Die Violetten

Version vom 17. April 2012, 14:45 Uhr von Skrzypczajk (Diskussion | Beiträge) (Der Webauftritt der Partei)

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Die größte von 4 Werbegruppen bei Wer-kennt-wen mit knapp 800 Mitgliedern

Die Violetten - für spirituelle Politik (Die Violetten) ist eine deutsche Kleinpartei[1] mit Sitz in Wölfersheim in Hessen[2], die den Anspruch erhebt, esoterisch Interessierte und spirituelle Menschen anzusprechen. Die Gründung erfolgte im Jahr 2001. Bundesvorsitzende sind die "Intuitionstrainerin der Neuen Zeit" und Kryon-Anhängerin Christina Diggance[1] und (ohne Berufsangabe) Markus Benz[2].

Wahlergebnisse lagen bis 2009 nur auf Landesebene vor und erreichten jeweils höchstens 0,1% der Wählerstimmen. 2009 nahmen die Violetten erstmals an einer Bundestagswahl teil und kamen mit knapp 32.000 Stimmen auf 0,1%. Bei der Europawahl erreichten sie mit 46.355 einen Anteil von 0,18% der gültigen Stimmen. Bei der Landtagswahl 2010 in Nordrhein-Westfalen kam die Partei mit knapp über 6.000 Wählerstimmen wieder auf 0,1%.

Zur Werbung, insbesondere zum Sammeln der erforderlichen Unterstützungsunterschriften vor Wahlen, sind die Violetten mit Infoständen auf Esoterikmessen vertreten. Bekannt wurden bis jetzt die Grenzenlos-Messen und das Rainbow Spirit Festival.

Kurzgeschichte der Violetten

Die Partei "Die Violetten - für spirituelle Politik" wurde am 6. Januar 2001 unter dem ursprünglichen Namen "Alternative spirituelle Politik im neuen Zeitalter" gegründet. 2005 erfolgte die Zusammenarbeit mit der Initiative dynamik5 und Netzwerk Holon.[3] Der Name "Die Violetten" wurde gewählt, weil es sich dabei aus Sicht der Partei um die "Farbe mit der höchsten Schwingungszahl" handele. Außerdem sei sie die Mischfarbe aus Rosa (weiblich) und Blau (männlich) und symbolisiere damit die Einheit der Geschlechter. 2003 änderte die Partei ihren Namen in "Die Violetten – für spirituelle Politik". Das Parteisymbol ist der Schmetterling, da er für Wandel stehe. Seit Juli 2011 gibt es eine Jugendorganisation mit dem Namen "Die Ultravioletten".

Politisches Profil

Gudula Blau bei Secret TV

Die Partei sieht sich als Vertreterin spiritueller Menschen. Politik solle aus „spiritueller Erkenntnis“ erfolgen.

Forderungen sind:

Bekannt geworden ist außerdem, dass die ökospirituelle Partei sich für eine an der Waldorfpädagogik orientierende Bildungspolitik einsetzt. Um auf sich aufmerksam zu machen, ließ sich die ehemalige Parteivorsitzende Gudula Blau, Ex-Frau des Schauspielers Karlheinz Böhm, vom Verschwörungstheoretiker Jo Conrad bei Secret-TV des Braunesoterikers Jan van Helsing wohlwollend interviewen.[5] Frau Blau hatte 2007 im Rahmen der Aktivitäten des Landesverbandes Bayern einen Vortrag mit Jo Conrad organisiert. Sie war sich vor Beginn der Veranstaltung der politischen Aktivitäten Conrads bewusst, denn sie war vorab informiert worden.

Was einer Bundesvorsitzenden bei den Violetten blühen kann, dokumentierte Gudula Blau in ihrem Bericht über ihre Absetzung bei der Bundesversammlung 2009. Von einem harmonischen Miteinander, einem neuen, spirituellen Stil in der Politik keine Spur.[6]

Der Webauftritt der Partei

Waren anfänglich auf der Partei-Webseite des Bundesvorstandes noch zahlreiche Links zu privaten und kommerziellen Webseiten eines Instituts für Quantologie, Ganzheitlicher Persönlichkeitsentfaltung, Seiten für Schamanisches Reisen, Trommelkreise für Kinder, Clearing-Seminare, Jeet-TV, Seiten von Kartenlegern usw. zu finden, so hat sich das Bild inzwischen geändert. Zwar ist nun außer einer Erwähnung der GLS-Bank keine Werbung für Produkte und Dienstleistungen des Esoterikmarkts mehr feststellbar. Die Unterseite "Innovatives" thematisiert nun aber neben sinnvollen "Innovationen" wie der bereits 1839 erfundenen Brennstoffzelle auf eher fragwürdige Nischeninnovationen und Flopinnovationen wie den Stelzermotor (ein Freikolbenmotor, der sich allenfalls zum Pumpen von Gasen oder Flüssigkeiten eignet und sich schwer starten lässt) sowie einen "Trabold-Hochleistungsfilter", Bioplastik, Biosprit für Automobile usw.

Anders auf der Webseite des Landesverbandes Baden-Württemberg: Hier findet man unter "Vernetzung" Offerten für einen "multizentrierten" Kongress 2012, die Enjoy Akademie, ZukunftJETZTtv, Spirit & Light, einen alternativmedizinischen Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, den Quantensprung des Bewusstseins, das Elexier-Magazin, ein Eneregiecamp, eine Partnervermittlung für Esoterik-Freunde, drei Seiten für bedingungsloses Einkommen, das Leben im Fluss, Life Coaching, das Intergrale Lebenskonzept, die Technologie der Neuen Zeit und den LebensRaum Ökodorf.[7] Die Webseite des Landesverbandes Sachsen gibt sich dagegen rein politisch.

Erfolgsaussichten

Bei den äußerst geringen Wahlergebnissen der Violetten mit höchsten 0,1% stellt sich natürlich die Frage, weshalb nicht mehr esoterisch Interessierte die Partei wählen. Aufgrund der weiten Verbreitung von Esoterik in der Bevölkerung, die sich auch in den Verkaufszahlen esoterischer Literatur und sonstiger Artikel spiegelt, müssten doch weitaus bessere Wahlergebnisse möglich sein. Schließlich sind die Violetten derzeit auch die einzige Partei in Deutschland, die speziell diese Wählergruppe anspricht.

Dies mag daran liegen, dass esoterisch Interessierte im Grunde unpolitisch sind. Engagierte Esoteriker sind in der Regel kaum an politischen Vorgängen interessiert. Die Esoterik selbst ist im Kern antidemokratisch. Denn was sollen Wahlen, was sollen Parlamente, es ist doch sowieso alles vorherbestimmt. Unsere Geschicke werden gemäß esoterischer Weltanschauung von ganz anderen Mächten gelenkt. Nicht das Grundgesetz zählt hier, sondern Akasha-Chronik, Morphische Felder und "kosmische Gesetzmäßigkeiten". Nicht die Bundeskanzlerin findet Gehör, sondern Kryon und Konsorten. Auch finden bei Esoterikern zunehmend Verschwörungstheorien Beachtung, welche die etablierte Politik diskreditieren.

In diesem Kontext kann man schließen, dass Esoteriker und esoterisch Interessierte eher zu den Nichtwählern zu zählen sind. An diesem Desinteresse gegenüber der realen Politik waren bereits die spirituell orientierte Partei „Neues Bewusstsein“ und die „Naturgesetzpartei“ der Anhänger der Transzendentalen Meditation gescheitert. Das hat natürlich zum einen den Vorteil, dass sich der Einfluss der esoterischen Irrationalität in der Tagespolitik in Grenzen hält. Zum anderen kann man davon ausgehen, dass der zunehmende Einfluss der Esoterik und ihrer verwandten Spielarten die Entpolitisierung der Bevölkerung und damit den schleichenden Abbau der Demokratie begünstigt.

Es gibt aber auch mit der Öko-Bewegung vermischte oder dazu tendierende Teile der Esoterik-Szene, die immer schon politische Aktionen unterstützen, sei es nur durch Aufrufe oder Teilnahme an Veranstaltungen. Hauptthemen sind hier Greenpeace, Naturschutz, PETA, Anti-Kernkraft, Schulsystem, Alternativmedizin, Anti-Gentechnik, Bio/Öko-Lebensmittel. Diese Anliegen vertreten Bündnis 90/Die Grünen (siehe z.B Birgitt Bender und Hiltrud Breyer). Und weil man ja weiß, dass die Grünen Einfluss haben und in ihren Reihen genug Lobbyisten sitzen, wird - wenn schon, denn schon - Grün gewählt. Dies mag auch mit ein Grund sein, warum die Violetten nicht erfolgreicher sind.

Literatur

  • Fincke, Andreas: Die Violetten - Deutschlands erste Esoterikpartei. In: Materialdienst der EZW. Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen 65 (9), 2002 , S. 265 -267. ISSN: 0721-2402 H 54226

Weblinks

Quellennachweise

  1. Mitglieder: laut Wikipedia 1.143
  2. Die Violetten - für spirituelle Politik, Bundesgeschäftsstelle, Wohnbacher Straße 12, 61200 Wölfersheim
  3. http://www.nornirsaett.de/doc/ario/artikel21.html
  4. http://blog.psiram.com/index.php?itemid=319
  5. http://www.secret.tv/artikel4955203/Die_Violetten
  6. http://monettenom.com/index.php?/archives/62-Was-kleinen-Parteien-bluehen-kann.html
  7. http://www.bw-violette.de/vernetzung/