Als Galilei-Vergleich (Galileo gambit, Galileo fallacy, Galileo Defense Fallacy, Galilei persecution fallacy, Galileo Syndrome) können rhetorische Argumentationsstrategien verstanden werden, eigene unzulänglich untermauerte oder gar lächerliche Ansichten dadurch aufzuwerten, dass ein Vergleich zwischen der eigenen Person und dem 1642 verstorbenen italienischen Wissenschaftler Galileo Galileo aufgestellt wird. Anwender des Galilei-Vergleichs erhoffen sich durch dieses rhetorische Stilmittel eine vorgetäuschte Plausibilität der eigenen Ansichten. Es soll letztendlich auf schlagfertige Weise Gegenansichten (insbesondere Expertenansichten und Expertenkonsense) abwerten und eigene Ansichten gegen Kritik abschirmen, quasi immunisieren. Da Galilei selbst zu seinen Lebzeiten bei Vorstellung seiner (inzwischen allgemein akzeptierten) Theorie einer um die Sonne rotierenden Erde verlacht worden sei, sei Ablehnung und Heiterkeit im Zusammenhang mit eigenen Ansichten als eine tatsächliche Bestätigung zu werten. Galilei-Vergleicher weisen sich in diesen Fällen eine scheinunangreifbare Opferrolle des Andersdenkenden zu. Ziel der Taktik des Galilei-Vergleichs sind logische Fehlschlüsse (fallacies) aus einem unzulässigen Vergleich.

Eine Gruppierung aus dem Kreis der Anhänger der Klimalüge nennt sich in Berufung auf Galileo Galilei und ihrer wissenschaftlichen Außenseiterstellung "The Galileo Movement".

Galileo Galilei

Galileo Galilei war ein italienischer Philosoph, Mathematiker, Physiker und Astronom. Bekannt ist, dass Galilei selbst ein tiefgläubiger Katholik war und sich dennoch in bestimmten Fragen auf Konfrontationskurs mit Dogmen der damaligen katholischen Kirche befand. Mehr als drei Jahrhunderte benötigte die katholische Kirche, um ihr damaliges Fehlurteil zu revidieren: Am 1. November 1992 wurde der Naturforscher offiziell vom Vatikan rehabilitiert.

Semmelweis-Vergleich

Mitunter kann auch ein Bezug zum ungarischen Arzt Ignaz Philipp Semmelweis (1818 - 1865) beobachtet werden. Semmelweis hatte das Kindbettfieber auf mangelnde Hygiene bei Ärzten und Krankenhauspersonal zurückgeführt. Im Rahmen einer Untersuchung mit Einsatz von desinfizierender Chlorlösung gelang es ihm, die Sterblichkeitsrate bei seinen Patientinnen von 12,3 auf zwei bis drei Prozent zu senken. Seine Hygieneempfehlung wurde von Kollegen seiner Zeit jedoch abgelehnt. Nur wenige Ärzte unterstützten ihn. Heute ist die Hygiene ein wichtiges präventives Element in der evidenzbasierten Medizin. Protagonisten abwegiger und mit anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnissen inkompatibler Hypothesen berufen sich gelegentlich selektiv auf Semmelweis und die damalige Ablehnung seiner später als richtig erkannten Schlussfolgerungen als eine vermeintliche Regel. Das Schicksal der von Semmelweis angeregten Hygienevorschriften und der damaligen häufigen Ablehnung im Kollegenkreis steht jedoch die viel häufigere Akzeptanz von evidenzbasierten Neuerungen durch andere Wissenschaftler entgegen, die sich tatsächlich durchsetzten.

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Quellennachweise