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==Wirkungen==
 
==Wirkungen==
Die pharmakologische Wirkung der drei Methylxanthine ist unterschiedlich. Koffein wirkt stark ZNS- und skelettmuskelstimulierend, dafür eher schwach auf das Herz und die Gefäßmuskulatur der Bronchien und der Blutgefäße. Theophyllin hingegen stimuliert alle diese Systeme stark und erzeugt eine deutliche Diurese (Harnausscheidung). Theobromin wiederum wirkt überhaupt nicht auf das ZNS, wenig auf die Skelettmuskulatur und nur mäßig auf das Herz und die Gefäßmuskulatur der Bronchien und Gefäße. Auch die diuretische Wirkung von Theobromin ist eher mäßiggradig. Koffein hat bereits in einer Menge von 0,15-0,2&nbsp;g (das entspricht 1-2&nbsp;Tassen Kaffee) die genannten Wirkungen. Theophyllin und Koffein führen erst in relativ hohen Dosen (5-10&nbsp;g) aufgrund ihrer Wirkung auf das ZNS zu Übelkeit und Erbrechen<ref>Forth W, Henschler D, Rummel W: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie. BI Wissenschaftsverlag, Mannheim, 5. Aufl., 257-260, 1987</ref>.
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Die pharmakologische Wirkung der drei Methylxanthine ist unterschiedlich. Koffein wirkt stark ZNS- und skelettmuskelstimulierend, dafür eher schwach auf das Herz und die Gefäßmuskulatur der Bronchien und der Blutgefäße. Theophyllin hingegen stimuliert alle diese Systeme stark und erzeugt eine deutliche Diurese (Harnausscheidung). Theobromin wiederum wirkt überhaupt nicht auf das ZNS, wenig auf die Skelettmuskulatur und nur mäßig auf das Herz und die Gefäßmuskulatur der Bronchien und Gefäße. Auch die diuretische (harntreibende) Wirkung von Theobromin ist eher mäßiggradig. Koffein hat bereits in einer Menge von 0,15-0,2&nbsp;g (das entspricht 1-2&nbsp;Tassen Kaffee) die genannten Wirkungen. Theophyllin und Koffein führen erst in relativ hohen Dosen (5-10&nbsp;g) aufgrund ihrer Wirkung auf das ZNS zu Übelkeit und Erbrechen<ref>Forth W, Henschler D, Rummel W: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie. BI Wissenschaftsverlag, Mannheim, 5. Aufl., 257-260, 1987</ref>.
    
==Studienlage==
 
==Studienlage==
In einer brasilianischen Studie (Grando et al. 1996) zeigte sich, dass sich durch den Konsum von Guarana-Soft-Drinks sowohl stereomikroskopisch, unter Betrachtung mit dem bloßen Auge, als auch unter Verwendung eines elektronenmikroskopischen Scanners Schäden am Zahnschmelz im Sinne einer beginnenden Karies nachweisen ließen<ref>Grando LJ, Tames DR, Cardoso AC, Gabilan NH: In vitro study of enamel erosion caused by soft drinks and lemon juice in deciduous teeth analysed by stereomicroscopy and scanning electron microscopy. Caries Res, 30, 373-378, 1996</ref>.
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In einer brasilianischen Studie (Grando et al. 1996) zeigte sich, dass sich durch den Konsum von Guarana-Soft-Drinks sowohl mikroskopisch, unter Betrachtung mit dem bloßen Auge, als auch unter Verwendung eines elektronenmikroskopischen Scanners Schäden am Zahnschmelz im Sinne einer beginnenden Karies nachweisen ließen<ref>Grando LJ, Tames DR, Cardoso AC, Gabilan NH: In vitro study of enamel erosion caused by soft drinks and lemon juice in deciduous teeth analysed by stereomicroscopy and scanning electron microscopy. Caries Res, 30, 373-378, 1996</ref>.
    
Anbieterseitig wird den Guaranaprodukten zwar die Fähigkeit zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit beigelegt, dies konnte bei klinischen Prüfungen jedoch nicht nachgewiesen werden. In einer brasilianischen Studie des Department of Psychobiology in Sao Paulo wurde 45&nbsp;älteren Freiwilligen im Doppelblindversuch über einen längeren Zeitraum entweder Placebo (n=15), Koffein (n=15) oder Guarana (n=15) gegeben. Es fanden sich keinerlei signifikante Veränderungen der kognitiven Leistungen<ref>Galduroz JC, Carlini EA: The effects of long-term administration of guarana on the cognition of normal, elderly volunteers. Rev Paul Med, 114, 1073-1078, 1996</ref>.
 
Anbieterseitig wird den Guaranaprodukten zwar die Fähigkeit zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit beigelegt, dies konnte bei klinischen Prüfungen jedoch nicht nachgewiesen werden. In einer brasilianischen Studie des Department of Psychobiology in Sao Paulo wurde 45&nbsp;älteren Freiwilligen im Doppelblindversuch über einen längeren Zeitraum entweder Placebo (n=15), Koffein (n=15) oder Guarana (n=15) gegeben. Es fanden sich keinerlei signifikante Veränderungen der kognitiven Leistungen<ref>Galduroz JC, Carlini EA: The effects of long-term administration of guarana on the cognition of normal, elderly volunteers. Rev Paul Med, 114, 1073-1078, 1996</ref>.
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==Nebenwirkungen==
 
==Nebenwirkungen==
Ob Guarana wirklich so nebenwirkungsfrei ist wie die Werbung propagiert, ist zweifelhaft. So berichteten Donadio et al. (2000) über einzelne Patienten, die nach dem Konsum von Guarana eine Myoglobinurie aufwiesen. Dabei wird laborchemisch das sauerstoffbindende Hämoprotein Myoglobin (der rote Muskelfarbstoff) im Urin nachgewiesen<ref>Donadio V, Bonsi P, Zele I, Monari L, Liguori R, Vetrugno R, Albani F, Montagna P: Myoglobinuria after ingestion of extracts of guarana, Ginkgo biloba and kava. Neurol Sci, 21, 124, 2000</ref>. Normalerweise ist Myoglobin im Urin nicht nachzuweisen. Es kommt aber dort hin, wenn (Herz-)Muskelzellen zerstört werden, da Myoglobin nicht an Proteine im Blut gebunden und aufgrund seiner niedrigen molekularen Größe schnell über die Nieren ausgeschieden wird. Eine Myoglobinurie weist auf eine Beschädigung von Muskelzellen im Organismus hin - z.B. bei Herzinfarkt. Es ist also durchaus denkbar, dass Patienten mit Herzproblemen, die Guaranaprodukte mit hohem Methylxanthinanteil konsumieren, sich damit mehr Probleme schaffen als lösen.
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Die Autoren Donadio et al. (2000) über einzelne Patienten, die nach dem Konsum von Guarana eine Myoglobinurie (Myoglobin im Urin) aufwiesen. Dabei wird laborchemisch das sauerstoffbindende Hämoprotein Myoglobin (der rote Muskelfarbstoff) im Urin nachgewiesen<ref>Donadio V, Bonsi P, Zele I, Monari L, Liguori R, Vetrugno R, Albani F, Montagna P: Myoglobinuria after ingestion of extracts of guarana, Ginkgo biloba and kava. Neurol Sci, 21, 124, 2000</ref>. Normalerweise ist Myoglobin im Urin nicht nachzuweisen. Es kommt aber dort hin, wenn (Herz-)Muskelzellen zerstört werden und zerfallen, da Myoglobin nicht an Proteine im Blut gebunden und aufgrund seiner niedrigen molekularen Größe schnell über die Nieren ausgeschieden wird. Eine Myoglobinurie weist auf eine Beschädigung von Muskelzellen im Organismus hin - z.B. bei Herzinfarkt.
    
Eine direkte Giftigkeit von Guaranaprodukten ist bisher nicht mit ausreichender Sicherheit bewiesen worden. Entsprechende Zellkulturversuche von Santa Maria et al. (1998) zeigten zwar im Microtox-Test eine negative Beeinflussung von Zellen ab Konzentrationen von 40&nbsp;mg/ml, aber im Tierversuch konnte selbst bei hohen oral verabreichten Dosen (bis 2&nbsp;g pro Kilogramm Körpergewicht) von Guarana keine signifikante Beeinflussung toxikologischer Parameter ermittelt werden<ref> Santa Maria A, Lopez A, Diaz MM, Munoz-Mingarro D, Pozuelo JM: Evaluation of the toxicity of guarana with in vitro bioassays. Ecotoxicol Environ Saf, 39, 164-167, 1998</ref>. Es fanden sich keinerlei histologische Gewebeveränderungen in Herz, Lunge, Magen, Darm, Leber, Pankreas, Niere, Blase oder Milz der untersuchten Tiere<ref> Mattei R, Dias RF, Espinola EB, Carlini EA, Barros SB: Guarana (Paullinia cupana): toxic behavioral effects in laboratory animals and antioxidants activity in vitro. J Ethnopharmacol, 60, 111-116, 1998</ref>.
 
Eine direkte Giftigkeit von Guaranaprodukten ist bisher nicht mit ausreichender Sicherheit bewiesen worden. Entsprechende Zellkulturversuche von Santa Maria et al. (1998) zeigten zwar im Microtox-Test eine negative Beeinflussung von Zellen ab Konzentrationen von 40&nbsp;mg/ml, aber im Tierversuch konnte selbst bei hohen oral verabreichten Dosen (bis 2&nbsp;g pro Kilogramm Körpergewicht) von Guarana keine signifikante Beeinflussung toxikologischer Parameter ermittelt werden<ref> Santa Maria A, Lopez A, Diaz MM, Munoz-Mingarro D, Pozuelo JM: Evaluation of the toxicity of guarana with in vitro bioassays. Ecotoxicol Environ Saf, 39, 164-167, 1998</ref>. Es fanden sich keinerlei histologische Gewebeveränderungen in Herz, Lunge, Magen, Darm, Leber, Pankreas, Niere, Blase oder Milz der untersuchten Tiere<ref> Mattei R, Dias RF, Espinola EB, Carlini EA, Barros SB: Guarana (Paullinia cupana): toxic behavioral effects in laboratory animals and antioxidants activity in vitro. J Ethnopharmacol, 60, 111-116, 1998</ref>.
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==Gesamtbewertung==
 
==Gesamtbewertung==
Guaranaprodukte scheinen aufgrund der Tatsache, dass ihr Methylxanthingehalt in etwa jenem von Kaffee oder Tee entspricht, als Nahrungsmittel völlig legal in die Bundesrepublik Deutschland eingeführt zu werden. Problematisch an diesen Produkten ist der sehr stark schwankende Gehalt an Methylxanthinen, was im Einzelfall sogar zum völligen Fehlen der Substanzen führt. Man läuft also Gefahr, anstatt eines Kaffee-Ersatzes schlicht eine Mogelpackung zu kaufen. Eine gesundheitliche Gefährdung durch reine Guaranaprodukte erscheint bei normalem Verzehrsverhalten eher unwahrscheinlich zu sein. Das Gefährdungspotential dürfte hier in etwa in der Höhe von Kaffee liegen, der - in hohen Mengen genossen - bekanntlich auch zu Herzbeschwerden führt und dem in hohen Dosen tumorstimulierende Wirkung von Mundhöhlen- und Magenkarzinomen nachgesagt wird. Gefährlich wird es, wie so oft in der Phytopharmazie, wenn solche Mittel zu hoch dosiert eingenommen werden. Von einem 'viel hilft viel' ist explizit abzuraten. Vor allem Personen mit Herzkreislaufkrankheiten oder Stoffwechselproblemen (z.B. Diabetes mellitus) könnten in ernste Schwierigkeiten geraten. Auch Jugendliche können betroffen sein, denn sie reagieren empfindlicher als Erwachsene auf hohe Koffein- oder Ephedradosen.
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Guaranaprodukte scheinen aufgrund der Tatsache, dass ihr Methylxanthingehalt in etwa jenem von Kaffee oder Tee entspricht, als Nahrungsmittel völlig legal in die Bundesrepublik Deutschland eingeführt zu werden. Problematisch an diesen Produkten ist der sehr stark schwankende Gehalt an Methylxanthinen, was im Einzelfall sogar zum völligen Fehlen der Substanzen führt. Eine gesundheitliche Gefährdung durch reine Guaranaprodukte erscheint bei normalem Verzehrsverhalten allerdings eher unwahrscheinlich zu sein. Das Gefährdungspotential dürfte hier in etwa in der Höhe von Kaffee liegen, der - in hohen Mengen genossen - bekanntlich auch zu Herzbeschwerden führt und dem in hohen Dosen tumorstimulierende Wirkung von Mundhöhlen- und Magenkarzinomen nachgesagt wird. Gefährlich wird es, wie so oft in der Phytopharmazie, wenn solche Mittel zu hoch dosiert eingenommen werden. Vor allem Personen mit Herzkreislaufkrankheiten oder Stoffwechselproblemen (z.B. Diabetes mellitus) könnten in ernste Schwierigkeiten geraten. Auch Jugendliche können betroffen sein, denn sie reagieren empfindlicher als Erwachsene auf hohe Koffein- oder Ephedradosen.
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Lebensgefährlich kann es werden, wenn Kombinationsprodukte aus zwei kreislaufsteigernden (blutdrucksteigernde und herzbelastende) Phytopharmaka eingenommen werden, um z.B. schnell das Gewicht zu reduzieren. Hier ist der Effekt ein rein diuretischer. Man steigert den Blutdruck, scheidet überproportional viel Wasser aus (weil Ephedrine und Methylxanthine harntreibend wirken) und verliert mehr Wasser als Fett. Man kann diese Rosskur mit Gesundheitsschäden bezahlen, die von Durchblutungsstörungen am Herzmuskel bis hin zum Schlaganfall reichen können. Der Verkauf von Ephedra und die Einnahme in therapeutischer Dosierung(!) hat allein in den USA mehr als 60&nbsp;Personen das Leben gekostet - und mehr als 2&nbsp;Milliarden Dollar in die Kassen von Strukturvertrieben ([[MLM]]-Marketing-Firmen) gespült.
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Lebensgefährlich kann es werden, wenn Kombinationsprodukte aus zwei kreislaufsteigernden (blutdrucksteigernde und herzbelastende) Phytopharmaka eingenommen werden, um z.B. schnell das Gewicht zu reduzieren. Hier ist der Effekt ein rein diuretischer. Man steigert den Blutdruck, scheidet überproportional viel Wasser aus (weil Ephedrine und Methylxanthine harntreibend wirken) und verliert mehr Wasser als Fett. Der Verkauf von Ephedra und die Einnahme in therapeutischer Dosierung(!) hat allein in den USA mehr als 60&nbsp;Personen das Leben gekostet - und mehr als 2&nbsp;Milliarden Dollar in die Kassen von Strukturvertrieben ([[MLM]]-Marketing-Firmen) gespült.
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Dass Guarana mit einer recht widerlichen Mitleidsmasche (der Käufer unterstütze durch den Erwerb angeblich die armen Bauern im Amazonasbecken) im Netz beworben wird, ist ein zusätzliches Ärgernis. Es kann doch keiner ernsthaft annehmen, dass die riesigen Mengen an Rohware, die in den USA und zunehmend auch in Europa angeboten werden, nur vom armen brasilianischen Landmann in mühseliger Handarbeit produziert werden. Den kommerziellen Massenanbau gibt es offenbar seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Die armen Kleinbauern profitieren von solchen Entwicklungen in der Regel gar nicht.
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Bemerkenswert am Marketing mit diesen Produkten ist, dass in Deutschland die Werbung für Lebensmittel (und nichts anderes sind die derzeit im Handel befindlichen Produkte) keine positive oder negative medizinische Aussage enthalten darf, da dies das LFGB-Gesetz nicht gestattet.
 
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Bemerkenswert am Marketing mit diesen Produkten ist, dass in Deutschland die Werbung für Lebensmittel (und nichts anderes sind die derzeit im Handel befindlichen Produkte) keine positive oder negative medizinische Aussage enthalten darf, da dies das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz nicht gestattet.
      
*Schadenfälle: Mundtrockenheit, Schläfrigkeit, Benommenheit. Es besteht bei KHK-Patienten die Gefahr von thromboembolischen Komplikationen durch Bluthochdruckkrisen.
 
*Schadenfälle: Mundtrockenheit, Schläfrigkeit, Benommenheit. Es besteht bei KHK-Patienten die Gefahr von thromboembolischen Komplikationen durch Bluthochdruckkrisen.
 
*Bezug: legal als Lebensmittel im Handel befindlich.
 
*Bezug: legal als Lebensmittel im Handel befindlich.
*Fazit: vor hohen Dosen ist zu warnen; zur Gewichtsreduktion verwendbar, aber mit Nebenwirkungen behaftet. Herzpatienten gehen gesundheitliche Risiken ein.
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*Fazit: vor hohen Dosen ist zu warnen. Herzpatienten gehen gesundheitliche Risiken ein.
    
==Weblinks==
 
==Weblinks==
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