HemiSync ist der Markenname einer patentierten pseudomedizinischen Methode, um mit Hilfe von akustischen Reizen zu einer so genannten Hemisphärensynchronisation der beiden Hirnhälften zu gelangen. Einer derartigen Hemisphärensynchronisation sprechen die Anbieter von HemiSync positive gesundheitliche Effekte zu, für die jedoch keine wissenschaftlichen Belege genannt werden.

Für die HemiSync-Methode liegen keine wissenschaftlichen Belege für eine etwaige Wirksamkeit vor. Untersuchungen zeigte hingegen ihre Unwirksamkeit oder sogar gegenteilige Effekte zur behaupteten Wirkung.

Erfinder ist der us-amerikanischen Medien-Unternehmers, Ingenieurs und Laien-Parapsychologen Robert Allen Monroe. Monroe hatte die Vision, im Schlaf lernen zu können. Auch hoffte er wohl seinen Radiohörern (er war Besitzer von Rundfunkstationen) im Schlaf Lerninhalte unter Hermisphärensynchronisation senden zu können.

Methode

Monroe glaubte, dass Denkprozesse des Großhirns in den beiden Hemisphären (links und rechts) mit jeweils unterschiedlichen "Taktfrequenzen" in Zusammenhang stünden.

Auf Basis einer privaten Theorie glaubte er an positive Auswirkungen links-rechts synchroner Hirnaktivität als Ausdruck der aufsummierten elektrischen Aktivität der gesamten Neuronen in den jeweiligen Hirnhälften. Diesen Vorgang einer synchronen Rechts-Links-Aktivität nannte Monroe Hemisphärensynchronisation.

Um diese "Synchronisation" zu erreichen setzte in einem von ihm erfundenen Gerät Tonsignale ein, die er Binaural Beats nannte. Den beiden Ohren wurde zwei unterschiedliche, aber nahe beieinander liegende Töne angeboten, die der Hörer im Ergebnis auch mit einer zusätzlichen niederfrequenten Schwebung (als Differenzfrequenz) wahrnimmt. Die Schwebungsfrequenz kann dabei im Infraschallbereich liegen, und wird nur als Amplitudenänderung der beiden angebotenen Töne (z.B. 1000 Hz) wahrgenommen. Im Endeffekt versucht Monroe dem Hörer einen Infraschallton "hörbar" zu machen. Monroe vermutete, dass dieser Ton (unterhalb von 30 Hz) über die Hörbahn die gesamte Neuronenaktivität beider Hemisphären im seinen Sinne beeinflussen könne. Als Effekte sollten sich sodann ausschliesslich positive Effekte wie eine geringere Schmerzempfindung einstellen. Auch solle der Hörer eine höhere kognitive Leistungsfähigkeit erlangen.

Studienlage

Bei einer Untersuchung im Jahre 1999 wurden bei einer HemiSync-Anwendung gegenteilige Effekte zu den behaupteten Auswirkungen festgestellt, mit erhöhter Asymmetrie.[1]

Die gehörten Schallreize erreichen über die anatomisch und neurophysiologisch gut bekannte Hörbahn zunächst den Hirnstamm, und nicht das Großhirn, bevor das Signal "umgeschaltet" wird.[2]

Weitere Überprüfungen von HemiSync weisen erhebliche methodische und statistische Schwächen auf, und schalten nicht ausreichend einen möglichen Placeboeffekt.[3]

Prinzipiell können Schallreize wie sie bei HemiSync angewandt werden, bei prädisponierten Menschen epilleptische Anfälle auslösen.[4] Kurioserweise empfahl das "Monroe-Institute" dennoch Hemi-Sync ausgerechnet zur Behandlung von Epilepsie.[5]

Robert Allen Monroe

Robert Allen Monroe (geb. 30.10.1915, gest. 17.3.1995) war ein us-amerikanischer Unternehmer, Buchautor, Rundfunk-Programmdirektor und Gründer eines parapsychologischen Monroe-Instituts.

Monroe studierte Elektrotechnik und erlangte das Ingenieursdiplom der Ohio State University. Er gründete die Musikproduktionsfirma RAM Enterprises und besaß mehrere Radiostationen und eine TV-Kabelgesellschaft.

Laut eigenen Angaben hatte er 1958 ein so genanntes "out of body" (OOBE)-Erlebnis, das er als bedeutungsvolles Ereignis ansah und in drei Werken verarbeitete.[6][7][8]

1974 gründete Monroe in Faber im US-Bundesstaat Virginia das Monroe Institut. Dort hielt er Vorträge und leitete Kurse zur Propagierung seiner inzwischen erfundenen HemiSync-Methode.

Weblinks

Quellennachweise

  1. Stuart Coupland, in: Beyerstein, Barry: Pseudoscience and the Brain: Tuners and Tonics for Aspiring Superhumans. In: Della Sala, Sergio: Mind-Myths. Wiley and Sons, 1999
  2. Oster, G.: Auditory beats in the brain. In: Scientific American 229, 1994
  3. Druckman, Swets (Hrsg.): Enhancing human performance: issues, theories and techniques. National Academy Press, Washington D. C., 1988
  4. Adelmann, George: Review of Hutchinson's Megabrain. In: The Library Journal, Nr. 15, 3/1986, S. 73
  5. Beyerstein, Barry L.: Brainscams: Neuromythologies of the New Age. In: International Jounrnal of Mental Health Vol. 19, Nr. 3/1990
  6. Journeys Out of the Body. Anchor, Garden City 1977, ISBN 0-385-00861-9. (Der Mann mit den zwei Leben – Reisen außerhalb des Körpers. Droemersche Verlagsanstalt Knaur, München 1986)
  7. Far Journeys. Doubleday, New York 1985 (Der zweite Körper – Expedition jenseits der Schwelle. Heyne, München 2007)
  8. The Ultimate Journey. Doubleday, New York 1996 (Über die Schwelle des Irdischen hinaus. Heyne, München 2006)