Der Wünschelruten-Report ist eine 1989 erschienene, umstrittene Veröffentlichung von Herbert L. König und dessen Professorenkollegen Hans-Dieter Betz (geb. 1940) von der Ludwig-Maximilians-Universität München,[1] die aus einem Forschungsvorhaben hervorgegangen ist, das vom damaligen Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) mit rund 400.000 DM gefördert wurde. Das Vorhaben trug den Titel Errichtung und Betrieb von Testanordnungen mit künstlichen Feldern niedriger Energie zum Studium der Reaktionen in biologischen Makrosystemen und sollte den Wünschelruten-Effekt wissenschaftlich untersuchen. Presseberichten zufolge waren das Vorhaben und die Vergabe ausgerechnet an König und Betz umstritten, weil beide Forscher Wünschelruten-Phänomene von vornherein als Tatsache ansahen, die "keinesfalls zu leugnen" seien.[2]

Experimente

Folgende Experimente wurden König und Betz vorgenommen:

  1. Ein 10 m langer Wagen, der über einer angeblichen "Reizzone" aufgebaut wurde. Der Rutengänger lief im Wagen, der keine Sicht nach außen erlaubte und der während der Experimente verschoben wurde (dieses Experiment wurde wegen technischer Probleme abgebrochen).
  2. Ein Laufsteg, der ebenfalls über einer "Reizzone" aufgebaut war und über den die Rutengänger mit verbundenen Augen gehen mussten
  3. Das "Scheunen-Experiment". Im Erdgeschoss einer Scheune war eine Wasserleitung installiert, im Stockwerk darüber sollten die Versuchspersonen die Leitung orten.
  4. Versuche mit Magnetfeldern. Die Versuchspersonen sollten mit der Wünschelrute feststellen, ob eine Magnetspule von Strom durchflossen wurde oder nicht.
  5. Messungen physikalischer Größen an von den Rutengängern ermittelten Stellen, z.B. Radioaktivität und Magnetfeld

Dem Wünschelruten-Report zufolge seien bei Experiment 2 und 3 mit einzelnen Personen hochsignifikante positive Ergebnisse erzielt worden.

Kritik

Von anderer Seite wurden das Versuchsdesign, die Durchführung der Experimente und deren Auswertung als unzulänglich bemängelt.[3][4] Die Datenlage sei sehr dürftig und die Doppelverblindung der angeblich erfolgreichen Laufstegversuche "höchst zweifelhaft". Die ausführlichsten Analysen stammen von dem US-amerikanischen Biologen Jim T. Enright.[5] Enright kritisiert beispielsweise, dass die Autoren die Ergebnisse in unüblicher Weise grafisch darstellen und dies selektiv für einzelne Rutengänger, die sich als vermeintlich besonders begabt herausgestellt hätten. Die Darstellungen könnten zwar den visuellen Eindruck geben, dass z.B. der "beste" Rutengänger (Nr. 99) beim "Scheunenexperiment" eine sehr hohe Trefferrate erzielt hat, eine Auswertung mit Standardverfahren der Statistik, wie sie bei derartigen Experimenten angebracht ist, bestätigt dies Ergebnis aber nicht. Insbesondere sei die Schlussfolgerung von König und Betz, dass einzelne Rutengänger bemerkenswert erfolgreich gewesen seien, absolut nicht gerechtfertigt.

Quellen

  1. H.L. König, H.-D. Betz: Erdstrahlen? Der Wünschelruten-Report. Wissenschaftlicher Untersuchungsbericht. Betz, Schondorf 1989. ISBN-13: 978-3923819058
  2. Übersinnliches Kribbeln. Der Spiegel 10/1987, 237-240
  3. Der Wünschelruten-Report. Kritische Stellungnahme zu einem umstrittenen Forschungsprojekt. Skeptiker 4/89, 11-20
  4. Anmerkungen von E. Wielandt (Institut für Geophysik, Universität Stuttgart) zum Wünschelruten-Report
  5. J.T. Enright: Testing Dowsing: The Failure of the Munich Experiments. Skeptical Inquirer 23.1, January/February 1999