Vitalogie

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Peter Huggler

Vitalogie® (auch "Straight Vitalogy") ist der gesetzlich geschützte Markenname eines pseudomedizinischen Verfahrens, das für sich beansprucht, Wirbelsäule und Nervensystem zu "pflegen". Das Verfahren ist dem Umfeld der Manuellen Medizin zuzuordnen und kann auch von medizinischen Laien beruflich ausgeübt werden. Auf Grund von getroffenen Aussagen gelingt es den Vitalogen, das geltende Therapieverbot für Laien zu umgehen, was für die Anwender den Vorteil hat, sich die Kosten und Zeit für eine medizinische Ausbildung sparen zu können. Vitalogie fand im Lauf der Zeit mehrere Nachahmerverfahren, die jeweils patentiert wurden.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen zu dieser Methode liegen nicht vor. Sie hat keinerlei Anerkennung in der wissenschaftlichen Medizin gefunden. Die Krankenkassen tragen daher die Kosten nicht.

Die Methode entstand 1981 in den USA durch den Schweizer Geschäftsmann und Chiropraktiker Peter Huggler (1937-1996) [1]. Dieser betrieb in den Jahren 1966 bis 1981 in der Schweiz Praxen in Biel und Interlaken. Der Begriff Vitalogie ist keine Wortschöpfung Hugglers, sondern entstammt einem gleichnamigen Buch über Gesundheit und gute Lebensführung [2], welches sich seinerzeit in der Bibliothek des Palmer College in Davenport befand, wo Huggler arbeitete. Die Methode als solche wurde als sogenannte HIO-Technik bereits seit 1941 von B. J. Palmer, dem Sohn des Begründers der Chiropraktik, Daniel David Palmer, praktiziert.

Ab 1982 bildete Huggler medizinische Laien in der Lehre des so genannten Vitalogie-Adjustments, des Einrichtens des ersten Halswirbels aus. Die hinter dieser Methode stehende Theorie und das Gedankengut entstammt im Wesentlichen einem Buch des Begründers der Chiropraktik, D. D. Palmer [3].

Es gibt in der Schweiz heute zwischen 200 und 300 Vitalogen, und in Deutschland unter 50. Für ihre Ausbildung mussten die Schweizer Anwender 16.000 Franken Kurskosten an die Akademie der Vitalogie bezahlen. Weitere 100 Anwender bekennen sich zur so genannten Atlaslogie.

Methode

Vitalogie/Straight Vitalogy konzentriert sich in erster Linie auf den ersten Halswirbel, den Atlas. Nach Aussagen der Vitalogie/Straight Vitalogy sollen sich minimale angenommene Fehlstellungen und Verschiebungen (vertebrale Subluxation) dieses Wirbels auf die Gesamtstatik der Wirbelsäule und die Funktion des Nervensystems auswirken. Derartige unterstellte Fehlstellungen des Atlas sollen einen Informationsfluss zwischen Gehirn und Zellen stark beeinträchtigen, so dass es zu einer sogenannten Fehlfunktion der Zellen käme, was zur Entstehung von Krankheiten führen soll. Eine (auch von Laien durchgeführte) Adjustierung des Atlas soll demnach zur Heilung aller möglichen Krankheiten führen.

Vitametik

Volker Hoffmann

Mitte der 1990er Jahre bildete der Bankangestellte Volker Hoffmann einen eigenen Ableger der Vitalogie, den er Vitametik nannte. In Deutschland bildete sich im Jahr 2000 der Berufsverband für Vitametik (R) e.V. Vitametik sieht sich als ein Verfahren zur Entspannung von Muskulatur, Wirbelsäule und Nervensystem, und ist somit dem Wellness-Bereich zuzuordnen. Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht hier nicht der Atlas, sondern die seitliche Halsmuskulatur.

Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg, Niedersachsen, vom 20. Juli 2006 ist für eine Tätigkeit als „Vitametiker“ keine Erlaubnis nach § 1 Abs. des Heilpraktikergesetzes erforderlich. Das heißt, dass ausgebildete und dem Berufsverband für Vitametik e. V. angehörende Vitametiker weder der Bestallung als Arzt noch der Erlaubnis als Heilpraktiker bedürfen.

Die Trittbrettfahrer

  • Ein ehemaliger Schüler Hugglers, Walter Landis (Werkzeugmacher aus Baar (ZG)), bietet eine abgeänderte Form der Vitalogie unter der Bezeichnung Atlasologie im Kanton Aargau an. Landis trennte sich im Streit von seinem Lehrmeister und gründete eine eigene Ausbildungsstätte.
  • Als Atlas-Orthogonal-Technik bezeichnete der Amerikaner Roy Sweat ab 1981 seine Variante der Vitalogie.
  • Atlasprofilax ist eine Methode des Schweizers René Claudius Schümperli.
  • Sagitalis.

Quellennachweise

  1. http://www.chiropraktik.ch/Deutsch/Themen/TdM_Dez/Vitalogie_Facts.cfm
  2. Wood, G. und Ruddock, E. Vitalogy - An Encyclopedia of Health and Home, Adapted for Home and Family Use. Vitalogy Association, Chicago, 1916. Library of Palmer College of Chiropractics, Davenport, Iowa
  3. D. D. Palmer. The Science, Art and Philosophy of Chiropractic, Portland Printing House Company, 1910, Portland, Oregon