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Ohrkerzen oder Hopi-Kerzen bzw. Körperkerzen sind seit etwa 1980 angebotene, alternativmedizinische und esoterische Produkte zur Ohrreinigung mit medizinisch und physikalisch nicht nachvollziehbarer Wirkungsweise.

Hopi-Kerzen werden dem Volk der Hopi-Indianer zugeschrieben. Es gibt jedoch keinerlei Belege dafür, dass die Hopi oder andere indianische Völker solche Kerzen jemals verwendet haben. Die Hopi distanzieren sich davon.[1]

Anwendung von Ohrkerzen

Ohrkerzen sind ca. 20 cm langen, von etwa bleistiftdickem Durchmesser und innen hohl. Sie bestehen aus Wachs oder Paraffin und enthalten oft Kräuter oder ätherische Öle. Man soll sie sich in ein Ohr stecken, die Kerze anzünden und auf diese Weise das Ohr reinigen. Die Anbieter behaupten dabei, dass sich durch das Abbrennen der Ohrkerze eine Art "Kamineffekt" einstelle und sich dadurch am unteren Ende der Ohrkerze ein Unterdruck entwickle, der den angeblich reinigenden Effekt bewirke. Nach Vorstellungen der Hersteller der Hopi-Kerze soll hierbei auch eine Druckregulation hinter dem Trommelfell im Mittelohr und sogar in den Nebenhöhlen stattfinden und ein etwaiger Sekretfluss mit positiven Folgen für den Behandelten solle angeregt werden. Das Trommelfell dichtet jedoch das Mittelohr gegen den äußeren Gehörgang ab, ein Gas- oder Sekrettransport ist daher bei intaktem Trommelfell medizinisch gesehen unmöglich. Auch aus physikalischer Sicht ist der postulierte "Kamineffekt" nicht plausibel, da ein angenommener geringer Unterdruck allein nicht ausreicht, um die Ablagerungen, die zudem nicht näher charakterisiert werden, nach außen zu transportieren.

Laut Herstellern und Vertreibern von Ohrkerzen soll die Anwendung die unterschiedlichsten Symptome bei HNO- und psychischen Erkrankungen lindern bzw. beseitigen.[2]. Hierbei wird gegen das Heilmittelwerbegesetz verstoßen, wenn Medizinprodukte (hier: Ohrkerzen) gegen bestimmte Krankheiten empfohlen werden und "den Eindruck der wissenschaftlichen Bestätigung erweckt." (Oberlandesgericht Frankfurt/Main: Urteil vom 27.03.2008, Az.: 6 U 52/07).

Wissenschaftliche Untersuchungen zur Ohrkerze

Belege für eine Wirksamkeit der Ohrkerze liegen nicht vor und von der Anwendung gehen Gesundheitsgefahren aus.[3]. Daher finden Ohrkerzen keine Verwendung in der wissenschaftlichen Medizin.[4]

Wissenschaftliche Fachartikel[4][5] kamen zu dem Ergebnis, dass während einer Ohrkerzenbehandlung im äußeren Gehörgang tympanometrisch kein Unterdruck messbar war. Cerumen (so genanntes Ohrenschmalz) wurde dabei aus dem Gehörgang nicht sichtbar entfernt, so dass eine reinigende Wirkung von Ohrkerzen wissenschaftlich nicht anzunehmen ist.

Komplikationen

HNO-Ärzte warnen vor Ohrkerzen, weil es beim Einführen in den Gehörgang zu Verletzungen kommen kann. Im schlimmsten Fall kann sogar das Trommelfell beschädigt werden. Bei acht untersuchten Patienten wurden stattdessen nach der Anwendung Wachspartikel im Gehörgang vorgefunden. HNO-Ärzte warnen vor der Verbrennungsgefahr des empfindlichen Trommelfells durch eintropfendes heißes Wachs.[6][7]

Eine Befragung von 122 HNO-Ärzten ergab, dass 21 Patienten – Gesamtanzahl der Patienten unbekannt – nach Anwendung einer Ohrkerze ärztlich behandelt werden mussten. Dabei wurden in 13 Fällen Verbrennungen und andere Schäden diagnostiziert. In sieben Fällen lag ein Verschluss des äußeren Gehörgangs durch abtropfendes Wachs vor, in einem Fall war sogar das Trommelfell perforiert. Die Autoren dieser Studien folgern daraus, dass Ohrkerzen zur Reinigung des äußeren Gehörganges ungeeignet sind und warnen vor der Verletzungsgefahr.[4] Die Autoren eines Reviews aus Kanada aus dem Jahre 2007 weisen darauf hin, dass es keine wissenschaftlichen Bestätigungen für unterstellte Wirkungen der Ohrkerzen gibt und ihre Anwendung mit erheblichen Risiken behaftet sind. Hausärzte sollen ihre Patienten von der Verwendung von Ohrkerzen abraten.[8]

Verbraucherwarnung der FDA vor Ohrkerzen

Die amerikanische Gesundheitsaufsichtsbehörde warnte Verbraucher in einer Veröffentlichung vom 18. Februar 2010 vor Ohrkerzen[9]. Wegen der bekannt gewordenen Risiken und Gefahren und des fehlenden Nachweises positiver gesundheitlicher Effekte riet die Behörde vom Gebrauch ab und informierte darüber, dass die FDA zusammen mit der kanadischen Behörde Health Canada gegen Hersteller mit Verwarnungsmitteilungen, Importverboten und Beschlagnahmungen vorgegangen ist. Anbieter sollen sogar Behauptungen aufgestellt haben, nach denen Ohrkerzen das Blut reinige, das Hirn stärke oder Krebs heile.

Körperkerzen

Mittlerweile sind auch Körperkerzen auf dem Markt, die auf die so genannten Chakren oder andere vermutete Reflexpunkte aufgesetzt werden. Durch diese Methode soll der "Energiefluss" angeregt und innere Blockaden gelöst werden. Außerdem werde der Körper auf diese Weise entschlackt.

Die Kerzen bestehen aus gerolltem Leinengewebe und Bienenwachs, das mit Pflanzenpulver und ätherischen Ölen angereichert ist. Die Anbieter setzen die Behauptung als Werbeargument ein, dass diese Kerzen von den in Amerika lebenden Hopi-Indianern bereits seit Urzeiten verwendet würden. Dies ist aber frei erfunden.

Bereits im März 1995 dementierte der zweite Vorsitzende des Hopi Tribal Council, Wayne Taylor jr., dass die Hopi diese Kerzen verwenden. Im Gegenteil: die Benutzung von Ohrkerzen zu rituellen Zwecken entspringe weder der Hopi-Kultur, noch werde derartiges heute bei den Hopi-Indianern praktiziert. Taylor verbat sich ausdrücklich, seinen Stamm mit Ohrkerzen in Verbindung zu bringen.

Literatur

  • Ernst E: Ear candles: a triumph of ignorance over science, J Laryngol Otol. 2004 Jan;118(1):1-2
  • McCarter DF, Courtney AU, Pollart SM., Cerumen impaction, Am Fam Physician. 2007 May 15;75(10):1523-8
  • Friese KH., Alternative treatment methods in ENT, HNO. 1997 Aug;45(8):593-607
  • Seely DR, Quigley SM, Langman AW: Ear candles--efficacy and safety, Laryngoscope. 1996 Oct;106(10):1226-9
  • Seely DR, Langman AW: Ear candles, Arch Otolaryngol Head Neck Surg. 1995 Sep;121(9):1068.
  • Seely DR, Langman AW: Coning candles--an alert for otolaryngologists?, Ear Nose Throat J. 1997 Jan;76(1):47


Weblinks

Quellennachweise

  1. http://www.newagefraud.org/smf/index.php?topic=159.0
  2. http://www.ohrkerzen-info.com/
  3. Ernst E, (review 2004) Ear candles: a triumph of ignorance over science, The Journal of Laryngology & Otology (2004), 118: 1-2 Cambridge University Press doi:10.1258/002221504322731529
  4. 4,0 4,1 4,2 Seely DR, Quigley SM, Langman AW, Ear candles--efficacy and safety, Laryngoscope. 1996 Oct;106(10):1226-9
  5. Ernst E, (review 2004) Ear candles: a triumph of ignorance over science, The Journal of Laryngology & Otology (2004), 118: 1-2 Cambridge University Press doi:10.1258/002221504322731529
  6. http://www.audiologyonline.com/articles/article_detail.asp?article_id=1501
  7. http://www.cbc.ca/marketplace/pre-2007/files/health/earcandle/
  8. Rafferty J, Tsikoudas A, Davis BC (2007): Ear candling - Should general practitioners recommend it? Can Fam Physician. Dezember 2007; 53(12): 2121–2122. Volltext online
  9. Don't Get Burned: Stay Away From Ear Candles, FDA consumer warning, 18. Februar 2010, [1]