Memon

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Luftionisations-Transformer (oben) und KFZ-Transformer
Winfried Dochow (l.) und Hans Felder

Die auf dem Esoterikmarkt vertriebenen Memon Transformer und Memonizer (so der Produktname seit 2011) sollen als Elektrosmog-Schutzprodukte Elektrosmog bekämpfen, die Luft- und Wasserqualität heben, Erdstrahlen neutralisieren, Benzin sparen und vieles mehr. Für verschiedene Einsatzbereiche gibt es jeweils spezielle Transformer, für die allesamt kein seriöser Nachweis einer Wirksamkeit existiert. Die Verbraucherzentrale NRW warnte 2006 ausdrücklich vor den Produkten.

Allgemeines

Die Memon Transformer bestehen aus Behältern, in denen sich dem Hersteller zufolge "ein Steuerstreifen aus Metall- und Magnetfolie sowie Siliziumquarz als Speichermedium" befinden. Einige Produkte bestehen auch einfach aus den in der Branche beliebten Folien und Aufklebern z.B. für Mobiltelefone (siehe Abschnitt Aufkleber und "Chips" im Artikel Elektrosmog-Schutzprodukte).

Konkrete Wirkversprechen wie die Einsparung von Benzin werden inzwischen nicht mehr abgegeben, lediglich beim memonizerHeating wird eine "Senkung der Betriebskosten" der Heizungsanlage behauptet, was mit der angeblichen Verhinderung von Kalkablagerungen durch das Gerät begründet wird. Ansonsten werden kaum nachprüfbare Aussagen getätigt, dass die Produkte einen vorteilhaften Einfluss auf die Gesundheit haben sollen.

Als Erfinder gilt Winfried Dochow, der 1992 in Soltau in Niedersachsen ein Institut für bioenergetische Analysen[1] gründete, in dessen Rahmen er u.a. Kurse zur Benutzung von Einhand-Wünschelruten anbietet. 2002 wurde in Rosenheim die Firma Memon Umwelttechnologie GmbH gegründet; derzeit heißt sie memon bionic instruments GmbH. Geschäftsführer ist Hans Felder. memon, IPICT, MEMON NATÜRLICH GESUND, LEBEN SIE AUCH SCHON MEMON und RESOCHRON sind eingetragene Wortmarken von Hans Felder.

Die Erzeugnisse werden mit MLM vermarktet.[2] Einige Produkte werden auch direkt von der Firma Memon verkauft.

Produkte

  • memonizerMobile, memonizerMobile/iPhone und memonizerBluetooth (Ein Stück Folie bzw. laminiertes Papier für rund 100 €, das ins Batteriefach eines Mobiltelefons gelegt werden und eine "Harmonisierung der Schadinformationsfrequenzen" bewirken soll.
  • memonizerCar (früher: KFZ-Transformer) in verschiedenen Größen
  • memonizerCombi (soll aus dem Luftionisations-Transformer und dem E-Smog Transformer hervorgegangen sein)
  • memonizerWorkstation (früher Arbeitsplatz-Transformer und Soloplus-Transformer). Eine 5fach-Steckdosenleiste, die gegen Elektrosmog schützen und andere gesundheitliche Vorteile bewirken soll, z.B. den "Schutz des Immunsystems" und "mehr Vitalität und Lebensqualität".
  • memonizerHeating (früher: Heizungs-Transformer)
  • memonizerSolar, soll Betreiber von Photovoltaik-Anlagen "vor negativer Informationsstrahlung" schützen
  • memonizerWater (früher "WaterTransformer"), memonizerFlatwater und memonizerPool (früher: Pool-Transformer)
  • Combifon. Ein besonders einfach gehaltenes Handy mit wenigen großen Tasten, wie sie ohne Vertragsbindung für unter 100 € erhältlich sind. Beim Combifon (Preis: 198 €) werde allerdings "die gesundheitsgefährdende Handystrahlung [...] neutralisiert", und zwar "bei gleichbleibender Feldstärke".
  • Resochron Armbanduhr. Eine Armbanduhr, die mit dem in der Esoterikszene modischen Begriff der Schumann-Resonanz beworben wird. Diese soll in der Uhr durch einen "Informationschip" wirksam sein und das "Erreichen eines körperlichen, emotionalen und mentalen Gleichgewichts" erleichtern.

Pseudowissenschaft

Memon-Werbeseite mit Nennung von Fritz-Albert Popp und seiner "Biophotonenanalyse"[3]

Geworben wird mit einer beachtlichen Fülle von frei erfundenen Begriffen und inhaltslosen Imponierphrasen: Schädliche Strahlung werde durch ein "Prinzip der Gegenresonanz durch die im Transformer enthaltenen Informationen neutralisiert/transformiert", memon Transformer sollen "durch destruktive Interferenz Ihre Umgebung frei von pathogenen (=krankmachenden) Informationswellen" machen, wozu selbstverständlich "Skalarwellentechnik" genutzt werde, es werde "durch gezielte energetische Quantentransformation die Umgebung wieder in den ursprünglich von der Natur vorgesehenen Bereich zurückgeführt (=Polarisation)", der MemonizerCar (früher: KFZ-Transformer) könne durch "Umpolarisierung des gesamten Fahrzeuges in den rechtspolaren Bereich" den Luftwiderstand verringern, und so weiter. Beim Wasser beruft sich Memon auch auf ein pseudowissenschaftliches Analyseverfahren namens Wasserreifemethode.

Die Firma Memon Umwelttechnologie bzw. Winfried Dochow will auch eine "Informations-Polarisations-Interferenz-Chip-Technologie" (ipict) erfunden haben, die in den Produkten eingesetzt werde und die eine "ganzheitliche Technologie" sei, die "auf der Basis gezielter, energetischer Quantentransformation [...] auf feinstofflicher Ebene" wirke.

Zur pseudowissenschaftlichen Begründung der Funktion wird auch auf Fritz-Albert Popp und seine Biophotonen verwiesen[3] sowie auf andere Gutachten, z.B. von der Hagalis AG, die eine erhöhte Qualität von Leitungswasser festgestellt haben soll, welches "mit memon harmonisiert" wurde. Positive Befunde zu Memon-Tranformern seien ferner durch "Physikalisch-medizinische Resonanzmessung (PMR)" festgestellt worden, die allerdings außer in der Memon-Werbung nirgendwo erwähnt werden. Bei der Methode sollen "Schwingungsfrequenzen von Schadinformationen [...] auf Globuli gespeichert" und ein "Resonanzgerät" und ein Tensor eingesetzt werden.

Von einer schweizerischen Verbraucherzeitschrift beauftragte Messungen, in denen "keinerlei Wirkung nachweisbar" war, kommentierte der Memon-Vetrieb so: "Die Memon-Technologie kann nicht mit herkömmlichen physikalischen Messungen getestet werden. Denn sie ändert die pathologische Information bei den Strahlungen und nicht deren Stärke."[4]

Die Werbeaussage "Der Name Ipict® wurde am 18.02.2005 beim Patentamt eingetragen" ist ebenfalls nicht seriös: Das Wort "Patentamt" suggeriert eine besondere Qualität, tatsächlich handelt es sich aber nur um die Eintragung einer Wortmarke ins Markenregister des Deutschen Patent- und Markenamtes, die für jedermann möglich ist und nichts über das Produkt aussagt.

Memon-Werbung in Buchform

EU-Umweltakademie

Die Firma Memon unterhält den Verlag "EU-Umweltakademie GmbH", Geschäftsführerin ist Erika Felder. Die zugehörige Internetseite gibt sich einen offiziellen und unabhängigen Anstrich und ist zunächst nicht unbedingt als kommerzielle Werbeseite erkennbar. Es werden Texte zu Umweltfragen verbreitet mit dem Schwerpunkt Strahlung von Mobiltelefonen, ferner vermeintliche Berichte aus der Wissenschaft, nach denen Forscher die Schädlichkeit von "Störzonen" und auch die Gaia-Hypothesese "belegt" hätten, usw.

Besonders intensiv wird für das Buch Die memon-Revolution von Ferry Hirschmann (geb. 1941) geworben, einem Anhänger der Radiästhesie und von pseudomedizinischen Verfahren, der einige Bücher zu alternativmedizinischen Themen veröffentlicht hat. Als weitere Autoren und Werke genannt werden Bernd Bruns (Achtung Wasser – Einblicke in die Seele des Wassers), Johan Calleman (Der Maya-Kalender und die Transformation des Bewusstseins), Ekkehard Sirian Scheller (Candidalismus - getarnte Pilze und Parasiten im Blut) und Klaus Scheidsteger (Zivilcourage – Die Wahrheit über unsere Handys).

Anderssprachige Psiram-Artikel

Quellennachweise und Anmerkungen

  1. Institut für bioenergetische Analysen, Freiherr-vom-Stein-Str. 23, 29614 Soltau
  2. Ein sehr aktiver Anbieter ist oder war z.B. der Berliner Peter Lindt, der gleichzeitig in der KRR-Szene als "Reichspräsident" einer "Provisorischen Regierung der Nationalen Einheit des Deutschen Reichs" fungiert und in "Groß-Berlin" auch einen "Stammtisch" des Neue Impulse Treff betreibt. Andere Vertriebspartner stellen sich auf einer entsprechenden Internetseite der Firma Memon als Geopathologen, Baubiologen, Heilpraktiker, "Rayotroniker" und Bettenhändler vor. Mehrere Zahnärzte bieten außerdem "memon informierten" Zahnersatz an.
  3. 3,0 3,1 http://www.memon.eu/forschung/studien/biophotonenanalyse.html Aufruf am 27. Juni 2010
  4. Mit ein bisschen Papier gegen Handy-Strahlen. Gesundheitstipp.ch, 7. Juli 2010