Hundertjähriger Kalender: Unterschied zwischen den Versionen

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Unter dem Namen des wahren Verfassers kam das Calendarium erstmals 1704 in Kulmbach heraus. Seit 1720 erscheint das Werk immer häufiger unter dem Titel „Hundertjähriger Kalender“, so benannt nach der Übersichtstabelle über die Verteilung der Jahre unter die einzelnen Planeten. Auch heute noch erscheint der Hundertjährige Kalender in mehreren Verlagen.
 
Unter dem Namen des wahren Verfassers kam das Calendarium erstmals 1704 in Kulmbach heraus. Seit 1720 erscheint das Werk immer häufiger unter dem Titel „Hundertjähriger Kalender“, so benannt nach der Übersichtstabelle über die Verteilung der Jahre unter die einzelnen Planeten. Auch heute noch erscheint der Hundertjährige Kalender in mehreren Verlagen.
 
   
 
   
Der hundertjährige Kalender fußt auf vielen Fakten, die zu Lebzeiten Knauers unbekannt waren, z.B. dass sich die Erde um die Sonne dreht, dass der Mond kein Planent ist und dass es mehr als sieben Planeten in unserem Sonnensystem gibt. Es war unbekannt, dass die Gravitationskraft die Planeten des Sonnensystems, darunter die Erde, in auf ihrer Umlaufbahn hält. Und zu Knauers Zeit konnte man nicht wissen, dass die sich im Jahresverlauf verändernde Sonneneinstrahlung in Verbindung mit der Neigung der Erdachse die Jahreszeiten entstehen lässt und dass das Wetter von Jahr zu Jahr erheblich schwanken kann - unabhängig von einem siebenjährigen Rhythmus. Daher sind die Annahmen Knauers widerlegt. In der modernen Meteorologie spielt der Hundertjährige Kalender keine Rolle.
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Der hundertjährige Kalender geht von falschen Annahmen aus, weil viele Fakten hinsichtlich der Entstehung der Jahreszeiten zu Lebzeiten Knauers unbekannt waren. Insbesondere konnte man nicht wissen, dass die sich im Jahresverlauf verändernde Sonneneinstrahlung in Verbindung mit der Neigung der Erdachse die Jahreszeiten entstehen lässt und dass das Wetter von Jahr zu Jahr erheblich schwanken kann - unabhängig von einem siebenjährigen Rhythmus. Daher sind die Annahmen Knauers widerlegt. In der modernen Meteorologie spielt der Hundertjährige Kalender keine Rolle.
  
 
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Version vom 4. August 2010, 10:13 Uhr

Hundertjähriger Kalender, Ausgabe v. 1924

Der Hundertjährige Kalender ist eine Zusammenstellung von Wettervorhersagen. Er wurde im 17. Jahrhundert von Mauritius Knauer (geb. 1613 oder 1614; gest. 1664), von 1649 bis 1664 Abt des Cisterzienser-Klosters Langheim als Calendarium oeconomicum practicum perpetuum verfasst. Das Buch sollte ihm und seinen Mönchen ermöglichen, das Wetter in Franken vorherzusagen und so die klösterliche Landwirtschaft zu optimieren.

Als Grundlage für den Hundertjährigen Kalender verwendete Knauer astrologische Vorstellungen, die darauf fußten, dass jeweils einer der damals bekannten sieben „Planeten“ Mond, Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus und Merkur für jeweils ein Jahr lang, beginnend von Frühlingsbeginn bis zum Winterende das Wetter entscheidend beeinflusst. Dabei, so Kanuers Vorstellung, wechseln sich die Himmelskörper in einer festen Reihenfolge einander in der Regentschaft ab.

Diese Reihenfolge der Himmelskörper beruht auf der Chaldäischen Reihe, in welcher die Planeten hierarchisch nach ihrer Geschwindigkeit geordnet werden, beginnend mit dem Saturn. Der jeweilige Jahresregent ist derjenige Planet, dessen Position in dieser Reihe sich aus dem Ergebnis der Division einer um vier verminderten Jahreszahl durch sieben als Rest ergibt, wobei kein Rest der letzten Position (gleich Mond) entspricht. So ordnete Knauer jedes der sieben Jahre einem Planeten zu.

Entsprechend dieser Vorstellungen soll es genügen, das Wetter über den siebenjährigen Zeitraum beobachten, in dem der Turnus des Wechsels aller sieben Himmelskörper einmal stattgefunden hat. Danach soll sich das Wetter wiederholen, allerdings mit der Einschränkung, dass zusätzliche, astrologisch bedeutsame Faktoren wie Kometen, Sonnen- und Mondfinsternisse zusätzlich Einfluss auf das Wetter nehmen.

Das Calendarium wurde 1700 erstmals von dem in Tennstedt, später in Erfurt tätigen Arzt Christoph von Hellwig veröffentlich. Er ließ lediglich die lateinischen Passagen weg und behauptete, der Kalender sei einhundert Jahre alt.

Unter dem Namen des wahren Verfassers kam das Calendarium erstmals 1704 in Kulmbach heraus. Seit 1720 erscheint das Werk immer häufiger unter dem Titel „Hundertjähriger Kalender“, so benannt nach der Übersichtstabelle über die Verteilung der Jahre unter die einzelnen Planeten. Auch heute noch erscheint der Hundertjährige Kalender in mehreren Verlagen.

Der hundertjährige Kalender geht von falschen Annahmen aus, weil viele Fakten hinsichtlich der Entstehung der Jahreszeiten zu Lebzeiten Knauers unbekannt waren. Insbesondere konnte man nicht wissen, dass die sich im Jahresverlauf verändernde Sonneneinstrahlung in Verbindung mit der Neigung der Erdachse die Jahreszeiten entstehen lässt und dass das Wetter von Jahr zu Jahr erheblich schwanken kann - unabhängig von einem siebenjährigen Rhythmus. Daher sind die Annahmen Knauers widerlegt. In der modernen Meteorologie spielt der Hundertjährige Kalender keine Rolle.

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