Seilwurm

Aus Psiram
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes: Datei fehlt
Bei facebook gezeigte Bilder von angeblichen Parasiten und Seilwürmern, die durch MMS-Einläufe "herausgespült" worden seien
Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes: Datei fehlt
Von RBB-Journalisten aus einem Stück Schollenfilet fertigtes Artefakt, dessen Abbildung vom Biologielaien Andreas Kalcker als "Seilwurm" bezeichnet wurde. (Bild: RBB Fernsehen, Sendung Kontraste vom 16.4.2015)

Seilwurm (engl. rope worm, auch funis vermis oder homo funis vermis) ist ein angeblich im Darm lebender parasitischer Wurm. Dieser Wurm ist eine Erfindung von Befürwortern des Scharlataneriemittels MMS, aber auch anderer Darmreinigungspraktiken (Beispiel USA: Markus Rothkranz). Der gemeinte Seilwurm ist in der wissenschaftlichen Biologie und der Parasitologie unbekannt. Ein angeblicher Seilwurmbefall stellt daher den typischen Fall einer Krankheitserfindung dar. Der angebliche Wurmbefall dient geschäftlichen Interessen, da den mit dem Seilwurm befallenen Kunden gegen Würmer ursächlich unnütze Einläufe mit MMS-haltigen Flüssigkeiten empfohlen werden.

In keiner der aktuellen Sprachversionen der Wikipedia existiert ein Eintrag zu einem "Seilwurm" oder "rope worm" (Stand: April 2015).

Als Entdecker des "neu entdeckten Wurms" werden in MMS-Kreisen ein Dr. Nikolai Gubarev und ein Professor Alex Volinsky genannt, die zum Seilwurm zwei Patente anmeldeten und mindestens einen Artikel in ArXiv verfassten, einem Online-Journal ohne peer-review.[1][2]

Der gemeinte Seilwurm war auch Nebenthema einer Fernsehsendung des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB) am 16. April 2015. In der Sendung "Kontraste"[3] wurde dem MMS-Befürworter und MMS-Händler Andreas Kalcker das Foto eines von Journalisten gebastelten "Seilwurms" aus einem Stück Schollenfilet gezeigt, als vermeintlich ausgeschiedener Gegenstand nach einem angeblichem MMS-Einlauf. Kalcker reagierte sofort mit der "Diagnose" funis vermis.

Behauptungen zum Seilwurm

Der gemeinte Seilwurm wird als ein Wurm beschrieben, der "Anaerobier" sei, also keinen Sauerstoff zum Leben benötige. Er könne über einen Meter lang werden und besiedele den Darm. Bis zum Erreichen der Maximallänge (im so genannten 5. Stadium) müssten mehrere Jahrzehnte vergehen. Im Durchmesser sei er "unregelmässig zylindrisch" geformt und ähnele daher einem Seil (engl. rope), heißt es auch. Zur Fortbewegung wird behauptet, dass die gemeinten Seilwürmer sich durch die Ausstoß von Gasblasen wie mit einer Art Raketenantrieb im Darm hin- und herbewegen könnten. Zitat: "They move inside the body by releasing gas bubbles utilizing jet propulsion."

Behauptete Symptome des Seilwurm-Befalls

Zahlreiche und gleichzeitig verschiedenartige Symptome werden zum Befall mit dem Seilwurm aufgeführt. Bei keinem der Symptome kann von einem spezifischen Symptom gesprochen werden. Genannt werden beispielsweise Haarausfall, Flatulenz, Obstipation (Verstopfung), Lebensmittelallergien, Erkältungssymptome, Nervenentzündungen, Kopfschmerzen, chronische Müdigkeit, Rückenschmerzen usw.

Wissenschaftliche Evidenz

Der angebliche Seilwurm ist weder in der wissenschaftlichen Biologie noch in der Parasitologie bekannt. Es wurde noch nie ein Seilwurm bei endoskopischen oder chirurgischen Eingriffen, bei medizinischen Darmreinigungen in Vorbereitung einer Operation, auf Röntgen- oder MRT-Aufnahmen sowie bei Autopsien beobachtet.

Dr. Sebastian Dieckmann, Institut für Tropenmedizin, Charité Berlin, der für die Sendung des RBB "Kontraste" einen angeblichen Seilwurm untersuchte, stellte fest:

"Da habe ich nichts weiter feststellen können, außer dass es eine amorphe Masse war, eben Schleim, irgendwelche Proteinansammlung und zusammengedrückte Schleimpfröpfe."[4]

Siehe auch

Patente

  • RU2250111, (2004), METHOD expulsion of helminths from the human body, Erfinder: Gubarev Nikolay Vladimirovich (RU); Sergey Lebedev (RU); Orel Lyudmila Petrovna (RU); Pakulina Olga (RU)
  • RU2270688, (2005), METHOD expulsion of helminths from the human body, Erfinder: Gubarev Nikolay Vladimirovich (RU); Gubarev Alexander (RU); Sergey Lebedev (RU); Orel Lyudmila Petrovna (RU); Orel Galina (RU); Pakulina Olga (RU)

Quellennachweise

  1. Alex A. Volinsky, Nikolai V. Gubarev, Galina M. Orlovskaya, Elena V. Marchenko, "Development stages of the “rope” human intestinal parasite", Originally submitted to arxiv.org on Jan. 14, 2013
    http://arxiv.org/abs/1301.2845
  2. http://arxiv.org/ftp/arxiv/papers/1301/1301.2845.pdf
  3. Gefährliche Quacksalber - Das Geschäft mit dem Wundermittel MMS, RBB, Sendung Kontraste, 16. April 2015
  4. http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste-vom-16-04-2015/gefaehrliche-quacksalber-das-geschaeft-mit-dem-wundermittel-mms.html