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| | [[image:MMS-2.jpg|Werbung für MMS bei Yatego unter Berufung auf [[Jim Humble]]|320px|thumb]] | | [[image:MMS-2.jpg|Werbung für MMS bei Yatego unter Berufung auf [[Jim Humble]]|320px|thumb]] |
| − | '''MMS2''' (''Miracle Mineral Supplement two'' bzw ''Miracle Mineral Solution 2'') ist der Name eines [http://de.wikipedia.org/wiki/Calciumhypochlorit Calciumhypochlorit]-haltigen Produkts, das im Internet zu [[pseudomedizin]]ischen Zwecken vielerorts angeboten wird. Erfinder ist der Amerikaner [[Jim Humble]], der bereits zuvor mit einem analogen Scharlatanerieprodukt namens [[Miracle Mineral Supplement]] (MMS bzw E 926) in Erscheinung trat, das inzwischen teilweise als MMS1 bezeichnet wird. Um den MMS-Absatz nicht zu gefährden, soll laut MMS-Vertreibern MMS2 lediglich "genauso gut und komplementär zu MMS" sein. Auch gebe es eine Art synergistischen Effekt, wenn beide Mittel gemeinsam angewandt würden, also Chlordioxid und Calciumchlorit sowie Zitronensäure. | + | '''MMS2''' (''Miracle Mineral Supplement two'' bzw ''Miracle Mineral Solution 2'') ist der Name eines gesundheitsschädlichen [http://de.wikipedia.org/wiki/Calciumhypochlorit Calciumhypochlorit]-haltigen Produkts, das im Internet zu [[pseudomedizin]]ischen Zwecken vielerorts angeboten wird. Erfinder ist der Amerikaner [[Jim Humble]], der bereits zuvor mit einem analogen Scharlatanerieprodukt namens [[Miracle Mineral Supplement]] (MMS bzw E 926) in Erscheinung trat, das inzwischen teilweise als MMS1 bezeichnet wird. Um den MMS-Absatz nicht zu gefährden, soll laut MMS-Vertreibern MMS2 lediglich "genauso gut und komplementär zu MMS" sein. Auch gebe es eine Art synergistischen Effekt, wenn beide Mittel gemeinsam angewandt würden, also Chlordioxid und Calciumchlorit sowie Zitronensäure. |
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| | Im Versandhandel für Produkte dieser Art wird es in kleinen Mengen zu hohen Preisen angeboten. So bietet eine Firma 0,6 Gramm MMS2 für 28 Euro an. In Baumärkten sind jedoch preiswerte Großpackungen für private Schwimmbadbesitzer für wenige Euro erhältlich. Anbieter versenden das Produkt aus dem Ausland mit eindeutigen Hinweisen auf Erfinder Jim Humble und zur innerlichen Einnahme. In Deutschland wird MMS2 auch zur "Desinfektion von Schwimmbädern" angeboten, ebenfalls unter Verweis auf Jim Humble. | | Im Versandhandel für Produkte dieser Art wird es in kleinen Mengen zu hohen Preisen angeboten. So bietet eine Firma 0,6 Gramm MMS2 für 28 Euro an. In Baumärkten sind jedoch preiswerte Großpackungen für private Schwimmbadbesitzer für wenige Euro erhältlich. Anbieter versenden das Produkt aus dem Ausland mit eindeutigen Hinweisen auf Erfinder Jim Humble und zur innerlichen Einnahme. In Deutschland wird MMS2 auch zur "Desinfektion von Schwimmbädern" angeboten, ebenfalls unter Verweis auf Jim Humble. |
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| | ==Calciumhypochlorit== | | ==Calciumhypochlorit== |
| | Calciumhypochlorit ist das Calciumsalz der Hypochlorigen Säure (Ca(OCl)2). Die ätzend wirkende und umweltschädliche Substanz ist auch als ''Losantin'' oder ''Perchloron'' bekannt und wurde vor über einhundert Jahren zur Hautdesinfektion verwandt. Im neunzehnten Jahrhundert wurde es von Ignaz Semmelweis, einem österreichischen Gynäkologen, bekannt, der es wegen seiner desinfizierenden Wirkung äußerlich einsetzte. Aufgrund seiner schlechten Verträglichkeit auf der Haut ist es seit langem durch besser verträgliche und effektivere Mittel verdrängt worden. Eine innerliche Einnahme von Calciumhypochlorit ist in der Medizin nicht dokumentiert. Das stechend nach Chlor riechende Calciumhypochlorit wurde als Bleichmittel in der Papierindustrie eingesetzt, aus Umweltschutzgründen verwendet man heute jedoch zunehmend andere Substanzen. Eine aktuelle Anwendung von Calciumhypochlorit findet sich bei der Schwimmbaddesinfektion. | | Calciumhypochlorit ist das Calciumsalz der Hypochlorigen Säure (Ca(OCl)2). Die ätzend wirkende und umweltschädliche Substanz ist auch als ''Losantin'' oder ''Perchloron'' bekannt und wurde vor über einhundert Jahren zur Hautdesinfektion verwandt. Im neunzehnten Jahrhundert wurde es von Ignaz Semmelweis, einem österreichischen Gynäkologen, bekannt, der es wegen seiner desinfizierenden Wirkung äußerlich einsetzte. Aufgrund seiner schlechten Verträglichkeit auf der Haut ist es seit langem durch besser verträgliche und effektivere Mittel verdrängt worden. Eine innerliche Einnahme von Calciumhypochlorit ist in der Medizin nicht dokumentiert. Das stechend nach Chlor riechende Calciumhypochlorit wurde als Bleichmittel in der Papierindustrie eingesetzt, aus Umweltschutzgründen verwendet man heute jedoch zunehmend andere Substanzen. Eine aktuelle Anwendung von Calciumhypochlorit findet sich bei der Schwimmbaddesinfektion. |
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| | + | Eine innerliche Einnahme von Calciumhypochlorit reagiere mit Magensäure zu giftigem Chlorgas und kann durch die ätzende Wirkung eine Magenperforation (Durchbruch der Magenwand) bewirken. Außerdem können sich Interaktionen mit anderen Medikamenten ergeben, die dadurch wirkungslos werden könnten. |
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| | ==Gesetzliche Lage== | | ==Gesetzliche Lage== |
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| | <references/> | | <references/> |
| | [[category:Heilmittel in der Pseudomedizin]] | | [[category:Heilmittel in der Pseudomedizin]] |
| − | [[category:MMS]] | + | [[category:MMS und Chlordioxid]] |