Fremdsprachen-Akzent-Syndrom: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Psiram
Zur Navigation springen Zur Suche springen
K
Zeile 17: Zeile 17:
 
Die Xenoglossie (aus griechisch: xenos ξένος (fremd) und glossa γλωσσα (Zunge, Sprache)) beschreibt ein nicht mit dem FAS verwandtes Phänomen aus dem Bereich der [[Esoterik]] und Religionen (religiöse Exstase) mit Bezügen zu einer möglichen [[Kryptomnesie]] (unbewusste Erinnerung). Ein Nachweis dafür, dass eine herkömmlich nicht erklärbare Xenoglossie existiert, ist nicht bekannt.
 
Die Xenoglossie (aus griechisch: xenos ξένος (fremd) und glossa γλωσσα (Zunge, Sprache)) beschreibt ein nicht mit dem FAS verwandtes Phänomen aus dem Bereich der [[Esoterik]] und Religionen (religiöse Exstase) mit Bezügen zu einer möglichen [[Kryptomnesie]] (unbewusste Erinnerung). Ein Nachweis dafür, dass eine herkömmlich nicht erklärbare Xenoglossie existiert, ist nicht bekannt.
  
Xenoglossiker behaupten, eine fremde Sprache sprechen zu können, ohne diese je herkömmlich erlernt zu haben, und ohne Kenntnis der jeweiligen Grammatik. Meist beinhalten die xenoglossischen Phänomene lediglich die mögliche Kenntnis weniger Worte oder Redewendungen einer fremden Sprache. Rudimentäre Gespräche lassen sich in den meisten Fremsprachen bereits bei Kenntnis von 400-800 Worten führen. Insbesondere lassen sich keine komplexen Gespräche mit "Xenoglossikern" in ihrer "Fremdsprache" führen. Geprägt wurde dieser Begriff Anfang des 20. Jahrhundert von Charles Richet (''Thirty Years of Psychical Research'', 1923).  
+
Xenoglossiker behaupten, eine fremde Sprache sprechen zu können, ohne diese je herkömmlich erlernt zu haben, und ohne Kenntnis der jeweiligen Grammatik. Meist beinhalten die xenoglossischen Phänomene lediglich die mögliche Kenntnis weniger Worte oder Redewendungen einer fremden Sprache. Rudimentäre Gespräche lassen sich in den meisten Fremdsprachen bereits bei Kenntnis von 400-800 Worten führen. Insbesondere lassen sich mit "Xenoglossikern" in ihrer "Fremdsprache" keine komplexen Gespräche führen. Geprägt wurde dieser Begriff Anfang des 20. Jahrhundert von Charles Richet (''Thirty Years of Psychical Research'', 1923).  
  
 
Anhänger des [[Reinkarnation]]sgedankens berufen sich ebenfalls gelegentlich auf die vermeintlich existierende Xenoglossie, die sie sodann als Beleg für „Reste“ der mit reinkarnierten Sprachkenntnissse ansehen.
 
Anhänger des [[Reinkarnation]]sgedankens berufen sich ebenfalls gelegentlich auf die vermeintlich existierende Xenoglossie, die sie sodann als Beleg für „Reste“ der mit reinkarnierten Sprachkenntnissse ansehen.

Version vom 20. April 2012, 14:55 Uhr

Das Fremdsprachen-Akzent-Syndrom (Foreign Accent Syndrome, FAS) ist eine extrem seltene neurologische Erkrankung, die sich dadurch äußert, dass die betroffenen Patienten innerhalb kurzer Zeit im Rahmen einer Stimmbildungsstörung ihre Sprachmelodie ändern, was von Außenstehenden häufig als ein Akzent einer Fremdsprache oder plötzlich auftretender Dialekt interpretiert wird. Die Erkrankung entsteht nicht spontan und isoliert, sondern ist stets Folge einer zu Grunde liegenden neurologischen Erkrankung wie ein Schlaganfall, schwere Migräne oder ein Schädel-Hirn-Trauma. Etwa 60 Menschen mit dieser Störung sind seit 1941, dem Jahr der Erstbeschreibung, bekannt geworden.[1]

Symptome

Auf Zuhörer erscheint die Stimme des Erkrankten wie eine "Quäkstimme" oder eine "piepsige Stimme", und sie hört sich mitunter an, als ob der Betroffene plötzlich mit einem fremdsprachlichen Akzent oder Dialekt einer bestimmten Region spreche.

Häufigkeit / bekannte Fälle

Bislang sind in der Fachliteratur insgesamt etwa 60 Fälle einer tatsächlichen FAS beschrieben worden.

Verwechselungen / mißbräuchliche Verwendung

Desiree Jennings

Das medizinisch-wissenschaftlich akzeptierte und sehr seltene FAS wird häufig mit anderen religiösen oder paranormalen Phänomenen und Erkrankungen aus dem psychiatrischen Bereich verwechselt und auch gelegentlich dazu missbraucht, als eine vermeintliche Nebenwirkung von Impfungen oder anderen Behandlungen aufzutreten. Eine Veränderung der eigenen Sprachmelodie oder das Aneignen eines bestimmten Dialektes ist einerseits relativ einfach bewusst zu bewerkstelligen und hinterlässt andererseits auf Laien einen großen Eindruck. Die Seltenheit der Erkrankung fördert auch die Verwechslungsmöglichkeit und somit die Verwendbarkeit in Laiendiskussionen über vermeintliche "Nebenwirkungen" in der Medizin.

Im Februar 2010 machte eine 25jährige amerikanische Cheerleaderin namens Desiree Jennings auf sich aufmerksam, die nach einer Grippeimpfung angeblich schwerste neurologische Schäden verspürte, die jedoch immer nur dann auftraten, wenn sie gefilmt wurde[2]. Neben einem angeblichen passageren Fremdsprachen-Akzent-Syndrom führte sie im Fernsehen auch groteske Lähmungserscheinungen vor und wurde als "behindert" bezeichnet. Die ansonsten mit amerikanischem Akzent sprechende Jennings sprach im Fernsehen mit australischem Akzent, angeblich weil sie mit einem "Brisbane strain" eines Grippevirus (inkl. diverser chemischer Inhaltsstoffe) geimpft worden war. Der Fall Jennings wurde in englisch- und deutschsprachigen Internetforen eine Zeit lang als Beispiel für Nebenwirkungen von Impfungen angesehen. Als ein Fernsehteam Jennings unvorbereitet auf dem Parkplatz eines Supermarktes ansprach, zeigte sie keinerlei Lähmungen und sprach übliches Englisch mit amerkanischen Akzent, das dann plötzlich zu australischem Dialekt mutierte, als sie erkannte, dass das Fernsehteam sich für ihre "Impfschäden" interessierte.[3][4][5]

Xenoglossie

Therese Neumann

Die Xenoglossie (aus griechisch: xenos ξένος (fremd) und glossa γλωσσα (Zunge, Sprache)) beschreibt ein nicht mit dem FAS verwandtes Phänomen aus dem Bereich der Esoterik und Religionen (religiöse Exstase) mit Bezügen zu einer möglichen Kryptomnesie (unbewusste Erinnerung). Ein Nachweis dafür, dass eine herkömmlich nicht erklärbare Xenoglossie existiert, ist nicht bekannt.

Xenoglossiker behaupten, eine fremde Sprache sprechen zu können, ohne diese je herkömmlich erlernt zu haben, und ohne Kenntnis der jeweiligen Grammatik. Meist beinhalten die xenoglossischen Phänomene lediglich die mögliche Kenntnis weniger Worte oder Redewendungen einer fremden Sprache. Rudimentäre Gespräche lassen sich in den meisten Fremdsprachen bereits bei Kenntnis von 400-800 Worten führen. Insbesondere lassen sich mit "Xenoglossikern" in ihrer "Fremdsprache" keine komplexen Gespräche führen. Geprägt wurde dieser Begriff Anfang des 20. Jahrhundert von Charles Richet (Thirty Years of Psychical Research, 1923).

Anhänger des Reinkarnationsgedankens berufen sich ebenfalls gelegentlich auf die vermeintlich existierende Xenoglossie, die sie sodann als Beleg für „Reste“ der mit reinkarnierten Sprachkenntnissse ansehen.

Als bekannterer Fall der Xenoglossie kann Therese Neumann angeführt werden, die neben ihrern Stigmata auch xenoglossisch aramäische Sprachbrocken artikuliert haben soll.

In den USA wurde der Fall Dolores Jay (auch Fall Gretchen genannt) als ein hypnotischer Fall vom Reinkarnationstyp mit deutscher Xenoglossie. 1970 hypnotisierte der amerikanische Methodisten-Pfarrer Caroll Jay in Mount Orab (Ohio) seine Frau Dolores (geb. 1922) zur Behandlung ihrer Rückenschmerzen. Dabei sprach sie xenoglosses Deutsch. Bei einer ausführlichen Sitzung drei Tage später trat erstmals Gretchen Gottlieb auf, die in 19 aufgezeichneten hypnotischen Regressionen von ihrem Leben als Tochter des Bürgermeisters von Eberswalde, Hermann Gottlieb, berichtete und die auf nicht ganz eindeutige Weise im Alter von 16 Jahren starb. Der amerikanische Psychiater Ian Stevenson machte in den siebziger Jahren darauf aufmerksam und stellte dazu Untersuchungen an.

Zungenrede oder Glossolalie

Zungenrede oder Glossolalie (altgr. glôssa Zunge, Sprache und laleô sprechen) bezeichnet ein ekstatisches, unverständliches Sprechen, das vom Hörenden interpretiert werden soll, analog zum Phänomen der Tonbandstimmen. Die Zungenrede spielt ebenfalls bei Religionen eine Rolle und wird im Neuen Testament als eine besondere Gnadengabe des Heiligen Geistes angesehen.

Das Zungenreden wird heute in der Pfingstbewegung als ein in besonderer Unmittelbarkeit zu Gott gebetetes Sprachengebet verstanden.

Weblinks



Quellennachweise