Quelle: Wikipedia

Mutter Teresa, Ordensname, bürgerlich Anjezë Gonxha Bojaxhiu, (geb. 26. August 1910 in Üsküb, Osmanisches Reich, heute Skopje, Mazedonien; gest. 5. September 1997 in Kalkutta, Indien, heute Kolkata) war eine römisch-katholische Ordensschwester, zuerst im Loreto-Orden und später in dem von ihr gegründeten Orden der „Missionarinnen der Nächstenliebe". Sie führte ein Leben nach den Evangelischen Räten, so dass sie ihr Leben lang unverheiratet blieb. Im Jahr 1979 erhielt sie den Friedensnobelpreis. Von der römisch-katholischen Kirche wurde sie 2003 selig gesprochen. Kritikern ist sie vor allem wegen ihres Umgangs mit Armen und Kranken, ihren Verbindungen zu dem haitianischen Diktator Jean-Claude Duvalier und dubiosen Geldgeschäften mit dem Vatikan bekannt[1]. Ferner galt sie als fanatische Gegnerin von Abtreibung und Verhütung.

Leben

Gonxha wuchs in einer wohlhabenden katholischen albanischen Familie auf. Sie wurde von ihren Eltern sehr religiös erzogen. Gonxha Bojaxhiu war körperbehindert, wurde mit einem Klumpfuß geboren und blieb stets ein kränkliches Kind, das alljährlich lange Wochen in Sanatorien verbrachte. Dennoch besuchte sie eine katholische Grundschule und ein elitäres Mädchengymnasium, war zudem Mitglied in Literaturzirkeln und Wandervereinen.[2]

Als sie zehn Jahre alt war, starb ihr Vater überraschend; sie widmete sich daraufhin noch mehr dem Glauben. Schon im Alter von zwölf Jahren entschied sie sich für ein Leben als Ordensfrau und wurde im Alter von 18 Jahren in den Orden der Loretoschwestern aufgenommen. Zunächst wurde sie ins Mutterhaus der Loretoschwestern nach Irland geschickt. Nach nur zwei Monaten konnte sie im Haus des Loreto-Ordens in Bengalen/Indien tätig werden. In Kalkutta legte sie die erste Profess ab. Daraufhin war sie 17 Jahre in der St. Mary's School in Kalkutta tätig, an der sie erst als Lehrerin, dann als Direktorin wirkte.

Auf einer ihrer zahlreichen Fahrten durch die Millionenstadt Kalkutta soll sie am 10. September 1946 die göttliche Berufung verspürt haben, den Armen zu helfen. In ihrem Tagebuch schildert sie dieses Erlebnis als mystische Begegnung mit Jesus, der sie dazu aufgefordert habe, alles aufzugeben und ihm in die Slums zu folgen - um in ihm den Ärmsten der Armen zu dienen. Zwei Jahre später erhielt sie die Erlaubnis, die Loretoschwestern zu verlassen, ohne ihren religiösen Stand als Ordensschwester aufgeben zu müssen. Fortan wirkte als Einzelperson Mutter Teresa in den Slums von Kalkutta, wo sich ihr später einige frühere Schülerinnen anschlossen. 1948 nahm Mutter Teresa die indische Staatsbürgerschaft an und gründete 1950 den Orden „Missionarinnen der Nächstenliebe“. Wie in allen katholischen Orden mussten sich die Mitglieder auf die so genannten Evangelischen Räte der Ehelosigkeit, der Armut und des Gehorsams verpflichten. Später wurde der Orden vom Papst anerkannt. Der Orden kümmert sich besonders um Sterbende, Waisen und Kranke, speziell Leprakranke. 1952 eröffnete sie in einem verlassenen Hindu-Tempel ein Kranken- und "Sterbehaus".[3] Im Laufe der Zeit wurden weltweit eine Leprakolonie, Schulen für Arme, Entbindungsheime und ein Heim für ledige Mütter, Hospitäler, Hospize, Kinderheime und Klöster gegründet. Trotz ihres Einsatzes für die katholische Kirche hegte Teresa langjährig Zweifel an ihrem Glauben, wie ihre Briefe belegen.[4] Am 5. September 1997 starb Teresa und wurde bereits am 19. Oktober 2003 von der römisch-katholischen Kirche selig gesprochen.[5]

Kritik

“Todesengel von Kalkutta“

Ihr Leben lang verachtete Mutter Teresa das Diesseits so sehr, dass sie selbst den Kranken und Sterbenden in ihren Einrichtungen in Kalkutta keine schmerzlindernden Medikamente geben ließ, da die Kranken in ihrem Leid und ihrem Schmerz dem Herrn Jesus Christus so viel näher seien. Statt irdischer Hilfe bekehrte sie Tausende von Menschen, die sich in ihrer Obhut befanden, zum Christentum - zweifellos in dem Glauben, sie dadurch vor dem Höllenfeuer zu retten. Lebensrettende oder -verlängernde Maßnahmen waren in ihrem Sterbehospiz jedoch unerwünscht, da Teresa nach erfolgter Bekehrung das Bett frei haben wollte, um weitere Seelen retten zu können.

Die Patienten mussten im Sterbehaus vielfach auf primitiven Feldbetten in großer Zahl auf engstem Raum vegetieren und auch die Nahrungsversorgung war nicht immer im nötigen Umfang gewährleistet.[6]

Der indische Arzt und Autor Aroup Chatterjee bezweifelt in seinem Buch "The final verdict" sogar, dass die Hilfstätigkeit in Kalkutta überhaupt stattgefunden habe ("36.000 Kranke, die sie von der Straße aufgesammelt habe. Ich fand keinen einzigen Menschen, dem das passiert ist [...] Krankenwagen des Ordens sind zum Fahrdienst für die Nonnen umgebaut worden, und bei Hilferufen verwies der Orden auf die Ambulanz von Kalkutta.")[7] Als Chatterjee ihre Einrichtungen besuchte, fand er dort katastrophale medizinische Verhältnisse vor, weit unter dem Standard der anderen Krankenhäuser Kalkuttas. Am schlimmsten war, dass die Ordensschwestern, die keine medizinische Ausbildung hatten, dieselbe Injektionsnadel für alle Patienten benutzten und damit Infektionskrankeiten wie Hepatitis und AIDS auf andere übertrugen.

Die wichtigste Aufgabe der des Ordens war nicht Speisung, Pflege oder Heilung, sondern schon immer die Missionsarbeit. Teresas Ansinnen war es, Seelen zu retten, nicht Leben. Und ein besonders qualvoller Tod kann da sehr hilfreich sein: „Es ist etwas sehr Schönes, wenn man sieht, wie die Armen ihr Kreuz tragen. Wie die Passion Christi, ist ihr Leid ein großes Geschenk für die Welt". Die Sterbenden wurden zwar nicht behandelt, aber immerhin noch ohne ihr Wissen und im Allgemeinen gegen ihren Willen getauft.[8]

Viele Slumbewohner hatten daher große Angst, dem „Todesengel von Kalkutta“ zu begegnen.

Auch für die in den Einrichtungen tätigen Nonnen und Praktikanten waren die Arbeitsbedingungen miserabel: Der Kauf technischer Geräte wie Waschmaschinen wurde abgelehnt. Wäsche und Geschirr musste per Hand gereinigt werden. An persönlichen Schutzausrüstungen wie Gummihandschuhen und Mundschutz wurde gespart, so dass diese mehrfach verwendet wurden. Patienten mussten vom Personal selbst geschleppt werden, weil es an einfachsten Hilfsmitteln fehlte.[9]

Fehlende Hilfe in Krisensituationen

Bei Krisen auf dem Subkontinent spielte Teresas Orden praktisch keine Rolle. Oftmals war Teresa während großer Katastrophen in ihrer zweiten Wahlheimat Rom, in den Vereinigten Staaten, oder auf internationaler Anti-Abtreibungstour. Selbst bei dem Industrieunglück in Bhopal im Dezember 1984, bei dem viele Menschen umkamen, hatte sie nur zu sagen: "Forgive, forgive." (Vergebt, vergebt.). Weder sie noch ihr Orden spielte bei der Versorgung der Opfer eine nennenswerte Rolle.[10]

Teresa als Gegnerin von Abtreibung und Familienplanung

Teresa war, ganz im Sinne konservativer katholischer Anschauung, eine entschiedene Gegnerin der Abtreibung, die sie unter anderem als "größte[n] Zerstörer des Friedens" bezeichnete. Im selben Kontext geriet auch ihre Ablehnung von künstlicher Verhütung in die Kritik. Selbst in Fällen von Massenvergewaltigungen und Inzest sprach sie sich strikt gegen Abtreibung aus und betrieb international Lobbyismus für entsprechende Gesetze. Über die Abtreibung äußerte sie sich bei der Nobelpreisverleihung im Jahr 1979:

"Doch ich glaube, dass der größte Zerstörer des Friedens heute die Abtreibung ist, denn sie ist ein unmittelbarer Krieg, eine unmittelbare Tötung, eine unmittelbare Ermordung durch die Mutter selbst. (...) Heute ist Abtreibung das größte Böse, der größte Gegner des Friedens. Wir, die wir heute hier sind, wurden von unseren Eltern gewollt. Wir würden nicht hier sein, wenn unsere Eltern uns nicht gewollt hätten."[10]

Gegen die Verwendung von Kondomen predigte sie ebenso scharf wie gegen Abtreibung, wann immer sie in politischer Mission unterwegs war.

Dubiose Finanzgeschäfte

Teresas Orden ist der reichste der Welt, die jährlichen Einnahmen werden teils auf dreistellige Millionenbeträge geschätzt. Preise, Stiftungsgelder, Spenden werden vereinnahmt; aber was genau mit dem Geld passiert, weiß niemand bzw. niemand verrät es.[8]

Teresa nahm auch Gelder an, die aus dubiosen Quellen stammten. 1,25 Millionen Dollar erhielt sie vom Betrüger Charles Keating, der die US-amerikanischen Sparkassen um 252 Millionen Doller beschwindelt hatte. Die Leidtragenden waren zumeist Kleinsparer. Im Prozess sagte sie zugunsten Keatings aus, den sie als engagierten Christen und Kämpfer gegen die Pornografie kennen- und schätzen gelernt hatte. Einer Bitte der Staatsanwaltschaft, die aus dem Betrug stammende Spende doch zurückzugeben, mochte sie nicht nachkommen.

Der Orden erhielt zwar reichlich Spendengelder, die jedoch zum größten Teil auf die Konten des Ordens sowie an den Vatikan überwiesen wurden. Die Ordensführung sprach sich sogar strikt dagegen aus, das Geld zur Anschaffung z.B. neuer medizinischer Geräte zu verwenden.[11]

Freundschaft mit dem haitianischen Diktator

Dem haitianischen Diktator Jean-Claude Duvalier fühlte sich Teresa verbunden. Sie reiste z.B. 1981 nach Haiti, um dort die höchste Auszeichnung des Landes entgegenzunehmen. Sie bedankte sich mit einer Rede, in der sie behauptete, Duvalier und seine Frau Michèle liebten die Armen und diese verehrten ihn deshalb so.[1]

Literatur

  • Aroup Chatterjee: Mother Teresa: The Final Verdict, Meteor Books, India, 20. Dezember 2002, (engl.) ISBN-10: 8188248002, ISBN-13: 978-8188248001
  • Christopher Hitchens: „The Missionary Position, Mother Teresa in Theory and Practice“ (engl.), Verso 1997 ISBN 185984054X

Anderssprachige Psiram-Artikel

Weblinks

Quellenverzeichnis