Karl und Veronica Carstens-Stiftung

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Aufgabe und Auftrag (Webseite der Carstens-Stiftung 2010)

Die in Essen ansässige Karl und Veronica Carstens-Stiftung (KVC) wurde 1982 vom damaligen deutschen Bundespräsidenten Karl Carstens (1914 - 1992) und seiner Ehefrau Veronica Carstens (1923 - 2012) mit dem Ziel gegründet, Alternativmedizin, vor allem Homöopathie, finanziell zu fördern und gleichberechtigt neben die wissenschaftliche Medizin zu stellen.[1] Der Sitz der Stiftung ist in Essen.

Markus Grill und Veronika Hackenbroch bezeichnen die Stiftung in einem Artikel von Der Spiegel als „Lobbyverein“ der pseudowissenschaftlichen Homöopathie. Mit 1,5 Millionen Euro jährlich würde keine andere Institution diese an deutschen Hochschulen so massiv fördern. Die Stiftung stelle allen medizinischen Fakultäten in Deutschland finanzielle Unterstützung in Aussicht, wenn sie Homöopathie als Wahlpflichtfach für die Studenten anbieten würden. Grill und Hackenbroch beurteilen diese Förderung als „Rückfall ins Mittelalter“.[2] Dieser Kritik schließt sich auch Bernd Kramer in einem Artikel der Tageszeitung taz an.[3] Bei der von der Stiftung finanzierten Professur für Komplementärmedizin an der Berliner Charité gehe es offenbar nicht um eine ernsthafte Überprüfung der Komplementärmedizin, sondern lediglich „um wissenschaftlich bemäntelte Bestätigung“. Edzard Ernst kritisierte die Lehrstuhlinhaberin Claudia Witt für deren Einstellung, die Wirksamkeitsnachweise nach den etablierten Kriterien der evidenzbasierten Medizin für alternativmedizinische Behandlungsmethoden für unangemessen zu halten.[4] Auch Ernst-Ludwig Winnacker, langjähriger Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, kritisiert den Einzug der Esoterik in die akademische Welt und die Aktivitäten der Stiftung. Eine Universität müsse „nicht alles machen, und Homöopathie und Anthroposophie gehören eindeutig nicht zu ihren Aufgaben“. Hier bekämen „Dinge einen wissenschaftlichen Anstrich, den sie nicht verdienen.“[5]

Ziele der Stiftung

In § 2 der Stiftungssatzung heisst es laut eigener Webseite (2010):

Zweck der Stiftung ist die Förderung der wissenschaftlichen Durchdringung von Naturheilkunde und Homöopathie sowie unkonventioneller Methoden in der Medizin.

Auf der Webseite der Stiftung heisst es mit Stand von September 2020:

Der Arzt und die Ärztin der Zukunft sollen zwei Sprachen sprechen, die der Schulmedizin und die der Naturheilkunde und Homöopathie. Sie sollen im Einzelfall entscheiden können, welche Methode die besten Heilungschancen für den Patienten bietet.
Diesem Leitsatz der Stifterin Dr. Veronica Carstens sind wir verpflichtet.

Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung fördert vor allem Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Homöopathie. Hierzu gehören Grundlagenforschung, klinische Studien, Feldforschung, Reviews/Meta-Analysen und Geschichte. Weitere Gebiete sind Phytotherapie, Naturheilkunde nach Kneipp, und Traditionelle Chinesische Medizin.

Beispielsweise unterstützte die Stiftung 2005 an der Charité Berlin Versuche unter der Leitung von Claudia Witt zum Einsatz des REDEM-Tests zur Unterscheidung homöopathischer Potenzen.[6] Ab Sommersemester 2010 fördert die Stiftung generell die Einführung des Wahlpflichtfaches Homöopathie an medizinischen Fakultäten. Medizinische Fakultäten können dann Fördermittel in Höhe von bis zu 750 Euro pro Semester pauschal beantragen, wenn Sie das Wahlfach anbieten wollen. Neben der Mittelvergabe sieht die Carstens-Stiftung ihre Aufgabe insbesondere darin, die Universitäten bei der Suche nach Referenten zu unterstützen und ihnen Curricula zur Verfügung zu stellen.[7]

Weiterhin wurde eine Stiftungsprofessur von Claudia Witt am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité am Institut für einen Zeitraum von fünf Jahren und mit einer Fördersumme von einer Million Euro[8] sowie das Modellprojekt „Homöopathie in der Pädiatrie“ am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München gefördert.[9]

Siehe auch: Universitäten mit pseudowissenschaftlichen Lehr- und Forschungsinhalten

Weitere von der Stiftung geförderte Maßnahmen sind u.a. die Promotionsförderung und die Förderung studentischer Arbeitskreise. Neben der Projektförderung betreibt die Stiftung auch eigene Vorhaben, z.B. Homöopathie in der Tierheilkunde.

Fördergemeinschaft „Natur und Medizin“

Die Carstens Stiftung steht hinter dem Verein Fördergemeinschaft Natur und Medizin (Natur und Medizin e.V.), der eine eigene Webseite betreibt.[10] Artikel haben Titel wie "Honig, die Heilkraft aus der Wabe". In Zeitschriften des Verlags werden homöopathische Behandlungen gegen Endemetriose, Depression, Nagelpilz und sogar bei Mittelohrentzündung empfohlen. Für keine der genannten Erkrankungen liegen klinische Studien vor, die eine Wirksamkeit der Homöopathie aufzeigen. Angeboten wird beispielsweise das Heft "Mittelohrentzündung" der Autorinnen Annette Kerckhoff und Sigrid Kruse. Dazu heisst es in der Buchwerbung vom Verein:

Wenn kleine Kinder Schnupfen haben, drohen auch schnell Ohrenschmerzen. Und wenn die Nase zu lange verstopft ist, wird aus Ohrenschmerzen schnell eine Mittelohrentzündung, in der Fachsprache Otitis media genannt. Die akute Otitis ist eine der häufigsten Infektionserkrankungen im Kindesalter. Nach neuen Erkenntnissen kann man bei unkomplizierten Verläufen bis zu 48 Stunden warten, bevor man Antibiotika verordnet – eine gute Zeit, um Behandlungsversuche mit Homöopathie und Naturheilkunde zu unternehmen. Denn diese Verfahren können gute Dienste leisten: zur Schmerzlinderung, zum Abschwellen der Schleimhäute oder zur Stärkung des Allgemeinbefindens.

Der Verein wurde von Jens Behnke auch für polemische Kritik über Kritiker der Homöopathie genutzt.[11]

Mitglieder

  • Jens Behnke, Philosoph und wissenschaftlicher Referent bei der Carstens-Stiftung

Studentische Arbeitskreise

Die studentischen Arbeitskreise dienen dazu, pseudomedizinische Verfahren wie die Homöopathie bereits unter Studierenden bekannt zu machen und zu etablieren, mit dem Ziel, diese in Lehre und Forschung der Hochschulen zu verankern. Zudem wird angestrebt, dass die Studierenden durch den Kontakt mit der Pseudomedizin diese auch in ihrem späteren Berufsleben ausüben. Derzeit wird praktisch jede studentische Initiative zur Einrichtung von Lehrveranstaltungen für Pseudomedizin an deutschen Universitäten unterstützt. Finanziert werden hier vor allem Referentenhonorare und Reisekosten. Die studentischen Arbeitskreise sind bundesweit untereinander vernetzt. Als Plattform dafür dient das Wilseder Forum - studentische Arbeitskreise Homöopathie.

Die Vorstellung der Carstens-Stiftung ist es, dass eine neue Ärztegeneration heranwächst, die der Homöopathie aufgeschlossener gegenübersteht. Sie verfolgt langfristig das Ziel, die Homöopathie an den medizinischen Fakultäten zu festigen und schließlich die Institutionalisierung der Homöopathie an den Universitäten zu erreichen. Damit versucht sie, pseudomedizinischen Methoden einen wissenschaftlichen Anstrich und universitäres Ansehen zu verleihen und mit der evidenzbasierten Medizin gleichzustellen.

Sonstiges

Die Stiftung betreibt einen eigenen Verlag, den KVC Verlag, der Bücher zu den Themen Homöopathie, anderen pseudomedizinischen Verfahren, Küchenkräutern und ätherischen Ölen verlegt. Er wurde 1998 als Projekt der Carstens-Stiftung gegründet.

Chefstatistiker der Karl und Veronica Carstens-Stiftung war der Diplom-Statistiker Rainer Lüdtke. Lüdtge veröffentlichte mit Manfred Doepp einen Artikel in CoMed in welchem die Autoren versuchten ohne Kontrollgruppe für das Scharlataneriegerät Raymaster eine Art von Wirksamkeit nachzuweisen.

Von Oktober 1993 bis Dezember 1999 förderte die KVC-Stiftung unter der Bezeichnung "Biometrisches Zentrum Erfahrungsmedizin" (BZE) die Stelle eines Biometrikers am Institut für medizinische Informationsverarbeitung der Eberhardt-Karls-Universität in Tübingen.

Leiter des Referats „Homöopathie in Forschung und Lehre“ der Carstens-Stiftung ist Jens Behnke, der bei Harald Walach promovierte.

In einer Pressemitteilung vom 4. Februar 2011 erklärte die Carstens-Stiftung, dass die Aktion 10:23 am 5. Februar 2011 der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) zur Einnahme einer „Überdosis“ Globuli einer genehmigungspflichtigen klinischen Prüfung gleichkomme.[12] Allerdings lässt die Carstens-Stiftung dabei außer Acht, dass die meisten homöopathischen Mittel durch keinerlei klinische Tests geprüft wurden, weder auf Wirksamkeit, noch auf Nebenwirkungen. Zudem enthalten die frei verkäuflichen Einzelmittel noch nicht einmal einen Dosierungshinweis.

Weblinks

  • www.carstens-stiftung.de

Quellenverzeichnis