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Cicero G. Coimbra lehnt selbst die Durchführung von kontrollierten Studien zu seiner Methode ab, wobei er es richtigerweise als unethisch ansieht, eine Kontrollgruppe von Patienten mit einem [[Placebo]]präparat zu behandeln. In der Medizin wird in vergleichbaren Fällen eine neue Therapie zunächst in Vorstudien auf ihre Verträglichkeit hin in "Reagenzglas-Zell-Studien" und später an gesunden Probanden erforscht. Danach erst kann nach Klärung durch eine Ethikkommission eine klinische Studie erfolgen, bei der verblindet zwei Therapieformen verglichen werden: der besten bekannten Standardtherapie (also nicht Placebo) und der zu testenden alternativen Therapie, falls Vorstudien mögliche positive Effekte einer alternativen Therapie vermuten lassen.  
 
Cicero G. Coimbra lehnt selbst die Durchführung von kontrollierten Studien zu seiner Methode ab, wobei er es richtigerweise als unethisch ansieht, eine Kontrollgruppe von Patienten mit einem [[Placebo]]präparat zu behandeln. In der Medizin wird in vergleichbaren Fällen eine neue Therapie zunächst in Vorstudien auf ihre Verträglichkeit hin in "Reagenzglas-Zell-Studien" und später an gesunden Probanden erforscht. Danach erst kann nach Klärung durch eine Ethikkommission eine klinische Studie erfolgen, bei der verblindet zwei Therapieformen verglichen werden: der besten bekannten Standardtherapie (also nicht Placebo) und der zu testenden alternativen Therapie, falls Vorstudien mögliche positive Effekte einer alternativen Therapie vermuten lassen.  
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Vor Coimbra und unabhängig von ihm ist bereits über die Rolle des Vitamin D bei der Entstehung der MS geforscht worden. Studien haben Vitamin D als wichtigen Umweltfaktor identifiziert und legen einen Zusammenhang zwischen Vitamin D und Autoimmunität nahe, auch wenn dieser Zusammenhang noch nicht vollständig verstanden ist.<ref>https://www.ms-docblog.de/multiple-sklerose/vitamin-d-das-coimbra-protokoll/</ref> So ging man der Frage nach, ob die Unterversorgung mit Vitamin D ein Risikofaktor für die MS ist. Die meisten MS-Patienten weisen tatsächlich einen Vitamin D-Mangel auf. Mehrere Studien berichten, dass Menschen mit einem hohen Vitamin-D-Spiegel ein geringeres Risiko haben, später im Leben an Multipler Sklerose zu erkranken. Eine geringere MS-Aktivität (geringere Schubrate; weniger schwere Schübe) wurde bei höheren Vitamin-D-Spiegeln beobachtet. Die meisten dieser Studien konnten jedoch nicht klären, ob der Vitamin D-Mangel eine Folge oder die Ursache der MS ist oder ob es konfundierende Variablen gibt (Vitamin-D-Mangel als sog. Epiphänomen). Auch das breitengradabhängige Auftreten der MS wird mit Vitamin D in Zusammenhang gebracht, wobei der Sonderfall Inzidenz von MS bei in der Aktis lebenden Inuit zu berücksichtigen ist.
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Vor Coimbra und unabhängig von ihm ist bereits über die Rolle des Vitamin D bei der Entstehung der MS geforscht worden. Studien haben Vitamin D als wichtigen Umweltfaktor identifiziert und legen einen Zusammenhang zwischen Vitamin D und Autoimmunität nahe, auch wenn dieser Zusammenhang noch nicht vollständig verstanden ist.<ref>https://www.ms-docblog.de/multiple-sklerose/vitamin-d-das-coimbra-protokoll/</ref> So ging man der Frage nach, ob die Unterversorgung mit Vitamin D ein Risikofaktor für die MS ist. Die meisten MS-Patienten weisen tatsächlich einen Vitamin-D-Mangel auf. Mehrere Studien berichten, dass Menschen mit einem hohen Vitamin-D-Spiegel ein geringeres Risiko haben, später im Leben an Multipler Sklerose zu erkranken. Eine geringere MS-Aktivität (geringere Schubrate; weniger schwere Schübe) wurde bei höheren Vitamin-D-Spiegeln beobachtet. Die meisten dieser Studien konnten jedoch nicht klären, ob der Vitamin D-Mangel eine Folge oder die Ursache der MS ist oder ob es konfundierende Variablen gibt (Vitamin-D-Mangel als sog. Epiphänomen). Auch das breitengradabhängige Auftreten der MS wird mit Vitamin D in Zusammenhang gebracht, wobei der Sonderfall Inzidenz von MS bei in der Aktis lebenden Inuit zu berücksichtigen ist.
    
Die bislang größte durchgeführte Studie zum therapeutischen Effekt einer Vitamin-D-Supplementation, die SOLAR-Studie, ist aus wissenschaftlicher Sicht negativ ausgegangen. Das Studienziel einer völligen Remission konnte nicht erreicht werden. Für den Einsatz von Vitamin D als Intervention bei MS gibt es momentan (Januar 2020) keine klare medizinische Evidenz.<ref>https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/hochdosiertes-vitamin-d-als-zusatztherapie-in-der-behandlung-der-multiplen-sklerose-ein-update/</ref>
 
Die bislang größte durchgeführte Studie zum therapeutischen Effekt einer Vitamin-D-Supplementation, die SOLAR-Studie, ist aus wissenschaftlicher Sicht negativ ausgegangen. Das Studienziel einer völligen Remission konnte nicht erreicht werden. Für den Einsatz von Vitamin D als Intervention bei MS gibt es momentan (Januar 2020) keine klare medizinische Evidenz.<ref>https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/hochdosiertes-vitamin-d-als-zusatztherapie-in-der-behandlung-der-multiplen-sklerose-ein-update/</ref>
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2019 erschien in der alternativmedizinischen [[Erfahrungsheilkunde]] ([[Haug Verlag]]) eine Arbeit des CP-Arztes Kai Reichert mit dem Titel "Vitamin-D-Gabe in Hochdosis – Therapieoption bei Multipler Sklerose?".<ref>Kai Reichert: "Vitamin-D-Gabe in Hochdosis – Therapieoption bei Multipler Sklerose?", Erfahrungsheilkunde 68(04):194-198, August 2019</ref> Der Autor berichtet retrospektiv über positive Behandlungsergebnisse bei 500 eigenen Patienten. Unter anderem berichtet er von einem Patienten, der 180.000 IE/Tag erhielt. Bei von ihm berichteten Krankengeschichten bleibt unklar ob die Patieten zusätzlich eine andere Behandlung in Anspruch nahmen. Ob der Autor die drei Krankengeschichten wegen eines positiven Verlaufs nennt oder ob diese repräsentativ für das gesamte Kollektiv sein sollen, bleibt auch unklar.  
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2019 erschien in der alternativmedizinischen [[Erfahrungsheilkunde]] ([[Haug Verlag]]) eine Arbeit des CP-Arztes Kai Reichert mit dem Titel "Vitamin-D-Gabe in Hochdosis – Therapieoption bei Multipler Sklerose?".<ref>Kai Reichert: "Vitamin-D-Gabe in Hochdosis – Therapieoption bei Multipler Sklerose?", Erfahrungsheilkunde 68(04):194-198, August 2019</ref> Der Autor berichtet retrospektiv über positive Behandlungsergebnisse bei 500 eigenen Patienten. Unter anderem berichtet er von einem Patienten, der 180.000 IE/Tag erhielt. Bei von ihm berichteten Krankengeschichten bleibt unklar, ob die Patieten zusätzlich eine andere Behandlung in Anspruch nahmen. Ob der Autor die drei Krankengeschichten wegen eines positiven Verlaufs nennt oder ob diese repräsentativ für das gesamte Kollektiv sein sollen, bleibt auch unklar.  
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Angeblich soll der deutsche Psychologe [[Harald Walach]] zusammen mit der [[Anthroposophie|anthroposophie-nahen]] [[Universität Witten-Herdecke]] an einem Artikel über das Coimbra Protokoll arbeiten. Titel der Arbeit soll ''"There is no harm in Vitamin D highdose therapy"'' werden. Nach anderen Angaben soll der Titel jedoch ''"Walach H: Safety and clinical effects of vitamin D high dose therapy (Coimbra Protocol) - a retrospective audit study: Protocol and rationale. (publishing in progress)"'' heissen. Es ist gleichzeitig bekannt geworden, dass der ehemalige Chefarzt der Neurologie in Witten Herdecke, Knut Humbroich, ein Gegner der Gabe hoher D Dosen ist und das Coimbra Protokoll ablehnt.
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Angeblich soll der deutsche Psychologe [[Harald Walach]] zusammen mit der [[Anthroposophie|anthroposophie-nahen]] [[Universität Witten-Herdecke]] an einem Artikel über das Coimbra Protokoll arbeiten. Titel der Arbeit soll ''"There is no harm in Vitamin D highdose therapy"'' werden. Nach anderen Angaben soll der Titel jedoch ''"Walach H: Safety and clinical effects of vitamin D high dose therapy (Coimbra Protocol) - a retrospective audit study: Protocol and rationale. (publishing in progress)"'' heißen. Es ist gleichzeitig bekannt geworden, dass der ehemalige Chefarzt der Neurologie in Witten Herdecke, Knut Humbroich, ein Gegner der Gabe hoher D Dosen ist und das Coimbra Protokoll ablehnt.
    
==Cicero Galli Coimbra==
 
==Cicero Galli Coimbra==
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