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Um von der fehlenden Evidenz für eine Anwendung von Chlordioxid abzulenken, wird in der Befürworterszene gerne auf eine Art "Strohmann-Argumentation" zurückgegriffen. Demnach würde die Anwendung von Chlordioxid von Seiten der wissenschaftlichen Medizin nicht wegen fehlender Evidenz und Gefahren abgelehnt werden, sondern weil wirtschaftliche Interessen der Pharmaindustrie die Einführung von Chlordioxid verhinderten. Tatsächlich aber werden in der Medizin zahlreiche zugelassene Arzneimittel jeden Tag eingesetzt, deren Patent schon lange abgelaufen ist, und die inzwischen zu sehr niedrigen Preisen in Ländern wie Indien oder China in grosser Menge hergestellt werden. Siehe dazu den Artikel [[Angebliche Unterdrückung nicht patentierbarer Wirkstoffe in der Medizin]].
 
Um von der fehlenden Evidenz für eine Anwendung von Chlordioxid abzulenken, wird in der Befürworterszene gerne auf eine Art "Strohmann-Argumentation" zurückgegriffen. Demnach würde die Anwendung von Chlordioxid von Seiten der wissenschaftlichen Medizin nicht wegen fehlender Evidenz und Gefahren abgelehnt werden, sondern weil wirtschaftliche Interessen der Pharmaindustrie die Einführung von Chlordioxid verhinderten. Tatsächlich aber werden in der Medizin zahlreiche zugelassene Arzneimittel jeden Tag eingesetzt, deren Patent schon lange abgelaufen ist, und die inzwischen zu sehr niedrigen Preisen in Ländern wie Indien oder China in grosser Menge hergestellt werden. Siehe dazu den Artikel [[Angebliche Unterdrückung nicht patentierbarer Wirkstoffe in der Medizin]].
 
==Behaupteter Wirkmechanismus==
 
==Behaupteter Wirkmechanismus==
Zur Begründung für den Einsatz des nicht zugelassenen Desinfektionsmittels Chlordioxid wird vom Medizinlaien Andreas Kalcker angegeben, dass dieses am Wirkort [https://de.wikipedia.org/wiki/Radikal_(Chemie) freie Radikale] freisetze, die das Virus schädigten. Gemeint sind also "reactive oxygen species" ROS, die in der Biologie dafür bekannt sind in zu hoher Konzentration zu oxidativem Stress zu führen und über eine nicht-lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung zur Entstehung von Krankheiten beitragen. Üblicher Weise wird daher in der [[Alternativmedizin]] die Einnahme von [[Antioxidantien]] empfohlen, die den ROS entgegenwirken sollen. (siehe dazu den Wikipedia-Artikel [https://de.wikipedia.org/wiki/Reaktive_Sauerstoffspezies Reaktive Sauerstoffspezies])  
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Zur Begründung für den Einsatz des nicht zugelassenen Desinfektionsmittels Chlordioxid wird vom Medizinlaien Andreas Kalcker angegeben, dass dieses am Wirkort [https://de.wikipedia.org/wiki/Radikal_(Chemie) freie Radikale] freisetze, die selektiv das Virus schädigten. Gemeint sind also "reactive oxygen species" ROS, die in der Biologie dafür bekannt sind in zu hoher Konzentration zu oxidativem Stress zu führen und über eine nicht-lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung zur Entstehung von Krankheiten beitragen. Üblicher Weise wird daher in der [[Alternativmedizin]] die Einnahme von [[Antioxidantien]] empfohlen, die den ROS entgegenwirken sollen. (siehe dazu den Wikipedia-Artikel [https://de.wikipedia.org/wiki/Reaktive_Sauerstoffspezies Reaktive Sauerstoffspezies])  
    
Ausserdem setze das Chlordioxid-Molekül am Wirkort zwei Sauerstoffatome frei, welche dem Patienten zur Sauerstoffversorgung zu Gute kämen. Der Mensch nimmt mit jedem Atemzug 20 bis 500 Gramm Sauerstoff pro Stunde auf, je nach Bedarf. Ein Bedarf von 500 Gramm pro Stunde wird nur von trainierten Langläufern erreicht. Eine winzige zusätzliche Sauerstoffzufuhr hat keinen Einfluss auf die Atmung und kann diese auch nicht ersetzen. Um die gleiche Sauerstoffmenge aufzunehmen, die innerhalb einer Stunde eingeatmet wird (hier angenommen 100 Gramm O2), müsste man bei einer Sauerstoffmenge von 0,5 mg O<sup>2</sup> die in der Stundendosis ClO2 enthalten ist (Mol.Gewicht ClO2: 67, Sauerstoffanteil: 48%), die 200.000 fache Chlordioxidmenge einnehmen. Das entspräche tödlichen 6 Kg Chlordioxid am Tag. Eine nennenswerte Sauerstoffzufuhr kann also bei den angegebenen Mengen nicht entfernt erreicht werden ohne toxische Wirkungen zu erzeugen. (siehe dazu: [[Sauerstoff-Therapie]] und [[Sauerstoffwasser]])
 
Ausserdem setze das Chlordioxid-Molekül am Wirkort zwei Sauerstoffatome frei, welche dem Patienten zur Sauerstoffversorgung zu Gute kämen. Der Mensch nimmt mit jedem Atemzug 20 bis 500 Gramm Sauerstoff pro Stunde auf, je nach Bedarf. Ein Bedarf von 500 Gramm pro Stunde wird nur von trainierten Langläufern erreicht. Eine winzige zusätzliche Sauerstoffzufuhr hat keinen Einfluss auf die Atmung und kann diese auch nicht ersetzen. Um die gleiche Sauerstoffmenge aufzunehmen, die innerhalb einer Stunde eingeatmet wird (hier angenommen 100 Gramm O2), müsste man bei einer Sauerstoffmenge von 0,5 mg O<sup>2</sup> die in der Stundendosis ClO2 enthalten ist (Mol.Gewicht ClO2: 67, Sauerstoffanteil: 48%), die 200.000 fache Chlordioxidmenge einnehmen. Das entspräche tödlichen 6 Kg Chlordioxid am Tag. Eine nennenswerte Sauerstoffzufuhr kann also bei den angegebenen Mengen nicht entfernt erreicht werden ohne toxische Wirkungen zu erzeugen. (siehe dazu: [[Sauerstoff-Therapie]] und [[Sauerstoffwasser]])
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=="WHO-Studie" mit Chlordioxid bei COVID-19 Kranken in Kolumbien und Spanien==
 
=="WHO-Studie" mit Chlordioxid bei COVID-19 Kranken in Kolumbien und Spanien==
 
Im April 2020 wurde bekannt, dass der MMS-Aktivist [[Andreas Kalcker]] in eine Anwendungsbeobachtung mit einbezogen ist, die seit März 2020 in Kolumbien durchgeführt wird. Es geht dabei um eine experimentelle Anwendung von chlordioxidhaltigen wässrigen Lösungen bei angeblich an COVID-19 Erkrankten in Kolumbien, und offenbar auch in Madrid. Da die Studie am 13. April 2020 in einem Studienregister (NCT04343742) der US-amerikanischen National Library of Medicine (NIH) angemeldet wurde<ref>ClinicalTrials, National Library of Medicine, "Determination of the Effectiveness of Oral Chlorine Dioxide in the Treatment of COVID 19".<br>ClinicalTrials.gov Identifier: NCT04343742<br>Recruitment Status  : Recruiting<br>First Posted  : April 13, 2020<br>Last Update Posted  : April 13, 2020<br>Sponsor: Genesis Foundation<br>Link: </ref>, sprechen die Initiatoren dabei fälschlich und irreführend von einer "WHO-Studie", obwohl keinerlei Zusammenhang zur Weltgesundheitsorganisation WHO erkennbar ist.  
 
Im April 2020 wurde bekannt, dass der MMS-Aktivist [[Andreas Kalcker]] in eine Anwendungsbeobachtung mit einbezogen ist, die seit März 2020 in Kolumbien durchgeführt wird. Es geht dabei um eine experimentelle Anwendung von chlordioxidhaltigen wässrigen Lösungen bei angeblich an COVID-19 Erkrankten in Kolumbien, und offenbar auch in Madrid. Da die Studie am 13. April 2020 in einem Studienregister (NCT04343742) der US-amerikanischen National Library of Medicine (NIH) angemeldet wurde<ref>ClinicalTrials, National Library of Medicine, "Determination of the Effectiveness of Oral Chlorine Dioxide in the Treatment of COVID 19".<br>ClinicalTrials.gov Identifier: NCT04343742<br>Recruitment Status  : Recruiting<br>First Posted  : April 13, 2020<br>Last Update Posted  : April 13, 2020<br>Sponsor: Genesis Foundation<br>Link: </ref>, sprechen die Initiatoren dabei fälschlich und irreführend von einer "WHO-Studie", obwohl keinerlei Zusammenhang zur Weltgesundheitsorganisation WHO erkennbar ist.  
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