typisches Produkt

Himalayasalz ist ein rosafabenes Speisesalz, das ab etwa 2002 in Bioläden, Esoterikgeschäften, Reformhäusern und Onlineversandhäusern zu relativ hohen Preisen (10 bis 60 Euro/kg) als Nahrungsmittel angeboten und dem von seinen Verkäufern eine Vielzahl von gesundheitlichen Wirkungen zugeschrieben wird.

Preis und Herkunft

 
Halit Salzlampe

Beim Großhandel liegt der Kilopreis zwischen 5,88 und 9,71 Euro/kg, gleich aussehendes Salz aus polnischem Bergbau kostet weniger als 1 Euro/kg. Seine Färbung verdankt es geringfügigen Eisenoxidverunreinigungen. Himalayasalz wird fein gemahlen, als Granulat oder in Form von Halitbrocken angeboten. Aus den Halitbrocken werden außerdem sogenannte Salzlampen hergestellt. Weitere Handelsbezeichnungen sind Hunza-Kristallsalz, Ursalz, Christ-All-Salz, Zaubersalz, Kaisersalz oder Alexandersalz (weil es angeblich schon von Alexander dem Großen verwendet wurde). Ein bekannter Exponent der entsprechenden kommerziellen Anbieter des Himalayasalzes ist der Deutsche Peter Druf alias Peter Ferreira.

Angeblich soll dieses Salz aus dem Karakorum stammen, einem Gebirgszug südlich des Himalaya-Gebirges. Ähnliches, rosafarbenes Salz wird auch zur Herstellung von sogenannten Salzlampen verwendet, die teilweise billiger als die Handelsware Himalayasalz sind. Ferreira behauptete in diesem Zusammenhang, sein Himalayasalz werde in einem Stollen in 3.000 m Höhe in Kathmandu-Nähe von Hand abgebaut. Kathmandu liegt in Nepal. In ganz Nepal gibt es jedoch kein Salzbergwerk. Das Himalaya-Gebirge ein Faltengebirge, das als Folge der Plattenkollision Indiens mit Eurasien entstanden ist. Salzgestein (wie Halit) dagegen ist ein Evaporationsgestein, welches sich durch Verdunstung von Meerwasser absetzte. Höchstwahrscheinlich stammt das zu uns importierte Himalayasalz aus dem pakistanischen Salt Range (Punjab) südlich von Islamabad, also weit weg vom Himalaya-Gebirge. Dies ergab sich aus der Aussage eines Wiederverkäufers. Im Punjab gibt es tatsächlich Salzbergwerke mit Arbeitsbedingungen, die nicht mit europäischen Standards vereinbar sind. In dieser Gegend werden ca. 70% des weltweiten Bedarfs an Steinsalz abgebaut. Ein kleinerer Teil des als Himalayasalz vertriebenen Salzes stammt aus polnischem Bergbau.

Chemische Zusammensetzung

Wie andere unraffinierte Steinsalze besteht Himalayasalz aus ca. 97 bis 98% Natriumchlorid und einem kleinen Anteil von etwa sieben bis acht weiteren Mineralien wie Gips.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat 15 verschiedene Proben des Himalayasalzes untersucht und konnte nur insgesamt zehn Elemente finden.[1] Die rosa Farbe wird dabei auf die Anwesenheit von Algen[2] oder Eisenoxid zurückgeführt. Das ZDF-Magazin WISO hat 2006 Proben des so genannten Himalayasalzes an der Technischen Universität Clausthal untersuchen lassen. Auch dort wurden lediglich zehn Elemente festgestellt. Ein weiteres Ergebnis: In der untersuchten Probe war als Verunreinigung Polyhalit (Gips) enthalten. Gegenüber dem bekannten Küchensalz unterscheidet es sich nur dadurch, dass es mehr Verunreinigungen enthält, erklärt der Mineraloge Michael Siemann.

Himalayasalz enthält – wie jedes Speisesalz – abgesehen von Chlorid und Natrium, nur geringe Mengen an Mineralstoffen, zum täglichen Bedarf trägt es praktisch nichts bei. Der Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) erklärt: Kristallsalz als ‚reich an Mineralstoffen‘ zu bezeichnen, ist schlicht Irreführung des Verbrauchers. Nach Angaben des Verbandes der Ernährungswissenschaftler Österreichs sind in zwei Teelöffeln Himalayasalz 45 mg Calcium (Tagesbedarf: 1.000 mg), 5 mg Magnesium (Tagesbedarf: 300 mg) und 0,7 mg Eisen (Tagesbedarf: 10 mg) enthalten.

Anders als behauptet, finden sich im menschlichen Körper weniger als 30 Elemente – etwa zehn bilden praktisch die gesamte Körpersubstanz, elf sind essentielle Spurenelemente (vor allem als Bestandteil von Enzymen), einige weitere kommen je nach Umweltbedingungen in kleinsten Mengen vor, spielen aber für den Stoffwechsel keine oder eine schädigende Rolle (wie z.B. die Schwermetalle Quecksilber, Blei und Cadmium). Enthielte Himalayasalz tatsächlich über 80 Elemente, so wäre der Großteil von ihnen für den menschlichen Körper nutzlos oder giftig.

Sinnvoll wäre ein zusätzliche Zufuhr von Elementen sowieso erst bei einem nachgewiesenen Mangel an diesen.

Zweifelhafte Gutachten

Himalaya-Produkte der Marke Lichtkraft wurden von einem Institute of Biophysical Research in Teisendorf begutachtet, dessen Direktor Peter Ferreira war. Gleichzeitig war er selbst Inhaber der Firma Lichtkraft.

Kritik

Für die behaupteten positiven Auswirkungen der Aufnahme von Kristallsalz auf die Gesundheit gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Ein Nachweis dafür, dass mit Solelösung Schwermetalle oder Ablagerungen in den Gefäßen (Arteriosklerose) aus dem Körper ausgespült werden könnten, liegt nicht vor. Mit der in Mitteleuropa üblichen Kost wird ausreichend Salz aufgenommen, eine zusätzliche Zufuhr belastet den Stoffwechsel und die Nieren. Die Aussage, dass es möglich sei, mit Hilfe von Kristallsalz hohen Blutdruck (arterielle Hypertonie) zu senken, ist wissenschaftlich unhaltbar. So wird gerade Patienten mit salzabhängiger Hypertonie (Bluthochdruck) empfohlen, sich salzarm zu ernähren. Auch wird allgemein beklagt, dass in Deutschland zuviel Salz konsumiert werde. Auch Werbeaussagen im Hinblick auf eine angebliche Übersäuerung des Körpers und deren Behandelbarkeit durch Himalayasalz entbehren einer wissenschaftlichen Grundlage.

Salzkristalle sind im Unterschied zu Quarzkristallen auch nicht piezoelektrisch und können folglich nicht schwingen. Zur Informationsspeicherung sind Salzkristalle ungeeignet. Diese Aussagen gehören in den Bereich der Esoterik.

Die Zeitschriften 'Öko-Test' und Stiftung Warentest sprachen dem Himalaya-Salz jede besondere Wirkung ab. Es handele sich um 'üble Geschäftemacherei' und um eine Irreführung des Verbrauchers. Die Stiftung Warentest nannte die Preisgestaltung für Himalayasalz Verbrauchertäuschung[3].

Auch Tourism-Watch[4] sprach sich kritisch zu Himalayasalz aus: [...] Unbehandeltes Salz im Himalaya, das die Autorin aus jahrzehntelanger eigener Anschauung kennt, sieht jedoch ganz anders aus: entweder [...] blendend weiß [...] oder [...] schmutzig-grau.

Esoterische Annahmen

In einem Vortrag[5] behauptet Ferreira: "Wir haben z.B. im Rahmen unserer Studie im Salz-Heilstollen Personen, die sich von nichts anderem ernähren, als von lebendigem Wasser. Es wird sogar bewusst von unseren Medien unterdrückt, dass es weltweit tatsächlich Tausende von Menschen gibt, die nichts anderes zu sich nehmen als nur Wasser. Wir haben eine Frau dabei, die seit über 20 Jahren nichts isst und nur Wasser trinkt. Auch ein 4jähriges Kind ist dabei. Nachdem der Junge aufgehört hat Muttermilch zu trinken, ernährt er sich von nichts anderem als von Wasser. Dieser Junge will nichts essen und hat keine Mangelerscheinungen dabei. Und Gott-sei-Dank sind seine Eltern intelligent genug, dieses Kind jetzt nicht zwangsernähren zu wollen [...]. Diese Behauptungen erinnern an die ebenfalls im esoterischen Umfeld beliebte Lichtnahrung.

Irreführende Werbung mit Begriff "Himalayasalz"

Ein deutsches Kaufhausunternehmen, das Steinsalz aus der pakistanischen Region Punjab als "Himalayasalz" anbot, wurde im Oktober 2010 in zweiter Instanz vom Oberlandesgericht Köln dazu verurteilt die Werbung einzustellen (Unterlassung), da sie gegen das Gesetz zum unlauteren Wettbewerb UWG verstösst. Das verurteilte Unternehmen musste auch die gesamten Gerichtskosten tragen.[6] Das Gericht sah in diesem Falle eine "Irreführung über die geografische Herkunft eines Produktes". Zitat aus dem Urteil:

..Entgegen dem Berufungsvorbringen kommt es für das vom Landgericht ausgesprochene Verbot nicht entscheidend auf die dem Sachverständigenbeweis zugängliche Frage an, ob die Region, aus der das Steinsalz stammt, nach objektiven geografischen Begriffen zum Himalaya gehört; eine bindend definierte Herkunftsbezeichnung (vgl. OLG Hamburg, GRUR-RR 2004, 36 – Spreewälder Gurken) liegt ersichtlich nicht vor. Maßgebend ist vielmehr die durch Produktbezeichnung und Produktaufmachung geweckte Erwartung der angesprochenen Verbraucher, also eine vom Wettbewerbsgericht festzustellende Erfahrungstatsache. Wie das Landgericht zutreffend ausgeführt hat, verbindet der durchschnittlich informierte deutsche Verbraucher mit der Angabe “Himalaya” die Vorstellung von einer Hochgebirgsregion mit den höchsten Erhebungen der Erde. Durch die Aufmachung mit dem Bild eines schneebedeckten Gipfels wird diese Vorstellung noch verstärkt. Der aufmerksame Verbraucher, der nach Aufklappen des Faltetiketts erfährt, dass “Himalaya-Kristallsalz” vor mehr als 250 Mio. Jahren durch die Austrocknung eines Urmeeres entstanden sei, wird zwar kaum annehmen, dass der Salzabbau in extremer, gefahrvoller Höhe über dem heutigen Meeresspiegel außerhalb jeder Zivilisation unter Schnee und Eis erfolge. Trotz seiner Gewöhnung an werbliche Übertreibungen wird er aber zumindest davon ausgehen, dass das Salz in einem Tal oder am Fuß des Hochgebirgsmassivs gewonnen wird. Weniger zu Misstrauen veranlassen als in seinem Irrtum bestätigen wird ihn dabei das von der Berufung angeführte Beispiel des “Bad Reichenhaller” Markensalzes, für das mit dem Bild schneebedeckter Berge und der Angabe “Alpensalz” auf der Verpackung geworben wird (Anlage BB 3, Bl. 302 d.A.); denn dieses Salz stammt tatsächlich aus einer Saline am Alpenrand und gerade nicht aus der Fränkisch-Schwäbischen Alb oder dem äußersten Alpenvorland. Dagegen findet der Abbau des von der Beklagten angebotenen Steinsalzes unstreitig im Tagebau in einer vom Himalaya-Massiv durch eine dichtbesiedelte Ebene getrennten, rund 200 km entfernten Hügellandschaft statt. Damit rechnet auch kein besonders aufmerksamer Verbraucher, der den englischsprachigen Text auf dem Etikett entziffert, wo von Salzminen Alexanders des Großen in den Regionen Karakorum (mit dem zweithöchsten Berg der Erde) und Kaschmir (am Hindukusch) die Rede ist.
9. Zur Recht hat das Landgericht die in Rede stehende Täuschung der Verbraucher als spürbare Wettbewerbsbeeinträchtigung angesehen, weil damit für die Preisbildung bedeutsame Exklusivitätserwartungen geweckt werden. An dieser Relevanz fehlt es nicht schon deshalb, weil im Bereich des Himalaya-Massivs kein qualitativ besseres Kristallsalz vorkommt und ein verständiger Käufer auch nicht annehmen wird, dass das Salz dort unter Extrembedingungen in unberührter Natur abgebaut wird.
[7]

Literatur

  • Martin Brauen: "Traumbild Tibet - Westliche Trugbilder", Paul Haupt Verlag, Bern/Stuttgart/Wien 2000.
  • "ZeitGeist", Ausgabe 3/2002 (Oktober 2002)

Weblinks

Quellenangaben

  1. http://www.lgl.bayern.de/aktuell/presse/2003/038-03.htm
  2. *http://www.lgl.bayern.de/publikationen/doc/jahresberichte/2004/kapitel_d_2004.pdf
  3. Himalaya-Salz - Glaubensfrage, Zeitschrift test 10/2002
  4. Tüting, L. (2002), "Neue esoterische Abzocke: Der 'Jungbrunnen' Himalaya-Salz", Tourism-Watch, Stand 25. September 2007
  5. http://www.edv-helfert.de/salz/
  6. OLG Köln: Himalaya-Salz – Irreführung über die geografische Herkunft eines Produktes Urteil vom 01.10.2010 – 6 U 71/10. Vorurteil: Landgerichts Köln – 31 O 660/09
  7. http://www.markenmagazin.de/olg-koeln-himalaya-salz-irrefuehrung-ueber-die-geografische-herkunft-eines-produktes-urteil-vom-01-10-2010-6-u-7110/
  • Kamphuis, A. (2001), "Himalaja-Salz", Skeptiker, Nr. 15, S. 14-17.
  • Rehn, P., "Das Salz in der Wellness-Suppe", Connection.de