| | :''Für den 3. März hat der Basler »Paracelsus-Zweig« im »Scala« die Tagung »Terror, Lüge und Wahrheit« angekündigt. Mitveranstalterin ist die Zeitschrift Der Europäer, die im Perseus-Verlag Basel erscheint und von den anthroposophischen Periodika seit langem am obsessivsten Verschwörungstheoretiker bedient.<br>Als Redner sind neben dem enthusiastischen Antizionisten Elias Davidsson der Schweizer 9/11-»Friedensforscher« Daniele Ganser und der Europäer-Chefredakteur Thomas Meyer angekündigt. Der bekannte Verschwörungsideologe Ken Jebsen soll moderieren. Dem Programm zufolge soll ein »kritischer Blick auf unsere Zeitgeschichte« geworfen werden – beziehungsweise auf George W. Bush und den »Krieg gegen den Terror«, den die Beteiligten freilich für einen Trick der einen oder anderen geheimen Weltregierung halten.<br>Solche Affinitäten sind nichts Neues. Seit längerem jubeln Anthroposophen Jebsen und Ganser zu, die beide ehemalige Waldorfschüler sind. Bereits Steiner raunte über »die geistigen Hintergründe des Ersten Weltkriegs«: Die »äußeren Politiker« seien »zuweilen Strohmänner« und »die wahren Führer der angelsächsischen Rasse« überzeugt, »dass der angelsächsischen Rasse durch gewisse Weltentwickelungskräfte die Mission zufallen müsse, für die Gegenwart und die Zukunft vieler Jahrhunderte (…) eine wirkliche Weltherrschaft auszuüben«. Das könne man vergleichen »mit den inneren Impulsen, welche einstmals das alt-jüdische Volk von seiner Weltmission hatte«.<br>Insofern ist es irreführend, wenn die Aargauer Zeitung einen durchaus informativen Bericht zu der Basler Tagung mit der Zeile »Verschwörungsmystiker wie der Basler Daniele Ganser kapern Rudolf-Steiner-Bewegung« übertitelt. Niemand muss hier gekapert werden. Eher versucht umgekehrt ein bestimmter Flügel der Anhängerschaft Steiners, bei der zeitgenössischen »Verschwörungsmystik« mitzumischen.<br>Die Vorstellungen Thomas Meyers lassen dabei Ganser und Jebsen alt aussehen. In der Vergangenheit hofierte er etwa Barbro Karlén, die sich für die wiedergeborene Anne Frank hält. Ein andermal legte sein Perseus-Verlag einen antisemitischen Klassiker wieder auf: »Das Rätsel des Judentums« (1931) des Wiener Anthroposophen Ludwig Thieben, der versuchte – frei nach Steiner und Otto Weininger –, seine eigene jüdische Abstammung spirituell zu »überwinden«. Die Neuauflage von 1991 enthielt ein Nachwort mit Meyers Ansichten über die »Menschheitsvölker« Deutsche und Juden. Letztere hätten Christus physisch hervorgebracht, aber tragischerweise geistig verkannt. »Von ähnlicher Größe und Tragik« könne »auch bei den Deutschen gesprochen werden«, die Christus geistig hervorbringen sollten, aber leider stattdessen die Juden ermordeten. Trotz allem sei Christus in den dreißiger Jahren übersinnlich wiedergekehrt, wofür vielleicht »durch die Leiden des Holocaust – innerhalb des Judentums immer mehr Menschen die Augen aufgehen«. Dann »könnte es gerade der beste, sich fortentwickelnde Teil des Judentums sein, der dem Deutschtum in Zukunft bei der Verwirklichung seiner wahren Aufgabe beisteht«.<br>Viele Anthroposophen halten diskret Abstand zu Meyer und seiner Zeitschrift. Die Bedürfnisse der zarteren Gemüter befriedigt eher Markus Osterrieder, der 2014 eine umfangreiche Monographie über den Ersten Weltkrieg vorlegte und darin Steiners Kriegsmythen mit Quellen aus über einem Dutzend Sprachen garnierte. Als Beleg für die »okkulten Logen«, die Steiner hinter »Angloamerika« wähnte, präsentiert Osterrieder die Existenz okkultistischer und esoterischer Gruppierungen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Es ist verblüffend, welchen Aufwand Anthroposophen seit ihrer ersten Stunde betrieben haben, um den Mythos von der okkulten Beeinflussung des Ersten Weltkriegs am Leben zu halten, der erfunden wurde, um Bewegungen wie die ihre zu denunzieren.''<ref>https://jungle.world/artikel/2018/07/der-letzte-kampf-der-anthroposophen</ref> | | :''Für den 3. März hat der Basler »Paracelsus-Zweig« im »Scala« die Tagung »Terror, Lüge und Wahrheit« angekündigt. Mitveranstalterin ist die Zeitschrift Der Europäer, die im Perseus-Verlag Basel erscheint und von den anthroposophischen Periodika seit langem am obsessivsten Verschwörungstheoretiker bedient.<br>Als Redner sind neben dem enthusiastischen Antizionisten Elias Davidsson der Schweizer 9/11-»Friedensforscher« Daniele Ganser und der Europäer-Chefredakteur Thomas Meyer angekündigt. Der bekannte Verschwörungsideologe Ken Jebsen soll moderieren. Dem Programm zufolge soll ein »kritischer Blick auf unsere Zeitgeschichte« geworfen werden – beziehungsweise auf George W. Bush und den »Krieg gegen den Terror«, den die Beteiligten freilich für einen Trick der einen oder anderen geheimen Weltregierung halten.<br>Solche Affinitäten sind nichts Neues. Seit längerem jubeln Anthroposophen Jebsen und Ganser zu, die beide ehemalige Waldorfschüler sind. Bereits Steiner raunte über »die geistigen Hintergründe des Ersten Weltkriegs«: Die »äußeren Politiker« seien »zuweilen Strohmänner« und »die wahren Führer der angelsächsischen Rasse« überzeugt, »dass der angelsächsischen Rasse durch gewisse Weltentwickelungskräfte die Mission zufallen müsse, für die Gegenwart und die Zukunft vieler Jahrhunderte (…) eine wirkliche Weltherrschaft auszuüben«. Das könne man vergleichen »mit den inneren Impulsen, welche einstmals das alt-jüdische Volk von seiner Weltmission hatte«.<br>Insofern ist es irreführend, wenn die Aargauer Zeitung einen durchaus informativen Bericht zu der Basler Tagung mit der Zeile »Verschwörungsmystiker wie der Basler Daniele Ganser kapern Rudolf-Steiner-Bewegung« übertitelt. Niemand muss hier gekapert werden. Eher versucht umgekehrt ein bestimmter Flügel der Anhängerschaft Steiners, bei der zeitgenössischen »Verschwörungsmystik« mitzumischen.<br>Die Vorstellungen Thomas Meyers lassen dabei Ganser und Jebsen alt aussehen. In der Vergangenheit hofierte er etwa Barbro Karlén, die sich für die wiedergeborene Anne Frank hält. Ein andermal legte sein Perseus-Verlag einen antisemitischen Klassiker wieder auf: »Das Rätsel des Judentums« (1931) des Wiener Anthroposophen Ludwig Thieben, der versuchte – frei nach Steiner und Otto Weininger –, seine eigene jüdische Abstammung spirituell zu »überwinden«. Die Neuauflage von 1991 enthielt ein Nachwort mit Meyers Ansichten über die »Menschheitsvölker« Deutsche und Juden. Letztere hätten Christus physisch hervorgebracht, aber tragischerweise geistig verkannt. »Von ähnlicher Größe und Tragik« könne »auch bei den Deutschen gesprochen werden«, die Christus geistig hervorbringen sollten, aber leider stattdessen die Juden ermordeten. Trotz allem sei Christus in den dreißiger Jahren übersinnlich wiedergekehrt, wofür vielleicht »durch die Leiden des Holocaust – innerhalb des Judentums immer mehr Menschen die Augen aufgehen«. Dann »könnte es gerade der beste, sich fortentwickelnde Teil des Judentums sein, der dem Deutschtum in Zukunft bei der Verwirklichung seiner wahren Aufgabe beisteht«.<br>Viele Anthroposophen halten diskret Abstand zu Meyer und seiner Zeitschrift. Die Bedürfnisse der zarteren Gemüter befriedigt eher Markus Osterrieder, der 2014 eine umfangreiche Monographie über den Ersten Weltkrieg vorlegte und darin Steiners Kriegsmythen mit Quellen aus über einem Dutzend Sprachen garnierte. Als Beleg für die »okkulten Logen«, die Steiner hinter »Angloamerika« wähnte, präsentiert Osterrieder die Existenz okkultistischer und esoterischer Gruppierungen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Es ist verblüffend, welchen Aufwand Anthroposophen seit ihrer ersten Stunde betrieben haben, um den Mythos von der okkulten Beeinflussung des Ersten Weltkriegs am Leben zu halten, der erfunden wurde, um Bewegungen wie die ihre zu denunzieren.''<ref>https://jungle.world/artikel/2018/07/der-letzte-kampf-der-anthroposophen</ref> |
| | *Jüdische Allgemeine: ''Noch heute liebäugeln Anthroposophen mit Verschwörungsideologien<br>Während der Corona-Pandemie sympathisierten so einige deutsche Anthroposophen mit verschwörungsideologischem Unsinn. Dagegen hat sich die antisemitische Hetze seit dem 7. Oktober 2023 in der anthroposophischen Literatur – vorläufig und relativ – wenig niedergeschlagen. Freilich wurde in der rechtsanthroposophischen Basler Zeitschrift Der Europäer spekuliert, »das israelische Auftreten gegenüber den Palästinensern« sei »vielleicht« ein »Ausgleich des jüdischen Volkskarmas«, das heißt: Das Schicksal habe die lange Verfolgten nun ‚vielleicht‘ zum ‚Ausgleich‘ auch mal als ‚Täter‘ inkarniert.''<ref>https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/anthroposophie-zwischen-deutschland-und-israel/</ref> | | *Jüdische Allgemeine: ''Noch heute liebäugeln Anthroposophen mit Verschwörungsideologien<br>Während der Corona-Pandemie sympathisierten so einige deutsche Anthroposophen mit verschwörungsideologischem Unsinn. Dagegen hat sich die antisemitische Hetze seit dem 7. Oktober 2023 in der anthroposophischen Literatur – vorläufig und relativ – wenig niedergeschlagen. Freilich wurde in der rechtsanthroposophischen Basler Zeitschrift Der Europäer spekuliert, »das israelische Auftreten gegenüber den Palästinensern« sei »vielleicht« ein »Ausgleich des jüdischen Volkskarmas«, das heißt: Das Schicksal habe die lange Verfolgten nun ‚vielleicht‘ zum ‚Ausgleich‘ auch mal als ‚Täter‘ inkarniert.''<ref>https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/anthroposophie-zwischen-deutschland-und-israel/</ref> |