Ganzkörperhyperthermie bei der SMT nach von Ardenne
Ganzkörperhyperthermie in Narkose bei 44-47 Grad C. (Bild: [1])

Als Hyperthermie (präziser: therapeutische Hyperthermie) werden in der Medizin verschiedene Verfahren bezeichnet, denen gemeinsam ist, dass es zu einer Erhöhung der Temperatur des Körpergewebes zu therapeutischen Zwecken kommt. Therapeutische Hyperthermiekonzepte werden zur Zeit experimentell bei Krebserkrankungen wissenschaftlich erprobt. Die onkologischen Fachgesellschaften empfehlen, die Hyperthermie nur im Rahmen kontrollierter Studien anzuwenden. Weiterhin wird geraten, sie stets in Kombination mit Strahlen- oder Chemotherapie durchzuführen, um die Wirkung zu verstärken. Hyperthermie sollte nicht als einzige Therapie angewendet werden.

Verschiedene Hyperthermieverfahren spielen jedoch seit längerer Zeit eine Rolle als etablierte Verfahren in Bereichen der Alternativmedizin, insbesondere der Anthroposophischen Medizin und der umstrittenen Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie (SMT) nach Manfred von Ardenne. Die Kosten für Verfahren der Hyperthermie werden von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland von Ausnahmen abgesehen nicht erstattet, da die Wirksamkeit nicht sicher belegt ist.[1] Laut Information des Deutschen Krebsforschungszentrums ist die Hyperthermie keine Standardbehandlung der Krebserkrankung. Sie solle nur im Rahmen von kontrollierten klinischen Studien zur Anwendung kommen. (Stand: Oktober 2011) [2]

Hyperthermieverfahren

Grundsätzlich wird zwischen aktiver und passiver Hyperthermie unterschieden, sowie zwischen einer Ganzkörperhyperthermie und einer lokoregionalen Hyperthermie. Im ersten Fall wird die Temperatur des gesamten menschlichen Körpers erhöht, im zweiten Fall nur eines Teils des Körpers.

  • Bei der aktiven Hyperthermie wird über eine Beeinflussung der körpereigenen Thermoregulation die Körperkerntemperatur erhöht, so wie dies auch beim Fieber der Fall ist. Hier kann auch von einer Fiebertherapie gesprochen werden. Ein zu diesen Zwecken eingesetztes Mittel war Pyrifer.
  • Bei der passiven Hyperthermie sorgen Maßnahmen außerhalb des Körpers für eine Erhöhung der Körpertemperatur oder von Teilen des Körpers.

Eine weitere Unterteilung unterscheidet nach der Größe des erwärmten Bereiches oder der Art der Erwärmung.[3] Therapeutische Hyperthermieverfahren in der Behandlung von Krebserkrankungen werden auch als Onkothermie oder Oncothermie bezeichnet. Einzelne, patentierte Verfahren haben davon abweichende Bezeichnungen.

Wirkungsweise

Die biologischen Effekte der Überwärmung setzen bei Tmperaturen zwischen 42,5 C und 43 C ein. Es kommt dabei zu einer Erweiterung der Blutgefäße im Tumor. Das bewirkt, dass Chemotherapeutika besser in den Tumor gelangen. Tumorzellen sind außerdem empfindlich gegenüber Wärme.

Ein weiterer Effekt ist die Verstärkung der Wirkung der Strahlentherapie. In Tumoren wachsen Blutgefäße ungeregelt und das Innere großer Tumoren ist meist arm an Sauerstoff. Da die Wirkung der Strahlentherapie auf Sauerstoffradikalen besteht, sind sauerstoffarme Bereich weniger strahlungsmpfindlich. Durch die Erhöhung der Durchblutung könnte dieser Effekt verringert werden, indem mehr Sauerstoff in das Tumorinnere gelangt. Daran ist ableitbar, dass Hyperthermie nicht als alleinige Behandlung gegen Krebs infrage kommt, sondern legiglich als ergänzende Therapieoption.

Bei Temperaturen über 42 C bilden sich im Körper Hitzeschockproteine, die das Immunsystem anregen. Dabei werden hitzegeschädigte Zellen von den T-Lymphozyten beseitigt. Da Tuorzellen hitzeempfindlich sind, könnte das Immunsystem bevorzugt den Tumor angreifen.[4]

Wirksamkeit

Einzig beim Gebärmutterhalskarzinom sowie bei Magenkrebs kann nach heutiger Evidenzlage von einem Nutzen der Hyperthermie augegangen werden, allerdings nur in Kombination mit einer Strahlen- oder Chemotherapie.

Siehe auch

Weblinks

Quellennachweise