Orthomolekulare Psychiatrie: Unterschied zwischen den Versionen

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Ein weiterer Aktivist der OMP war Carl C. Pfeiffer, nach dessen Tod es 1979 zu einem Stillstand der OMP kam.
 
Ein weiterer Aktivist der OMP war Carl C. Pfeiffer, nach dessen Tod es 1979 zu einem Stillstand der OMP kam.
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Vertreter der orthomolekualren PSychiatrie sind häufig auch Befürworter der [[Krankheitserfindung]] [[Hämopyrrollaktamurie]], von der behauptet wird sie durch Vitamine und Zink behandeln zu können. Die Hämopyrrollaktamurie soll auch die Ursache einer Vielzahl von psychiatrischen und nicht-psychiatrischen Krankheiten sein, die dann über Vitamine behandelbar seien.
  
 
Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten nicht, da kein Wirksamkeitsnachweis vorliegt.
 
Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten nicht, da kein Wirksamkeitsnachweis vorliegt.

Version vom 16. Juni 2009, 18:35 Uhr

Abram Hoffer
Humphry Osmond
Carl C. Pfeiffer

Die Orthomolekulare Psychiatrie (OMP) ist eine auf die Psychiatrie bezogene Variante der Orthomolekularen Medizin und gilt als ein umstrittenes pseudomedizinisches Konzept ohne Wirksamkeitsnachweis. Im weitesten Sinne handelt es sich um eine Form der Ernährungsmedizin. Zur Methode existiert keine aktuelle wissenschaftliche Literatur. Ältere Studienergebnisse konnten nicht repliziert werden. Daher spielt diese widerlegte Methode in der modernen wissenschaftlichen Psychiatrie keine Rolle. Mehrere Fachverbände weltweit haben sich nach Durchsicht der Forschungsergebnisse eindeutig gegen die orthomolekulare Psychiatrie ausgesprochen.

Merkmal dieser Methode sind hohe Gaben von Vitaminen zu therapeutischen Zwecken.

Als Erfinder dieser Methode werden die kanadischen Ärzte Abram Hoffer und Humphry Osmond genannt. Beide gaben schizophrenen Patienten hohe Niacin-Dosen bis zu 17 Gramm pro Tag. Osmond und Hoffer entwickelten in den fünfziger Jahren eine Theorie, nach der schizophrene Menschen im Körper eine von Adrenalin abgeleitete Substanz bilden würden, die halluzinogen wirken sollte. Die Theorie wurde bekannt als die Hoffer-Osmond Adreno-chrome Hypothesis. Auf beide kanadischen Ärzte geht auch ein Schizophrenie-Test zurück, der Hoffer-Osmond test. Osmond ist auch bekannt für die erste Benutzung des Begriffs psychedelisch.

Ein weiterer Aktivist der OMP war Carl C. Pfeiffer, nach dessen Tod es 1979 zu einem Stillstand der OMP kam.

Vertreter der orthomolekualren PSychiatrie sind häufig auch Befürworter der Krankheitserfindung Hämopyrrollaktamurie, von der behauptet wird sie durch Vitamine und Zink behandeln zu können. Die Hämopyrrollaktamurie soll auch die Ursache einer Vielzahl von psychiatrischen und nicht-psychiatrischen Krankheiten sein, die dann über Vitamine behandelbar seien.

Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten nicht, da kein Wirksamkeitsnachweis vorliegt.

Methode

Niacin

Abram Hoffer und Humphry Osmond setzten in der sogenannten "Mega-Vitamintherapie" hohe Dosen Niacin (Vitamin B3) zur Behandlung von Schizophrenie ein, bis zu 17 Gramm am Tag. Ausgangspunkt waren Überlegungen zur Vitaminmangelkrankheit Pellagra bei der die Substitution durch Niacin hilfreich ist.

Pfeiffer stellte ein System der "Biotypen der Schizophrenie" auf:

  • Histapenie - niedriger Histaminspiegel mit Kupferüberschuss im Blut
  • Histadelie - hoher Histaminspiegel mit niedrigen Kupferwerten im Blut
  • Pyrrolurie - ein familiärer Zweifachmangel an Zink und Vitamin B6
  • Zerebrale Allergie - einschließlich Weizenglutenallergie
  • Hypoglykämie durch Fehlernährung

Studienstand

Die Orthomolekulare Psychiatrie wurde 1973 von der American Psychiatric Association abgelehnt [1]. Eine große Serie von Placebo-kontrollierten Studien zeigte keinerlei Wirkung der getesteten Vitamine auf die Schizophreniesymptome. Vitamine können darüberhinaus bei hohen Gaben (wie sie in der OMP üblich sind) unerwünschte Wirkungen entfalten.

Zellularmedizin nach Rath

Analoge Konzept zur Orthomolekularen Psychiatrie finden sich in der Zellular-Medizin des umstrittenen deutschen Arztes Matthias Rath.

Literatur

  • Haslam RH, Dalby JT, Rademaker AW. Pediatrics. 1984 Jul;74(1):103-11. Effects of megavitamin therapy on children with attention deficit disorders.
  • Davidson RA. South Med J. 1984 Feb;77(2):200-3. Complications of megavitamin therapy.
  • Vaughan K, McConaghy N. Aust N Z J Psychiatry. 1999 Feb;33(1):84-8. Megavitamin and dietary treatment in schizophrenia: a randomised, controlled trial.
  • Lipton M and others. Task Force Report on Megavitamin and Orthomolecular Therapy in Psychiatry. Washington D.C., 1973, American Psychiatric Association.
  • Nutrition Committee, Canadian Paediatric Society. Megavitamin and megamineral therapy in childhood. Canadian Medical Association Journal 143:1009­1013, 1990, reaffirmed April 2000.
  • Committee on Nutrition, American Academy of Pediatrics. Megavitamin therapy for childhood psychoses and learning disabilities. Pediatrics 58:910­912, 1976.

Weblinks

Quellennachweise

  1. Pauling L, Wyatt RJ, Klein DF, Lipton MA (1974). "On the orthomolecular environment of the mind: orthomolecular theory". The American Journal of Psychiatry 131 (11): 1251–67. PMID 4608217