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'''Cellagon aurum''' ist ein, vom Konsumenten mit Wasser zu verdünnendes, Gemüsesaftkonzentrat der Firma "H.-G. Berner GmbH & Co. KG." aus Hamburg, das im Internet häufig damit beworben wird, gesundheitsrelevante Wirkungen zu haben. Die Wirksamkeit wird dabei auch [[Esoterik|esoterischen]] Einflüssen zugeordnet. So befindet sich ein Magnet im Flaschenboden, der für Wunderwirkungen verantwortlich sein soll und zugesetztes Wasser sei [[Wasserbelebung|"levitiert"]].
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'''Cellagon aurum''' ist ein vom Konsumenten mit Wasser zu verdünnendes Gemüsesaftkonzentrat der Firma "H.-G. Berner GmbH & Co. KG." aus Hamburg, das im Internet häufig damit beworben wird, gesundheitsrelevante Wirkungen zu haben. Die Wirksamkeit wird dabei auch [[Esoterik|esoterischen]] Einflüssen zugeordnet. So befindet sich ein Magnet im Flaschenboden, der für Wunderwirkungen verantwortlich sein soll und zugesetztes Wasser sei [[Wasserbelebung|"levitiert"]].
    
Das verdünnte Saftkonzentrat ist nicht im Lebensmittelhandel erhältlich, sondern wird über Cellagon-Berater, [[Heilpraktiker]] und Apotheken für 47 Euro (500 ml Konzentrat) verkauft. Der Saft wird seit 1986 produziert.
 
Das verdünnte Saftkonzentrat ist nicht im Lebensmittelhandel erhältlich, sondern wird über Cellagon-Berater, [[Heilpraktiker]] und Apotheken für 47 Euro (500 ml Konzentrat) verkauft. Der Saft wird seit 1986 produziert.
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Zum Lebensmittel Cellagon verwies der Hersteller jahrelang auf eine wissenschaftlich nichtssagende Studie von [[Ronald Grossarth-Maticek]], nahm diese später aber vom Netz. Kritik an dieser Studie kam insbesondere vom Internet-Blog "Placeboalarm".<ref>http://www.scienceblogs.de/plazeboalarm/2009/11/cellagon-aurum-die-zweite-staffel.php</ref> Auf der englischsprachigen Seite zu Cellagon ist die Studie weiterhin aufgeführt (November 2009).<ref>http://www.cellagon.de/en/products/aurum/study.htm</ref>
 
Zum Lebensmittel Cellagon verwies der Hersteller jahrelang auf eine wissenschaftlich nichtssagende Studie von [[Ronald Grossarth-Maticek]], nahm diese später aber vom Netz. Kritik an dieser Studie kam insbesondere vom Internet-Blog "Placeboalarm".<ref>http://www.scienceblogs.de/plazeboalarm/2009/11/cellagon-aurum-die-zweite-staffel.php</ref> Auf der englischsprachigen Seite zu Cellagon ist die Studie weiterhin aufgeführt (November 2009).<ref>http://www.cellagon.de/en/products/aurum/study.htm</ref>
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Im Internet sind auch Personen als "Cellagon-Berater" oder "Cellagon-Fachberater" aktiv, die sich ausschließlich lobend über das Lebensmittel auslassen und dabei auf ''Bioaktivstoffe, Phytamine und "Kräfte der Natur"'' verweisen und Hinweise geben, wo das Produkt erhältlich ist. Cellagon mache geistig fit, halte den Konsumenten jung und mache ihn schön, heißt es. Der Bedarf für Cellagon ergäbe sich daraus, dass es einer "fabrikmäßig hergestellten Nahrung" angeblich an Vitaminen und Mineralien mangele, die zwingend durch [[Nahrungsergänzungsmittel]] auszugleichen wären. Da aber "chemisch hergestellte Präparate" vom Körper nicht "vollständig aufgenommen" würden, müsste der Kunde zu Cellagon-Produkten wechseln.
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Im Internet sind auch Personen als "Cellagon-Berater" oder "Cellagon-Fachberater" aktiv, die sich ausschließlich lobend über das Lebensmittel äußern, dabei auf ''Bioaktivstoffe, Phytamine und "Kräfte der Natur"'' verweisen und Hinweise geben, wo das Produkt erhältlich ist. Cellagon mache geistig fit, halte den Konsumenten jung und mache ihn schön, heißt es. Der Bedarf für Cellagon ergebe sich daraus, dass es einer "fabrikmäßig hergestellten Nahrung" angeblich an Vitaminen und Mineralien mangele, die zwingend durch [[Nahrungsergänzungsmittel]] auszugleichen seien. Da aber "chemisch hergestellte Präparate" vom Körper nicht "vollständig aufgenommen" würden, müsse der Kunde zu Cellagon-Produkten wechseln.
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Firmenchef Hans-Günther Berner hatte passend zu seinem Firmenprofil ein Buch mit dem Titel ''An vollen Töpfen verhungern - Warum Vollwerternährung leider nicht mehr reicht'' veröffentlicht. Auch die Firmenwebseite versucht dem Leser weiszumachen, dass heutige Konsumenten an ''subklinischen Mangelzuständen'' leiden würden, ihnen Vitamine fehlten und ihr Immunsystem ''geschwächt'' sei.<br>
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Firmenchef Hans-Günther Berner hatte passend zu seinem Firmenprofil ein Buch mit dem Titel ''An vollen Töpfen verhungern - Warum Vollwerternährung leider nicht mehr reicht'' veröffentlicht. Auch die Firmenwebseite versucht, dem Leser weiszumachen, dass heutige Konsumenten an ''subklinischen Mangelzuständen'' litten, ihnen Vitamine fehlten und ihr Immunsystem ''geschwächt'' sei.<br>
 
Im Gegensatz dazu war die "Deutsche Gesellschaft für Ernährung" (DGE) 2006 zum Ergebnis gekommen: ''Gemüse und Obst sind nicht nährstoffverarmt!''.<ref>http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=598</ref>
 
Im Gegensatz dazu war die "Deutsche Gesellschaft für Ernährung" (DGE) 2006 zum Ergebnis gekommen: ''Gemüse und Obst sind nicht nährstoffverarmt!''.<ref>http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=598</ref>
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==Die Cellagon-Studien==
 
==Die Cellagon-Studien==
 
[[image:Grossarth-maticek3.jpg|Grossarth-Maticek|thumb]]
 
[[image:Grossarth-maticek3.jpg|Grossarth-Maticek|thumb]]
Zu Cellagon aurum liegt eine Studie von Ronald Grossarth-Maticek aus dem Jahr 2003 vor, die in "Erfahrungsheilkunde", einem Blatt ohne Peer-Review, veröffentlicht wurde.<ref>Grossarth-Maticek R: ''Prospektive, randomisierte Verlaufsstudie zur Erforschung der Wirksamkeit eines Nahrungsergänzungsmittels in Bezug auf subjektive Befindlichkeit und Veränderung physischer Risikofaktoren, (2003), Erfahrungsheilkunde/Acta Medica Empirica (Haug/Thieme Verlag), Band 8/2003, Seiten 499-508. [http://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/ehk/doi/10.1055/s-2003-41226;jsessionid=DA5FA0E4E91542291C230BD5027AB100.jvm3]</ref> Für die Studie hatte Grossarth-Maticek über fast drei Jahre lang alle paar Monate jeweils 115&nbsp;Personen in Experimental- und Kontrollgruppen untersucht. Im Ergebnis solle die Einnahme des [[Nahrungsergänzungsmittel]]s unterschiedliche Risikofaktoren aus unterschiedlichen Bereichen positiv verändern haben. So hätten sich Gesamtcholesterin, Bluthochdruck, Zigarettenrauchen und Alkoholkonsum verringert und Infektionen wären seltener aufgetreten.<br>
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Zu Cellagon aurum liegt eine Studie von Ronald Grossarth-Maticek aus dem Jahr 2003 vor, die in "Erfahrungsheilkunde", einem Blatt ohne Peer-Review, veröffentlicht wurde.<ref>Grossarth-Maticek R: ''Prospektive, randomisierte Verlaufsstudie zur Erforschung der Wirksamkeit eines Nahrungsergänzungsmittels in Bezug auf subjektive Befindlichkeit und Veränderung physischer Risikofaktoren, (2003), Erfahrungsheilkunde/Acta Medica Empirica (Haug/Thieme Verlag), Band 8/2003, Seiten 499-508. [http://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/ehk/doi/10.1055/s-2003-41226;jsessionid=DA5FA0E4E91542291C230BD5027AB100.jvm3]</ref> Für die Studie untersuchte Grossarth-Maticek über fast drei Jahre lang alle paar Monate jeweils 115&nbsp;Personen in Experimental- und Kontrollgruppen. Im Ergebnis solle die Einnahme des [[Nahrungsergänzungsmittel]]s unterschiedliche Risikofaktoren aus unterschiedlichen Bereichen positiv verändert haben. So hätten sich Gesamtcholesterin, Bluthochdruck, Zigarettenrauchen und Alkoholkonsum verringert und Infektionen seien seltener aufgetreten.<br>
 
Die Studie mit vielen kleinen Untergruppen weist allerdings erhebliche methodische Mängel auf, was sie wissenschaftlich wertlos macht. So wird die Studie zwar als "randomisiert" bezeichnet, allerdings erklärt der Autor nicht, auf welche Weise und warum teilweise zweimal randomisisert wurde. Eine Verblindung fand nicht statt. Die Probanden wussten, was sie bekommen, und der durchführende Arzt wusste, was er verabreicht. Die Untersuchungsmethode zur subjektiven Einschätzung des Gesundheitszustandes war nicht validiert und zuvor nie verwendet worden. Es fehlen auch statistische Tests zur Beurteilung der Messergebnisse.
 
Die Studie mit vielen kleinen Untergruppen weist allerdings erhebliche methodische Mängel auf, was sie wissenschaftlich wertlos macht. So wird die Studie zwar als "randomisiert" bezeichnet, allerdings erklärt der Autor nicht, auf welche Weise und warum teilweise zweimal randomisisert wurde. Eine Verblindung fand nicht statt. Die Probanden wussten, was sie bekommen, und der durchführende Arzt wusste, was er verabreicht. Die Untersuchungsmethode zur subjektiven Einschätzung des Gesundheitszustandes war nicht validiert und zuvor nie verwendet worden. Es fehlen auch statistische Tests zur Beurteilung der Messergebnisse.
    
Es gibt auch eine unveröffentlichte, randomisierte, kontrollierte und cross-over Berner-Auftragsstudie am "Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität in Jena" mit 10&nbsp;Probanden aus dem Jahr 2009. In den Resultaten der Studie fehlt ein Vergleich zur Kontrolle. Laut Berner-Webseite habe die Studie gezeigt, dass sich ''eine wissenschaftlich starke (signifikant bis höchst signifikant) Zunahme bzw. Aufnahme ausgewählter Vitamine aus dem Darm ins Blut und ein signifikanter Anstieg des Schutzsystems der Zellgewebe'' ergeben habe.
 
Es gibt auch eine unveröffentlichte, randomisierte, kontrollierte und cross-over Berner-Auftragsstudie am "Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität in Jena" mit 10&nbsp;Probanden aus dem Jahr 2009. In den Resultaten der Studie fehlt ein Vergleich zur Kontrolle. Laut Berner-Webseite habe die Studie gezeigt, dass sich ''eine wissenschaftlich starke (signifikant bis höchst signifikant) Zunahme bzw. Aufnahme ausgewählter Vitamine aus dem Darm ins Blut und ein signifikanter Anstieg des Schutzsystems der Zellgewebe'' ergeben habe.
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Zu Cellagon felice liegt eine Veröffentlichung des SIT Instituts (Skin Investigation and Technology Hamburg) vor, die nach folgendem Studiendesign durchgeführt wurde: 150&nbsp;Probanden zwischen 24-78&nbsp;Jahren, placebokontrolliert, doppelblind, randomisiert. Gemessen wurde vor der Testmusterausgabe und nach zwei, vier, sowie sechs Monaten Anwendung.
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Zu Cellagon felice liegt eine Veröffentlichung des SIT Instituts (Skin Investigation and Technology Hamburg) vor, die nach folgendem Studiendesign durchgeführt wurde: 150&nbsp;Probanden zwischen 24-78&nbsp;Jahren, placebokontrolliert, doppelblind, randomisiert. Gemessen wurde vor der Testmusterausgabe und nach zwei, vier sowie sechs Monaten Anwendung.
    
==Der Magnet im Flaschenboden==
 
==Der Magnet im Flaschenboden==
Im Flaschenboden befindet sich ein kleiner Dauermagnet, der in Werbung von Cellagon-Beratern als "Magnet-Eisenstein" beschrieben wird, der ''Energie aussende'' und der ''Kraftdynamo von Cellagon aurum, Cellagon vitale und Cellagon felice'' sei. Durch das Dauermagnetfeld würden alle Moleküle mit Energie angereichert, aus denen die Cellagon-Produkte bestehen. Entdecker von ''vitalitätsspendenden Kraft von Magnetfeldern'' sei der Schweizer Physiker Auguste Piccard gewesen, der herausgefunden haben soll, dass sich ''elektrisch geladene Teilchen - also die kleinsten Grundeinheiten jeder Substanz - in einem Magnetfeld schneller und freier bewegen und auch energiereicher werden''. "Magnetisiertes Wasser" lasse im übrigen Obst und Gemüse schneller wachsen.  
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Im Flaschenboden befindet sich ein kleiner Dauermagnet, der in der Werbung von Cellagon-Beratern als "Magnet-Eisenstein" beschrieben wird, der ''Energie aussende'' und der ''Kraftdynamo von Cellagon aurum, Cellagon vitale und Cellagon felice'' sei. Durch das Dauermagnetfeld würden alle Moleküle mit Energie angereichert, aus denen die Cellagon-Produkte bestehen. Entdecker der ''vitalitätsspendenden Kraft von Magnetfeldern'' sei der Schweizer Physiker Auguste Piccard gewesen, der herausgefunden haben soll, dass sich ''elektrisch geladene Teilchen - also die kleinsten Grundeinheiten jeder Substanz - in einem Magnetfeld schneller und freier bewegen und auch energiereicher werden''. "Magnetisiertes Wasser" lasse im übrigen Obst und Gemüse schneller wachsen.  
 
Nach dem Kosum einer Flasche Cellagon-Saft lasse sich der Wundermagnet aber weiter nutzen, indem man mit ihm zu Hause ''Trinkwasser magnetisieren'' könne. Man müsse dazu nur die Flasche ausspülen und mit Wasser befüllen. Man könne es dann beispielsweise zum Gießen von Pflanzen nutzen.<br>
 
Nach dem Kosum einer Flasche Cellagon-Saft lasse sich der Wundermagnet aber weiter nutzen, indem man mit ihm zu Hause ''Trinkwasser magnetisieren'' könne. Man müsse dazu nur die Flasche ausspülen und mit Wasser befüllen. Man könne es dann beispielsweise zum Gießen von Pflanzen nutzen.<br>
Eine weitere Verwendung des Cellagon-Magneten wäre auch als dauermagnetischer ''Verkalkungs-Verhüter''.<br>
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Eine weitere Verwendung des Cellagon-Magneten sei auch als dauermagnetischer ''Verkalkungs-Verhüter''.<br>
 
Ganz profan könne man den Magneten aber auch am Kühlschrank zum Befestigen von Notizen nutzen.<br>
 
Ganz profan könne man den Magneten aber auch am Kühlschrank zum Befestigen von Notizen nutzen.<br>
Ende der 1970er Jahre hatte sich laut Auskunft der Berner-Webseite das Unternehmen mit ''Forschung, Entwicklung auf dem Gebiet der Magnetfeld-Therapie'' beschäftigt.
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Ende der 1970er Jahre beschäftigte sich das Unternehmen laut Auskunft der Berner-Webseite mit ''Forschung, Entwicklung auf dem Gebiet der Magnetfeld-Therapie''.
    
==Siehe auch==
 
==Siehe auch==
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