Weltuntergang

Aus Psiram
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Dass die Welt irgendwann, spätestens, wenn die Sonne kollabiert, untergehen wird, gilt als gesichertes Wissen. Der zu Lebzeiten drohende Weltuntergang aber als angstmachendes Druckmittel ist aus vielen esoterischen Lehren als Hauptzutat der der Proselytengewinnung nicht wegzudenken. Hier ist eine Liste, was wir schon alles verpasst haben:

Weltuntergangsszenarien werden z.B. von Vertretern des Katastrophismus propagiert oder im Maya-Kalender und von den Zeugen Jehovas vorausgesagt. Seit der Antike gibt es in vielen Religionen Überlieferungen diverser Weltuntergangsszenarien, z.B. das Jüngste Gericht, das gleichermaßen bei Judentum, Christentum und Islam Teil der Überlieferung ist. Auch zahlreiche Sekten propagieren diverse Weltuntergangsvorstellungen ("Weltuntergangssekte"), die in einigen Fällen zu Massensuiziden unter Sektenmitgliedern geführt haben. Beispiele sind im Jahr 2000 die Sekte "Wiederherstellung der zehn Gebote Gottes" in Uganda (etwa 1000 Todesopfer) [1], 1993 die Davidianer-Sekte in Texas (82 Todesopfer) [2] und 1978 die Volkstemplersekte in der Siedlung Jonestown im Dschungel Guyanas, Südamerika (923 Todesopfer)[3]

Charakteristisch ist die allen gemeinsame Vorstellung, dass Anhänger des eigenen Glaubens, die sich während ihres irdischen Lebens gemäß den jeweils geltenden Regeln entsprechend fromm benommen haben oder anderweitig als "erleuchtet" oder "auserwählt" gelten, eine Art Paradies, Erlösung o.ä. zuteil wird, während alle anderen der Verdammnis anheim fallen. Die Vorstellung einiger Sektenideologien ist auch die Rettung der jeweiligen Mitglieder durch Außerirdische, während der Rest der Menschheit auf der untergehenden Erde verbleiben muss. Die Propagierung dieser Ideen dient allerdings eher der Disziplinierung der Gläubigen als der Sorgen um deren Seelenheil.

Jüdisch/christliche Hintergründe

Im babylonischen Exil (598 - 539 v.) der Juden entstand unter anderem das Buch „Deutero-Jesaja“ des Alten Testaments, dessen Botschaft insofern neu war, als die babylonischen Götter als Götzen dargestellt und als einziger Gott Jahwe installiert wurde.

Gleichzeitig wird ein theologisches Konzept vorgestellt, das die historischen Ereignisse, die Israel trafen (Eroberung Jerusalems, Zerstörung des Königreiches Juda, Exilierung der Oberschicht nach Babylon) als Strafe Gottes für das sündhafte Verhalten sieht.

Diese Strafe wurde im Rahmen eines Gottesgerichtes verhängt. Durch die Leiden des Exils wurde das Volk mit Jahwe aber wieder versöhnt, worauf ein neue, ewige, paradiesische Ära anbrechen sollte.

Eingestreut im Buch Jesaja wird in den 'Gottesknechtsliedern' die deportierte jüdische Elite im „Knecht Jahwes“ personifiziert. Die Leiden der Eliten werden als Buße der Sünden des gesamten Volkes betrachtet. Der Knecht Jahwes hatte alle Drangsal auf sich genommen. Hier erkennen wir erstmals die gleiche Struktur wie später bei Jesus im Neuen Testament.

Nach ihrer Rückkehr nach Jerusalem erwarteten die Gläubigen das ersehnte eschatologische Zeitalter, doch das Eschaton ließ auf sich warten, bis man schließlich die Hoffnung aufgegeben hatte.

Nachdem sich diese erste Eschatologie sich nicht bewahrheitet hatte, tauchten die nächsten Weltuntergangsszenarien (apokalyptischen Schriften) bei Daniel (164 v.) und im Buch Henoch bei den Frommen (chasidim) auf. Auch hier finden wir ähnliche Strukturen wie in der ersten Eschatologie.

Das Endgericht wird von Daniel in der Gegenwart eines „Hochbetagten“ beschrieben, der in einem Kleid, weiß wie Schnee auf einem Flammenthron sitzt. Die Abtrünnigen stürzen in den Abgrund voller Feuer. Die Tugendhaften gelangen hingegen in das Paradies der Seligkeit. Gleichzeitig mit dem Hochbetagten erscheint ein Wesen vom Himmel ("Menschensohn", ein Titel den sich später auch Jesus geben wird), das zum Hochbetagten geführt wird. Diesem "Menschensohn" wird Macht, Herrlichkeit und Königsherrschaft gegeben. Die neue Welt werde von Jahwe (Gott) selbst regiert werden oder zumindest von einem durch Gott eingesetzte Person aus dem Hause David, der Gesalbte (meschiach = Messias), der in diesem Paradies gerecht herrschen werde. Meist aber ist dieser Messias ein normal sterblicher Mensch (etwa in den Psalmen Salomons, die im 1. Jh. v. entstanden sind), wiewohl auch andere Varianten vorkommen. Manchmal wird schon im Alten Testament gemeint, der Messias werde auf einem Esel reitend in Jersualem einziehen. Auch die Vorstellung, mit dem großen Gericht "am Ende der Welt", würden die Toten auferstehen, wird hier - aus dem persischen Kulturkreis - eingebaut. Besonders die Pharisäer haben sie zur Zeit Jesus vehement verkündet.

Die für das Christentum fundamentale Satanskonzeption, wie wir sie kennen, gibt es in diesen Mythen noch nicht. Das Üble ist allein auf das fehlerhafte Verhalten der Menschen zurückzuführen. Doch schon in der apokalyptischen Literatur bahnt sich - ausgehend vom iranischen dualistischen Denken - eine Wende an. Die Kräfte des Bösen werden in der Gestalt eines Satans personifiziert, der zum Gegenspieler Gottes aufgebaut wird. Parallel mit der Entstehung des Satans erfindet man in der Theologie zwei Reiche (zwei Welten): das diesseitige und das jenseitige Reich. Im diesseitigen Reich werde Satan triumphieren. So bezeichnete Paulus den Satan als "Gott dieser Welt" (2 Kor 4,4). Im eschatologischen Kampf (Weltuntergang) werde aber Gott den Teufel besiegen und damit das Übel ausrotten und damit sei Leben, Freude und Frieden für immer gesichert. Diese Vorstellungen meinen nicht ein gedankliches Himmelreich, sondern die physische, irdische Welt.

Gemeinsamkeiten

Wir finden in beiden Formen der biblischen Weltuntergangsszenarien die folgenden Motive:

  • Befreiung Israels vom Joch
  • der Weltuntergang als einzig noch verbleibende Hoffnung
  • Schaffung paradiesischer Zustände mit Wohlstand und Friede, womit das Ende der Geschichte erreicht sei
  • Errichtung der Gottesherrschaft oder eines messianischen Reiches
  • Bekehrung aller Völker
  • der Anbruch steht unmittelbar bevor.

Begleitet werden diese Weltuntergänge von uralten mythischen Voraussagen, wie Himmel und Erde werden erschüttert, kosmische Katastrophen, die Sonne wird nachts scheinen, der Mond am Tage, die Sterne werden ihre Bahnen verlassen, von den Bäumen wird Blut tropfen, die Steine werden zu schreien beginnen usw. Schließlich aber werde Gott ein neue, paradiesische Welt schaffen.

Ein Gutteil der hier dargelegten alttestamentlichen Gedanken sind nichtjüdischen Ursprungs, besonders iranische und indische Vorstellungen finden wir etwa in der Vorstellung des Endgerichts bei Daniel. Aber auch Elemente der steinzeitlichen Pflanzer sind zu finden.[4]

Generell ist nach Eliade zu Weltuntergangsszenarien auch auch außerhalb des jüdisch/christlichen Kulturkreises zu sagen, dass sie die Abwehrkraft einer Gemeinschaft gegen die Schrecken des Alltags unterstützen, weil die Eingeweihten in den jeweiligen Katastrophen ein ermutigendes Vorzeichen erkennen. Es handelt sich nicht um einen Zweckoptimismus oder eine Flucht vor der Geschichte, sondern wird von Träumen und Visionen und ekstatischen Visionen gepeist. Diese apokalyptischen Geschichtskonzeptionen des Alten Testaments bestimmten nicht nur wesentlich das neue Testament und damit das Christentum, sondern auch das Denken der Europäer bis in die frühe Neuzeit. Erst mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften konnte eine offene Idee der Zukunft gedacht werden und der Fortschrittsgedanke in der Geistesgeschichte Europas Eingang finden.[5], [6]

Weblinks

Quellenverzeichnis