TimeWaver

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Timewaver (vorn) mit Skalarwellen-Transformator

TimeWaver ist der Name eines Radionik-Gerätes.

Allgemeines

Wie in der Radionik üblich wird auch beim Timewaver-Gerät von der Existenz einer "Aura" um den menschlichen Körper ausgegangen, die je nach Quelle und Anbieter unterschiedliche Bezeichnungen trägt ("Energiefeld", "Bioenergie", "Chakra", "Schwingungen, "Energiekörper", "Information" usw.). Beim Timewaver heißt dieses unbestimmte Etwas globales Informationsfeld und das Gerät sei deshalb ein "Informationsfeld-System". Durch Lesen in diesem Feld sollen sich materielle Vorgänge analysieren lassen, durch Hineinschreiben können sie optimiert werden. In zwei Testmulden auf der Oberseite des Gerätes können Behälter mit Proben gestellt werden. In der Radionik sind solche Proben typischerweise Haare, Speichel oder Blut des Patienten. Eine weitere Mulde dient dazu, mittels eines darunter befindlichen "Lichtquantenresonators" (eine Wortschöpfung des Timewaver-Erfinders), Substanzen wie z.B. Wasser zu "informieren" (siehe auch Wassergedächtnis).

Entwickelt wurde das Gerät von Marcus Schmieke, vertrieben wird es von der TimeWaver GmbH, deren Sitz mit dem von Schmiekes Veden-Akademie in Kränzlin (Brandenburg) identisch ist. Geschäftsführer ist Jochen Weiß, der auch als Mitarbeiter der Veden-Akademie genannt wird. Im Schweizer Oberuzwil existiert auch eine "TimeWaver Gesundheitszentrum AG", die von Alexander Glogg (siehe Fostac) geleitet wird und in der auch Manfred Doepp tätig ist.

Je nach Ausstattung werden Timewaver-Geräte ab etwa 14.000 Euro angeboten.

Behauptungen zur Funktionsweise

"HighTech-Lichtquanteneffekt" halbdurchlässiger Spiegel

Der Hersteller behauptet forsch, Timewaver sei das erste Gerät seiner Art, das "auf einem schlüssigen physikalischen Modell ruht". Im Folgenden sind einige Aussagen herausgegriffen, mit denen man versucht, dies zu untermauern. Typische Muster der Werbung für pseudomedizinische Geräte lassen sich daran gut illustrieren (siehe auch: Typische Merkmale pseudomedizinischer Methoden).

  • TimeWaver kommuniziert erstmals durch echte Quantenprozesse [...] TimeWaver verwendet einen HighTech-Lichtquanteneffekt zur radionischen Analyse und Optimierung. Ein Strom einzelner Photonen wird im Winkel von 45° auf einen halbdurchlässigen Spiegel gelenkt. Passiert ein Photon den Spiegel, wird eine binäre 1 erzeugt, eine Reflektion liefert den Wert 0. Die Entscheidung darüber ist ein reiner Quanteneffekt. Er hängt von keiner physikalisch fassbaren Ursache ab.
Von "einzelnen Photonen" (Photon = Lichtteilchen, Lichtquant) wäre es gerechtfertigt zu sprechen, wenn tatsächlich das Auftreffen einzelner Photonen in Detektoren ausgewertet würde (wie z.B. ein einzelnes Gamma-Photon in einem Geigerzähler einen Impuls auslösen kann). Auch ohne das Innere des Timewaver-Gerätes zu kennen, kann dies wegen des dafür erforderlichen technischen Aufwandes ausgeschlossen werden. Als "Strom einzelner Photonen" kann man mit etwas Fantasie aber auch z.B. das Licht einer Fahrradlampe bezeichnen, nur dass die Anzahl der Photonen dabei sehr hoch ist (Größenordnung 1018 je Sekunde). Wenn nun eine schräg gestellte Glasscheibe (ein halbdurchlässiger Spiegel ist im Wesentlichen nichts anderes) die Hälfte dieses Lichtes durchlässt, die andere Hälfte ablenkt (welches Photon im Einzelnen welchen Weg nimmt, ist nach der Quantenphysik unbestimmt), könnte man das einen "Quanteneffekt" nennen, ohne damit allerdings irgend etwas zu erklären. Entscheidend ist aber: Es wird nicht mitgeteilt, welchen Sinn diese Anordnung für die Funktion des Gerätes hat, d.h. warum überhaupt Lichtstrahlen aufgespalten und Photonen "verglichen" werden müssen.
  • Die üblicherweise verwendeten Rauschquellen werden eigentlich für Lotteriezwecke und Computerspiele hergestellt.
Das ist Unsinn. Rauschgeneratoren, sei es als elektronische Hardware oder als Software, werden ganz überwiegend für Zwecke der Nachrichten- und Messtechnik verwendet.
  • Weil solche Anwendungen verlangen, dass größere Abweichungen von den Normwerten eliminiert werden, haben diese Rauschquellen meistens einen eingebauten elektronischen Filter. Doch gerade auf diese Abweichungen kommt es uns in der Radionik an, denn wir sehen sie als die Träger der radionischen Information. TimeWaver verwendet Rauschgeneratoren aus eigener Produktion, die ungefiltert arbeiten.
Jedes technisch erzeugte Rauschsignal hat eine bestimmte nutzbare Frequenzbandbreite, unabhängig davon, ob explizit eine bandbreitenbegrenzende Filterschaltung vorhanden ist oder nicht. Die Behauptung, es komme gerade auf die Signalanteile jenseits bzw. oberhalb der Grenzfrequenz an, ergibt technisch keinen Sinn (sofern nicht etwas völlig anderes gemeint ist, was aus diesen Sätzen aber nicht ersichtlich ist). Vor allem wird aber wieder nicht gesagt, wofür die Rauschquellen eigentlich gut sein sollen, warum es mehrere sein müssen usw. Allerdings sind Rauschgeneratoren in der Radionik derzeit "im Trend" und unverzichtbarer Bestandteil entsprechender Werbung.
  • Bereits die Nobelpreisträger Nils Bohr und Erwin Schrödinger, die Väter der Quantenphysik, waren überzeugt, dass Quantenprozesse die Schnittstelle zwischen Bewusstsein und Materie darstellen.
Szeneübliches Aufzählen berühmter Wissenschaftler, derzeit vorzugsweise von Quantenphysikern, und was diese gesagt haben sollen.
  • Die Untersuchungen von Prof. Jahn an der Princeton University haben gezeigt, dass Bewusstsein mit dem Rauschen in Resonanz gehen kann. Diesen Effekt nutzt TimeWaver aus, um das Objekt mit den Informationen der Optimierungsliste in Verbindung zu bringen.
Zunächst wird deutlich, dass das Wort "Resonanz", wie in esoterischen und pseudowissenschaftlichen Texten gängig, lediglich als modischer Ausdruck für "A kann B irgendwie beeinflussen" benutzt wird. Mit den erwähnten Untersuchungen sind die Arbeiten am ehemaligen PEAR-Instititut gemeint, wo man glaubt, eine "psychische" Wirkung von Menschen auf Zufallsgeneratoren nachgewiesen zu haben. Die PEAR-Forscher selbst räumen ein, dass der Effekt äußerst schwach ist (ungefähr einer von 10 000 "Münzwürfen" lasse sich durch "Gedanken" beeinflussen), so dass die technische Nutzbarmachung im Timewaver-Gerät eine haltlose Behauptung ist. Darüber hinaus wurde der angebliche Effekt nie von anderer Seite bestätigt.
  • Eine Grundlage ist die Theorie des deutschen Physikers Burkhard Heim über den Zusammenhang zwischen Bewusstsein und Materie
Der wissenschaftliche Einzelgänger Burkhard Heim hat sich an einem bisher ungelösten Problem der Physik versucht, nämlich die drei Grundkräfte elektromagnetische, schwache und starke Wechselwirkung zusammen mit der Gravitation durch eine einzige Theorie zu beschreiben. Später hat Heim eine erweiterte formale Logik entwickelt, mit der sich nach Ansicht einiger Esoteriker auch unphysikalische Vorgänge formal beschreiben lassen. Weder das eine noch das andere ist aber eine "Theorie über den Zusammenhang zwischen Bewusstsein und Materie", sondern es handelt sich um abstrakte mathematische Formalismen, die überdies selbst mit beträchtlichen Kenntnissen in theoretischer Physik schwer nachvollziehbar sind.
  • Über den als Zubehör lieferbaren "Skalarwellen-Resonator": Der Skalarwellen-Resonator wird mit einem abgeschirmten Massekabel direkt mit der TimeWaver Basisstation verbunden [...] Gemäß der herkömmlichen wissenschaftlichen Auffassung hat eine solche Anordnung keine physikalische Funktion – mit den üblichen Messgeräten lässt sich keine elektromagnetische oder andersartige Strahlung nachweisen. Doch nach unserem radionischen Erklärungsmodell erfolgt die Übertragung von Energie und Information auch bei dem TimeWaver Skalarwellen-Resonator über das Prinzip der Bewusstseinsresonanz.
Nach Abstreifen der Imponierphrasen bleibt übrig: Das 1.800 Euro teure Zusatzteil hat keine Funktion, das Verbindungskabel auch nicht.
  • kommuniziert mit der Zeitwelle durch Gravitationswellen-Resonanz
Nach Quantenmechanik, Photonen, Burkhard Heim, Skalarwellen und "Bewusstseinsresonanz" müssen nun auch noch Gravitationswellen herhalten. Gravitationswellen sind eine Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie. Danach werden sie von beschleunigten Massen erzeugt, sind jedoch derart schwach, dass nur kosmische Vorgänge wie Supernova-Explosionen Gravitationswellen abstrahlen, die hinreichend stark sind, um eventuell messbar zu sein. Ein direkter experimenteller Nachweis ist aber bis heute nicht gelungen, Fortschritte erhofft man sich von einem geplanten Detektor im Weltraum. Die Behauptung, Gravitationswellen könnten bei der Funktion irgendeines Gerätes eine Rolle spielen, ist absurd. Davon abgesehen bleibt schleierhaft, was mit "Gravitationswellen-Resonanz" gemeint ist und wie und warum diese bei der Kommunikation mit einer "Zeitwelle" helfen könnte (Zeitwellen sind ein parawissenschaftliches Konzept des russischen Astronomen Nikolai Kozyrev, das in Esoterikerkreisen diskutiert wird).
  • Nach unserem Verständnis stellt die Analyse einer Person mit TimeWaver Resonanzen bestimmter Informationen mit dem Informationsfeld der Person fest. Das heißt nicht, dass diese Information auch im Körper der Person als medizinische Indikation manifestiert sein muss [...] Dennoch gehört TimeWaver auch in Ihre Arzt- und Heilpraxis.
Im Klartext: Man weiß nicht, ob das Gerät irgendetwas medizinisch Sinnvolles anzeigt bzw. räumt ein, dass es das wohl eher nicht tut, aber kaufen soll es der Heilpraktiker trotzdem, weil es sich in den Praxisräumen gut macht.
  • Die universellen Einsatzmöglichkeiten öffnen das TimeWaver-System einer Vielzahl von Anwender- und Berufsgruppen, wie z. B.: Agrar- und Forstwirte - Lebensberater/Coachs - Partnervermittler – Unternehmensberater - Wohnraumberater - Ärzte und Heilpraktiker - Psychotherapeuten – Baubiologen
Die bei alternativmedizinischen Verfahren verbreitete Werbung mit einem ungewöhnlich großen Anwendungsbereich wurde hier konsequent erweitert: Timewaver hilft nicht nur bei körperlichen Beschwerden, sondern auch bei Beziehungsproblemen, schlecht motivierten Mitarbeitern im Betrieb und gegen Missernten und Forstschädlinge. Letzteres behauptet allerdings auch z.B. der Radionik-Anbieter Quantec.

Trotz oder gerade wegen der sogar für die Radionik-Branche ungewöhnlich großspurigen Beschreibung des Gerätes sind Schmieke und Weiß in juristischer Hinsicht vorsichtig und wiederholen Hinweise wie den folgenden an vielen Stellen der Timewaver-Werbung: "Radionik wird als wissenschaftliche und medizinische Disziplin derzeit nicht anerkannt. Dies gilt auch für die Wirkung radionischer Analyse und Optimierung, die Existenz von Informationsfeldern und deren Beeinflussbarkeit durch radionische Optimierung, sowie die Konzepte von Zeitwelle und Bewusstseinsresonanz."