Pflanzenhomöopathie

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Werbung für Pflanzenhomöopathie beim Narayana-Verlag

Als Pflanzenhomöopathie (auch Agro-Homöopathie) wird die Anwendung von Mitteln der Homöopathielehre (Homöopathika) zur Beeinflussung des Pflanzenwachstums und zum Pflanzenschutz bezeichnet. Diese gerät vermehrt ins Blick von Bio-Landwirten, da auf Grund von Regelungen und EU-Verordnungen bei der Produktion von Bio-Lebensmitteln bestimmte Substanzen nicht angewandt werden dürfen und daher in der Landwirtschaft nach Alternativen zu herkömmlicher Pflanzenschutzmitteln und wachstumsfördernden Substanzen gesucht wird. Hersteller von Homöopathika, die zur Behandlung des Menschen eingesetzt werden, versuchen seit mehreren Jahrzehnten ihre Produkte auch im Bereich der Tierheilkunde, der Landwirtschaft und im Gartenbau unterzubringen. Auch bei anthroposophischen Landwirten (siehe Biologisch-dynamische Landwirtschaft) sind pflanzenhomöopathische Anwendungen populär.

Allgemeines

Anbieter und Anwender berufen sich bei der Pflanzenhomöopathie auf das pseudomedizinische Konzept der Homöopathie nach Samuel Hahnemann, das dieser zu Ende des 18. Jahrhunderts zur Behandlung des Menschen erfand. Eine "Materia Medica für Pflanzen" gibt es aber nicht, genausowenig wie eine "homöopathische Anamnese für Pflanzen". Die in der homöopathischen Tierheilkunde angewandte Methode, Symptome von Erkrankungen des Menschen auf das Tier zu extrapolieren, ist in der "homöopathischen Pflanzenheilkunde" logischerweise ebenfalls nicht anwendbar. Hahnemann selbst kann auch nicht zur Pflanzenhomöopathie zitiert werden, denn diese entstand erst lange nach seinem Tod.

In der Pflanzenhomöopathie werden homöopathisch potenzierte Mittel eingesetzt, die allerdings weitere Inhaltsstoffe enthalten können. Meist handelt es sich um Mittel aus der Komplexmittelhomöopathie bzw. um Nosoden. Meist sollen die Mittel dem Gießwasser beigemischt werden (als Flüssigkeit oder in Form von Globuli), oder sie werden in Sprühflaschen angeboten. Gelegentlich handelt es sich um herkömmlichen Flüssigdünger, dem die Pflanzenhomöopathika beigemischt werden. Zumeist werden die Präparate aber als so genannte Pflanzenstärkungsmittel verkauft.

Der Begriff Pflanzenstärkungsmittel wurde 1991 erstmals gesetzlich definiert. Pflanzenstärkungsmittel dürfen keine direkte Wirkung auf Schadorganismen oder Krankheitserreger haben, da sie sonst als Pflanzenschutzmittel viel strengeren Vorschriften unterliegen würden. Auch dürfen sie keine direkt wachstumsfördernde Wirkung haben, da sie ansonsten als Pflanzenhilfsmittel oder Bodenhilfsstoff gelten würden, die unter das Düngelmittelrecht fallen. Die Pflanzenstärkungsmittel sind in einer öffentlich einsehbaren Liste des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) erfasst, die monatlich aktualisiert wird. Allerdings sind zu den einzelnen Mitteln nur Mittelname, Registrierungsnummer, Herstelleradresse und sehr ungenaue Angaben zu Inhaltsstoffen zu erfahren. Eine Übersicht von Pflanzenstärkungsmitteln für den Zierpflanzenbau (inklusive homöopathischer und "bioenergetischer" Mittel) versucht eine 2004 erschienene Broschüre der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zu geben.[1]

Behauptete Eigenschaften

Glaubt man der Werbung für Pflanzenhomöopathika, so seien diese geeignet, bei einem Schädlingsbefall der Pflanzen sowohl bei bakteriellen, als auch bei viralen und Pilzerkrankungen hilfreich zu sein. Aber auch zur Behandlung von pflanzlichen "Verletzungen" sowie erstaunlicherweise bei der Unkrautbekämpfung kämen die homöopathischen Mittel in Frage. Gegen Schneckenbefall werden pflanzenhomöopathisch auch Präparate aus der geschützten Weinbergschnecke als "Helix tosta" (potenzierte "geröstete Weinbergschnecke") angeboten.

Ein wissenschaftlicher Nachweis für eine Wirksamkeit pflanzenhomöopathischer Mittel wird von den Anbietern der diversen Produkte nicht behauptet. Stattdessen werden unbelegte und biologisch unplausible Behauptungen zur Wirkung aufgestellt und es wird auf "Erfahrungsberichte" verwiesen, die sich jedoch nicht überprüfen lassen.

Auch bekannte Hersteller von herkömmlichen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln produzieren pflanzenhomöopathische Produkte. Die Firma Neudorff beispielsweise gibt an, dass Dünger dadurch zwar "keinesfalls überflüssig" werde, die Pflanze könne "die Nährstoffe aus den Düngern jedoch besser aufnehmen". Ferner würden die Mittel "gezielt das Bodenleben" fördern. Neudorff bewirbt die Präparate auch mit typischen Redewendungen aus Esoterik und Pseudomedizin. So heißt es, "sie lösen Blockaden und fördern den Säftefluss".[2]

Ein Artikel mit unkritischer Behandlung des Themas Pflanzenhomöopathie findet sich in der Esoterikzeitschrift Raum und Zeit.[3] Der Autor Konrad Würthle ist zugleich Entwickler des im Artikel beworbenen Produkts Biplantol.

Studienlage zur Pflanzenhomöopathie

Analog zur Homöopathie, liegen auch zur Pflanzenhomöopathie inzwischen Studien vor. Auffallend häufig sind Beziehungen zu anthroposophischen Einrichtungen und Forschern erkennbar. Seit den 1980er Jahren ging man der Frage nach, ob homöopathische Mittel einen Einfluss auf das Pflanzenwachstum oder Pflanzenschädlinge haben[4], erste Versuche zu dieser Frage stammen wohl von der Anthroposophin Lilli Kolisko aus dem Jahr 1923, die sich dabei auf den Anthroposophiebegründer Rudolf Steiner berief. In mindestens einem halben Dutzend Arbeiten versuchte man derartige Effekte nachzuweisen, an Übersichtsarbeiten sind nur zwei bekannt geworden, darunter eine Diplomarbeit (Scofield, Emde). Häufig litten die Arbeiten unter qualitativen Einschränkungen hinsichtlich der angewandten statistischen Methoden. Die veröffentlichten Ergebnisse sind widersprüchlich und können nicht als Beleg einer reproduzierbaren Wirksamkeit der Pflanzenhomöopathie gewertet werden[5], und eine Replikation erfolgreicher Versuchsergebnisse ist nicht bekannt.

Die homöopathiefreundliche Karl und Veronica Carstens-Stiftung finanzierte eine Vorstudie zur Frage "Potenzial der Homöopathie für den Pflanzenschutz".[6] Mit der Koordination beauftragt war das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) im Schweizerischen Frick. 2005 bis 2006 wurden Anwender befragt sowie eine Anwendungsbeobachtung von potenzierter Flusssäure ("Fl-ac", Potenzen D6 bis C200), Apfelschorfnosoden und Manganum carbonicum gegen Apfelschorf durchgeführt. Der Apfelschorf (Venturia inaequalis) ist eine Apfelbaumkrankheit, die durch den Schlauchpilz Venturia inaequalis verursacht wird.[7] Im Endeffekt war die Vorstudie also ein Versuch, eine Pflanzenmykose durch homöopathische Mittel anzugehen. Die Vorstudie der Carstens-Stiftung ergab, dass homöopathische Mittel bei rund 75% der befragten Anwender eingesetzt wurden, meist in Hoffnung auf prophylaktische Effekte. Eine Wirkung der potenzierten Flusssäure war in der Vorstudie nicht erkennbar ("keine protektive oder therapeutische Wirkung gegen den Apfelschorf"). Die Autoren wollen jedoch "statistisch sicherbare Tendenzen" für eine positive Wirkung der Apfelschorfnosoden erkannt haben.

Produkte

PflanzenhomNeudorff.jpg

Im deutschsprachigen Raum werden diverse pflanzenhomöopathische Produkte vertrieben. Beispiele:

  • Biplantol (Bioplant Naturverfahren GmbH, 78467 Konstanz)
  • Greengold, ein "feinstoffliches Funktionsmittel" (Emil Konz Agrotechnik, 54329 Konz)
  • Grünkraft (Grünkraft Pflanzenstärkungsmittel Anna Mayrhofer, 86641 Rain/Lech)
  • Homeoplant, ein D6-D30 potenziertes Mittel des Buchautors Vaikuntanath Das Kaviraj
  • immuPlant, mit Potenzen bis D1000 (gaiaSan, 81827 München)
  • Mr. Evergreen Flora und etliche weitere Präparate der Mr. Evergreen GmbH aus 34388 Trendelburg
  • Kuders Vital (Kuders Gartenparadies GmbH, 74417 Gschwend-Frickenhofen. Herstellung durch Bioplant?)
  • Keyzers Pflanzen Fit (Keyzers Pflanzen- und Blumenwelt GmbH, 47589 Uedem. Herstellung durch Bioplant?)
  • Pflanzen-Elixier, Gemüse- und Obst-Elixier, Orchideen-Elixier, Rosen-Elixier (W. Neudorff GmbH KG, 31860 Emmerthal)
  • Schwab Blattaktiv (Horst Schwab GmbH, 86579 Waidhofen)
  • Silpan (Germania GmbH, 65558 Ruppenrod)
  • Sojall Vitana (Sojall Pro Natura GmbH, 5110 Oberndorf, Österreich)

Siehe auch

Literatur

  • Andrea Terhoeven-Urselmans (2004): Pflanzenstärkungsmittel für den Zierpflanzenbau. Geschäftsstelle Bundesprogramm Ökologischer Landbau, Hrsg: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Projekt: "Erprobung und Vergleich von Pflanzenstärkungsmitteln an Zierpflanzen im Freiland und unter Glas unter besonderer Berücksichtigung von bioenergetischen und homöopathischen Verfahren". Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
  • Scofield AM (1984): Homoeopathy and its Potential Role in Agriculture – A Critical Review. Biological Agriculture and Horticulture, 1984(2), 1–50.

Weblinks

Quellennachweise

  1. Andrea Terhoeven-Urselmans: Pflanzenstärkungsmittel für den Zierpflanzenbau. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, 2004
  2. http://www.neudorff.de/pflanzenpflege/homoeopathie/wirkweise.html Aufruf am 11. August 2011
  3. K. Würthle: Homöopathie für Pflanzen. raum&zeit 113/2001, 28-30 (September 2001)
  4. A. Emde (1994): Übertragbarkeit homöopathischer Prinzipien auf die Krankheits-behandlung von Pflanzen – Möglichkeiten und Erfahrungen. Diplomarbeit, Universität Gesamthochschule Kassel
  5. Scofield, A. M. (1984): Homoeopathy and its Potential Role in Agriculture – A Critical Review. Biological Agriculture and Horticulture 2: 1–50
  6. E. Wyss, L. Tamm, Th. Amsler, K. Günther, S. Baumgartner: Potenzial der Homöopathie für den Pflanzenschutz (Vorstudie). In: Albrecht H, Frühwald M (Eds.), Jahrbuch Band 15, KVC Verlag Essen, 63-97
  7. http://de.wikipedia.org/wiki/Apfelschorf