Fiat Lux

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Der Orden Fiat Lux ist eine esoterisch-christliche Sekte, die von der Dolmetscherin, Sekretärin und Geistheilerin Erika Bertschinger alias Uriella (geb. 20. Februar 1929, Zürich, gest. 24. Februar 2019) im Jahr 1980 als Nachfolgeorganisation eines spiritistischen Zirkels gegründet wurde.

Entstehung

Am 12. Januar 1980 um genau 21:11 Uhr habe Jesus Christus über Uriella in Egg bei Zürich den "Orden Fiat Lux" gegründet, behauptet Erika Bertschinger. Ein Reitunfall soll sie in die Lage versetzt haben, auf unbekanntem Wege "Botschaften" von einem göttlichen Aussender (zum Beispiel Jesus Christus) zu empfangen. Nach eigenen Angaben steht sie weiterhin mit Jesus in Kontakt, versteht sich als Sprachrohr Gottes auf Erden und gibt seine Botschaften im Rahmen von "Gottesdiensten" weiter. Nach dem Tod ihres ersten Ehemanns gründete Uriella in Egg ihr eigenes Heilzentrum. Die Gründung von Fiat Lux erfolgte 1980 in Egg angeblich durch Jesus Christus selbst.[1] Heute wird die Sekte durch ihren Ehemann Eberhard Bertschinger-Eicke, genannt Icordo, geleitet. Mitglieder von Fiat Lux erhalten Fantasienamen.

Bereits etwa 2008 gab es Vermutungen, dass Uriella, die an Krebs leidet bzw. litt, bereits verstorben sein könnte und Fiat Lux dies verheimlicht.[2] Als sicher gilt, dass sie schwer erkrankt ist. Presseberichten von Ende 2011 zufolge ist die Sekte weitgehend zerfallen und hat nur noch ein bis zwei Dutzend Mitglieder.[3][4][5] Der Orden soll einem Bericht der Aargauer Zeitung zufolge keine neuen Mitglieder mehr finden und steht kurz vor der Auflösung.[6]

Glaubensinhalte

Das Glaubenskonstrukt von Fiat Lux ist ein Konglomerat aus christlichen Versatzstücken, Ufo- und Endzeitglauben. Auch der Glaube an Lichtwesen, gute und schlechte Strahlung, Reinkarnation und Karma gehören zu Lehre der Sekte. Eine große Rolle spielen auch die alternative Medizin und eine vegane Rohkost-Ernährung. Bei FIAT LUX beruht die richtige Ernährung nicht auf fakultativen Vorschlägen, sie gehört vielmehr zum Heils- und Errettungsplan dieser Gruppe. Die Ernährung besteht ausschließlich aus rohem Obst und Gemüse sowie eingeweichten oder gekeimten Körnern. Fleisch, Milchprodukte, Brot, Alkohol, Tee und Kaffee sowie Pharmazeutika werden gemieden, da diese allesamt schädlich sei.[7]

Aktivitäten der Sekte

Der Fiat-Lux-Orden betreibt ein vegetarisches Restaurant, die "Rohkost-Eremitage der Stiftung Bethanien", als ordenseigene GmbH. Uriella betreibt seit Anfang der 1980er Jahre in Schwellbrunn (Kanton Appenzell Ausserrhoden) eine Naturheilpraxis. Bekannt wurde Uriella durch ihr sogenanntes „Arthrumwasser“, welches sie durch langes linksdrehendes Rühren mit einem Silberlöffel in einer Badewanne herstellte und an Sektenmitglieder verteilte. Das "Athrumwasser“" wurde unentgeltlich abgegeben. Umsatz macht Fiat Lux hauptsächlich mit dem Verkauf von so genannten "Heilmitteln", die meist als Nahrungsergänzungsmittel deklariert werden.

Uriella betätigte sich auch als Geist- und Fernheilerin und betrieb auch sogenannte Heilungen von aus medizinischer Sicht schweren bis unheilbaren Erkrankungen wie Krebs. Während einer Heilung sitzen die zu Heilenden im Kreis auf Stühlen, während hinter ihnen die Heiler/-innen stehen. Zu Zwecken der sogenannten Fernheilung befinden sich in der Mitte des Kreises Abbildungen von abwesenden Personen oder Haustieren, die ebenfalls unter einer schweren Erkrankung leiden. Außerdem kann Uriella nach eigenen Aussagen Patienten „durchleuchten“ und so Erkrankungen erkennen. Häufig diagnostizierte Uriella Krebs. Alle Erkrankungen werden anschließend, oft durch Handauflegen "geheilt", ohne dass die Krebserkrankung von Ärzten bestätigt werden konnte. Damit arbeitete Uriella als Heilpraktikerin, ohne eine Zulassung dafür zu haben und bekam daher Ärger mit den Behörden. Fiat Lux steht der wissenschaftsbasierten Medizin ablehnend gegenüber.

Neben Medikamentenschmuggel wurde Uriella vom WDR-Journalisten Felix Kuballa und später auch von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, den Tod zweier Anhängerinnen verschuldet zu haben, denen sie von einem möglicherweise lebensrettenden Arztbesuch abgeraten haben soll. Fiat Lux soll auch im Falle von Olivia Pilhar tätig geworden sein, als es darum ging, das krebskranke Kind heimlich in die Obhut der Germanischen Neuen Medizin des selbsternannten Krebsheilers Ryke Geerd Hamer zu bringen und ihr Therapieangebote der wissenschaftlichen Medizin vorzuenthalten.

Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim stellte fest, dass von ihr eine "Gefahr für die Volksgesundheit" ausgehe, "weil sie in grenzenloser Selbstüberschätzung ihrer Fähigkeiten" behaupte, alle Krankheiten ohne körperliche Untersuchung und durch Gottes Kraft heilen zu können. Vom Vorwurf, den Tod der beiden Anhängerinnen verschuldet zu haben, wurde Uriella jedoch 1996 vom Landgericht Waldshut aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Verurteilt wurden sie und ihr Mann allerdings 1995 wegen unerlaubten Waffenbesitzes und 1998 wegen Hinterziehung von Steuern und Zollabgaben in Höhe von etwa 1,2 Millionen DM.

Uriellas Prophezeiungen

Typisch für Uriella sind ihre häufigen Prophezeiungen (meist Katastrophen, die auch als "Reinigungen" bezeichnet werden), die sich aber regelmäßig nicht bewahrheiteten und Fiat Lux letztendlich schadeten. Nach dem Ausbleiben einer vorhergesagten Prophezeiung wurde verlautbart, "der Schöpfer habe aus Gnade" die Katastrophe verschoben. Bei anderen Gelegenheiten seien es die Interventionen von Fiat Lux gewesen, die die Katastrophen verhinderten. Uriella glaubt auch an UFOs, die einst die Menschheit retten sollen.

Weblinks

Quellennachweise