Ferdinando Cazzamalli

Aus Psiram
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Ferdinando Cazzamalli (1887-1958)

Ferdinando Cazzamalli (geb. 4. August 1887 in Crema, gest. 1958) war ein italienischer Psychiater, Parapsychologe, Autor und Politiker. Er wurde insbesondere durch seine Forschungen bekannt die zu belegen suchten, dass psychiatrische Patienten Aussender von Radiowellen seien. Seine Bemühungen fanden jedoch keine nennenswerte Rezeption und seine entsprechende Hypothese geriet in Vergessenheit. Eine wie von ihm angenommene "Radiostrahlung" des Menschen ist wissenschaftlich weder bekannt noch belegt.
Cazzamalli war Politiker der sozialistischen Partei Italiens.
1937 gründete er in Rom die Società Italiana di Metapsichica (S.I.M), die 1955 in Società Italiana di Parapsicologia (S.I.P.) umbenannt wurde. 1946 gründete er die Zeitschrift Metapsichica als offizielles Organ der S.I.M. Aufgrund ideologischer und methodologischer Differenzen kam es jedoch in diesem Jahr zu einem schweren Zerwürfnis mit der S.I.M. Cazzamalli trat mit seiner Fraktion aus und gründete noch im selben Jahr die Associazione Italiana Scientifica di Metapsichica (A.I.S.M.), die die Zeitschrift Metapsichica unter seiner Leitung weiterführte. Die AISM ist heute noch aktiv und betreibt ausserwissenschaftliche Forschungen.

Ärztliche Tätigkeiten

Ferdinando Cazzamalli war Leiter einer psychiatrischen Klinik im norditalienischen Como, später Dozent für Psychiatrie an der Universität von Modena.

Parapsychologische Forschungen

Experiment in Farady-Käfig (um 1924)
älteres Experiment

In den Jahren 1923 bis 1929 versuchte Cazzamalli zusammen mit dem Elektrotechniker Eugenio Gnesutta zu beweisen, dass psychiatrische Patienten elektromagnetische Radiowellen aussenden, die mit einem Funkempfänger hörbar seien. Dazu baute er in einen Raum einen so genannten Faradayschen Käfig, der elektromagnetische Wellen von außerhalb abhalten sollte. Darin war ein Radioempfänger mit Antenne aufgestellt. Cazzamalli brachte Patienten in diesen Raum, die zuvor hypnotisiert wurden. Teilweise versuchte Cazzamalli auch die vermeintlichen Aussendungen graphisch zu erfassen. Daher wird gegelgentlich sein Name auch mit der Erfindung des EEG in Verbindung gebracht, obwohl es sich beim EEG um eine drahtgebundene Ableitung von auf bestimmte Hautpunkte bezogenen sehr schwachen Potentialen der Aktivität von Neuronen (Nervenzellen, Hirnzellen) handelt.

Der Empfänger soll daraufhin ungewöhnliche Geräusche von sich gegeben haben, vermischt mit Musikfetzen und auch menschlichen Stimmlauten. Er schloss daraus daß der Mensch unter bestimmten Umständen elektromagnetische Wellen aussenden könne. Er veröffentlichte dazu in der Zeitschrift Revue Métapsychique einen Artikel mit dem Titel Phénomènes télépsychiques et radiations cérébrales.

Die Vermutungen über die vermeintlichen Aussendungen bei psychisch gestörten Patienten mündeten auch in die Vermutung daß die Patienten auf diese Weise auch unhörbar miteinander kommunizieren könnten, also Aussender und gleichzeitig Empfänger seien. Als das vermeintliche Phänomen aber auch durch die Abschirmung eines Faraday-Käfig gelungen sei, wurde die Hypothese aufgegeben.

Zu den verwendeten Radioempfängern liegen verschiedene Angaben vor. Häufig wird in heutigen Kreisen von Anhängern der Cazzamalli-Hypothesen behauptet es sei ein UHF-Empfänger gewesen, also ein in der Geschichte der Radiotechnik sehr ungewöhnlich früher Empfänger für Dezimeterwellen im Frequenzbereich 300 MHz bis 3000 MHz. Dementsprechend wird auch von einem UHF-Empfänger oder UHF-Experimenten gesprochen, was jedoch nur zu einem Teil richtig ist, da nur einer seiner vier Empfänger überhaupt den Unterrand des UHF-Bereichs empfangen konnte.

Cazamalli verwendete für seine Experimente verschiedene Empfänger, die mit der Weiterentwicklung der Radiotechnik Schritt hielten. Bekannt sind vier verschiedene Funkempfänger:

  • Empfänger 1 mit 6 Röhren und Detektorempfang (AM) konnte Langwellen und Mittelwellen empfangen mit Wellenlängen von 4000 m bis 300 m (75 kHz bis 1 MHz). Als Antenne wurde eine Rahmenantenne verwendet.
  • Empfänger 2 wurde später eingesetzt und war ein primitiver passiver Diodendetektorempfänger mit angeschlossener 2 Meter langer Antenne und einem Röhrenverstärker der Niederfrequenz. Dieser Empfänger sollte auf Grund seiner einfachen Bauart breitbandiger arbeiten können, dürfte jedoch sehr unempfindlich gewesen sein.
  • Empfänger 3 war ein reiner Kurzwellenempfänger für den Bereich der "unteren Kurzwelle" 50 bis 100 m Wellenlänge (3,3 bis 6 MHz). Der Empfänger war ein für die damalige Zeit sehr moderner zweifacher Überlagerungsempfänger.
  • Empfänger 4 soll den oberen Kurzwellenbereich und VHF-Wellenlängenbereich empfangen haben. Genannt werden Wellenlängen von 10 m bis 1 m (30 bis 300 MHz). Antenne war ein kreisförmiger Rahmen von 30 cm Durchmesser. Einzig dieser Empfänger konnte also den unteren Rand des UHF-Bereichs empfangen. Erwähnt werden Empfangsberichte bei 4 m Wellenlänge (75 MHz).

Der Politiker Ferdinando Cazzamalli

Cazzamalli war Mitglied der Partei Partito Socialista Italiano und wurde 1919 und 1921 in die damalige Camera dei Deputati (italienisches Parlament) gewählt. Er gilt als einer der Wegbereiter der Partei Partito Socialista Unitario.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Problemi di vita manicomiale, Imola: Galeati, 1916
  • Guerra, follia e degenerazione, Milano: Avanti, 1921
  • La tabe dorsale alla luce delle moderne conoscenze, Bergamo: Savoldi, 1926
  • F. Cazzamalli. Les ondes electro magnetiques en correlation avec certains phénomènes psycho-sensoriels. Comptes Rendues de III-e Congres International de Recherches Psychiques. Paris, 1928
  • Dalla metapsichica al pane quotidiano: Articoli, Como: C. Nani, 1934
  • Di un fenomeno radiante cerebropsichico (riflesso cerebropsicoradiante) come mezzo di esplorazione psicobiofisica, in: Giornale di Psichiatria e di Neuropatologia (1935)
  • Metapsichica, neurobiologia e metodo sperimentale: Dalla metapsichica alla psicobiofisica, in: Giornale di Psichiatria e di neuropatologia, fasc. 3-4 (1939)
  • I fenomeni elettromagnetici radianti dal soggetto umano in intensa attivita (orgasmo funzionale) psicosensoriale del cervello, il metodo sperimentale e il prof. Agostino Gemelli, in: *Giornale di Psichiatria e neuropatologia, fasc. 1-2 (1942)
  • L'avventura di Giuseppe Massarenti: per la liberta e la dignita del cittadino, Bologna: S.T.E.B., 1946
  • La Madonna di Bonate: apparizioni o visioni? Milaon: Bocca, 1951
  • Il cervello radiante: fenomeni elettromagnetici radianti dal cervello umano durante l'intensa attivita psicosensoriale degli stati onirici, allucinatori e telepsichici, Milano: Ceschina, 1960
  • Le Cerveau Émetteur. M. Pietteur, Embourg (Belgique) 1996

Quellennachweise