Die Feldenkrais-Methode ist eine so genannte körperorientierte Lernmethode, anhand derer der Ausübende mehr über den eigenen Körper und seine Bewegungsmuster erfahren soll. Die Methode ist zugleich auch eine Form der Körpertherapie mit Bezügen zu Judo und geht auf Moshé Feldenkrais zurück.

Moshé Feldenkrais

Moshé Feldenkrais wurde 1904 in Russland geboren und arbeitete bis zu seinem Tod im Jahre 1984 in Frankreich, England und Israel. Er war ursprünglich Kernphysiker, widmete sich aber später der Verhaltensphysiologie und der Neurophysiologie. Er entwickelte ein eigenes, bewegungspädagogisches Konzept, das heute Feldenkrais-Methode genannt wird.

Diese Methode dient der Bewusstmachung von Körperfunktionen und Bewegungen. Nach Feldenkrais beruhe die Art, wie sich jemand bewegt, spricht, auftritt oder ausdrückt, auf Bewegungs- und Lebensmustern. Diese seien durch die unveränderlichen Faktoren Vererbung und Erziehung sowie den veränderbaren Faktor Selbsterziehung beeinflusst. Die letzte Komponente sei durch den Erwachsenen noch veränderbar. Die Feldenkrais-Arbeit soll demnach diese Grenzen sprengen und Körper, Geist und Seele die Möglichkeit der freien Entscheidung zurückgeben, die ihm angeblich genommen sei.

Feldenkrais erfand zwei Unterrichtsarten - den Einzelunterricht (Funktionale Integration®) und den Gruppenunterricht (Bewusstheit durch Bewegung®). Es werden einfache Bewegungen meist im Liegen ohne Ehrgeiz und Anstrengung ausgeführt. Entscheidend sei die aufgewendete Aufmerksamkeit. Ob die ausgeführten Bewegungen groß, klein, ästhetisch oder ungelenk erscheinen, spiele dabei keine Rolle. Das Ziel ist eine bewusste Bewegung.[1]


Ergebnisse klinischer Studien

Bewohner einer Altenbetreuungseinrichtung erhielten in der Untersuchung von Gutmann et al. (1997) über sechs Wochen Feldenkrais-Übungen. Sie wurden mit zwei Kontrollgruppen verglichen, von denen eine mit konventionellen Bewegungsübungen und eine überhaupt nicht beübt wurde. Vor und nach der Versuchsperiode konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den drei Gruppen bezüglich Gewicht, Blutdruck, Herzschlagrate, Gleichgewichtsfähigkeit oder subjektiver Befindlichkeit ermittelt werden.[2]

In einer von Psychologen der Universität Regensburg an Patienten mit Essstörungen[3] durchgeführten Studie wurden 15 Patienten mit Feldenkrais-Übungen weiteren 15 unbehandelten Kontrollpatienten gegenübergestellt. Das subjektiv empfundene Körpergefühl wurde mittels standardisierter Fragebögen (u.a. Fragebogen zum Körpererleben/FKE) erhoben und es zeigte sich eine gewisse Verbesserung in der Gruppe der Feldenkrais-Behandelten.

In der Abteilung für Psychologie der Universität von North Carolina/USA führten Johnson et al. (1999) bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) eine Studie mit der Feldenkrais-Methode durch. 20 MS-Patienten wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die ersten zehn erhielten zunächst Feldenkrais-Übungen, die zweite Gruppe andere Übungen, die den Patienten als Feldenkrais-Übungen vorgestellt wurden (Kontrollgruppe). Nach acht Wochen wechselte man die Behandlung in jeder Gruppe. Das einzig statistisch signifikante Ergebnis war, dass unter Feldenkrais-Therapie der subjektiv empfundene Stress und Ängstlichkeit geringer ausfielen als unter der Scheinbehandlung. Die Selbstsicherheit war unter Feldenkrais-Therapie nicht signifikant unterschiedlich im Vergleich zur Kontrollgruppe. MS-Symptome, die körperlichen Fähigkeiten und die Beweglichkeit der oberen Extremität der Patienten wurden weder durch Feldenkrais- noch Scheinbehandlung verändert.[4]

In einer australischen Studie in Melbourne wurde der Effekt der Feldenkrais-Methode auf die Oberschenkelmuskulatur (Biceps femoris, Harmstring) untersucht. 48 gesunde Teilnehmer wurden randomisiert in drei Gruppen (Feldenkrais, Entspannungsübungen, Kontrolle) aufgeteilt. Bei allen Teilnehmern wurde die Stärke des rechten Biceps femoris bei aktiver Kniestreckung vor Untersuchungsbeginn und nach der vierten und der letzten Übungssitzung gemessen. Es fanden sich keinerlei signifikante Unterschiede zwischen den drei Gruppen.[5]

In einer Untersuchung in der Abteilung für öffentliches Gesundheitswesen und Rehabilitation der schwedischen Umea Universität untersuchten Malmgren-Olsson und Branholm (2002) die Wirkung der Feldenkrais-Methode im Vergleich zu konventioneller Physiotherapie mittels verschiedener standardisierter Fragebögen zur Selbsteinschätzung von Patienten mit unspezifischen muskuloskeletalen Erkrankungen. Insgesamt nahmen 64 Frauen und 14 Männer teil. Die Patienten mit Feldenkrais-Behandlung erreichten etwas bessere Werte hinsichtlich der Selbsteinschätzung und Schmerzempfindung im Vergleich zur konventionell behandelten Gruppe.

Insgesamt betrachtet scheint die Feldenkrais-Methode also eine das Körperempfinden bzw. die körperliche Selbsteinschätzung leicht verbessernde Übungsform. Einen wirklichen medizinischen Anspruch vertritt sie jedoch nicht. Gemäß der Feldenkrais-Befürworter kann die Methode aber begleitend zur Rehabilitation von Nervenleiden, Schlaganfällen und Unfällen sowie bei körperlich behinderten Personen eingesetzt werden.

Risikopotential

Körperliche Risiken gibt es bei der Feldenkrais-Methode bisher offensichtlich nicht. Problematisch können allerdings inkompetente Feldenkrais-Lehrer sein, da es eine staatliche Qualifikation für diese Methode nicht gibt, die Krankenkassen sie üblicherweise nicht bezahlen müssen und somit durchaus die Möglichkeit besteht, dass Fehlstellungen oder -haltungen zu kurz- oder mittelfristigen Gesundheitsbeeinträchtigungen führen können.

Der Preis für Feldenkrais-Sitzungen liegt meist zwischen 45 und 80 Euro in der Stunde für Einzel- und Gruppensitzungen.

Quellennachweise

  1. Federspiel K, Herbst V: Die Andere Medizin. 3. Aufl., Stiftung Warentest Verlag, 1994
  2. Gutman GM, Herbert CP, Brown SR: Feldenkrais versus conventional exercises for the elderly. J Gerontol, 32, 562-572, 1977
  3. Laumer U, Bauer M, Fichter M, Milz H: Therapeutic effects of the Feldenkrais method "awareness through movement" in patients with eating disorders. Psychother Psychosom Med Psychol, 47, 170-180, 1997
  4. Johnson SK, Frederick J, Kaufman M, Mountjoy B: A controlled investigation of bodywork in multiple sclerosis. J Altern Complement Med, 5, 237-243, 1999
  5. James M, Kolt G, McConville J, Bate P: The effects of a Feldenkrais program and relaxation procedures on hamstring length. Aust J Physiother, 44, 49-54, 1998
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