
  7. https://www.gwup.org/infos/themen/92-psychotechniken/995-schaedeldeutung-und-co-)
  8. https://www.gwup.org/infos/themen/92-psychotechniken/995-schaedeldeutung-und-co-
  9. https://www.gwup.org/infos/themen/92-psychotechniken/995-schaedeldeutung-und-co-
  10. http://www.praxis-bauschert.de/Therapien/t350/
  11. http://www.luxo.me/startseite/was-ist-luxome/faq/
  12. http://www.luxo.me/startseite/was-ist-luxome/geschichte/psycho-physiognomik-2/
  13. http://www.nature.com/news/2010/100526/full/465412a.html
  14. Der Gesichtsversteher. dasgehirn.info, Zugriff 30. Oktober 2013.
  15. Hans-Georg Häusel: Die wissenschaftliche Fundierung des Limbic-Ansatzes. Nymphenburg Consult AG, Paper, München 2010. (PDF; 1,3 MB)
  16. A. Hennenlotter, U. Schroeder: Partly dissociable neutral substrates for recognizing basic emotions: a critical review. In: S. Anders u. a. (Hrsg.): Understanding Emotions. In: Progress in Brain Research. 156, Elsevier 2006.
  17. Christian von Schewe: Die emotionale Struktur sozialer Interaktion: Emotionsexpression und soziale Ordnungsbildung. In: Zeitschrift für Soziologie. Jg. 39, H. 5 (2010), S. 346–362.
  18. Uwe Peter Kanning Von Schädeldeutern und anderen Scharlatanen Unseriöse Methoden der Psychodiagnostik, S. 206
  19. Uwe Peter Kanning Von Schädeldeutern und anderen Scharlatanen Unseriöse Methoden der Psychodiagnostik, S. 206
  20. Uwe Peter Kanning Von Schädeldeutern und anderen Scharlatanen Unseriöse Methoden der Psychodiagnostik, S. 207
  21. Uwe Peter Kanning Von Schädeldeutern und anderen Scharlatanen Unseriöse Methoden der Psychodiagnostik, S. 207
  22. http://www.luxo.me/startseite/was-ist-luxome/geschichte/psycho-physiognomik-2/
  23. http://www.luxo.me/startseite/was-ist-luxome/faq/
  24. http://petra-hackbarth.de/willkommen/feedback
  25. Aus der Reihe Lehr- und Forschungstexte Psychologie, Gesichts und Persönlichkeitseindruck, R. Henss