Stephan Bergmann: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 26. Februar 2021, 18:28 Uhr

Stephan Bergmann beim Haka-Tanz der Māori bei einer Demonstration der Querdenken Initiativen 2020 (Bild: Spiegel TV)
Querdenken-Pressesprecher Stephan Bergmann (rechts) umarmt Rechtsextremist Nikolai Nerling am 1. August 2020
im Interview mit "Aktivist Mann" Matthäus Westfal (siehe OCG)

Stephan Bergmann ist ein deutscher Aktivist und der ehemalige Pressesprecher der Querdenken Initiativen, die sich mit Aktionen und Demonstrationen gegen Schutzmassnahmen gegen das neue CoV-2 Coronavirus wenden. Im Schwäbischen Wald in Baden-Würtemberg ist Bergmann Erfinder und Hersteller von grossen Trommeln, die er auf uramerikanische Ethnien bezieht und "motherdrums" nennt. Sein Markenzeichen ist ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift "Ich bin schön, ich bin heil, ich bin wild, ich bin frei".

Stephan Bergmann stammt aus Althütte, einer Kleinstadt nordöstlich von Stuttgart. Er wurde als "Schwäbischer Schamane" bekannt[1], und ist Gründer des Vereins für indianische Lebensweise e.V., der Kurse zum "Motherdrum-Healer" anbietet. Bergmann:

Mit viel Freude bin ich den Indianischen Weg als Sonnentänzer, Wassergießer, Trance-Coach und als Trommelbauer gegangen. Ich fing an, immer mehr zu erforschen, und machte viele interessante und kraftvolle Beobachtungen. So entwickelte sich mit der Zeit das Motherdrum-Healing, und ich fing an, Therapeuten auszubilden.[2]

Die indigenen Völker des amerikanischen Doppelkontinents (Indianer) wehren sich vehement gegen die Bezeichnung "Schamane" und verwenden diese selbst nicht. Es ist daher als eindeutiger Hinweis auf einen Plastikschamanen zu werten, wenn Anbieter wie Bergmann sich auf Praktiken aus außerasiatischen Gebieten (in asiatischen Ländern kann der Begriff Schamane einen Sinn ergeben) beziehen und sich dennoch die Bezeichnung "Schamane" beilegen. Es gibt in der Szene des westlichen, esoterisch geprägten Schamanismus keine Homogenität in der Lehre und der Ausbildung, keine Wirksamkeitsnachweise und auch keinen seriösen Umgang mit dem Patienten; zudem werden die Praktiken aus ihrem kulturellen bzw. spirituellen Kontext isoliert. Häufig unterbleibt im westlichen "Schamanismus" eine kunstgerechte Diagnostik und Therapie und es ist im Einzelfall möglich, dass dem Patienten Krankheiten eingeredet werden, an denen er nicht leidet. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass medizinisch notwendige Therapien unterbleiben können. Durch Trommeln mit seinen Motherdrums werben mehrere Absolventen seiner Kurse mit positiven gesundheitlichen Effekten. Durch das Trommeln mit den Motherdrums sollen laut Werbung "geometrischen Räume des indianischen Medizinrads", der Blume des Lebens und der Blume des Metatrons bei Kunden spürbar sein.

Der Zeitungsverlag Waiblingen recherchierte, dass Bergmann 2016 an der Gründung des Reichsbürger-Vereins Primus Inter Pares beteiligt war, der in einem Veranstaltungsflyer mit den Tagesordnungspunkten "Geplante Umvolkung der BRD" oder "geplante Vernichtung der Christen + weißen Rasse" warb.


Hinweis: die hier thematisierte Person ist nicht identisch mit dem österreichischen Regisseur gleichen Namens.

Stephan Bergmann als Querdenken-Aktivist

Bergmann war Pressesprecher der Querdenken Initiativen, die von Michael Ballweg gegründet wurden. Laut der Tageszeitung "Der Tagesspiegel" habe Bergmann angekündigt dass es Ziel der Querdenken-Gruppe sei die Verfassung abschaffen, weil sie "Besatzungsrecht" sei. Dazu arbeite man selbst an einer neuen Verfassung, die das Grundgesetz ersetzen soll.[3]

Auf Ablehnung stiess Bergmanns Praxis, bei Querdenken-Demonstrationen den Haka-Tanz von Māori und neuseeländischen Ureinwohnern aufzuführen. Maori-Vertreter finden den Vorgang "anstößig" und "absurd".[4] Maori erheben den Anspruch, dass Hakas als traditionelle Kultur zu ihrem Erbe gehören und vor kultureller Aneignung durch Dritte und Ausbeutung geschützt werden müssen.

In einem Youtube-Video kündigte Bergmann sein Rücktritt als Pressesprecher von Querdenken an. Er kritisiert dabei Michael Ballweg, der seinen Ausstieg offenbar wollte, und bezeichnete ihn als "diktatorisch".

Anhänger der Reichsbürgerbewegung und dazu passende Ansichten

Bergmann ist auch Gründungsmitglied des Reichsbürgervereins "Primus inter Pares", den der baden-württembergische Verfassungsschutz als rechtsextrem einstuft. Der Verein hat in der Vergangenheit geplant, eine völkische Siedlung in Ungarn zu errichten.

Bergmann warnte im Internet vor einer Vermischung der Rassen, mit der der IQ der weißen Bevölkerung reduziert werden solle. Explizit warnte er vor einer Züchtung einer „hellbraunen Rasse in Europa“. Der Berliner Tagesspiegel belegte an Hand von Bildern, wie Bergmann über das Internet Hass-Posting und Postings rassistischen Inhalts und gegen Minderheiten verbreitete. Mehrfach teilte Stephan Bergmann Posts extrem rechter oder rechtsradikaler Akteure, so eine Rede von Jürgen Elsässer vom inzwischen vom Verfassungsschutz beobachteten Compact Magazin. Bergmann teilte auch Posts von Christoph Hörstel, sowie von der Seite des Rechtsextremisten Sven Liebich.[5]

Weblinks und Zeitungsartikel

Quellennachweise